Edmond Privat

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Edmond Privat (um 1950)

Edmond Théophile Privat (* 17. August 1889 in Genf; † 28. August 1962 in Rolle VD) war ein Schweizer Journalist, Historiker, seit 1934 Professor der englischen Sprache im Tessin, von 1945 bis zu seiner Verabschiedung 1959 Professor für angelsächsische Sprache und Literatur an der Universität Neuenburg.

Der Pazifist Privat war befreundet mit Romain Rolland und Mahatma Gandhi, den er 1932 auf eine Reise nach Indien begleitete. In Polen ist er u. a. wegen seiner Dissertation von 1918 bekannt, die sich mit der polnischen Unabhängigkeitsbewegung beschäftigte.

Von 1924 bis 1928 war Privat Vorsitzender des Esperanto-Weltbundes. Neben anderen Funktionen in der Esperanto-Bewegung redigierte er von 1920 bis 1934 die Zeitschrift Esperanto.

Nachdem sich Privat mehrere Jahrzehnte lang vor allem in der Esperanto-Bewegung engagierte, setzte er sich seit 1931/1932 verstärkt auch außerhalb dieser Bewegung für politische und religiöse Ziele ein. Er war Mitglied der Sozialistischen Partei der Schweiz. Als solches schrieb er Artikel für die Tageszeitung La Sentinelle. 1936 wurde er Quäker.

Privat war Weltföderalist. Unter dem Eindruck der beiden Weltkriege sprach er von der "Gefährlichkeit der nationalen Souveränität".[1] Gegen Ende seines Lebens betonte er in seiner Autobiographie, dass von den vielen Utopien, für die er gekämpft hat, nur zwei unverwirklicht blieben, und zwar "die allgemeine Einführung einer Weltsprache und die Schaffung einer echten föderalen Weltregierung".[2]

Werke[Bearbeiten]

Das Internationale Esperanto-Museum (Wien) listet in seinem Katalog über achtzig Publikationen von Privat auf. Hierunter fallen Lehrbücher wie Esperanto in fifty lessons (2. Auflage. Revell, New York City 1908) und Esperanto: langue auxiliaire internationale (Atar, Genf c1930). Als Historiker schrieb Privat etwa die Biografie Vivo de Zamenhof von Ludwig Zamenhof (Brita Esperanto-Asocio, London 1920; Hirt, Leipzig 1923; u. a.), die auch auf Englisch (1931), niederländisch (1934) und polnisch (1957) übersetzt wurde. In Historio de la lingvo Esperanto stellt er die Geschichte des Esperantos in zwei Bänden dar, von den Anfängen 1887 bis 1900 (Universala Esperanto-Asocio, Genf 1912; Hirt, Leipzig 1923) sowie von 1900 bis 1927 (Hirt, Leipzig 1927). Im Jahr 1958 veröffentlichte er eine Biografie von Gandhi, Vie de Gandhi (Denoël, Paris 1958).

Literatur[Bearbeiten]

  • Mohammad Farrokh: La pensée et l'action d'Edmont Privat: (1889–1962): contribution à l’histoire des idées politiques en Suisse. Peter Lang, Bern/Berlin u. a. 1991, ISBN 3-261-04332-6 (zugleich Dissertation an der Universität Genf)
  • Pranab Chandra Roy Choudhury: Edmond Privat, a forgotten friend of India. Navajivan Pub. House, Ahmedabad 1976
  • Edmond Privat, 1889–1962. In: Revue neuchâteloise, Nr. 43/44, Neuchâtel 1968, ISSN 0035-3779

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Edmond Privat, Federala Sperto, Den Haag 1958, S. 9
  2. Edmond Privat, Aventuroj de Pioniro, La Laguna 1962, S. 124