Endemol

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Endemol ist ein international operierendes Fernsehproduktions- und Entwicklungsunternehmen mit Sitz in den Niederlanden. Es ist der zweitgrößte Fernsehproduzent der Welt. Auf dem 1. Platz befindet sich die zur RTL Group gehörende FremantleMedia-Gruppe.

Struktur[Bearbeiten]

Endemol entstand durch die Fusion der Produktionsunternehmen Van den Ende Produkties B.V. des Niederländers Joop van den Ende und De Mol Produkties B.V. von John de Mol, dem Bruder der Fernsehmoderatorin Linda de Mol.

Hauptsitz des im Unterhaltungs- und Fiktionsbereich operierenden Unternehmens ist Duivendrecht bei Amsterdam in den Niederlanden. Durch den weltweiten Erfolg des Formats Big Brother ist Endemol fast weltweit durch selbstgegründete oder aufgekaufte Unternehmen vertreten, unter anderem in Deutschland, den USA oder Australien. Im Jahr 2000 wurde das Unternehmen gegen Telefónica-Aktien im Wert von 5,5 Milliarden Euro an den spanischen Telekommunikations- und Medienkonzern Telefónica verkauft.

Bald darauf brachen die Börsenbewertungen für Medienunternehmen zusammen. Nach Abschreibungen stand Endemol bei Telefónica schließlich nur noch mit 840 Millionen Euro in den Büchern. 2005 brachte César Alierta ein Viertel des Unternehmens an die Börse. Doch die Platzierung verlief enttäuschend und die Anleger bewerteten Endemol bei der Erstnotiz mit 1,1 Milliarden Euro. Im Jahr 2007 wird Endemol von der Börse genommen.[1] Neuer Eigner wurde ein Konsortium aus Goldman Sachs, Mediacinco und Cyrte. Die im Jahr 2007 eingestiegene Sendergruppe Mediaset des italienischen Ex-Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi trennte sich im Jahr 2012 wieder von ihren Endemol-Anteilen.[2]

Der Hauptsitz der Endemol Deutschland GmbH befindet sich im Studiokomplex Coloneum im nördlichen Stadtteil Köln-Ossendorf. Seit Mitte 2009 ist Endemol Deutschland auch mit einem eigenen Standort in München vertreten.[3] Sie produziert als unabhängiges Produktionsunternehmen für viele deutschsprachige Fernsehsender; Hauptabnehmer der Produktionen sind zurzeit das ZDF, RTL, Sat.1, Pro7, kabel 1, RTL 2 und ORF.[4] Geschäftsführer bis Ende September 2008 war Borris Brandt, der Sohn des Schauspielers Volker Brandt. Neuer Geschäftsführer seit dem 1. Oktober 2008 ist Marcus Wolter.

Endemol Deutschland hält 90 Prozent der Anteile an der Firma META productions – A member of the Endemol Group, die unter anderem die Infotainment-Formate AKTE und Escher – der MDR-Ratgeber produziert.[5] Mit den oscarprämierten Produzenten Max Wiedemann und Quirin Berg (Das Leben der Anderen, Männerherzen) gründete Endemol Deutschland zum 1. Januar 2010 das Joint Venture Wiedemann & Berg Television – A Member of the Endemol Group für den Fiction-Bereich.[6] Darüber hinaus ist Endemol Deutschland zu 51 Prozent an der Produktionsfirma von Jörg Pilawa, Herr P GmbH, beteiligt.[7] Eine weitere Endemol Deutschland-Tochter ist die Endemol beyond GmbH, die Webvideos zum Beispiel für YouTube produziert. Unter Leitung des deutschen Geschäftsführers Dr. Georg Ramme ist die Endemol beyond mittlerweile international aktiv[8], produziert eigenen Content (in Deutschland z.B. die YouTube-Kanäle "ShortCuts" und "Survival Guide" oder das Ratgeberformat "Mom's Diary" für Yahoo sowie die TV-Sendung Yps - Die Sendung für RTL Nitro), wertet Endemol-Formate im Internet aus (z.B. Die Wache oder Stadtklinik) und fungiert als Multi-Channel Network für Künstler wie Doktor Allwissend oder SceneTakeTV.

Erfolgreiche Sendungen[Bearbeiten]

Zu den bekannten Formaten gehören unter anderem: Big Brother, Nur die Liebe zählt, das in Lizenz produzierte und von Günther Jauch moderierte Wer wird Millionär?, Rette die Million!, Stars bei der Arbeit, 17 Meter und Vermisst.

Basis für die starke Positionierung auf dem deutschen Fernsehmarkt waren die 1990er Jahre, in denen Endemol mit einem so genannten „Output Deal“ die damals erfolgreichen Samstagabend-Shows von RTL plus (später RTL) produzierte; hierzu gehörten Unterhaltungsshows wie Traumhochzeit, Mini Playback Show, Glücksritter, Die 100.000 Mark Show und Wie bitte?!. Fiktionale Formate wie Stadtklinik oder Die Wache sicherten Endemol außerdem eine der führenden Positionen in der Produktion von Fernsehserien.

Die Spendershow[Bearbeiten]

Ende Mai 2007 geriet Endemol in den Niederlanden in die Kritik, als das Produktionsunternehmen ankündigte, eine Gameshow namens De Grote Donorshow (deutsch: Die große Spendershow) auszustrahlen, in welcher der Hauptgewinn eine menschliche Niere als Spenderorgan war. Dabei warben drei Kandidaten um die Niere einer todkranken 36-jährigen. Danach durfte das Publikum per SMS entscheiden, wer die Niere erhalten sollte. Dieses Konzept wurde von vielen Menschen als unethisch kritisiert.

Es stellte sich allerdings heraus, dass die Sendung nicht authentisch war. Die angeblich todkranke Spenderin war eine Schauspielerin. Am Ende der Sendung gab der Moderator die Täuschung bekannt.

Die Sendung hat somit sicherlich zweierlei erreicht - abgesehen von dem Werbeerfolg für Endemol:

Callactive[Bearbeiten]

Zuletzt stand die deutsche Endemol-Tochter Callactive vermehrt in der Kritik.

Dabei geht es um intransparente Vorgänge im Rahmen der von ihr produzierten Call-in-Gewinnspiele, die zum Beispiel bei den Sendern VIVA, Nick und Comedy Central gesendet werden und die den Verdacht von Unregelmäßigkeiten aufkommen ließen. Das Unternehmen geht in diesem Zusammenhang vermehrt auch öfters gerichtlich gegen Internetbeiträge vor. Dies verursachte im deutschsprachigen Teil der Blogosphäre einen Sturm der Entrüstung. Im Mai 2008 übernahm Callactive ohne Wissen des Betreibers die Domain des von der LfM empfohlenen[9] kritischen Internetforums call-in-tv.de, welche zwischenzeitig auf die offizielle Seite von Callactive weiterleitete, während das Forum seitdem unter call-in-tv.net zu erreichen war.[10][11]

Am 18. April 2010 jedoch wurde auch die Seite call-in-tv.net an einen Produzenten von Gewinnspielsendungen übereignet, sodass das ursprüngliche Forum „call-in-tv“ zwischenzeitlich nicht mehr existierte.[12] Mittlerweile ist dieses unter citv.nl zu erreichen.

Callactive hat zudem den Begriff „call-in-tv“ in Verbindung mit den „Forenfarben“ Grün und Weiß als Marke schützen zu lassen.

Anfang April 2008 wurde bekannt, dass Endemol sich ohne öffentliche Angabe von Gründen von Callactive getrennt hat.[13] Im Juni des gleichen Jahres zog sich Callactive aus der TV-Produktion entsprechender Call-In-Formate zurück. Die Sendung Money Express wurde fortan von der Telekom Austria-Tochter mass response GmbH produziert.[14] Am 1. Oktober 2008 wurde die Sendung Money Express eingestellt.[15]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Big Brother"-Produzent Endemol wieder in Gründerhand - Börsen-Delisting geplant In Sat + Kabel vom 6. August 2007, abgerufen am 2. September 2011
  2. Mediaset Sells Endemol Debt to Exit Holding in TV Producer In Bloomberg News vom 3. April 2012, abgerufen am 4. März 2013
  3. sat+kabel: Produktionsfirma Endemol Deutschland bezieht neuen Standort in München. Abgerufen am 2. September 2011
  4. Internetseite Endemol/What we do. abgerufen am 2. September 2011
  5. digitalfernsehen.de: Sat.1: Ulrich Meyer mit neuem Wochenformat Akte Thema. abgerufen am 2. September 2011
  6. meedia.de: Endemol und Wiedemann & Berg gründen Firma. abgerufen am 2. September 2011
  7. Hamburger Abendblatt: TV-Deal: Jörg Pilawa kooperiert noch enger mit Endemol. abgerufen am 2. September 2011
  8. Pressemitteilung Endemol beyond goes global: Anfangsinvestition von 30 Millionen Euro für Aufbau eines internationalen Premium Channel Networrks. abgerufen am 22. Februar 2014
  9. [1] LFM-Broschüre "Mediennutzerschutz" empfiehlt call-in-tv.de, Anm.: jetzt call-in-tv.net
  10. http://dwdl.de/article/news_15977,00.html DWDL.de: Callactive übernimmt call-in-tv.de, abgerufen am 29. Mai 2008
  11. http://www.stefan-niggemeier.de/blog/feindliche-uebernahme-von-call-in-tvde/ Stefan Niggemeier: Feindliche Übernahme von call-in-tv.de, abgerufen am 29. Mai 2008
  12. http://wayne.interessierts.eu/2010/04/19/domains-weg-aus-fur-call-in-tv-net/ Domains weg: Aus für call-in-tv.net?, abgerufen am 29. Juni 2010
  13. http://www.dwdl.de/article/news_15283,00.html Trennung von Callactive
  14. DWDL.de: Callactive gibt Call-In auf - Mayerbacher zieht sich zurück vom 11. Juni 2008
  15. DWDL.de: MTV Networks verbannt Call-In aus dem Programm vom 4. September 2008