Flitzer

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Amerikanischer Flitzer bei einem Spiel zwischen Harvard und Yale, 2006

Als Flitzer bezeichnet man Menschen, die auf öffentlichen Veranstaltungen oder Plätzen durch das Geschehen laufen, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, wobei sie häufig ganz oder teilweise unbekleidet sind. Bekannt wurden Flitzer besonders durch große Sportveranstaltungen, da ihnen ihr dortiges Erscheinen durch die TV-Übertragung ein weitreichendes Publikum ermöglicht.[1] In Großbritannien werden unbekleidete Flitzer streaker und in der bekleideten Form prankster genannt. Einige Flitzer möchten eine politische oder sonstige Botschaft verbreiten, anderen geht es um Selbstdarstellung, Aufmerksamkeit oder Provokation. Die Fernsehsender werden von einigen großen Sportverbänden dazu angehalten, Flitzer möglichst nicht zu zeigen, um den Anreiz der TV-Darstellung zu unterbinden.

Begriff[Bearbeiten]

Ursprünglich bezeichnet flitzen eine schnelle Vorwärtsbewegung. Der Begriff Flitzer entstand aus dem zum Auftreten gehörigen Weglaufen vor Sicherheitskräften oder der Polizei.

Als Flitzer bezeichnet man umgangssprachlich auch einen kleinen, sportlichen (schnellen) PKW.

Geschichte[Bearbeiten]

Ein bekleideter Flitzer wird 2014 beim Australian Football-Match WCE v Collingwood im Patersons Stadium von Ordnern überwältigt.

In den USA wird seit den 1990er Jahren verstärkt geflitzt. Eine traditionelles Ereignis war die „Naked Mile“ in Ann Arbor (Michigan). Hierbei liefen alljährlich im April an der University of Michigan nackte Studenten und Studentinnen um den Campus, bis die Behörden ab 2001 der Veranstaltung ein Ende setzten. Die erste größere Sportveranstaltung, bei der ein Flitzer auftrat und damit das Phänomen in einem weiteren Kreis bekannt machte, war das Rugby-Spiel England gegen Frankreich am 20. April 1974 im Twickenham Stadium, bei dem der 25-jährige Australier Michael O'Brien nackt über das Feld rannte. Das anschließende Foto, bei dem Police Constable Bruce Perry die Genitalien des Delinquenten mit seinem Polizeihelm verdeckte, erlangte weite Bekanntheit.[2][3]

Folgen[Bearbeiten]

In Deutschland kann Flitzen eine Ordnungswidrigkeit nach § 118 OWiG darstellen, zudem werden Flitzer regelmäßig mit einem Hausverbot belegt.

Am 2. Mai 2006 gab das Rostocker Oberlandesgericht dem Fußball-Zweitligisten F.C. Hansa Rostock Recht, der drei Stadionflitzer auf 20.000 € Schadensersatz verklagt hatte, welche der Verein zuvor an den DFB wegen unzureichender Sicherung des Spielfeldes hatte zahlen müssen.[4]

Sonstiges[Bearbeiten]

1974 hatte der Sänger Ray Stevens mit dem Song „The Streak“ – eben der Geschichte über einen Flitzer – einen Nummer-Eins-Hit in den USA und in Großbritannien, in Deutschland landete die Nummer auf Platz 43.

In Österreich hatte Georg Danzer 1975 mit „Jö schau“, wo es um einen Nackten im legendären Café Hawelka ging, seinen ersten und einzigen Nummer-Eins-Hit und schaffte damit den Durchbruch als Liedermacher.

In Spanien gestatteten die ansonsten prüden Zensur-Stellen des Franco-Regimes in den 1970ern, dass in den Nachrichten darüber berichtet wurde, wobei das englische Wort streaking spanisch ausgesprochen und zwischen estrikin (ganz nackt) und semiestrikin (halbnackt) unterschieden wurde.

Bekannte Flitzer[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Flitzer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nackt im Augsburger Stadion: Textil-Trophäe sucht Käufer in Süddeutsche Zeitung vom 9. November 2011
  2. 20.04.74 Britain's first streaker meets his match. The Guardian, 22. April 2006, abgerufen am 13. Juli 2014 (englisch).
  3. PortadaFoliofoto. Abgerufen am 13. Juli 2014 (Foto von Twickenham 1974).
  4. Die nackte Wahrheit: Flitzer müssen zahlen. F. C. Hansa Rostock, 2. Mai 2006, abgerufen am 14. Juli 2014.