Erla Maschinenwerk

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Von über 33.000 Jagdflugzeugen des Typs Messerschmitt Bf 109 baute Erla in Leipzig rund ein Drittel.

Die Erla Maschinenwerk G.m.b.H. war ein 1934 gegründeter Flugzeughersteller in Leipzig. Das im Stadtteil Heiterblick ansässige Unternehmen stellte für die Luftwaffe des Deutschen Reiches bis 1945 insgesamt rund ein Drittel von über 33.000 Jagdflugzeugen des Typs Messerschmitt Bf 109 her. Die Leipziger Firma war hinsichtlich der gebauten Stückzahlen neben der Messerschmitt GmbH in Regensburg und den Wiener Neustädter Flugzeugwerken der größte Produzent des deutschen Standardjagdflugzeuges Bf 109. Alle Erla-Werke wurden als Rüstungsbetriebe nach Ende des Zweiten Weltkriegs demontiert und das Unternehmen aufgelöst.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Flugzeugkonstrukteur Franz Xaver Mehr entwickelte Anfang der 1930er Jahre als „Volksflugzeug“ den Tiefdecker Me 5A mit einem wassergekühlten Zweizylinder-Zweitaktmotor (Typ FL 600 mit 20 PS Leistung) der Marke DKW, der von den Zschopauer Motorenwerken (ab Mitte 1932 Teil der Auto Union) stammte. Sein Motorsegler Me 4a blieb ein Einzelexemplar. Mehr kooperierte mit DKW-Inhaber J. S. Rasmussen, der das Kleinflugzeug als „DKW Erla Me 5A“ in Erla im Erzgebirge von der zu seinem Konzern gehörenden Nestler & Breitfeld GmbH (Eisenhüttenwerk Erla) bauen lassen wollte. Zu dem Zweck wurde am 16. September 1933 die „Eisen- und Flugzeugwerk Erla G.m.b.H.“ in das Handelsregister des Amtsgerichts Schwarzenberg/Erzgeb. eingetragen. Auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof erfolgte am 30. November 1933 eine Vorführung des Musterflugzeugs DKW Erla Me 5a mit der Registrierung D-2585. Der Typ wurde zum Preis von 3875 Reichsmark angeboten, was inflationsbereinigt in heutiger Währung ca. 16.100 Euro entspricht.[1]

Da jedoch die Flugzeugbauabteilung des „Eisen- und Flugzeugwerks Erla“ den Betrieb zunehmend in Liquidationsschwierigkeiten brachte, wurde diese auf Drängen der Direktoren des Werks nach Leipzig-Heiterblick in die am 18. Juli 1934 neu gegründete Erla Maschinenwerk GmbH ausgegliedert und das Werk im Erzgebirge zur Erla GmbH umfirmiert.

Hauptzweck der Neugründung war jedoch nicht der Bau von Zivilflugzeugen (auch wenn offiziell so deklariert), zumal klar war, dass die Me 5a als Schulflugzeug für die Luftwaffe nicht in Frage kam und der Absatz der Kleinflugzeuge an zivile Käufer nur schleppend verlief. Gemäß den Vorstellungen des Reichsluftfahrtministeriums wurde daher das Leipziger Werk ab 1935 im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht mit dem Lizenzbau von Flugzeugen anderer Hersteller beauftragt: Arado Ar 65 (24 Stück, 1935), Heinkel He 51 (80 Stück, 1936) sowie 1937 die Arado Ar 68 (76 Stück) und die Gotha Go 145 (106 Maschinen).

Im Jahr 1937 baute Erla die ersten 157 Bf-109-Jagdflugzeuge in der Version B. Die weiteren Produktionszahlen waren:

  • 1938: 319 Maschinen der Versionen B, D und E.
  • 1939: 545 Bf 109 E
  • 1940: 426 Versionen E und F
  • 1941: 697 Version F
  • 1942: 973 Versionen F und G
  • 1943: 2011 Version G
  • 1944: 4349 (dito)
  • 1945: 1574 Maschinen (bis Mitte April)

Daneben lieferte Erla von 1939 bis 1943 an die MIAG bzw. Luther-Werke (Braunschweig) sowie die Gothaer Waggonfabrik (Gotha) Tragflächensätze zum Bau von Messerschmitt Bf 110.

Neben dem Stammwerk Heiterblick (Werk I; Wodanstraße) kamen weitere Leipziger Standorte hinzu: Mockau (Werk II; Vierzehn-Bäume-Weg), Abtnaundorf (Werk III; Theklaer Str./Heiterblickstraße) und für die Teileherstellung das Werk V (Pfaffendorfer Straße 31–33 nördlich der Kongreßhalle), das von der Kammgarnspinnerei Leipzig gemietet wurde. Ein weiterer Zulieferer (Werk IV) war die im September 1939 gekaufte stillgelegte Fabrik in Johanngeorgenstadt des Klavierherstellers Hupfeld & Zimmermann AG. Dort wurden u. a. bis September 1941 für den Lastensegler DFS 230 Tragflächen und Rümpfe gefertigt, die ins Werk I (Wodanstraße) in Leipzig transportiert und dort endmontiert wurden. Ende 1940 beschäftigte Erla 9316 Mitarbeiter, davon 6719 in Leipzig und 700 in Johanngeorgenstadt, wo später u. a. Bf-109-Leitwerke gebaut wurden. Weitere 757 Personen waren zur Reparatur beschädigter Maschinen in den beiden Erla-Werken in Belgien tätig: Brüssel (Werk VI, Ende 1941: 1025 Personen) und Antwerpen (Werk VII, Ende 1941: 2525 Personen). Anfang 1942 kam das Werk VIa in Mechelen (Belgien) hinzu. Das Werk VIII in Mielec (Polen, damals Generalgouvernement) wurde im Dezember 1941 bereits wieder geschlossen.

Zur Unterbringung der Zwangsarbeiter gab es von März 1943 bis April 1945 das zu Erla gehörende Außenlager Leipzig-Thekla des Konzentrationslagers Buchenwald; daneben wurden von Tarnfirmen weitere Lager an diversen ausgelagerten Fertigungen wie Flöha („Fortuna GmbH“, Rumpfbau) oder Mülsen St. Micheln („Gross GmbH“, Tragflächen) eingerichtet. 1944 wurde mit dem forcierten Einsatz von Zwangs- und „Ostarbeitern“ und einer dezentralen Fertigung das Maximum von rund 4300 Maschinen erreicht, was durchschnittlich zwölf Flugzeugen pro Tag entspricht. Trotz der Luftangriffe auf Leipzig und wachsender Probleme beim Transport zu und von den Verlagerungsstandorten konnte die Endmontage auf zuletzt fünf Plätzen weiter aufrechterhalten werden. Neben den Umstellungsarbeiten für die Fertigung der Focke-Wulf Ta 152 H-1/R11, deren Serienbau im März 1945 beginnen sollte, wurden bis April 1945 noch rund 1600 Bf 109 gebaut. Am 18. April 1945 besetzten Einheiten der 1. US-Armee Leipzig und übergaben die Stadt am 2. Juli 1945 an die Rote Armee.

Auf Anordnung der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) wurden ab November 1945 alle Erla-Standorte demontiert und die Immobilien 1947 der Stadt Leipzig übertragen. Am 27. August 1949 erfolgte die Löschung der Firma im Leipziger Handelsregister.

Die 1937/38 in Leipzig-Thekla gebaute Werkssiedlung, deren Straßen nach germanischen Göttern benannt sind, wird noch als Erla-Siedlung bezeichnet.

Quelle[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Diese Zahl wurde mit der Vorlage:Inflation ermittelt, auf 100 EUR gerundet und gilt für den zurückliegenden Januar.