Erwin Kerber

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Erwin Kerber (* 30. Dezember 1891 in Salzburg; † 24. Februar 1943 ebenda) war ein österreichischer Theaterintendant und Direktor der Wiener Staatsoper von 1936 bis 1940.

Leben[Bearbeiten]

Erwin Kerber, Sohn von Hermann Kerber, der sich als Konzertveranstalter bereits um das Musikleben in Salzburg verdient gemacht hatte, studierte an den Universitäten in Wien und Innsbruck Rechtswissenschaften und wurde 1919 zum Dr. iur. promoviert.

Danach arbeitete er als Sekretär der Salzburger Festspielhausgemeinde (später Geschäftsführer) und wirkte als solcher auch bei der Gründung der Salzburger Festspiele mit. 1933 holte ihn Clemens Krauss als Direktionsrat an die Wiener Staatsoper, 1935 wurde er Verwaltungsdirektor. Vom 1. September 1936 bis 31. August 1940 war Kerber dann Direktor der Staatsoper, an der er auch als Regisseur und Bearbeiter von Libretti tätig war. Im künstlerischen Bereich wurde er besonders von Bruno Walter und Hans Knappertsbusch unterstützt.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs setzte er die Auflagen der Nazis um, indem mehr als 200 Juden und sogenannte „jüdische Mischlinge“ sowohl aus dem künstlerischen als auch dem Verwaltungspersonal entlassen wurden, darunter auch Publikumslieblinge wie Richard Tauber. Wie viele andere, stellte sich auch er der Nazi-Propaganda für den Wahlaufruf der Wiener Künstler zur „Volksabstimmung“ zur Verfügung.[1] Andererseits half er aber auch der bereits verhafteten Tochter von Bruno Walter bei ihrer Flucht aus Österreich[2] und unterstützte seinen Mitarbeiter Heinrich Reif-Gintl. Josef Krips verhalf er zu einem Engagement an der Oper in Belgrad.

In seiner Ära kam es zu fünf Uraufführungen. 1937: Die Sühne. (Josef Wenzl-Traunfels), Die fremde Frau (Marco Frank) und Wallenstein (Jaromir Weinberger); 1938: Iwan Sergejewitsch Tarassenko (Franz Salmhofer); 1939: Königsballade (Rudolf Wille) sowie zur Erstaufführung von Friedenstag (Richard Strauss). Zu den von ihm ans Haus verpflichteten Sängern zählten u. a. Hilde Konetzni, Maria Reining, Esther Réthy, Herbert Alsen, Anton Dermota, Alfred Poell, Paul Schöffler und Set Svanholm sowie der Regisseur Oscar Fritz Schuh.

1942–1943 übernahm Kerber die Intendanz des Salzburger Landestheaters.

Schriften[Bearbeiten]

  • Ewiges Theater. Salzburg und seine Festspiele. Piper, München 1935.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wiener Künstler zum 10. April. In: Neues Wiener Journal, 7. April 1938, S. 13 (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nwj
  2. „Der Anschluss von innen“ Interview mit Oliver Rathkolb Salzburger Nachrichten vom 6. März 2008

Literatur[Bearbeiten]

  • Kerber Erwin. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 3, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1965, S. 297.
  • Wilhelm Beetz: Das Wiener Opernhaus. 1869 bis 1955. 2. Aufl., Panorama, Wien 1955.
  • Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Band 3. Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 1993, ISBN 3-218-00547-7, S. 492.
  • Oesterreichisches Musiklexikon. Band 2. (Hrsg. Rudolf Flotzinger), Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2003, ISBN 3-7001-3044-9, S. 988.
  • Opfer, Täter, Zuschauer. 70 Jahre danach – Die Wiener Staatsoper und der „Anschluss“ 1938. Ausstellungskatalog der Wiener Staatsoper, Wien 2008.

Weblinks[Bearbeiten]