Föderation Bosnien und Herzegowina

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Federacija Bosne i Hercegovine
Федерација Босне и Херцеговине

Föderation Bosnien und Herzegowina
Status Entität von Bosnien und Herzegowina
Amtssprachen Bosnisch, Kroatisch, Serbisch
Gründung 18. März 1994
Hauptstadt Sarajevo
Präsident Živko Budimir, HSP
Ministerpräsident Nermin Nikšić, SDP
Fläche 25.779 km² (ohne Brčko-Distrikt)
26.272 km² (mit Brčko-Distrikt)
Einwohnerzahl 2.371.603
(Zensus 2013)
Bosnia and Herzegovina, administrative divisions - de (entities) - colored.svg

Entitäten von Bosnien und Herzegowina:
Republika Srpska, Föderation Bosnien und Herzegowina und Brčko-Distrikt

Die Föderation Bosnien und Herzegowina (Federacija Bosne i Hercegovine), früher auch bekannt als Bosniakisch-Kroatische Föderation, ist neben der Republika Srpska eine der beiden Entitäten des Staates Bosnien und Herzegowina. Hauptstadt der Föderation Bosnien-Herzegowina ist Sarajevo. Das Gebiet war ein Schauplatz des von 1992 bis 1995 dauernden Bosnienkrieges.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Föderation hat 2.371.603 Einwohner, darunter 1.636.603 (69,01 %) Bosniaken, 495.000 (20,87 %) Kroaten, 95.000 (4,01 %) Serben und etwa 145.000 (6,11 %) Sonstige (u. a. bosnische Roma).[1]

Die Bosniaken stellen in den Kantonen Una-Sana, Tuzla, Zenica-Doboj, Sarajevo und Bosnisches Podrinje die deutliche Mehrheit, die Kroaten in den Kantonen Posavina, West-Herzegowina und im Kanton 10. In den beiden Kantonen Herzegowina-Neretva und Mittelbosnien sind die Mehrheitsverhältnisse von Gemeinde zu Gemeinde verschieden. Im Westen Bosniens gibt es auch einige Gemeinden mit serbischer Mehrheit.

Politische Gliederung[Bearbeiten]

Die Föderation ist in zehn Kantone unterteilt. Die Kantone sind ihrerseits in Gemeinden (općine) untergliedert.

Geografie[Bearbeiten]

Das Gebiet der Föderation umfasst seit dem Dayton-Vertrag - ohne das Kondominium Brčko-Distrikt - etwa 50 % der Fläche von Bosnien und Herzegowina.

Die Föderation umfasst den Süden und Südwesten des Landes bis zum im äußersten Westen gelegenen Bihać sowie das Zentrum des Landes fast bis an den Fluss Save im Norden. Von diesem wird sie jedoch durch den Brčko-Distrikt getrennt, der als Kondominium beider Entitäten direkt dem Gesamtstaat Bosnien-Herzegowina untersteht. An der Save existieren zwei Exklaven des Kantons Posavina, die ebenfalls zur Föderation gehören und von der Republika Srpska und dem Brčko-Distrikt auf der einen Seite und von kroatischem Staatsgebiet (jenseits der Save) auf der anderen Seite umschlossen werden.

Die größten Städte sind Sarajevo, Tuzla, Zenica, Mostar und Bihać.

Geschichte[Bearbeiten]

Der bosnische Präsident Alija Izetbegović und der kroatische Präsident Franjo Tuđman bei der Unterzeichnung der Verträge zur Gründung der Föderation (Washington, 18. März 1994)

Die Föderation Bosnien-Herzegowina wurde durch die Verträge von Washington vom 18. März 1994, die die militärischen Auseinandersetzungen zwischen kroatischen und bosniakischen Truppen in einigen Teilen von Bosnien und Herzegowina beendeten, als gemeinsamer politischer Rahmen für die bosniakisch und kroatisch besiedelten Gebiete des Landes geschaffen. Die Föderation beanspruchte alle vor dem Krieg mehrheitlich von diesen beiden Völkern bewohnten Gebiete des Landes (insgesamt ca. 60 % des Territoriums von Bosnien und Herzegowina) für sich, umfasste de facto jedoch zunächst nur die etwa 30 % von bosniakischen und kroatischen Truppen kontrollierten Gebiete.

Um zukünftige Konflikte zu vermeiden, sollten die höchsten Staatsorgane der Föderation paritätisch bzw. proportional mit Angehörigen beider Nationalitäten besetzt werden. Die Kantone sollten weitgehende Autonomie erhalten, in den vorher umkämpften Gebieten in Zentralbosnien und der mittleren Herzegowina wurden zwei Kantone mit Sonderstatus gebildet, in denen ähnlich wie auf föderaler Ebene die Parität der Nationalitäten gewährleistet wurde.

Die 1994 neu gebildete Regierung der Föderation fungierte zunächst gleichzeitig als Regierung des weiterbestehenden bosnisch-herzegowinischen Gesamtstaates, dessen Rest-Parlament (ohne die Mehrheit der serbischen Abgeordneten) wurde zum provisorischen Parlament der Föderation. Der Aufbau der Staatsorgane der Föderation ging jedoch unter anderem aufgrund der institutionellen Beharrungskräfte der in vielen Bereichen bestehenden Parallelstrukturen nur schleppend voran.

Als eine mögliche Lösung des Bosnien-Konfliktes wurde damals ein Beitritt der bosnisch-herzegowinischen Serben zur Föderation in Form von zusätzlichen serbischen Kantonen angesehen. Dazu kam es jedoch nicht.

Vielmehr wurde durch das Abkommen von Dayton von 1995 die Föderation zu einer von zwei Entitäten des Staates Bosnien und Herzegowina, während die Republika Srpska die zweite Entität wurde. Das Territorium der Föderation beträgt nach dem Abkommen von Dayton etwa 50 % des Territoriums der Republik Bosnien-Herzegowina, wobei sich die Grenzziehung zur Republika Srpska nur teilweise an den Bevölkerungsverhältnissen vor dem Krieg, oft jedoch am Verlauf der Frontlinien im Spätsommer 1995 orientiert.

Nach dem Abkommen von Dayton wurden die Staatsorgane der Föderation von denen des Gesamtstaates Bosnien und Herzegowina getrennt, an denen nun auch Vertreter der Republika Srpska beteiligt wurden.

1996 fanden die ersten direkten Wahlen zu den Parlamenten der Föderation und ihrer Kantone statt.

Im Jahr 2001 kam es im Zuge der Affären um die Absetzung des Politikers Ante Jelavić und die Schließung der Hercegovačka banka zu Konflikten zwischen bosnischen Kroaten und dem Amt des Hohen Repräsentanten.

Einer Entscheidung des Verfassungsgerichtes von Bosnien und Herzegowina von 2001 zufolge haben - in Abweichung vom Abkommen von Washington - in der Föderation neben den Bosniaken und den Kroaten auch die Serben den Status eines konstitutiven Volkes, was umgekehrt auch für Bosniaken und Kroaten in der Republika Srpska gilt.

Aufgrund einer vom Hohen Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina dekretierten Verfassungsänderung ist seit 2002 Serbisch als Amtssprache der Föderation mit Bosnisch und Kroatisch gleichgestellt und das kyrillische ebenso wie das lateinische Alphabet als offizielle Schrift der Föderation anerkannt.[2]

Präsidenten[Bearbeiten]

Name Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit Partei
Krešimir Zubak 31. Mai 1994 18. Mai 1997 NHI
Vladimir Šoljić 18. Mai 1997 29. Dezember 1997 HDZ
Ejup Ganić 29. Dezember 1997 1. Januar 1999 SDA
Ivo Andrić Lužanski 1. Januar 1999 1. Januar 2000 HDZ
Ejup Ganić 1. Januar 2000 1. Januar 2001 PDA
Ivo Andrić Lužanski 1. Januar 2001 28. Februar 2001 HDZ
Karlo Filipović 28. Februar 2001 1. Januar 2002 SDP
Safet Halilović 1. Januar 2002 27. Januar 2003 SBiH
Niko Lozančić 27. Januar 2003 22. Februar 2007 HDZ
Borjana Krišto 22. Februar 2007 17. März 2011 HDZ
Živko Budimir 17. März 2011 amtierend HSP

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Bosnien und Herzegowina – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Bosnien und Herzegowina

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Federation of Bosnia and Herzegovina – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.avaz.ba/vijesti/teme/u-bih-ima-484-posto-bosnjaka-327-posto-srba-i-14-6-posto-hrvata
  2. Amendment XXIX (Verfassungsänderung vom 19. April 2002)

43.8317.71Koordinaten: 44° N, 18° O