Diptam

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Diptam
Dictamnus albus

Dictamnus albus

Systematik
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung: Seifenbaumartige (Sapindales)
Familie: Rautengewächse (Rutaceae)
Gattung: Diptam
Art: Diptam
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Dictamnus
L.
Wissenschaftlicher Name der Art
Dictamnus albus
L.
Diptam (Dictamnus albus), Blüte

Der Diptam (Dictamnus albus), auch Aschwurz oder Brennender Busch genannt, ist die einzige Art der monotypischen Gattung Dictamnus, er gehört zur Familie der Rautengewächse (Rutaceae). Diese Pflanzenart steht seit 1936 unter Naturschutz, denn sie kam schon damals nur vereinzelt in Mitteleuropa vor.

Beschreibung[Bearbeiten]

Diptam ist eine ausdauernde, krautige Pflanze mit kriechendem, weißlichem Rhizom, die eine Wuchshöhe von 60 bis 120 cm erreicht. Der unverzweigte Stängel ist aufrecht. Die Laubblätter sind einfach gefiedert mit 3 bis 5 Fiederpaaren und besitzen einen zitronenartigen Duft. Die länglich-eiförmigen Fiedern sind bis 8 cm lang.[1]

Die fünfzähligen, leicht zygomorphen Blüten stehen in Trauben und messen 4 bis 6 cm im Durchmesser. Die rosafarbenen, selten weißlichen Kronblätter besitzen eine dunkle Aderung; das nach unten zeigende Kronblatt ist etwas kleiner als die vier anderen, nach oben und seitwärts gerichteten. Die zehn Staubblätter sind nach oben gekrümmt. Die Frucht ist eine Kapsel.[1]

Die Blütezeit reicht von Mai bis Juni, die Fruchtreife liegt im Hochsommer.

Ökologie[Bearbeiten]

Der Diptam ist ein ausdauernder Hemikryptophyt und eine Schaftpflanze. Er bildet eine VA-Mykorrhiza aus.

Die Blüten sind vormännliche „Eigentliche Lippenblumen“. Ihre Dorsiventralität wird durch die Schwerkraft hervorgerufen; sie bewirkt, dass 4 Kronblätter nach oben weisen und das 5. die Unterlippe bildet. Die Staubfäden krümmen sich durch autonome Wachstumsbewegungen im oberen Teil der Blüte nach oben, so dass sie dem Blütenbesucher als Auffangstangen dienen können. Nach innen nimmt der Griffel dieselbe Stellung ein. Die Blüten duften stark durch purpurne, mehrzellige Drüsenhaare, die sich vor allem an den Staubfäden befinden. Der Nektar wird vom Blütenboden abgeschieden. Bestäuber sind große Hautflügler und andere Insekten.

Blütezeit ist von Mai bis Juni.

Der Duft des Diptam kann durch Mischung von Vanille- und Zitronenaroma nachgeahmt werden. Zur Reifezeit geben die Drüsen der Fruchtstände so viel ätherisches Öl ab, dass die Pflanze schon von weitem gerochen werden kann. Es entsteht dabei das brennbare Gas Isopren, das schwerer ist als Luft. An windstillen Tagen kann es durch eine Zündquelle unterhalb der Blütenrispe entzündet werden, worauf die Feuerfront schnell die Blütenrispe empor läuft und dann erlischt. Die Pflanze nimmt dabei keinen Schaden.[2] Das Gas kann sich an extrem heißen Tagen auch selbst entzünden. Erklärt wird dies durch die Brennglaswirkung bei Tröpfchenbildung. In der Dämmerung kann man bei Windstille und großer Hitze an der Pflanze kleine blaue Flammen sehen. Aufgrund dieses Phänomens wird angenommen, dass Diptam der „Brennende Busch“ in der Bibel sei. Allerdings weist diese Pflanzenart keine Dornen oder Stacheln auf und kommt im Heiligen Land nicht vor.

Die 5 Fruchtblätter sind nur an der Basis miteinander verwachsen. Bei der Reife entsteht eine Spaltkapsel, die an sternförmig angeordnete Balgfrüchte erinnert. Sie wirkt als Austrocknungsstreuer und als Schleuderfrucht: Bei der Reife lösen sich zuerst Exo- und Mesokarp, danach öffnet sich das Endokarp explosionsartig uns streut die Samen bis über 50 cm weit aus; daneben wirken die Früchte als Wind- und Tierstreuer. Die Samen sind Dunkel- und Kaltkeimer.

Die Fruchtreife liegt im Hochsommer.

Die Art ist sehr ausbreitungsfreudig; dies geschieht auf kurzen Strecken mittels der Rhizome und zahlreicher Wurzelsprosse, auf größere Distanzen durch die gut keimenden Samen.

Taxonomie und Etymologie[Bearbeiten]

Der Diptam wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum erstveröffentlicht.[3] Ein wichtiges Synonym ist Dictamnus fraxinella Pers.

Der Gattungsname Dictamnus wurde im Mittelalter vom Diptam-Dost oder Kretischen Diktam (Origanum dictamnus), der zur Pflanzenfamilie der Lippenblütler gehört, vor dem Hintergrund des bei beiden Pflanzen starken aromatischen Duftes und der als vergleichbar eingeschätzten Heilwirkung auf den Diptam übertragen.[4]

Der wissenschaftliche Artname albus („weiß“) bezieht sich auf die weißlichen, kriechenden Rhizome.

Verbreitung[Bearbeiten]

Der Diptam ist im nördlichen Mittelmeergebiet, in Südosteuropa und im südlichen und zentralen Mitteleuropa beheimatet.

Er wächst bevorzugt in den Lichtungen wärmeliebender Trockenwälder und Gebüsche, besonders aber an Waldsäumen im Übergang zu Trockenrasen und schätzt trockene, kalkhaltige und stickstoffarme Böden in halbschattiger Lage.

In Deutschland gilt der Diptam bundesweit ebenso wie auf Landesebene in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt als „gefährdet“, in Hessen als „stark gefährdet“ und in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen/Bremen als „ausgestorben“. Nach der Bundesartenschutzverordnung ist er „besonders geschützt“. Das Sammeln von Pflanzen oder Pflanzenteilen ist verboten.[1]

In Österreich tritt der Diptam nur im pannonischen Gebiet in den Bundesländern Burgenland, Wien und Niederösterreich zerstreut bis selten auf und gilt als gefährdet.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Die Pflanze enthält in ätherischen Ölen gelöst hautreizende Furanocumarine wie Bergapten, Xanthotoxin und Psoralen sowie Furochinolinalkaloide; Thymolmethyläther, Pinen, Anethol, Estragol, Myrcen, Limonen, Cineal, Alkaloide wie Skimmianin, Fagrain und Dictamin, außerdem Saponine, Bitterstoffe, Anthocyane und Flavonglykoside.

Die vor allem in der drüsigen Beborstung enthaltenen Furanocumarine (i. W. Bergapten) sind phototoxische Stoffe, die bei Berührung mit der Haut, diese gegen Sonnenlicht sensibilisieren und bei nachfolgender Besonnung zu schweren, oft langwierigen verbrennungsartigen Verletzungen führen können.

Verwendung[Bearbeiten]

Gartenpflanze[Bearbeiten]

Da der Diptam im Altertum als Heilpflanze angesehen wurde und im blühenden Zustand dekorativ ist, hat man sehr frühzeitig mit seiner Kultivierung im Garten begonnen. In der Renaissance war er bereits eine verbreitete Gartenpflanze. Heute ist er in Gärten eher selten zu finden, was auf seine spezifischen Standortansprüche und seine Giftigkeit zurückzuführen ist.

Heilpflanze[Bearbeiten]

Der Diptam wird heute wegen seiner teilweise giftigen Inhaltsstoffe nicht mehr als Heilpflanze eingesetzt, zumal sich für die früher geschilderten Wirksamkeiten keine Belege gefunden haben.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Lutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen Pflanzengifte. 6. überarbeitete Auflage. Nikol-Verlag, 2012, ISBN 978-3-86820-009-6, S. 271–272, S. 1060.
  • Anneliese Ott: Haut und Pflanzen. Allergien, phototoxische Reaktionen und andere Schadwirkungen. Fischer, Stuttgart 1991, ISBN 3-437-00634-7, S. 79 oben: Foto einer weiß blühenden Pflanze und S. 82.
  • Dietmar Aichele: Was blüht denn da? Wildwachsende Blütenpflanzen Mitteleuropas (Kosmos-Naturführer). 49. Auflage. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1986, ISBN 3-440-05615-5, S. 264.
  • Peter Schönfelder, Ingrid Schönfelder: Der Kosmos-Heilpflanzenführer. Europäische Heil- und Giftpflanzen. Mit Zusatzkapitel: Heilpflanzen anwenden (= Kosmos-Naturführer). 4. Auflage. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1988, ISBN 3-440-05854-9, S. 18, 170.
  •  Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3. verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9.
  •  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  • Ingrid Schönfelder, Peter Schönfelder: Das neue Buch der Heilpflanzen. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-440-12932-6.
  • Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas. 2. überarbeitete Auflage. Band 3, Franckh-Kosmos, 1994, 2000, ISBN 3-440-08048-X.
  • Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 4: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Rosidae): Haloragaceae bis Apiaceae. Eugen Ulmer, Stuttgart 1992, ISBN 3-8001-3315-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Diptam. In: FloraWeb.de.
  2.  Fleisher: Study of Dictamnus gymnostylis. Volatiles and Plausible Explanation of the "Burning Bush" Phenomenon. In: Journal of Essential Oil Research (JEOR). 16, Nr. 1 (Jan/Feb), 2004, S. 1–3, doi:10.1080/10412905.2004.9698634.
  3. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Impensis Laurentii Salvii, Holmiae 1753, S. 383, Digitalisat
  4.  Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3. Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7, S. 207 (Nachdruck von 1996, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Diptam – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

DiptamDiptam. In: FloraWeb.de.