Eggenwil

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Eggenwil
Wappen von Eggenwil
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Bremgarten
BFS-Nr.: 4066i1f3f4
Postleitzahl: 5445
Koordinaten: 668101 / 24705747.3708318.340278383Koordinaten: 47° 22′ 15″ N, 8° 20′ 25″ O; CH1903: 668101 / 247057
Höhe: 383 m ü. M.
Fläche: 2.46 km²
Einwohner: 912 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 371 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 17,8 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.eggenwil.ch
Kirche von Eggenwil

Kirche von Eggenwil

Karte
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Eggenwil (schweizerdeutsch: ˌɛgəˈʋiːl)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Bremgarten im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im Reusstal unmittelbar nördlich des Bezirkshauptorts.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt zwischen dem Ostufer der Reuss und dem gleichmässig abfallenden, teilweise terrassenförmigen Westabhang des Heitersbergs. Ein Geländevorsprung ragt in die flache Reussebene hinein, auf dem sich das Dorfzentrum befindet. Die Reuss, welche die westliche Gemeindegrenze bildet, mäandriert bei Eggenwil sehr stark, die Halbinsel Foort wird auf drei Seiten durch den Fluss begrenzt. Am Hang oberhalb des Dorfes liegen die Hofsiedlungen Hohfoor (485 m ü. M.), Ibisguet (465 m ü. M.) und Wissli (524 m ü. M.).[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 246 Hektaren, davon sind 71 Hektaren mit Wald bedeckt und 34 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 555 Metern oberhalb des Hofes Wissli, der tiefste auf 357 Metern an der Reuss.

Nachbargemeinden sind Künten im Norden, Bellikon im Nordosten, Widen im Osten, Bremgarten im Süden und Fischbach-Göslikon im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung von Egenwilare erfolgte im Jahr 1160 in den Acta Murensia. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Egininwilari und bedeutet «Hofsiedlung des Egino».[3] Das Dorf lag im Mittelalter im Herrschaftsbereich der Habsburger, die die hohe Gerichtsbarkeit ausübten. Die niedere Gerichtsbarkeit schenkten sie dem Kloster Hermetschwil.

Nach der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen im Jahr 1415 kam Eggenwil zum Amt Hermetschwil (auch Krummamt genannt) in den Freien Ämtern. Der Dorfteil oberhalb der Landstrasse wurde jedoch dem Amt Rohrdorf in der Grafschaft Baden zugeteilt. 1529 traten die Einwohner zur Reformation über, mussten aber 1531 nach der Niederlage der reformierten Orte im Zweiten Kappelerkrieg wieder zum alten Glauben zurückkehren. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Das Dorf wurde wiedervereinigt und bildete zusammen mit Widen eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden. Nach der Gründung des Kantons Aargau im Jahr 1803 erfolgte die Trennung von Widen, bei der Grenzbereinigung gelangten einige Höfe zu Eggenwil.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Weinbau sehr bedeutend und das Dorf gelangte zu Wohlstand. Die Reblaus-Epidemie beendete die wirtschaftliche Blütezeit jäh. In der Folge verarmten viele Bewohner und mussten auswandern. Die Bevölkerungszahl sank um einen Drittel und konnte erst in den 1920er Jahren stabilisiert werden. 1960 erreichte sie wieder den Stand von 1850. Seither hat sie sich aber mehr als verdoppelt, da das Dorf von immer mehr Menschen als attraktive Wohngemeinde am Rande der Agglomeration der Stadt Zürich entdeckt wurde.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Restaurant Sternen

Die Pfarrkirche St. Laurentius existiert seit mindestens Mitte des 12. Jahrhunderts und gehört somit zu den ältesten des Aargaus. 1869 verhinderte die Kantonsregierung, die damals im Besitz der Kollatur war, den Bau einer neuen Kirche und setzte stattdessen die Errichtung eines Schulhausneubaus durch. Aus diesem Grund unterzog man die bis heute erhalten gebliebene Kirche in den Jahren 1871/74 einer vollständigen Renovation. Sie erhebt sich auf einer steilen Hügelkuppe über dem Dorf und bildet mit Pfarrhof und Waschhaus eine geschlossene Gruppe. Der polygonale Chor stammt aus dem Jahr 1683, der Kirchturm ist mittelalterlichen Ursprungs.[5]

Das an der Hauptstrasse von Bremgarten nach Baden gelegene, bereits seit Längerem nicht mehr in Betrieb befindliche Restaurant Sternen beherrscht das Dorfbild. Es wurde Anfang des 19. Jahrhunderts im neoklassizistischen Stil über einem alten Weinkeller des Klosters Muri errichtet.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Rot eine bis in den Schildfuss reichende gezinnte und schwarz gefugte weisse Mauer, überhöht von sechsstrahligem gelben Stern.» Erst 1942 führte die Gemeindeversammlung das Wappen ein. Die Mauer nimmt Bezug auf das Kloster Muri. Da der gelbe Stern in der Folge uneinheitlich gezeichnet worden war, legte der Gemeinderat 1993 die Zahl der Strahlen auf sechs fest.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 281 219 246 270 291 376 417 586 669 893

Am 31. Dezember 2013 lebten 912 Menschen in Eggenwil, der Ausländeranteil betrug 17,8 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 43,2 % römisch-katholisch und 37,2 % reformiert; 2,2 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 94,8 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, je 1,0 % Französisch und Portugiesisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre, und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Bremgarten zuständig. Eggenwil gehört zum Friedensrichterkreis Bremgarten.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Eggenwil gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 120 Arbeitsplätze, davon 23 % in der Landwirtschaft, 3 % in der Industrie und 74 % im Dienstleistungssektor.[10] Von grosser Bedeutung ist der Gemüseanbau in der Reussebene. Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in Bremgarten oder den Agglomerationen von Baden und Zürich.

Verkehr[Bearbeiten]

Durch Eggenwil verläuft die wichtige Hauptstrasse von Baden nach Bremgarten. Zwischen diesen beiden Orten verkehrt auch eine Postautolinie. Der Autobahnanschluss der A1 bei Dättwil liegt etwas mehr als zehn Kilometer nördlich.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Sämtliche Oberstufen der obligatorischen Volksschule (Realschule, Sekundarschule, Bezirksschule) können im benachbarten Bremgarten besucht werden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Wohlen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eggenwil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 137–138.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1090, Swisstopo
  5.  Peter Felder, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band IV: Bezirk Bremgarten, Birkhäuser Verlag, Basel 1967, ISBN 3-90613-107-6, S. 189–194.
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 146.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.