Fender Jazz Bass

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Fender Jazz Bass

Fender Jazz Bass, Farbe: Olympic White, Bj. 1966

Allgemeines
Typ E-Bass
Hersteller Fender; USA (Japan, Mexiko)
Produktion

seit 1960

Konstruktion und Materialien
Mensur 34 Zoll (864 mm), Longscale
Korpus Solidbody aus Erle oder Esche
Hals Geschraubter Hals aus Ahorn
Griffbrett Ahorn oder Palisander, 20 Bünde
Sattel Synthetischer Knochen, Breite: 38,1 mm
Mechaniken 4× links, offen
Steg / Brücke Feste, einteilige Metall-Brücke mit einzelnen Saitenreitern
Tonabnehmer und Elektronik
Tonabnehmer

Single Coil

Klangregelung passiv
Soweit nicht anders angegeben, stammen die Daten von der Webseite des Herstellers (Stand: 15. Dezember 2013)

Der Jazz Bass, kurz auch J-Bass genannt, ist ein E-Bass-Modell des US-amerikanischen Instrumentenherstellers Fender Musical Instruments Corporation. Das Modell wurde 1960 erstmals vorgestellt und stellte eine weiterentwickelte Alternative zum etwa zehn Jahre älteren Modell Fender Precision Bass dar. Der Jazz Bass ist eines der meistverbreiteten E-Bass-Modelle.

Allgemeines[Bearbeiten]

Der Jazz Bass unterscheidet sich vom Precision Bass vor allem in der elektronischen Ausstattung, durch einen schmaleren Hals und durch die markante asymmetrische Form des Korpus. Die klanglichen Möglichkeiten des Precision Bass sind durch seinen einzelnen elektromagnetischen Tonabnehmer beschränkt, welcher über zwei getrennte Spulen verfügt, die zusammen als Humbucker geschaltet sind (Split Coil). Der Jazz Bass verfügt dagegen über zwei einspulige Tonabnehmer (Single Coils), die unabhängig in ihrer Lautstärke geregelt und einzeln, aber auch gemeinsam betrieben werden können. Dies bringt dem Jazz Bass eine Klangvielfalt ein, die fast allen Stilrichtungen der Unterhaltungsmusik gerecht werden kann.

Durch diese Allrounder-Eigenschaften und seine leichte Bespielbarkeit lief der Jazz Bass dem Precision Bass bald den Rang als „Bass Nr. 1“ ab. Bis heute sind unzählige auf dem Jazz Bass basierende Varianten auf den Markt gekommen, teils als billigste Kopien, teils als Modernisierungen aus dem eigenen Hause mit aktiver Elektronik und teils als teure bis teuerste Edelmodelle unabhängiger Manufakturen mit erlesenen Hölzern und ausgewählten elektronischen Bauteilen.

Weitere Entwicklungen von Leo Fender nach dem Jazz Bass im Bereich E-Bass waren in den 1960er-Jahren das Modell Fender V (ein Fünfsaiter in Jazz-Bass-Form, jedoch mit einem einzelnem Split-Coil-Tonabnehmer ähnlich wie beim Fender Precision Bass), der Fender Bass VI (der auch zu den Baritongitarren gezählt wird), ab 1976 das Modell Music Man StingRay, sowie ab 1980 weitere E-Gitarren und E-Bässe bei dem von Leo Fender mitgegründeten Musikinstrumentenbau-Unternehmen G&L.

Geddy Lee von der Rockband Rush mit einem Fender Jazz Bass

Konstruktion[Bearbeiten]

Der Jazz Bass hat in seiner klassischen Form (1960 bis ca. 1970) einen Korpus aus Erlenholz mit einem angeschraubten Hals aus Ahornholz. Vereinzelt kam auch Eschenholz für den Korpus zum Einsatz. Das Griffbrett aus Palisander ist mit zwanzig Bünden versehen. Die Mensur beträgt 864 mm (34 Zoll).

Die zwei Tonabnehmer sind Einzelspuler (Singlecoils) mit jeweils zwei Stabmagneten aus einer AlNiCO (Aluminium-Nickel-Cobalt)-Legierung pro Saite. Dabei erzeugt der dem Hals nähere Tonabnehmer einen tieferen, dem Precision Bass ähnlicheren Klang, der dem Steg nähere Tonabnehmer einen definierteren, nasalen Klang mit mehr Mittenanteilen, aber weniger Bassvolumen. In Kombination wirken die beiden Tonabnehmer als parallel geschalteter Humbucker, bei dem die sonst über Singlecoils hörbaren störenden Einstreuungen ausgelöscht werden. Dabei heben sich gewisse Frequenzanteile gegenseitig auf oder verstärken sich, was dem Jazz Bass in dieser Einstellung einen dritten markanten Eigensound verschafft, der sich durch große Klarheit und Definiertheit bei gleichzeitigem Fundamentreichtum auszeichnet.

Für die ersten Modelle von 1960 bis 1962 waren zwei konzentrische Doppelstock-Potentiometer (Stacked-Knob-Pots) kennzeichnend, mit denen für jeden Tonabnehmer einzeln Lautstärke und Höhen geregelt werden konnten. Nach 1962 verwendete man die bis heute übliche Konfiguration mit zwei Lautstärkereglern und einem Tonregler für beide Tonabnehmer zusammen. In den ersten Jahren waren unter der Stegabdeckung Saitendämpfer aus Gummi montiert, um einen kontrabassartigen Klang erzeugen zu können.

Der Steg selbst ist eine einfache Konstruktion aus einem auf den Korpus geschraubten Blechwinkel, an dem vier Saitenreiter aus Stahl, in Höhe (Saitenlage) und Tiefe (Oktavreinheit) justierbar, angebracht sind. Der Sattel des Modells bestand traditionell aus Knochen, heutzutage wird synthetisches Knochenmaterial verwendet.

Der Korpus der klassischen Modelle hat eine Nitro-Lackierung – typischerweise in schwarz, weiß oder in einem dreistufigen Farbverlauf (von schwarz über rot zu klarem Lack, bekannt als 3-Tone-Sunburst) – kombiniert mit einem rötlich-braunen Schlagbrett in Schildpatt-Optik (Tortoise Pickguard). Andere Farben – Blau- oder Rosa-Metallic – waren eher Randerscheinungen. Der Nitrolack hat die Eigenschaft über die Jahre matt und spröde zu werden, was den heute häufigen abgenutzten Charme alter Fenderinstrumente aus den 60er Jahren erklärt.

Um 1970 tauchten zuerst die typischen „70er-Jazz-Bässe“ auf. Man begann, das Design des Jazz Basses leicht zu verändern und dem Zeitgeist anzupassen. So wurde vor allem das Griffbrett nun mit einer Einfassung (Binding) und großen Block-Einlagen (Inlays) versehen. Zum ersten Mal tauchten nun auch häufig Griffbretter aus Ahornholz auf, bei denen die Bundmarkierungen entweder schwarz oder aus hellem Perlmutt (wie bei den Palisandergriffbrettern) waren.

Der Hals wurde mit einer neuen Dreipunkt-„Micro-Tilt“-Verschraubung versehen, mit der man den Halswinkel justieren konnte ohne gleich den ganzen Hals abnehmen zu müssen, wie bei der vorher üblichen Vierpunktverschraubung. Weitere Merkmale waren der nun an der Kopfplatte gelegene Zugang zum Halsspannstab („Bullet-Trussrod“) und die verschobene Daumenstütze (oberhalb der Saiten statt unterhalb). Für den Korpus verwendete man nun bevorzugt Eschenholz, das gerne in transparenter „Natural“-Lackierung präsentiert wurde. Die „altmodischen“ Tortoise Pickguards wichen weißen oder schwarzen. Zwar ließ in den 1970er-Jahren die Qualität der Instrumente nach (Leo Fender hatte seine Firma 1965 an den Konzern CBS verkauft), doch die Optik und der Klang von „70er-Jazz-Bässen“ (die Ahorn/Esche- statt Palisander/Erle-Kombination machte den Jazz Bass drahtiger und präsenter im Klang) sind heute sehr gefragt.

In den 1980er-Jahren änderte sich die Firmenpolitik – CBS setzte ein neues Management ein. Die Produktreihen wurden modernisiert und viele Modellreihen neu oder wieder eingeführt (Vintage Reissues der 60er- und 70er-Jazz-Bässe, Deluxe-Modelle mit aktiver Elektronik, Fünfsaiter). Bis heute ist diese Vielfalt an Optionen die gleiche geblieben.

Prägende Fender-Jazz-Bass-Spieler[Bearbeiten]

Viele einflussreiche Bassisten haben in ihrer Karriere einen Fender Jazz Bass gespielt; einige von ihnen bekamen von Fender eines oder (in Ausnahmefällen) mehrere Sondermodelle gewidmet. Jedoch hatten nur wenige Bassisten durch die Modifikationen, die sie an ihrem Jazz Bass vornahmen oder vornehmen ließen – individuelle Änderungen, die von Fender ganz oder teilweise übernommen wurden – beziehungsweise durch eine direkte Zusammenarbeit mit Fender Einfluss auf die Weiterentwicklung des E-Bass-Modells. Zu diesen Bassisten zählen

  • Jaco Pastorius (USA, 1951–1987). Er wurde in den 1970er-Jahren einem größeren Publikum bekannt als Bassist der Fusion-Band Weather Report. Aus dem Palisander-Griffbrett seines 1962er-Jazz Bass entfernte er die Bundstäbchen, um auf dem so entstandenen Fretless-Bass seine virtuosen Spieltechniken besser anwenden zu können. Außerdem entfernte er das Schlagbrett, was weiter zum charakteristischen Erscheinungsbild seines Basses beitrug. Pastorius, der als einer der weltweit einflussreichsten E-Bassisten gilt, nannte seinen Fender Jazz Bass Bass of Doom. Nach dem Tod von Pastorius gab Fender mehrere Jazz-Bass-Modelle heraus, die dem Instrument des Musikers bis ins Detail nachgebildet sind. Ein Beispiel dafür ist der im Jahr 1999 erschienene Jaco Pastorius Signature J-Bass, der sowohl mit als auch ohne Bundstäbchen erhältlich war.[1]
  • Marcus Miller (USA, *1959), bekannt geworden in den 1980er-Jahren durch seine Zusammenarbeit mit dem Jazz- und Fusion-Trompeter und -Komponisten Miles Davis. Miller ließ die Elektronik seines Fender Jazz Bass modifizieren, um für seine virtuose Slap-Technik erweiterte Möglichkeiten zur Einstellung des Klangs zu bekommen. Auf der Grundlage dieses modifizierten Instruments entwickelte Fender für den Musiker in den 1990er-Jahren ein Signature-Modell, den Marcus Miller Jazz Bass.[1]
  • Stuart Hamm (USA, *1960). Im Jahr 1993 entwickelte Fender gemeinsam mit dem Bassisten ein stark modifiziertes Jazz-Bass-Sondermodell mit dem Namen Urge. Das Modell verfügt über 24 Bünde, eine 32 Zoll messende Short-Scale-Mensur, einen zusätzlichen Split-Coil-Tonabnehmer sowie über eine aktive Elektronik. 1999 erschien mit dem Urge II eine Longscale-Version des Modells.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard R. Smith: Fender – Ein Sound schreibt Geschichte (S. 203 f.). Nikol Verlagsges. Hamburg 1995, ISBN 3-937872-18-3.
  • Peter Bertges: The Fender Reference, Bomots, Saarbrücken 2007, ISBN 978-3-939316-38-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fender Jazz Bass – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Jim Roberts: American Basses – an illustrated history and player’s guide (englisch), S. 62. Backbeat Books, San Francisco 2003. ISBN 0-87930-721-8
  2. Jim Roberts: American Basses – an illustrated history and player’s guide (englisch), S. 60. Backbeat Books, San Francisco 2003. ISBN 0-87930-721-8