Berikon

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Berikon
Wappen von Berikon
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Bremgarten
BFS-Nr.: 4062i1f3f4
Postleitzahl: 8965
Koordinaten: 670643 / 24507947.3527748.373619554Koordinaten: 47° 21′ 10″ N, 8° 22′ 25″ O; CH1903: 670643 / 245079
Höhe: 554 m ü. M.
Fläche: 5.38 km²
Einwohner: 4494 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 835 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 16,1 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.berikon.ch
Berikon

Berikon

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Berikon (in einheimischer Mundart: [ˈb̥ɛɾkχə])[3][4] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Bremgarten im Schweizer Kanton Aargau. Es liegt unmittelbar südlich der Mutschellen-Passhöhe an der Grenze zum Kanton Zürich.

Geographie[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet von Berikon dehnt sich vom Mutschellenpass am Fusse des Hasenbergs in südöstlicher Richtung auf dem Höhenzug Holzbirrliberg über dem Reusstal aus. Das rund zwei Kilometer lange Dorf besteht (von Nordwesten nach Südosten) aus den Ortsteilen Mutschellen, Unterberikon und Oberberikon, die in den letzten Jahrzehnten zusammengewachsen sind, aber auch mit den Nachbargemeinden Rudolfstetten-Friedlisberg, Widen und Zufikon. In Oberberikon entspringt der Rummelbach, der nach drei Kilometern auf dem Gemeindegebiet von Dietikon in die Reppisch mündet.[5]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 538 Hektaren, davon sind 173 Hektaren mit Wald bedeckt und 119 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 670 Metern im Gebiet Allmend an der östlichen Gemeindegrenze, der tiefste auf 522 Metern in der Schlossmatt an der südlichen Gemeindegrenze.

Nachbargemeinden sind Rudolfstetten-Friedlisberg im Norden, Birmensdorf im Osten, Oberwil-Lieli im Süden, Zufikon im Westen und Widen im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Einzelne Funde weisen auf eine Besiedlung während der Jungsteinzeit hin. Berikon ist um die Mitte des 12. Jahrhunderts mehrfach als Percheim/Bercheim urkundlich bezeugt. Der Ortsname stammt wohl vom althochdeutschen *bërg-heim und bezeichnet den Ort als erhöht liegende Wohnstätte. Er wandelte sich im Laufe der Zeit über Berchein und Berkein zu im 14. Jahrhundert belegtem Berken und erscheint 1675 schließlich als Berekhen.[3][4]

Das Dorf diente im Mittelalter als Gerichtsstätte der Habsburger im Freiamt Affoltern, der Galgen stand im Gebiet Mattenhof. Im 14. Jahrhundert war Berikon ein Lehen der Grafen von Habsburg-Laufenburg, die es an die Herren von Schönenwerd bei Dietikon weiterverliehen. 1374 erwarb die Stadt Bremgarten die niedere Gerichtsbarkeit und richtete eine Untervogtei ein, die bis 1798 Bestand hatte.

Bei der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen im Jahre 1415 kam Berikon zunächst unter die Landesherrschaft der Stadt Zürich und wurde dann 1471 geteilt. Oberberikon gelangte zum Kelleramt, während Unterberikon dem Amt Rohrdorf der Grafschaft Baden zugeteilt wurde. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Beide Gemeinden gelangten zum kurzlebigen Kanton Baden. Bei der Gründung des Kantons Aargau im Jahr 1803 wurden die Einwohnergemeinden wiedervereinigt, die Trennung in zwei Ortsbürgergemeinden hatte jedoch bis 1906 Bestand.

Am 1. Mai 1902 erhielt Berikon nach der Eröffnung der Bremgarten-Dietikon-Bahn mit einer Haltestelle auf dem Mutschellen Anschluss ans Eisenbahnnetz. Bis Ende der 1950er Jahre blieb Berikon ein bescheidenes Bauerndorf mit nur leicht ansteigender Bevölkerungszahl. Doch dann setzte, begünstigt durch die Nähe zu Zürich, ein beispielloser Bauboom ein. Zwischen 1960 und heute vervierfachte sich die Einwohnerzahl. Berikon wuchs mit den Nachbargemeinden zusammen und ist heute Teil der Agglomeration Zürichs.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirche St. Mauritius

Eine dem Heiligen Mauritius geweihte Kapelle bestand seit mindestens 1420. Bis 1860 gehörte Berikon zur Pfarrei Oberwil. Südlich der alten Kapelle entstand ab 1856 nach Plänen von Joseph Caspar Jeuch die Pfarrkirche St. Mauritius. Die Einweihung dieser Saalkirche im neugotischen Stil erfolgte 1862. Wegen Einsturzgefahr musste der Glockenturm 1903/04 vollständig renoviert werden, gleichzeitig verlängerte man das Kirchenschiff und baute Chor und Sakristei neu.[6][7] Im Gebiet Gunzenbühl ist ein Geologielehrpfad zu finden.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Weiss gestieltes grünes Kleeblatt.» Dieses Wappen erschien erstmals 1811 auf dem amtlichen Gemeindesiegel. Gemäss einem Bericht aus dem Jahr 1872 soll sich das Kleeblatt auf drei Höfe beziehen, die sich zusammenschlossen und so den Grundstein zur heutigen Gemeinde legten.[8]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[9]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 549 701 767 900 1156 1593 2314 3765 4358 4571

Am 31. Dezember 2013 lebten 4494 Menschen in Berikon, der Ausländeranteil betrug 16,1 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 46,6 % römisch-katholisch, 35,4 % reformiert und 1.8 % muslimisch; 1,4 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[10] 92,6 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 1,6 % Italienisch, 1,0 % Französisch, 0,7 % Albanisch, je 0,6 % Englisch und Spanisch.[11]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Bremgarten zuständig. Berikon gehört zum Friedensrichterkreis Bremgarten.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Etwas mehr als 250 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bieten in Berikon gemäss Betriebszählung 2008 rund 1200 Arbeitsplätze an, davon 4 % in der Landwirtschaft, 12 % in der Industrie und 84 % im Dienstleistungssektor.[12] Die Mehrheit der erwerbstätigen Bevölkerung arbeitet allerdings in der Stadt Zürich oder im nahe gelegenen Limmattal.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Station Berikon-Widen der Bremgarten-Dietikon-Bahn liegt auf der Mutschellen-Passhöhe. Von dort aus verkehren Postautos nach Baden und Zürich-Wiedikon, ferner ein BDWM-Schnellbus von Oberrohrdorf über Berikon und den Uetlibergtunnel zum Bahnhof Zürich-Enge. Die Hauptstrasse 1 (Wohlen–Bremgarten–Dietikon), die über den Mutschellen führt, ist eine der wichtigsten Hauptstrassen der Schweiz. Die Westumfahrung Zürich der Autobahn A4 wurde im Sommer 2009 eröffnet, der Anschluss bei Birmensdorf ist rund 3 km entfernt. Dem zunehmenden Verkehr durch Berikon versucht man mit flankierenden Massnahmen wie zum Beispiel den Ausbau der Sädelstrasse (Bremgarten–Oberwil) entgegenzutreten.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über vier Kindergärten und drei Schulhäuser, in denen sämtliche Stufen der obligatorischen Volksschule unterrichtet werden (Primarschule, Realschule, Sekundarschule, Bezirksschule). Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Wohlen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Rainer Huber (* 1948), Aargauer Regierungsrat, Gemeindeammann während 15 Jahren, Ehrenbürger

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berikon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Sicht auf Berikon und die Alpen bei Föhn (Dezember 2004)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. Historische Quellen und sprachwissenschaftliche Deutungen. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Jahresschrift der Historischen Gesellschaft des Kantons Aargau. Band 100/II, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 82f. Angegebene Lautschrift: bę́rkxə.
  4. a b Gabrielle Schmid: Berikon AG (Bremgarten) in: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, p. 141. Angegebene Lautschrift: [ˈbɛrkχə].
  5. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1090, Swisstopo
  6.  Peter Felder, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band IV: Bezirk Bremgarten, Birkhäuser Verlag, Basel 1967, ISBN ISBN 3-906131-07-6, S. 6–7.
  7. Pfarrei St. Mauritius Berikon
  8.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 116.
  9. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  10. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  11. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  12. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.