Unterlunkhofen

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Unterlunkhofen
Wappen von Unterlunkhofen
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Bremgarten
BFS-Nr.: 4079i1f3f4
Postleitzahl: 8918
Koordinaten: 671313 / 24169047.3222228.381947401Koordinaten: 47° 19′ 20″ N, 8° 22′ 55″ O; CH1903: 671313 / 241690
Höhe: 401 m ü. M.
Fläche: 4.49 km²
Einwohner: 1242 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 277 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 9,6 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.unterlunkhofen.ch
Dorfzentrum von Unterlunkhofen

Dorfzentrum von Unterlunkhofen

Karte
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Unterlunkhofen (schweizerdeutsch: ˈundərluŋkˌχɔfə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Bremgarten des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt im Reusstal.

Geographie[Bearbeiten]

Das lang gestreckte Gemeindegebiet liegt zwischen der Reuss (die hier in nordwestlicher Richtung fliesst) und dem südwestlichen Abhang des Holzbirrlibergs. Das Dorfzentrum liegt dabei fast an der südlichen Grenze, etwa einen halben Kilometer nördlich davon liegt der Weiler Huserhof (425 m ü. M.). Etwa anderthalb Kilometer nordwestlich befindet sich der Weiler Geisshof (381 m ü. M.), der Weiler Berghof (518 m ü. M.) liegt einen Kilometer östlich. Die Reuss, welche die westliche Gemeindegrenze bildet, ist in diesem Bereich ein beinahe stehendes Gewässer, da sie weiter nördlich beim Kraftwerk Zufikon gestaut wird. Auf dem Gebiet von Unterlunkhofen liegt der ein Kilometer lange und bis zu 300 Meter breite Flachsee. Er wurde in den 1970er Jahren künstlich geschaffen, ist ein idealer Lebensraum für bedrohte Vogel- und Amphibienarten und steht unter Naturschutz. Rund um den See, der fünf Inseln aufweist, erstrecken sich Schilfgürtel und Sümpfe.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 449 Hektaren, davon sind 116 Hektaren mit Wald bedeckt und 44 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 582 Metern im Gebiet Bärhau nordöstlich des Dorfes, der tiefste auf 380 Metern an der Reuss.

Nachbargemeinden sind Oberwil-Lieli im Norden, Arni im Osten, Oberlunkhofen im Süden, Rottenschwil im Westen sowie Bremgarten und Zufikon im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gegend um den Weiler Geisshof war bereits während der Jungsteinzeit besiedelt. Im Bärhau, einem rund anderthalb Kilometer östlich des Dorfes gelegenen Waldstück, befindet sich der grösste Friedhof der frühen Eisenzeit, der bis jetzt in der Schweiz entdeckt wurde. Die aus der Hallstatt-Periode (ca. 7. Jahrhundert v. Chr.) stammende Nekropole umfasst 63 Grabhügel. Diese wurden erst Ende des 19. Jahrhunderts genauer erforscht, dabei fand man diverse Grabbeigaben. Der grösste Hügel, auf dem drei Menhire stehen, ist etwa vier Meter hoch und besitzt einen Durchmesser von 30 Metern.[5]

Keltengrab Nr. 38 im Bärhau
Flachsee zwischen Unterlunkhofen und Rottenschwil

Im Gebiet Lunkhoferacker fand ein Bauer im Jahr 1890 zwei bestens erhaltene römische Mosaikfussböden. Mit finanzieller Unterstützung der Kantonsregierung wurden sie untersucht und gehoben. Die übrigen Teile des Gutshofes bis heute nicht untersucht worden, mit Ausnahme einzelner Sondierbohrungen. Die Mosaiken stellen Meerestiere und quadratische Muster dar, sie sind heute im Historischen Museum im Landvogteischloss Baden ausgestellt.[6]

Die erste urkundliche Erwähnung von Lunchunft erfolgte im Jahr 853 (überliefert in einer Kopie des 11. Jahrhunderts). Damals schenkte ein Priester seinen Hof dem neu gegründeten Kloster St. Leodegar in Luzern. Später gehörte der Oberlunkhofen, Unterlunkhofen, Jonen und Arni-Islisberg umfassende Kelnhof dem Kloster Murbach im Elsass. Eine inzwischen überholte Theorie nahm an, dass der Ortsname von einem gallo-römischen Lundacumbeta stamme, einem «Hochtälchen an der Lunda» (Lunda könnte eine in der Antike verwendete Namensform für die Reuss gewesen sein). Durch Lautverschiebung sei daraus ein althochdeutsches Lundgumwt und ein mittelhochdeutsches Lunchhof («bei den Höfen an der Lunda») entstanden.[7][8] Eine neue Deutung geht von einem lateinischen Longus Campus («langes Feld») aus, welches sich über die althochdeutsche Form Lungochampfo zu einem ebenfalls althochdeutschen Lungchumpft wandelte (Nebensilbenschwund, Nebensilbenangleichung, Sprosslaut -t am Wortende analog zu den Ortsnamen Küsnach-t oder Biberis-t). Die Endung Lun-chunft bzw. Lun-kunft der ersten schriftlichen Belege begann jedoch schon Ende des 13. Jahrhunderts einem plausibler klingenden Lunk-hofen zu weichen.[9]

1291 kaufte Rudolf I. den Kelnhof, auch die Stadt Luzern und 15 weitere Dörfer gelangten für 2000 Mark Silber in den Besitz der Habsburger. Diese Transaktion war eine der Ursachen, dass die drei Urkantone die Eidgenossenschaft gründeten. Nachdem der Kelnhof verwaltungstechnisch zuerst zum Freiamt Affoltern gehörte, bildete er zwanzig Jahre später ein eigenes Amt, das so genannten Kelleramt.

1415 eroberte die Stadt Zürich das Kelleramt und übernahm von den Habsburgern die hohe Gerichtsbarkeit. Die niedere Gerichtsbarkeit war bereits seit 1410 im Besitz der Stadt Bremgarten, die 1482 ihren Einflussbereich auch auf den Huserhof ausdehnte. 1529 wurde die Bevölkerung von Oberlunkhofen reformiert, musste aber 1531 nach der Zweiten Kappelerkrieg wieder zum Katholizismus übertreten. 1797, ein Jahr vor dem Zusammenbruch der alten Herrschaftsverhältnisse, verkaufte Bremgarten seine Rechte an die Dorfgemeinschaften.

Nach der Eroberung der Schweiz durch die Franzosen und der Ausrufung der Helvetischen Republik im März 1798 wurde das Kelleramt aufgelöst und es entstanden die vier Gemeinden Ober- und Unterlunkhofen, Jonen und Arni-Islisberg. Diese gehörten zunächst zum kurzlebigen Kanton Baden und gelangten 1803 zum Kanton Aargau; die Bewohner hatten zunächst allerdings einen Anschluss an Zug oder Zürich favorisiert. Seit 1823 gehören auch die ehemaligen Steckhöfe Huserhof und Geisshof zur Gemeinde Unterlunkhofen.

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein blieb Unterlunkhofen ein bescheidenes Bauerndorf. Bis 1980 stagnierte die Einwohnerzahl bei knapp unter 400. Dann setzte jedoch aufgrund der Nähe zur Stadt Zürich eine rege Bautätigkeit ein und die Einwohnerzahl stieg innerhalb von 25 Jahren um mehr als das Dreifache.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung lautet: «Fünfmal geteilt von Weiss und Blau, überdeckt von rotem Pfahl.» Das Wappen geht auf das Siegel des Edelknechts Hugo von Lunkhofen zurück,[10] das aus dem Jahr 1255 stammt. Seit 1929 wird es von der Gemeinde geführt. Das Wappen stellt symbolisch die Hauptstrasse (rot) sowie die drei Bäche (blau) Schwarzbächli, Arnibach und Wydenbächli, die das Wohngebiet durchqueren, dar. Das Zürcher Dorf Zwillikon führt ebenfalls das Wappen der Herren von Lunkhofen, mit dem Unterschied, dass die Querbalken schwarz sind. Das Wappen findet sich auch im Rittersaal des Hauses «zum Loch» in Zürich.[11][12]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[13]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 442 364 345 379 368 371 400 761 1227 1289

Am 31. Dezember 2013 lebten 1242 Menschen in Unterlunkhofen, der Ausländeranteil betrug 9,6 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 51,8 % römisch-katholisch, 30,7 % reformiert und 1,4 % moslemisch; 1,2 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[14] 94,6 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, je 1,0 % Italienisch und Englisch.[15]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Bremgarten zuständig. Unterlunkhofen gehört zum Friedensrichterkreis Lunkhofen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Unterlunkhofen gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 250 Arbeitsplätze, davon 17 % in der Landwirtschaft, 47 % in der Industrie und 36 % im Dienstleistungssektor.[16] Viele Erwerbstätige sind allerdings Wegpendler und arbeiten entweder in der Region Bremgarten oder in den Agglomerationen von Zürich und Zug.

Verkehr[Bearbeiten]

Unterlunkhofen liegt an der Hauptstrasse zwischen Bremgarten und Affoltern am Albis, eine Brücke führt über die Reuss nach Rottenschwil. Durch das Dorf führen zwei Postautolinien, von Bremgarten nach Jonen sowie von Muri nach Zürich (Bahnhof Wiedikon). Im Jahr 2008 wurde die Autobahn A4 durch Affoltern am Albis und Birmensdorf eröffnet, wodurch sich die Verkehrsanbindung zum Grossraum Zug und Luzern verbessert hat. Der nächstgelegene Bahnhof befindet sich in Bremgarten. Unterlunkhofen besitzt weitere Postautoverbindungen zu den Bahnhöfen in Muri und Affoltern.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Die Sekundarschule und die Realschule können in Jonen besucht werden, die Bezirksschule in Bremgarten. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Wohlen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Unterlunkhofen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. Andres Kristol: Unterlunkhofen in: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1090 und 1110, Swisstopo
  5. Die Grabhügel von Unterlunkhofen-Bärhau. Kantonsarchäologie Aargau, abgerufen am 18. Januar 2010 (PDF).
  6.  Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 202–204.
  7.  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 441–444.
  8. Andres Kristol: Unterlunkhofen in: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3
  9.  Daniel Gut: Longus Campus und die Romania Submersa im Reusstal. In: Beiträge zur Namenforschung NF 47. 2012, S. 163-189.
  10. Der schweizerische genealogisch-heraldische Webkatalog: Familienwappen Lunkhofen (von, Rittergeschlecht)
  11. Datei:Zürich - Grossmünster - Haus zum Loch IMG 1287.jpg
  12. Schriftenreihe der Stiftung Schweizer Wappen und Fahnen – Zürcher Dorfwappen. Heft 10,  Joseph Melchior Galliker, Hans Rüegg: Schweizer Wappen und Fahnen. Band 10: Zürcher Dorfwappen (1. Teil). Stiftung Schweizer Wappen und Fahnen, Zug 2007, ISBN 3-908063-10-8, S. 96.
  13. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  14. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  15. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  16. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.