Dominique Meyer

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Dieser Artikel behandelt den französischen Theaterleiter. Zum Schweizer Schauspieler und Regisseur (1958–1993), siehe Dominique Meyer (Schauspieler).

Dominique Meyer (* 8. August 1955 in Thann im Elsass) ist ein französischer Wirtschaftswissenschaftler, Manager, Politberater, früherer Generalintendant und künstlerischer Leiter des Théâtre des Champs-Élysées. Seit 2010 ist er der Direktor der Wiener Staatsoper.

Leben[Bearbeiten]

Dominique Meyer wurde am 8. August 1955 als Sohn eines Diplomaten im südlichen Elsass geboren. Während seines Wirtschaftsstudiums an der Pariser Wirtschaftsuniversität kam er zum ersten Mal mit der Oper in Berührung. Laut eigenen Angaben besuchte er schon während der Studienzeit täglich eine Oper, ein Theater oder ein Konzert.

Unmittelbar nach dem Studium 1980 erfolgte der Eintritt in die französische Politik. Er arbeitete im Industrieministerium, in jener Sektion, die sich mit der Organisation und der Förderung der französischen Platten- und Filmindustrie befasste. 1984 holte ihn der damalige Kulturminister Jack Lang als Berater für Kultur in sein Ministerium.

Nach dem Ausscheiden Langs aus dem Kabinett 1986 verschaffte ihm dieser auf Meyers Wunsch hin einen Beraterjob an der Pariser Oper. 1989 wurde er Generaldirektor. In dieser Rolle musste er im selben Jahr die Probleme um die Eröffnung der Opéra Bastille lösen. Hierbei handelte es sich um den berühmten Krach wegen Daniel Barenboims Vertrag - damals von zwei Ministern unterschrieben.

1992 holte ihn Premierminister Pierre Bérégovoy als Kulturberater in die Politik zurück. In dieser Funktion war er unter anderem mit der Gründung des Fernsehsenders ARTE und mit den Vorbereitungen zur Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich beschäftigt. 1994 übernahm er die Leitung der Oper von Lausanne, wo er fünf Jahre lang mit selten gespielten Werken aufhorchen ließ.

Ab 1999 erhielt er eine Berufung an das Théâtre des Champs-Élysées als Intendant und künstlerischer Leiter des privat geführten Hauses. Daneben hält er an verschiedenen Universitäten Vorlesungen zu Musikmanagement und Kulturbetrieb und versuchte weiterhin, Ungewöhnliches und Neues auf die Bühne zu bringen.

Neue Opern müssen geschaffen werden, aber nicht solche, die nach ein paar Vorstellungen wieder vom Spielplan verschwinden“, erklärte er dem „Neuen Merker“. „Die Komponisten müssen verstehen, für wen sie Musik schreiben.

Am 6. Juni 2007 erhielt er von der österreichischen Kulturministerin Claudia Schmied das Angebot, ab 30. Juni 2010 mit Franz Welser-Möst als Generalmusikdirektor die Wiener Staatsoper zu leiten. Er eröffnete seine Intendanz mit einer Aufführung von Tannhäuser, bei der Franz Welser-Möst am Pult stand.[1] Die erste Premiere war eine Erstfassung der Oper Cardillac von Paul Hindemith, die 1926 in Dresden uraufgeführt wurde.[2]

Meyer verantwortet eine Musealisierung des Spielplans der Wiener Staatsoper – in der Spielzeit 2012/13 war kein Werk jünger als 70 Jahre; darob empörte sich Klangforum-Chef Sven Hartberger.[3] Die geplante Da-Ponte-Trilogie musste nach der zweiten Inszenierung von Jean-Louis Martinoty abgebrochen werden, weil sich der Generalmusikdirektor des Hauses, Welser-Möst, weigerte, weiterhin mit diesem Regisseur zusammenzuarbeiten. Die Kritiken an der Regie dieser beiden Produktionen waren ablehnend bis vernichtend, insbesondere der Don Giovanni wurde „von den Kritikern in der Luft zerrissen“.[4] Der Staatsopern-Figaro von 2011 war daraufhin ein Remake einer Pariser Inszenierung von 2001. Auch David McVicars 2013er Inszenierung von Tristan und Isolde, zuvor schon in Japan zu sehen, wurde als „musikalisch sehr gut, aber szenisch zum Vergessen“ bezeichnet. Dirigent war Welser-Möst.[5]

Auch der frühere Intendant der Salzburger Festspiele, Gerard Mortier, äußerte Kritik: „Der Spielplan der Wiener Staatsoper ist ein Desaster. Es gibt nicht einmal die großen Klassiker des 20. Jahrhunderts. Kein Szymanowski, kein Schreker, es müsste ja nicht einmal Musik von nach 1950 sein. Und beim großen Repertoire gibt es nicht einmal einen großen Berlioz. Es ist ein armer Spielplan. Alles auf Belcanto und Sänger zugerichtet. Von den Inszenierungen gar nicht zu reden.“[6] Am 5. September 2014 erklärte GMD Franz Welser-Möst aufgrund „künstlerischen Differenzen“ mit Meyer[7] seinen sofortigen Rücktritt. Die Presse schrieb: „Franz Welser-Möst reicht es.“ Und: „Dass Welser-Möst ausgerechnet zur Saisoneröffnung alles hingeschmissen hat, zeigt, wie unerträglich ihm die Situation war. 'Ich verstehe, dass ein Künstler geht, wenn er seine Vorstellungen nicht verwirklichen kann und nicht in eine echte Partnerschaft einbezogen wird', sagte der ehemalige Staatsoperndirektor Ioan Holender zur „Presse“. Bei ihm wäre so etwas sicher nicht passiert: „Ich halte es für ausgeschlossen, dass ein Partner bei mir weggegangen wäre, nicht mittendrin im Geschlechtsakt sozusagen – vielleicht vorher, aber nicht mittendrin“[8]

Meyer musste Ersatz für 34 Dirigate suchen, die der ehemalige GMD in der kommenden Saison übernehmen hätte sollen. Welser-Möst: „Ich habe den Direktor dann heute Früh um 10.00 Uhr persönlich davon informiert und ihm auch mein Rücktrittsschreiben überreicht. Er hat gefasst und ruhig reagiert. Er hat nichts gesagt“.[9]

Der zuständige Minister wusste von nichts.[10]

Dominique Meyer ist auch noch Präsident der Europäischen Musiktheater-Akademie.

Am 15. September 2014 verlor die Staatsoper unter Leitung Meyers auch noch einen zweiten zentralen Dirigenten, Bertrand de Billy, Der Künstler gab bekannt: „Mir war klar: Es hat für mich unter diesen Umständen an diesem Haus keinen Sinn mehr.“ Sein Entschluss sei unabhängig von Welser-Möst gefasst worden, er sei zuletzt „mit Unehrlichkeit und Illoyalität konfrontiert“ gewesen.[11]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Walter Weidringer Staatsoper: Festliche, solide Saisoneröffnung, Die Presse, 7. September 2010
  2. Wilhelm Sinkovicz: "Cardillac", das ist ein Wiener Opernwunder, Die Presse, 19. Oktober 2010
  3. Klangforum: Kritik am Musiktheater in Wien, Kurier, 20. September 2012
  4. "Figaro": Zweite Mozart-Premiere der neuen Staatsoperndirektion, Kleine Zeitung, 15. Februar 2011
  5. Marion Eigl: Öde Inszenierung: "Tristan und Isolde" in der Staatsoper, Kurier, 22. September 2013
  6. Armin Thurnher im Gespräch mit Gerard Mortier: Die Staatsoper? Eine Katastrophe!, Falter 35/2013
  7. Rücktritt kostet den Star-Dirigenten viel Geld, Die Welt, 5. September 2014
  8. Wiener Staatsoper: Ein Meyer ohne Maestro, Die Presse, 5. September 2014
  9. Welser-Möst verlässt Staatsoper, ORF, 5. September 2014
  10. Staatsoper: Das Ende einer Vernunftehe, Kurier, 5. September 2014
  11. ORF: Staatsoper verliert nächsten Dirigenten, 16. September 2014