Mostar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Stadt Mostar. Daneben gibt es noch den Schriftsteller Herrmann Mostar (1901-1973)
In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Geschichtliches fehlt vollkommen. Unbedingt nachtragen!

Du kannst Wikipedia helfen, indem du sie recherchierst und einfügst, aber kopiere bitte keine fremden Texte in diesen Artikel.

Mostar
Мостар

Wappen von Mostar

Mostar (Bosnien und Herzegowina)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Bosnien und Herzegowina
Entität: Föderation
Kanton: Herzegowina-Neretva
Koordinaten: 43° 20′ N, 17° 48′ O43.33333333333317.860Koordinaten: 43° 20′ 0″ N, 17° 48′ 0″ O
Höhe: 60 m. i. J.
Fläche: 1.175 km²
Einwohner: 113.169 (2013)
Bevölkerungsdichte: 96 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: +387 (0) 36
Postleitzahl: 88000
Struktur und Verwaltung
Bürgermeister: Ljubo Bešlić (HDZ BiH)
Webpräsenz:
Luftaufnahme von Mostar
Stari most – Bücke über die Neretva – Wahrzeichen der Stadt

Mostar (serbisch-kyrillisch Мостар) ist die größte Stadt der Herzegowina, des südlichen Teils von Bosnien-Herzegowina, sowie die sechstgrößte Stadt des Landes. Sie ist die Hauptstadt des Kantons Herzegowina-Neretva der Föderation Bosnien-Herzegowina und hat etwa 113.000 Einwohner, wovon etwa 75.000 Einwohner in der eigentlichen Stadt wohnen.

Verwaltungstechnisch bildete Mostar seit dem Bürgerkrieg zwei Städte: eine kroatische auf dem westlichen Ufer des Flusses Neretva und eine bosniakische auf dem östlichen Ufer. Im Januar 2004 wurde dieser Zustand allerdings aufgehoben und eine neue Regelung eingeführt, wonach die Stadt in sechs Stadtgemeinden eingeteilt ist, die zusammen eine Einheit darstellen.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Mostar liegt im Süden des Landes an der Neretva in einem Kessel. Der Berg Velež mit einer Höhe von knapp 2000 m liegt in unmittelbarer Nähe zu Mostar, das lediglich auf einer Höhe von 60 m über dem Meeresspiegel liegt.

Klima[Bearbeiten]

Die Kessellage der Stadt bringt es mit sich, dass im Sommer (Juli/August) hohe Temperaturen herrschen. Das Klima in Mostar ist mediterran und subtropisch geprägt. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 14,6 °C; der durchschnittliche jährliche Niederschlag beträgt 1515 mm. Damit ist Mostar die Stadt in Bosnien und Herzegowina mit den höchsten Temperaturen und dem meisten Niederschlag. Mit einer Sonnenscheindauer von durchschnittlich 2291 Stunden pro Jahr ist Mostar der sonnenscheinreichste Ort in Bosnien und Herzegowina. Mostar gehört zu den heissesten Städten Europas. Nicht selten klettern die Temperaturen in den Sommermonaten bis auf 46 °C.[1]


Monatliche Temperaturen und Niederschläge in Mostar
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 8,4 10,8 14,6 19,0 24,0 27,6 31,1 30,8 26,9 21,0 14,5 9,7 Ø 19,9
Min. Temperatur (°C) 1,9 3,2 5,4 8,4 12,5 15,8 18,6 18,4 15,3 11,2 6,7 3,3 Ø 10,1
Niederschlag (mm) 165 151 150 127 102 78 43 74 96 151 200 179 Σ 1.516
Regentage (d) 13 12 12 13 12 12 7 8 8 11 13 13 Σ 134
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
8,4
1,9
10,8
3,2
14,6
5,4
19,0
8,4
24,0
12,5
27,6
15,8
31,1
18,6
30,8
18,4
26,9
15,3
21,0
11,2
14,5
6,7
9,7
3,3
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
165
151
150
127
102
78
43
74
96
151
200
179
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: [2]

Geschichte[Bearbeiten]

Während des Bosnienkrieges kam es in Mostar zu Kämpfen zwischen Kroaten und Bosniaken. Dabei wurde die Stadt unter anderem durch Vertreibungen in einen kroatisch-westlichen, sowie in einen bosniakisch-östlichen Teil aufgeteilt. Während des Krieges wurde das Wahrzeichen Mostars, die Brücke Stari most, bei einem mehrstündigem Beschuss durch kroatische Streitkräfte gezielt zerstört.[3][4] Im Mai 2013 verurteilte der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien sechs Verantwortliche der Kroatischen Republik Herceg-Bosna unter anderem wegen der Zerstörung der Brücke erstinstanzlich zu mehrjährigen Haftstrafen. Nach dem Ende des Bürgerkrieges wurde die Brücke wieder aufgebaut und offiziell 2004 eröffnet.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Bewohner Mostars gehören verschiedenen Nationalitäten an. Die Volkszählung 1991 ergab folgende ethnische Zusammensetzung: Bosniaken: 34,85 %, Kroaten: 33,83 %, Serben: 18,97 %, Jugoslawen: 10,04 %. Außerdem lebten in der Stadt auch wenige Albaner und Türken.

Der Bosnienkrieg führte zu einer Segregation der Bevölkerung, so dass heute die kroatische Bevölkerung vorrangig westlich und die bosniakische Bevölkerung vorrangig östlich der Neretva lebt.

Verkehr[Bearbeiten]

Die erste Bahnstrecke durch Mostar war die von Österreich-Ungarn errichtete schmalspurige Narentabahn (760 mm Spurweite) von Metković nach Sarajevo. Sie wurde mit der Eröffnung der normalspurigen Neubaustrecke Sarajevo–Ploče im November 1966 stillgelegt. Diese wird derzeit von täglich je zwei Personenzugpaaren zwischen Sarajevo und Ploče bzw. Čapljina befahren. Der Bahnhof von Mostar liegt im Osten der Stadt.

An das Fernstraßennetz ist Mostar mit der Magistralstraße M-17 angebunden. Mit dem Flughafen Mostar verfügt die Stadt auch über einen internationalen Verkehrsflughafen, etwa sechs Kilometer südlich des Stadtzentrums gelegen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Franziskanerkloster
Altstadt
Luftaufnahme der Stari most und eines Teiles der Altstadt

Das Wahrzeichen Mostars ist die „Alte Brücke“ oder Stari most über die Neretva, die von 1556 bis 1566 vom osmanischen Architekten Mimar Hajrudin erbaut wurde. Der Stadtname kommt von den Brückenwächtern (bosnisch, serbisch, kroatisch: Mostar = Brückenwächter). Die „Alte Brücke“ wurde im Bosnienkrieg am 9. November 1993 durch massiven Beschuss von kroatischer Seite zerstört. Die Rekonstruktionsarbeiten begannen 1996 und wurden mit der feierlichen Wiedereröffnung am 23. Juli 2004 abgeschlossen. Die Brücke und die Altstadt wurden am 15. Juli 2005 in die Welterbe-Liste der UNESCO aufgenommen. Stari Most soll ein Symbol für das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Völker in Mostar und Bosnien-Herzegowina sein. In der Nähe der Brücke befindet sich die Karađozbeg-Moschee, die auch für Besucher zugänglich ist. Die Moschee mit Medresa (Koranschule) und Šadrvan (Brunnen) wurde 1557 erbaut und im Krieg in der Herzegowina schwer beschädigt, ist inzwischen aber restauriert.

Als sehenswürdig gilt ebenfalls eine christliche Basilika im Vorort Cim, die wahrscheinlich im 5. oder 6. Jahrhundert erbaut wurde. Im Juni 1992 wurde die serbisch-orthodoxe Kathedrale[5] der Heiligen Dreifaltigkeit (erbaut zwischen 1863 und 1873) in Brand gesetzt und gesprengt. Für sie laufen Wiederaufbauplanungen.[6]

Am 26. November 2005 wurde in Mostar an seinem 65. Geburtstag eine Statue von Bruce Lee enthüllt. Sie war auf Initiative der Mostarer Jugendgruppe „Städtische Bewegung Mostar“ mit finanzieller Unterstützung der deutschen Kulturstiftung des Bundes errichtet worden. Nach Aussage des Bewegungssprechers Nino Raspudić fiel die Wahl auf die verstorbene Kung-Fu-Legende, weil alle sich mit ihm identifizieren könnten. Mit der Statue soll ein Zeichen gegen die ethnische Zerrissenheit auf dem Balkan gesetzt werden.

Der Partisanenfriedhof erinnert an die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Partisanen.

Kultur[Bearbeiten]

Bedeutende Kulturinstitutionen in Mostar sind:

  • Kulturzentrum „Mostar“
  • Jugendkulturzentrum „Abrašević“
  • Musikzentrum „Pavarotti-Mostar“
  • Archiv von Herzegowina (heute Kantonales Archiv)
  • Museum von Herzegowina
  • Kinderbibliothek
  • Stadtbibliothek „Luka“
  • Nationaltheater Mostar (bosniakische Seite)
  • Kroatisches Nationaltheater in Mostar
  • das Haus von Aleksa Šantić

Friedenspreis von Mostar[Bearbeiten]

Panorama der Altstadt
Modernere Stadtteile

Seit 2004 wird jährlich von der 1990 mit dem Ziel der Verständigung zwischen den in Mostar lebenden Volksgruppen gegründeten Nichtregierungsorganisation Zentrum für Frieden und multiethnische Kooperation der Friedenspreis von Mostar vergeben. Er ist 30 cm hoch und besteht aus Gold, Silber und Edelstahl.[7]

Die bisherigen Preisträger sind:

Sport[Bearbeiten]

Blick von einem der umliegenden Hügel über das Stadtgebiet

Die beliebteste Sportart in Mostar ist Fußball. Der bekannteste Fußballclub ist der FK Velež, dessen Anhänger überwiegend Bosnische Muslime sind. 1992 wurde der von Kroaten dominierte Fußballclub HŠK Zrinjski wiedergegründet. Zwischen den Fans dieser beiden Mannschaften besteht eine Rivalität. Das Aufeinandertreffen dieser beiden Mannschaften wird auch als Mostar Derby bezeichnet. Velež war zweifacher Pokalsieger Jugoslawiens (1981 und 1986) und Zrinjski 2005 und 2009 Meister von Bosnien und Herzegowina. In Mostar kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Ausschreitungen zwischen Bosniern muslimischer und kroatischer Herkunft. Bei der Fußballeuropameisterschaft 2008, als Kroatien gegen die Türkei spielte, sorgten die Krawalle für besonderes Aufsehen.[8]

Der bekannteste Extremsport sind die Kunstsprünge von der Brücke Stari most in die Neretva. Diese finden jährlich Ende Juli unter dem Namen Ikari statt und ziehen zahlreiche Teilnehmer und Besucher auch aus den benachbarten Ländern an.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Mostar pflegt mit folgenden Städten Städtepartnerschaften:[9]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • David Jenning, Hans Koschnick, Jens Schneider, Uli Reinhardt: Brücke über die Neretva, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1995, ISBN 3-423-30496-0
  • Amir Pašić: A Short History of Mostar, In: Conservation and Revitalisation of Historic Mostar. Geneva 2004, The Aga Khan Trust for Culture online, PDF
  • Giovanni Scotto: Friedensbildung in Mostar. Die Rolle der internationalen Nicht-Regierungsorganisationen, Lit Verlag, Münster 2004, ISBN 3-8258-7852-X

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mostar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Mostar – Reiseführer

Quellen[Bearbeiten]

  1. Temperatures And Precipitations
  2. World Weather Information Service
  3. Anklageschrift des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien, 2. März 2004 (Anklagepunkte 116 und 118)
  4. Die Brücke von Mostar. Seite zu einer Fernsehdokumentation des ZDF (2003)
  5. Serbisch-Orthodoxe Kirche: Serbischer Orthodoxer Bischof von Herzegowina kehrt nach Mostar zurück 8. Mai 2007
  6. Radio Vatikan: Geld für orthodoxe Kathedrale 3. April 2008
  7. Seiten des Zentrums für Frieden und multiethnische Kooperation zur Verleihung des Friedenspreises von Mostar
  8. Ein Toter bei Ausschreitungen in Bosnien
  9. Website Mostar