Sarmenstorf

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Sarmenstorf
Wappen von Sarmenstorf
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Bremgarten
BFS-Nr.: 4076i1f3f4
Postleitzahl: 5614
Koordinaten: 661350 / 24049747.3124948.250005534Koordinaten: 47° 18′ 45″ N, 8° 15′ 0″ O; CH1903: 661350 / 240497
Höhe: 534 m ü. M.
Fläche: 8.30 km²
Einwohner: 2670 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 322 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 12,2 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.sarmenstorf.ch
Karte
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Sarmenstorf (schweizerdeutsch: ˈsɑːrmiʃˌdɔrf)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Bremgarten im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt am Ostrand des Seetals.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt auf einem flachen Sattel zwischen dem Bünztal und dem Seetal, rund zwei Kilometer östlich des Hallwilersees. Es befindet sich zwischen den Ausläufern von Lindenberg im Südosten und Rietenberg im Nordwesten. Das Gemeindegebiet wird in Richtung Norden durch den Erusbach entwässert, der bei Dottikon in die Bünz mündet. Es gibt kein eigentliches Dorfzentrum. Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Chilenwinkel, Fröschenwinkel, Oberdorf und Vorstatt, die in den letzten Jahrzehnten zusammengewachsen sind. Während Fröschenwinkel und Vorstatt auf der flachen Hochebene liegen, befinden sich das Oberdorf und Chilenwinkel leicht erhöht auf einem Hügelkamm. Dieser steigt sanft in Richtung Südosten zum Niesenberg an, einem Ausläufer des Lindenbergs.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 830 Hektaren, davon sind 244 Hektaren mit Wald bedeckt und 99 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 702 Metern am Niesenberg, der tiefste auf 504 Metern am Erusbach.

Nachbargemeinden sind Villmergen im Norden, Büttikon im Nordosten, Uezwil im Osten, Kallern im Südosten, Bettwil und Fahrwangen im Süden sowie Meisterschwanden und Seengen im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Bedeutende Funde weisen darauf hin, dass das Sarmenstorfer Gemeindegebiet bereits während der Jungsteinzeit besiedelt war. 1926/27 wurden in der Nekropole von Sarmenstorf im Zigiholz mehrere Grabhügel aus der Zeit um 2200 v. Chr. untersucht. Diese Gräber wurden während der Bronzezeit um 1400 v. Chr. nochmals für Bestattungen verwendet. Im Murimooshau wurde 1927 ein Gutshof aus römischer Zeit ausgegraben und untersucht. Das Hauptgebäude war 56 Meter lang und umfasste sechs Räume. Wann der Gutshof bewohnt war, lässt sich aufgrund der geringen Anzahl gefundener Gegenstände nicht rekonstruieren. Der seitlich versetzte Badetrakt wurde konserviert und unter ein Schutzdach gestellt, die übrige Anlage wieder zugedeckt.[5]

Die Besiedlung durch die Alamannen ist durch ein Gräberfeld im Gebiet Büel belegt. Die erste urkundliche Erwähnung von Sarmarsdorf erfolgte im Jahr 1173. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Saramannesthorf und bedeutet «Dorf des Saraman».[3] Das Dorf war bis 1173 im Besitz der Grafen von Lenzburg, danach des Stiftes Beromünster. Weitere bedeutende Grundbesitzer jener Zeit waren die Klöster Einsiedeln, Sankt Blasien und Säckingen. Die Habsburger übernahmen 1306 die Landesherrschaft und damit auch die hohe Gerichtsbarkeit.

1415 eroberten die Luzerner die Dörfer Büttikon, Hilfikon, Sarmenstorf, Uezwil und Villmergen. Doch 1425 mussten sie das Gebiet an den gemeinsamen Besitz der Eidgenossen zurückgeben. Sarmenstorf war nun Hauptort des gleichnamigen Amtes in den Freien Ämter, einer gemeinen Herrschaft. Die niedere Gerichtsbarkeit über die Vogtei Sarmenstorf wechselte mehrmals ihren Besitzer, von den Herren von Küssnacht über die Herren von Eschenz, das Kloster Hermetschwil, die Herren von Hilfikon bis hin zur Familie von Roll aus Solothurn.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Sarmenstorf war fünf Jahre lang Distriktshauptort im kurzlebigen Kanton Baden. Seit 1803 gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau. Im 19. Jahrhundert hielt die Industrie langsam Einzug, so wurde 1835 in Sarmenstorf die erste Buchdruckerei des Freiamts eröffnet. Im selben Jahr eröffnete Elise Ruepp ein privates Töchterinstitut, das auch Lehrerinnen ausbildete. Am 18. Dezember 1916 erhielt das Dorf einen Anschluss ans Eisenbahnnetz, als die Wohlen-Meisterschwanden-Bahn eröffnet wurde. Die Bahnlinie musste allerdings am 31. Mai 1997 ihren Betrieb einstellen. Bis etwa 1980 stagnierte die Bevölkerungszahl, seither stieg sie jedoch um mehr als die Hälfte an.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Katholische Kirche

Die Geschichte der katholischen Pfarrkirche Heiligkreuz reicht bis ins frühe Mittelalter zurück. So kamen 1986 bei archäologischen Grabungen die Überreste eines karolingischen Kirchengebäudes aus der Zeit um 800 zum Vorschein.[6] Ein 1622 errichteter Neubau verwendete teilweise dessen Fundamente. Das heutige Gebäude entstand zwischen 1778 und 1786. An die Nordseite der Pfarrkirche wurde 1780 eine Beinhauskapelle angebaut, das benachbarte Pfarrhaus stammt von 1744/45.[7]

Die Innenausstattung der Pfarrkirche ist zum grössten Teil im damals vorherrschenden Rokoko-Stil gehalten. Hauptaugenmerk ist ein von zwei Figuren flankiertes Epitaph. Die Figuren stellen zwei angelsächsische Pilger dar, die laut einer Sage im nahen Weiler Büelisacher (Gemeinde Waltenschwil) ermordet wurden und anschliessend mit ihren abgeschlagenen Köpfen nach Sarmenstorf wanderten. Ihre Gebeine liegen im Opferaltar begraben.[8]

Am nordöstlichen Dorfrand, an der Strasse nach Büttikon, befindet sich die 1650 erbaute Wendelinskapelle. Sie wurde um einen Findling, der als vorchristliche Opferstätte gedeutet wird, errichtet und enthält die Gebeine des Katakombenheiligen Firmanus. Im Dorfkern sind mehrere Häuser aus dem frühen 19. Jahrhundert erhalten geblieben.[7]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Rot zwei gekreuzte gelbe Pilgerstäbe.» Die Pilgerstäbe erschienen erstmals 1734 auf einem Dokument des Klosters Muri. Sie erinnern an die Sage der zwei ermordeten angelsächsischen Pilger. Bis 1905 erschienen die Stäbe auf blauem Feld über einem grünen Dreiberg, seither freischwebend in Rot.[9]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[10]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 1240 1212 1338 1398 1379 1491 1431 1708 2146 2480

Am 31. Dezember 2013 lebten 2670 Menschen in Sarmenstorf, der Ausländeranteil betrug 12,2 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 64,9 % römisch-katholisch, 19,9 % reformiert, 1,3 % christlich-orthodox und 2,1 % moslemisch; 1,2 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[11] 93,8 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 2,2 % Italienisch, je 0,7 % Spanisch und Serbokroatisch, je 0,6 % Albanisch und Englisch.[12]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Bremgarten zuständig. Auf kommunaler Ebene gibt es einen Friedensrichter, der auch für die Gemeinden Büttikon, Hilfikon, Uezwil und Villmergen verantwortlich ist.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Sarmenstorf gibt es gemäss Betriebszählung 2008 etwas mehr als 600 Arbeitsplätze, davon 9 % in der Landwirtschaft, 36 % in der Industrie und 55 % im Dienstleistungssektor.[13] Viele Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten in den umliegenden Gemeinden, vor allem in Villmergen und Wohlen.

Verkehr[Bearbeiten]

Sarmenstorf liegt an der vielbefahrenen Hauptstrasse zwischen Wohlen und dem Seetal. Zwischen Wohlen und Meisterschwanden verkehrt eine Buslinie der BDWM Transport, die 1997 die Wohlen-Meisterschwanden-Bahn abgelöst hat. Das ehemalige Bahntrassee wurde in einen Radweg umgewandelt. Der nächstgelegene Autobahnanschluss (A1) befindet sich rund 15 Fahrminuten entfernt bei Lenzburg.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über Kindergärten und zwei Primarschulen. Die Sekundarschule und die Realschule werden zusammen mit der Gemeinde Meisterschwanden geführt. Die Bezirksschule kann in Fahrwangen besucht werden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Wohlen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sarmenstorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 211–213.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1110, Swisstopo
  5. Der römische Gutshof Murimooshau. Kantonsarchäologie Aargau, abgerufen am 16. Januar 2010 (PDF).
  6. Geschichtliches. Gemeinde Sarmenstorf, abgerufen am 24. Juni 2009.
  7. a b  Peter Felder, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band IV: Bezirk Bremgarten, Birkhäuser Verlag, Basel 1967, ISBN 3-906131-07-6, S. 351–376.
  8. Angelsachsen und Dorfname. Gemeinde Sarmenstorf, abgerufen am 24. Juni 2009.
  9.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 263.
  10. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  11. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  12. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  13. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.