Zufikon

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Zufikon
Wappen von Zufikon
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Bremgarten
BFS-Nr.: 4083i1f3f4
Postleitzahl: 5621
Koordinaten: 669604 / 24414047.3444398.359723405Koordinaten: 47° 20′ 40″ N, 8° 21′ 35″ O; CH1903: 669604 / 244140
Höhe: 405 m ü. M.
Fläche: 4.80 km²
Einwohner: 4343 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 905 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 19,4 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.zufikon.ch
Dorf mit Kirche

Dorf mit Kirche

Karte
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Zufikon (schweizerdeutsch: ˈtsufikχə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Bremgarten im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt unmittelbar östlich des Bezirkshauptorts Bremgarten im Reusstal.

Geographie[Bearbeiten]

Das historische Dorfzentrum besteht aus dem Oberdorf und dem etwa 300 Meter entfernten Unterdorf. Beide liegen auf einer Höhe von rund 405 Metern am Rande der flachen Ebene östlich der Reuss. Die westliche Gemeindegrenze folgt im Wesentlichen dem Fluss, ausser beim Zopfhau, wo sie quer über diese Halbinsel verläuft. Ganz im Süden erhebt sich am Fluss der bewaldete Hügel Buechholderen (420 m ü. M.), im Südosten der Nüeschwaldhügel (435 m ü. M.). Gegen Osten steigt das Gelände steil zur Hochebene des Holzbirrlibergs an, gegen Nordosten zum Mutschellenpass (551 m ü. M.). Der Südwesthang des Mutschellen wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts praktisch lückenlos mit Einfamilienhäusern überbaut. Aus diesem Grund ist Zufikon nicht nur mit Bremgarten zusammengewachsen, sondern auch mit Widen und Berikon.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 480 Hektaren, davon sind 125 Hektaren mit Wald bedeckt und 117 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf einer Höhe von 542 Metern unterhalb des Mutschellen, der tiefste auf 373 Metern an der Reuss.

Nachbargemeinden sind Widen im Norden, Berikon im Osten, Oberwil-Lieli im Südosten, Unterlunkhofen im Süden und Bremgarten im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Ein Einzelfund weist auf eine Besiedlung in der Bronzezeit hin. Die erste urkundliche Erwähnung von Zuffinchofa erfolgte im Jahr 1150. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Uffinghofun und bedeutet «bei den Höfen der Sippe des Uffo».[3] Nach 1200 geriet Zufikon unter die Herrschaft der Grafen von Habsburg-Laufenburg, einer Seitenlinie der Habsburger. Die Vogtei gelangte 1318 in den Besitz der Ritter von Schönenwerd, auf diese folgten die Herren von Seengen. Beide waren Dienstleute der Habsburger und übten die niedere Gerichtsbarkeit aus, während die hohe Gerichtsbarkeit den Habsburgern vorbehalten blieb.

Bedeutendste Grundbesitzer im Mittelalter waren die Klöster Sankt Blasien und Muri. Im 14. und 15. Jahrhundert konnte Bremgarten immer mehr Güter und Grundrechte erwerben, entweder direkt oder durch Stadtbürger. 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau. Während der Dorfteil nördlich der Kirchturms ein Teil des Amtes Rohrdorf der Grafschaft Baden war und von den Eidgenossen gemeinsam verwaltet wurde, gehörte der südliche Teil zum Kelleramt und stand somit unter der alleinigen Herrschaft der Stadt Zürich.

1450 erwarb Bremgarten die niedere Gerichtsbarkeit über Zufikon sowie den Kirchensatz und die Zehnten von Korn und Wein. Die Bevölkerung trat 1529 zur protestantischen Konfession über, wurde aber 1531 nach dem Zweiten Kappelerkrieg rekatholisiert. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Die wiedervereinigten Dorfteile bildeten eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden, seit 1803 gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau.

1893/94 errichtete die Zürcher Firma Escher-Wyss an der Reuss bei Zufikon das erste Drehstrom-Wasserkraftwerk Europas. Es wurde 1975 abgerissen und durch eine modernere Anlage ersetzt. Am 1. Mai 1902 erhielt Zufikon mit der Eröffnung der Bremgarten-Dietikon-Bahn einen Anschluss ans Eisenbahnnetz. Ab etwa 1960 setzte ein Bauboom ein, bei dem der ganze, einst mit Reben bepflanzte Südwesthang des Mutschellen überbaut wurde. Die Einwohnerzahl stieg innerhalb von vierzig Jahren um das Vierfache.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Pfarrkirche St. Martin

Die Geschichte der katholischen Pfarrkirche St. Martin reicht mindestens bis 1275 zurück, dem Jahr ihrer ersten urkundlichen Erwähnung. Das baufällig gewordene Gebäude wurde 1865/68 durch eine von Kantonsbaumeister Carl Rothpletz entworfene, neuromanische Saalkirche ersetzt. Der aus dem Mittelalter stammende Kirchturm blieb bestehen. Das Innere des Gebäudes ist spätklassizistisch geprägt.[5]

Nahe dem Flussufer beim Kraftwerk steht die Emauskapelle. Sie wurde zwischen 1552 und 1556 errichtet, am Standort einer früheren Einsiedelei. Sehenswert sind darin insbesondere drei gemalte barocke Bilderzyklen. Sie stellen Antonius den Grossen, Antonius von Padua und Niklaus von Flüe dar.[5]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Unter rotem Schildhaupt in Weiss schwarzer Pfahl, beseitet von zwei gestürzten blauen Schlüsseln mit zugekehrtem Bart.» Seit 1915 gab es ein inoffizielles Wappen, welches in Weiss einen roten Grenzstein zeigte. Der Gemeinderat wollte 1949 jedoch nicht das Trennende, sondern das Verbindende symbolisieren. Aus diesem Grund wurden die Symbole der Grafschaft Baden (Schildhaupt mit Pfahl) und des Kelleramts (Schlüssel) in einem Wappenbild vereinigt.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 589 604 731 774 925 1405 2613 3516 3488 4140

Am 31. Dezember 2013 lebten 4343 Menschen in Zufikon, der Ausländeranteil betrug 19,4 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 51,8 % römisch-katholisch, 28,9 % reformiert und 4.3 % moslemisch; 1,9 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 90,1 % bezeichneten Deutsch als Hauptsprache, 2,2 % Italienisch, 1,5 % Türkisch, 1,1 % Serbokroatisch, 0,9 % Albanisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Bremgarten zuständig. Zufikon gehört zum Friedensrichterkreis Bremgarten.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Zufikon gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 750 Arbeitsplätze, davon 4 % in der Landwirtschaft, 22 % in der Industrie und 74 % im Dienstleistungssektor.[10] Sämtliche der rund 150 Betriebe sind kleine und mittlere Unternehmen. Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten im benachbarten Bremgarten oder in der Stadt Zürich und deren Agglomeration.

Verkehr[Bearbeiten]

Der nördliche, am Hang liegende Ortsteil wird durch die Bremgarten-Dietikon-Bahn erschlossen. Auf dem Gemeindegebiet liegen die vier Haltestellen Zufikon, Hammergut, Heinrüti und Belvédère. Der flache Teil des Dorfes am Fuss des Hügels liegt nahe dem Bahnhof Bremgarten und wird auch durch die Postautolinie Bremgarten - Jonen sowie den Ortsbus Zufikon erschlossen.

Bildung[Bearbeiten]

In Zufikon werden in drei Schulhäusern die Primarschule, die Realschule und die Sekundarschule untergebracht. Die Bezirksschule kann im benachbarten Bremgarten besucht werden, die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Wohlen.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Hans Bürgisser, Ortsbürgergemeinde Zufikon (Hrsg.): Chronik der Gemeinde Zufikon. Zufikon 1986.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zufikon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 489–490.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1090, Swisstopo
  5. a b  Peter Felder, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band IV: Bezirk Bremgarten, Birkhäuser Verlag, Basel 1967, ISBN 3-90613-107-6, S. 431–442.
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 328.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.