Flugzeugkaverne

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Vor dem Tor des Vorstollens steht eine Mirage IIIRS
Außer Dienst gestellte Kampfflugzeuge der Albanische Streitkräfte vom Typ Shenyang F-6 in der Flugzeugkaverne in Gjadër bei Lezha
Flugzeugkaverne auf dem Militärflugplatzes Shahe in China, heute Chinesisches Luftfahrtmuseum
Einfahrt in die Flugzeugkaverne Željava, Europas größte Flugzeugkaverne, die einem Atomangriff standhalten sollte


Eine Flugzeugkaverne ist ein kavernenartiger Flugzeughangar zur Unterbringung von Kampffliegerstaffeln, der nicht nur wie ein normaler Hardened Aircraft Shelter durch die oberirdische bauliche Ausführung in Beton und Stahl, sondern insbesondere durch die unterirdische Bauweise sowie durch den umgebenden Berg gegen Feindeinwirkung geschützt ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkriegs begannen verschiedene Luftwaffen neuartige Flugzeugschutzanlagen in Betrieb zu nehmen. Genauer waren dies die italienische, die japanische, die schwedische und die Schweizer Luftwaffe. Nebst den ungepanzerten Flugzeughangars, welche meist noch aus Holz bestanden, und den sogenannten Boxen (einer Art Garage, in welche das Flugzeug durch ein Tor auf der Hinterseite einfahren und die es durch ein Tor auf der Vorderseite wieder verlassen konnte), begann man mit dem Bau von gehärteten Flugzeugunterständen. Diese bestanden aus einer zumindest 20 cm massiven Stahlbetonhülle und waren zu Tarnzwecken mit Gras und Bäumen überwachsen. Mit Ende des Zweiten Weltkrieges konnten erste Erfahrungen, wie sich massivste Flächenbombardements und der Einsatz von Atombomben auf die Stahlbeton-Schutzbauten auswirkten, ausgewertet werden. Daraufhin entstand eine neue Generation von Schutzbauten, die Flugzeugkavernen. Sie wurden in tunnelbauartiger Weise tief in den Fels getrieben und mittels verwinkelten Eingängen vor dem Explosionsdruck von Kernwaffen geschützt.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Die unterirdischen Flugzeugunterstände beherbergen nebst den Hangars für Kampfflugzeuge auch noch weitere Räume, um den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten. Dazu gehören Stromerzeugungsaggregate zur autarken Stromversorgung, für jeden Sektor eine Lüftungszentrale mit Klimaanlage (welche in ABC-Lagen Kampfstoffe draußen hält), Treibstoff-, Munitions- und Ersatzteillager für den unabhängigen Betrieb der Kampfflugzeuge.

Ein separater Kommandostollen ist mittels gepanzerter Schleusentüren ABC-sicher erbaut. Dort befinden sich die Flugleitung, Einsatzbesprechungsräume, Sanitäts-, Küchen-, Aufenthalts- und Schlafräume für die Piloten und einen Teil der Mannschaften, Ersatzteillager, Werkstätten, Nachrichtenauswertung, und eine Kommunikationszentrale.

Eine Kaverne ist derart ausgerüstet, dass sie den Flugbetrieb in vollem Umfang 24 Stunden am Tag unter ABC-Bedrohungen durchführen kann. Dies ohne von außen mit Kerosin, Waffen, Strom oder Wasser versorgt zu werden. Der Flugbetrieb könnte ohne Versorgung von außen über einen Zeitraum von zumindest einem Monat aufrechterhalten werden. Dies ist auch der geschätzte Zeitraum, nach dem nach einem Einsatz von Kernwaffen die Umgebung wieder ohne tödliche Verstrahlung betreten werden kann. Die Flugzeuge werden in den Schweizer Anlagen im Stollen mittels Kränen an die richtige Position gebracht. In der Kaverne sind sämtliche Reparaturen inklusive Triebwerkswechsel an den Flugzeugen möglich.

Kavernenstandorte weltweit[Bearbeiten]

AlbanienAlbanien Albanien

  • Flugzeugstollen Gjadër (Lezha-Zadrima; LAGJ)
  • Flugzeugstollen Kuçova (Berat; LAKV)

China VolksrepublikChina Volksrepublik China

  • Flugzeugstollen Anqing (An Ching)
  • Flugzeugstollen Beijing Shahezhen (Datang Shan)
  • Flugzeugstollen Changzing
  • Flugzeugstollen Cha-su-Chi
  • Flugzeugstollen Chifeng
  • Flugzeugstollen Daishan
  • Flugzeugstollen Dezhou (Jiugucheng)
  • Flugzeugstollen Feidong
  • Flugzeugstollen Fuxin
  • Flugzeugstollen Huairen
  • Flugzeugstollen Jining (ZSJG)
  • Flugzeugstollen Jingyuan (Dalachi)
  • Flugzeugstollen Jinzhou Xiaolingzi (ZYJZ)
  • Flugzeugstollen Jiyuan (Chi-yüan)
  • Flugzeugstollen Leiyang südwest
  • Flugzeugstollen Pulandian
  • Flugzeugstollen Ranghe Zen
  • Flugzeugstollen Rugao
  • Flugzeugstollen Suzhou west
  • Flugzeugstollen Taihe
  • Flugzeugstollen Urumqi süd (Ürümqi)
  • Flugzeugstollen Xuzhou Daguozhang
  • Flugzeugstollen Yantai Südwest (ZSYT)
  • Flugzeugstollen Yinchuan (Xincheng)
  • Flugzeugstollen Yiwi (Yiwu)
  • Flugzeugstollen Yongning
  • Flugzeugstollen Zhangjiakou
  • Flugzeugstollen Zunhua

ItalienItalien Italien

KroatienKroatien Kroatien

Bosnien und HerzegowinaBosnien und Herzegowina Bosnien und Herzegowina

KosovoKosovo Kosovo

  • Flugzeugstollen Slatina (Pristina; LYPR)

MontenegroMontenegro Montenegro

  • Flugzeugstollen Sipcanik (Podgorica; LYPG)

NorwegenNorwegen Norwegen

SchwedenSchweden Schweden

Korea NordNordkorea Nordkorea

China RepublikRepublik China Republik China

VietnamVietnam Vietnam

Flugzeugkavernen der Schweizer Luftwaffe[Bearbeiten]

Die Flugzeugkavernen der Schweizer Luftwaffe sind Ausdruck der Schweizer Reduitstrategie in der Luftfahrtinfrastruktur. Nebst diesen Schutzbauten wurden während des Zweiten Weltkriegs bei zehn Gebirgs-Kriegsflugplätzen Tunnel (sog. Retablierstollen) in die Berge getrieben. In diesen gab es genug Platz, um einmotorige Jagdflugzeuge wie die Messerschmitt Bf.109E oder die P-51D „Mustang“ darin abzustellen. Während des Kalten Kriegs wurden sechs dieser Tunnel zu Flugzeugkavernen ausgebaut.

Flugzeugunterstände auf Militärflugplatz[Bearbeiten]

In die erste Generation von Flugzeugunterständen passten ein bis zwei Flugzeuge vom Typ D.H.100 „Vampire“, wobei es sich mehr um Splitterschutz-Unterstände handelte. Neuere verbunkerte Flugzeugunterstände wurden immer paarweise zusammengebaut - oft zur besseren Nutzung der Rollwege mit einem weiteren Unterstand in unmittelbarer Nähe und insbesondere bei Gebirgsflugplätzen das Gelände ausnutzend. Beide Kammern beherbergen neben den zwei bis vier Flugzeugen auch noch Mannschaftsräume, einen Dieselgenerator, ein Ersatzteillager oder eine Küche. Die Mannschaftsräume sind dank Schleusen ABC-sicher. Auch die ans Gelände angelehnten Flugzeugunterstände sind keine Kavernen.

Felskavernen[Bearbeiten]

Die Flugzeugkavernen bestehen aus drei separaten Stollen:

  • Dem ersten Stollen X (Xaver), in dem 15 Flugzeuge Platz finden. Die Flugzeugkavernen sind talseitig durch ein Holz/Stahl-Verbundtor geschützt, dem in versetzter Position nach dem Vorstollen ein circa 50 cm dickes Stahlbetontor folgt. Dadurch wird eine direkte Beschussmöglichkeit ausgeschlossen. Er ist durch einen Gang, der mit einer Halongaslöschanlage ausgerüstet ist, mit der Waffenkammer verbunden. In dieser werden Munition für die Sturmgewehre, Munition für Bordkanonen, Sprengbomben, Raketen (AIM-9 „Sidewinder“ & AIM-120 „AMRAAM“), Täuschkörperpatronen (Düppel- und Leuchtfackel) sowie diverse Sprengbolzen für Schleudersitze und Waffenaufhängungen gelagert.
  • An den Kommandostollen grenzt der zweite Flugzeugstollen, der mit Y (Yvonne) bezeichnet wird. Er ist baugleich wie der Stollen X und fasst ebenfalls 15 Flugzeuge.
  • Einen dritten Stollen, hinter dem sich die Treibstofftanks befinden.

Mit der Einführung der Armeereform XXI wurden die Flugzeugkavernen Militärflugplatz Alpnach, Ambrì, Raron und Turtmann geschlossen. Die Flugzeugkaverne Buochs wurde zur Reservebasis bestimmt, die inaktiv ist, aber jederzeit wieder betrieben werden kann.

Standorte Schweiz[Bearbeiten]

SchweizSchweiz Schweiz

  • Flugzeugkaverne Militärflugplatz Alpnach (LSMA)
  • Flugzeugkaverne Flugplatz Ambrì-Piotta (LSPM)
  • Flugzeugkaverne Flugplatz Buochs (LSMU)
  • Flugzeugkaverne Militärflugplatz Meiringen (LSMM)
    Die Kaverne Meiringen wurde für 120 Millionen Schweizer Franken an die F/A-18 angepasst. Es wurde zusätzlich der Stollen Z gebohrt, welcher im Gegensatz zu den anderen Stollen über keine Kräne an der Decke verfügt. Die Stollen Y und Z sind mit Quergängen verbunden, in welchen zusammen mit in den Stollen integrierten Nischen zehn bis zwölf F/A-18 abgestellt werden können. Die beiden Vorstollen Y und Z sind ebenfalls vor den Panzertoren mit einer Querverbindung für die Flugzeuge durchfahrbar. Zudem unterscheidet sich die Kaverne in Meiringen noch durch ihren eigenen Zugang zum Munitionsstollen in der Nähe des Stollen X. Ursprünglich wurde dieser Stollen für die A-7G Corsair II gebaut.
  • Flugzeugkaverne Flugplatz Raron (LSTA)
  • Retablierstollen Saanen (LSGK)
  • Retablierstollen St. Stephan (LSTS)
  • Flugzeugkaverne Turtmann (LSMJ)

Eingesetzte Flugzeugtypen aus Schweizer Flugzeugkavernen Prinzipiell wurden aus dem Stollen lediglich einsitzige Kampfflugzeuge eingesetzt. Doppelsitzer waren meist zu lang und hatten keine Kampf-, sondern Trainingsfunktionen. Hubschrauber passten wegen der nicht faltbaren Rotorblätter nicht hinein.

Mögliche Typen; jedoch keine Einsätze

Getestet in Kaverne aber nicht beschafft

nach Außerdienststellung dort eingelagert, keine Einsätze

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Flugzeugkaverne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  • Uno Zero Zero – Ein Jahrhundert Schweizer Luftwaffe. Aeropublications, Teufen/ZH 2013, ISBN 978-3-9524239-0-5, S. 230
  • 25 Jahre Fligerbrigade 32. Fl Br32 1990