AIM-9 Sidewinder

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AIM-9 Sidewinder

Aim 9.jpg

Allgemeine Angaben
Typ: Luft-Luft-Lenkwaffe
Hersteller: Raytheon (u. a.)
Entwicklung: 1952
Indienststellung: 1956
Stückpreis: AIM-9X: 262.000 USD
Technische Daten
Länge: 2,85 m
Durchmesser: 127 mm
Gefechtsgewicht: 85 kg
Spannweite: 630 mm
Antrieb: Feststoff-Raketenmotor
Geschwindigkeit: Mach 2,5
Reichweite: 17,7 km
Ausstattung
Zielortung: Infrarot
Gefechtskopf: 9,4 kg
Waffenplattformen: Jagdflugzeuge
Listen zum Thema

Die AIM-9 Sidewinder (AIM steht hierbei für Air Intercept Missile) ist eine wärmesuchende Kurzstrecken-Luft-Luft-Lenkwaffe für den Einsatz durch Kampfflugzeuge und Kampfhubschrauber aus US-amerikanischer Produktion. Im Laufe der inzwischen 50-jährigen Geschichte wurden mit der Sidewinder mehr Flugzeuge abgeschossen als mit jedem anderen Flugkörper. Eine modifizierte Version wurde auch im bodengestützten MIM-72 Chaparral eingesetzt.

Die Sidewinder hat einen hochexplosiven Sprengkopf und ein infrarotbasiertes wärmesuchendes Lenksystem. Ihre weiteren Bestandteile sind ein optischer Zieldetektor, das Leitwerk und der Raketenmotor. Das Lenksystem leitet den Flugkörper direkt in die heißen Triebwerke des Gegners (oder was der Flugkörper dafür hält). Eine Infrarot-Einheit kostet weniger als jedes andere Lenksystem und ist eingeschränkt allwettertauglich. Der Infrarotsucher gibt dem Flugkörper auch echte Fire-and-Forget -Fähigkeiten. Nach dem Start benötigt der Flugkörper keine Unterstützung seitens der abfeuernden Plattform mehr und lenkt sich selbständig ins Ziel.

Der Name des Flugkörpers leitet sich von der Seitenwinder-Klapperschlange ab, die zu den Grubenottern gehört und ihre Beute durch Infrarot-Sinnesorgane findet.

Geschichte[Bearbeiten]

Die AIM-9 wurde ab den späten 1940er-Jahren von der US Navy von einem Entwicklungsteam auf der Naval Ordnance Test Station der US-Marine in China Lake, Kalifornien, unter der Leitung von William B. McLean entwickelt.[1] Sie verwendete einige neue Techniken, die sie einfacher und verlässlicher als ihr Gegenstück bei der Air Force, die AIM-4 Falcon, machten. Nachdem die Falcon im Vietnamkrieg unbefriedigende Leistungen erzielte, ersetzte die Air Force sie durch Sidewinders.

Die „Heat-Homing Rocket“ der U.S. Navy 1952

Die Firma Philco (später Ford Aerospace) erhielt 1951 den Auftrag zur Entwicklung einer Rakete auf Basis der Erkenntnisse des Navy-Teams. Ein Prototyp der Sidewinder, die AIM-9A, wurde zum ersten Mal am 11. September 1953 erfolgreich abgefeuert, wobei eine umgebaute F6F-5K als Ziel diente. Die erste Produktionsversion AIM-9B wurde ab Frühjahr 1956 als AAM-N-7 an die Navy bzw. als GAR-8 an die Air Force ausgeliefert. Die ersten Serienversionen wurden anfangs als Sidewinder I oder IA, später als AIM-9A oder AIM-9B bezeichnet. Da sie seitdem ständig weiter verbessert wurde, führte dies zu einer Vielzahl verschiedener Versionen, was zusätzlich noch durch den Umstand verstärkt wurde, dass in den 1960er- und 70er-Jahren die US Navy und die US-amerikanische Luftwaffe die Fortentwicklung der Sidewinder getrennt voneinander betrieben. Die Gründe dafür lagen vor allem in der traditionellen Rivalität dieser beiden Teilstreitkräfte, aber auch in den unterschiedlichen Anforderungsprofilen in dieser Zeit. So nahm in der Einsatzdoktrin der US-Marineflieger der Luftkampf gegen feindliche Jäger und Jagdbomber einen wesentlich höheren Stellenwert ein als bei der Luftwaffe, die ihre Hauptpriorität vornehmlich auf die Bekämpfung verhältnismäßig behäbiger Bomber in großen Flughöhen legte. Die ersten Modelle erreichten nur eine Reichweite von etwa 4 km, konnten nur von hinten auf ein Flugzeug abgefeuert werden und ließen sich noch recht leicht von Wolken, Reflexionen, der Sonne und ähnlichen Einflüssen ablenken.

Insgesamt wurden bisher im Laufe ihrer Einsatzzeit etwa 160.000 Stück gebaut, die von etwa vierzig Staaten eingesetzt wurden.

Der Bambini-Code der schweizerischen Luftwaffe für den Sidewinder lautet Siwa.

Versionen[Bearbeiten]

AIM-9B
AIM-9B
Erste Serienversion mit ungekühltem 70-Hz-Bleisulfid-(PbS)-Detektor-Suchkopf mit 4° Blickfeld und rotierendem Spiegel, 25° Schielwinkel und einer Zielverfolgungsrate von 11°/s. Gasgenerator zur Energieversorgung für die 20 s Flugzeit und einer Gasflasche zur Kühlung der elektrischen Bauteile. Sprengkopf mit Splitterwirkung, der von einem passivem Infrarot-Annäherungszünder ausgelöst wird. Passiv bedeutet, dass der Zünder durch die vom Triebwerk des Zielobjektes ausgehende (Infrarot-)Wärmestrahlung ausgelöst wird und dieser nicht – wie bei aktiven Verfahren – selbst eine elektromagnetische Welle aussendet und deren Reflexionen auswertet.
AIM-9C
Version mit halbaktivem Radarsuchkopf, verbessertem Raketenmotor Rocketdyne MK36 mit 60 s Brenndauer (und damit größerer Reichweite), größeren Steuerflächen und stärkeren Aktuatoren. Nur für kurze Zeit von der US-Marine an der Vought F-8C Crusader verwendet. Restbestände umgebaut zur AGM-122 Sidearm.
Mit AIM-9D bewaffnete F-4B der U.S. Navy im Vietnamkrieg
AIM-9D
Version mit stickstoffgekühltem 125-Hz-Suchkopf mit verkleinertem 2,5°-Blickfeld, 27°-Schielwinkel und auf 12°/s erhöhter Zielverfolgungsrate. Erhöhte Reichweite und Wendigkeit dank ogiovalem Nasenprofil für geringeren Luftwiderstand, schubstärkerem Raketenmotor mit längerer Brenndauer, größeren Steuerflächen, stärkeren Aktuatoren und neuem Gasgenerator für bis zu 60 s gesteuerter Flugzeit. Weiterhin Installation eines verbesserten Gefechtskopfs mit neuem Annäherungszünder. Marinevariante.
AIM-9E
Verbesserte AIM-9B mit Peltier-gekühltem 100-Hz-Suchkopf mit auf 16,5°/s erhöhter Zielverfolgungsrate in einer verlängerten konischen Nase. Luftwaffenvariante. Wird von den japanischen Luftstreitkräften als AAM-1 geführt.
AIM-9F
Auch als AIM-9B F.G.W.2 bezeichnet. Verbesserte Variante der AIM-9B, mit neuem CO2-gekühltem Suchkopf mit einer Zielverfolgungsrate von 16°/s, bei der an Stelle der Röhrentechnik eine zuverlässigere Festkörperelektronik verwendet wurde. Diese Variante wurde von der Bodenseewerk Gerätetechnik GmbH für die deutsche Luftwaffe entwickelt und gebaut. Ein Einsatz in den amerikanischen Streitkräften erfolgte nicht.
AIM-9G
Verbesserte Version der AIM-9D mit neuen Zielerfassungsmodi (SEAM, Sidewinder Extended Acquisition Mode). Diese erlauben es, dem Suchkopf mittels des Bordradars ein Ziel zuzuweisen oder aber den Suchkopf in einem speziellen Raster den Bereich vor der Startplattform abtasten zu lassen. Weiterhin konnte eine Zielzuweisung auch über ein Helmvisier vorgenommen werden. Diese Option wurde aber nur in Verbindung mit der F-4N und F-4S Phantom II genutzt und nach der Einführung der McDonnell Douglas F/A-18 bis zur Einführung der Variante AIM-9X nicht mehr verfolgt. Marinevariante.
AIM-9H
Erneute Verbesserung der G-Version mit einer neuen Steuerelektronik, die statt störungsanfälligen Elektronenröhren zuverlässigere Halbleiterbauelemente verwendete. Erhöhung der Zielverfolgungsrate auf 20°/s und stärkere Aktuatoren. Marinevariante.
AIM-9J/N
Weiterentwicklung der AIM-9E ab Anfang der 1970er-Jahre, bei der die Elektronik teilweise von Elektronenröhren auf Halbleiterbauelemente umgestellt wurde. Installation eines neuen Gasgenerators für bis zu 40 s gesteuerter Flugzeit und neuer Steuerflächen mit charakteristischen eckigen Doppeldelta-Canards zu Erhöhung der Wendigkeit. Die Variante AIM-9N, zunächst auch als AIM-9J-1 bezeichnet, weist gegenüber der Basisvariante eine überarbeitete Elektronik aus und war vorwiegend für den Export bestimmt. Luftwaffenvariante.
AIM-9L und -9M
AIM-9L
Stark verbesserte Variante der Sidewinder auf der Basis der AIM-9H, die ab 1977 in Serie produziert wurde. Einsatz eines FM-modulierten argongekühlten Indiumantimonid-Suchkopfs, der erstmals auch die Erfassung von Zielen auch aus der frontalen Hemisphäre erlaubte, während vorige Sidewinderversionen nur von hinten auf ein Ziel abgefeuert werden konnten. Überarbeitete Steuerflächen in Form von spitz zulaufenden Doppel-Canards. Verwendung eines überarbeiteten Gefechtskopfes mit aktivem Laser-Annäherungszünder. Einsatz sowohl bei Luftwaffe als auch Marine und Beendigung der nach Teilstreitkräften getrennten Entwicklungslinien der Sidewinder. Die AIM-9L/i ist eine von Bodenseewerk Gerätetechnik in Lizenz produzierte Subvariante mit verbesserter Unterdrückung von IR-Gegenmaßnahmen. Sie wurde auch in Japan hergestellt.
AIM-9M
Überarbeitete AIM-9L mit raucharmem Raketenmotor MK36 Mod.11, überarbeiteter Elektronik und besserer Unterdrückung von IR-Gegenmaßnahmen (IRCM). Verschiedene Subvarianten mit einsatz- und nutzerspezifischen Modifikationen.
AIM-9P der Hawaii Air National Guard 1980
AIM-9P
Verbesserte Variante AIM-9J/N mit verschiedenen Subvarianten. P-1: Einsatz des aktiven Laser-Annäherungszünders der AIM-9L. P-2: Verwendung eines raucharmen Raketenmotors. P-3: Kombination der beiden vorigen Varianten. P-4: Verwendung eines All-Aspect-Suchkopfs ähnlich dem der AIM-9L. P-5: Verbesserung der P-4 mit erhöhter Unempfindlichkeit gegenüber IR-Störmaßnahmen. Die AIM-9P war ursprünglich als leistungsreduzierte Exportvariante zur Ergänzung der AIM-9L konzipiert worden, wurde jedoch auf Grund ihrer vergleichsweise geringeren Kosten und der Möglichkeit, bereits vorhandene AIM-9J/N aufzurüsten auch von der US-Luftwaffe in größeren Stückzahlen geordert.
AIM-9R
Variante der Sidewinder mit abbildendem IR-Suchkopf. Entwicklung Ende der 1980er-Jahre aus Kostengründen eingestellt.
AIM-9S
Exportvariante der AIM-9M.

Die Sidewinder ist der von den NATO-Staaten und einigen amerikanischen Verbündeten am meisten genutzte Luft-Luft-Flugkörper; bislang wurden 110.000 Stück für 28 Staaten produziert. Er ist einer der ältesten, kostengünstigsten und erfolgreichsten Flugkörper im US-Waffeninventar.

Es existiert auch eine Trainingsversion, die ATM-9L. Diese besitzt keine Ruderflossen und keinen Raketenmotor. Sie wird nicht abgefeuert, sondern dient den Zielsystemen des Flugzeugs und dem Piloten als Übungsobjekt zur Erfassung von Zielen, da der Suchkopf voll funktionsfähig ist.

Modell AIM-9X[Bearbeiten]

AIM-9X einer F/A-18E 2008
Frontalansicht einer AIM-9X

Nachdem infolge der Beendigung des Kalten Kriegs und der deutschen Wiedervereinigung westliche Streitkräfte in den Besitz ex-sowjetischer Waffensysteme gekommen waren, wurde festgestellt, dass der modernste Nahkampf-Luft-Luft-Flugkörper des Ostblocks, die Wympel R-73/A-11 Archer den damaligen westlichen Gegenstücken in nahezu allen relevanten Parametern weit überlegen war. Dies war für die NATO-Streitkräfte überraschend, war man doch bis dato davon ausgegangen, dass sowjetische Raketensysteme weniger weit entwickelt waren und man auch in der Zukunft bestenfalls mit Lenkwaffen in der Leistungsklasse der AIM-9L/M rechnen müsse. Daher wurde entschieden, eine neue Luft-Luft-Rakete zu entwickeln, um zur russischen Entwicklung aufzuschließen.

Ursprünglich wurde daran gedacht, als Ersatz für die Sidewinder die britische AIM-132 ASRAAM zu beschaffen, doch fortwährende Verzögerungen durch Streitigkeiten über die konzeptionelle Auslegung des Flugkörpers zwischen Großbritannien und dem damaligen ASRAAM-Projektpartner Deutschland führten zu einer Beendigung dieser Pläne seitens der USA. Stattdessen wurde 1994 ein eigenes Programm für den neuen Kurzstrecken-Luft-Luft-Flugkörper AIM-9X begonnen.

Die AIM-9X wird zwar weiterhin der AIM-9-Serie zugeordnet, ist jedoch eine komplette Neuentwicklung, die lediglich auf einige Komponenten ihrer Vorgänger zurückgreift. So wurden bewährte Bauteile wie der raucharme Raketenmotor und der Sprengkopf von der AIM-9M übernommen. Neu ist der Raketenkörper, der wesentlich luftwiderstandsärmer als der früherer Versionen ist und nun über die Heckflossen und nicht mehr über die vorderen Canards gesteuert wird. In Verbindung mit einer ebenfalls neuen Schubvektorsteuerung wird so eine deutlich bessere Manövrierfähigkeit erzielt.

Ein wesentlicher Fortschritt gegenüber den bisherigen AIM-9-Modellen ist der abbildende IR-Suchkopf, dessen Herzstück ein Bildsensor als Focal-Plane-Array mit 128×128 Elementen ist. Dieser besitzt eine größere maximale Erfassungsreichweite als die Suchköpfe früherer Sidewinder und kann durch eine Auswertung des IR-Bildes das eigentliche Ziel zuverlässig von Störmaßnahmen unterscheiden. Hinzu kommt, dass eine Erfassung von Zielen bis zu 90° abseits der Flugrichtung möglich ist, während ältere Modelle der AIM-9-Serie diesbezüglich auf 27,5° beschränkt sind. Die Rakete verwendet zur Steuerung nun einen Digitalrechner, dessen Mikroprozessor wesentlich komplexere Daten und Algorithmen verarbeiten kann.

Die Kommunikation zwischen dem Flugkörper und dem Feuerleitrechner der Plattform wird nun erstmals digital abgewickelt. Neuere Flugzeuge beherrschen diesen Modus bereits seit einigen Jahren; für Plattformen, bei denen sich eine Umrüstung nicht mehr lohnt (F-14, AV-8B und AH-1 Cobra), hat die Rakete einen analogen Kompatibilitätsmodus, in dem sie sich wie eine AIM-9M verhält und sich gegenüber dem Feuerleitrechner auch so identifiziert.

Die Serienfertigung des Flugkörpers ist Ende 2002 angelaufen, die ersten einsatzbereiten Muster wurden bei der Operation Iraqi Freedom 2003 gesehen. Ob sie dort zum Einsatz gekommen ist, wird derzeit noch geheim gehalten.

Ab Dezember 2007 erhielt die Schweiz die ersten AIM-9X für ihre Kampfflugzeuge vom Typ F/A-18 Hornet als Ersatz für das Vorgängermodell AIM-9P.

Inzwischen wurden über 4500 Lenkwaffen zu einem Stückpreis von etwa 320.000 US-Dollar ausgeliefert. Allein die US Air Force und die US Navy planen die Anschaffung von insgesamt 10.142 Raketen, womit sich das Budget auf ungefähr drei Milliarden US-Dollar beläuft. Im Juli 2011 geht die weiterentwickelte Block-II-Version bei Raytheon in Produktion.[2]

Modell AA-2 Atoll[Bearbeiten]

Eine besondere Sidewinder-Variante ist die sowjetische R-3/AA-2 Atoll, die in ihrer ersten Version eine exakte Kopie der US-amerikanischen AIM-9B darstellte. Wie die Sowjetarmee an eine Sidewinder gelangte, ist bis heute nicht restlos geklärt. Spätestens ab 1967 stand den sowjetischen Truppen eine Sidewinder zur Verfügung, die der Krefelder Architekt Manfred Ramminger mit Hilfe seines Fahrers und des Starfighter-Piloten Wolf-Diethard Knoppe am 22. Oktober 1967 auf dem westdeutschen Fliegerhorst Neuburg entwendet hatte. Die Rakete wurde später – in unverdächtige Teile zerlegt – über den Flughafen Düsseldorf nach Moskau geschafft. Das Trio wurde ein Jahr später verhaftet. Für wahrscheinlich wird allerdings auch gehalten, dass die Sowjets bereits ab 1958 über eine Sidewinder verfügten, die bei einem Luftkampf zwischen einer nationalchinesischen F-86 Sabre und einer MiG-17 der Volksrepublik China am 24. September 1958 über der Straße von Formosa ungezündet im Rumpf der MiG steckengeblieben war und über China in die Sowjetunion kam. Gegenüber den bisherigen komplexen sowjetischen Eigenentwicklungen war die Sidewinder sehr einfach aufgebaut. Seit ihrem ersten Einsatz über Vietnam wurden auch Verbesserungen an den sowjetischen Eigenentwicklungen vorgenommen, die durch ihre geringen Beschaffungskosten vor allem für den Export in Dritte-Welt-Staaten interessant wurden.

Einsatz[Bearbeiten]

Eine AIM-9L zerstört 1974 eine QF-4B-Zieldrohne

Der erste Einsatz der AIM-9 erfolgte während der Zweiten Quemoy-Krise. Am 24. September 1958 feuerte eine taiwanesische F-86 Sabre eine Sidewinder auf eine MiG-15 der Volksrepublik China ab.

Während des Vietnamkrieges erzielte die AIM-9 anfänglich eine Trefferquote von 65 %. Diese sank bis zum Ende des Krieges auf 15 %.[3]

Während des Falklandkrieges feuerten britische Harrier 26 AIM-9L auf argentinische Luftziele und erzielten 19 Treffer. Dies entspricht einer Trefferquote von 73 %.[3]

Während des Zweiten Golfkrieges wurden mit 48 abgefeuerten AIM-9M elf Treffer erzielt. Dies entspricht einer Trefferquote von 23 %.[3]

Technik[Bearbeiten]

Aufbau[Bearbeiten]

Der Flugkörper besteht aus vier Hauptsektionen: Zielerfassung, Lenkung, Gefechtskopf und Raketenmotor. Diese sind hauptsächlich in einer Aluminiumröhre von 12,7 cm Durchmesser untergebracht.

Vorderer Teil einer AIM-9L

Die Guidance and Control Unit (GCU) enthält den größten Teil der Elektronik und Mechanik des Flugkörpers. An der Spitze der Rakete sitzt hinter einem Glasdom der IR-Suchkopf mit der rotierenden Spindel, dem Spiegel und fünf Bleisulfid- bzw. ab der Variante AIM-9L Indiumantimonid-Fotowiderständen bzw. einem Focal-Plane-Array bei der AIM-9X. Dahinter liegt die Elektronik, die Daten sammelt, Signale interpretiert und Steuersignale erzeugt. Von der GCU führt eine elektrische Verbindung zur Startschiene des Flugzeugs. Die Elektronik wird mit Hilfe einer Argon-Flasche oder flüssigem Stickstoff (AIM-9X) gekühlt. Am hinteren Ende der GCU sorgt ein Gasgenerator oder eine thermische Batterie (AIM-9X) für elektrische Energie. Dahinter folgt der Zünder mit acht IR-Emittern und Detektoren, die den Gefechtskopf in der Nähe des Ziels zur Detonation bringen. Versionen vor der AIM-9L besaßen zusätzlich noch einen Magnetzünder. Da im Militärflugzeugbau zunehmend abgeschirmte Verkabelungen und nichtmagnetische Metalle Verwendung finden, wäre der Magnetzünder heute relativ nutzlos.

Die neuesten Modelle der AIM-9 besitzen einen Gefechtskopf mit kugelförmiger Splitterwirkung. Er besteht aus spiralförmig gewundenem Federstahl und ist mit 6 kg Tritonal gefüllt.

Die Antriebssektion mit dem Feststoff-Raketenmotor enthält auch drei Anschlussstücke, die den Flugkörper mit der Startschiene verbinden. Über elektrische Kontakte in der Schiene wird der Motor gezündet und der Gefechtskopf vorgeschärft. Bei allen älteren Modellen dienen die Heckflossen nur der aerodynamischen Stabilisierung, während mit den vorderen Flügeln gesteuert wird. Bei der AIM-9X ist dies erstmals umgekehrt. Deshalb wurde es notwendig, entlang des gesamten Flugkörpers Kabelstränge zu installieren.

Funktion des Infrarot-Zielsystems[Bearbeiten]

Geometrie der Zielerfassung

Der Hauptvorteil der Sidewinder war ihr einfaches, aber wirksames Ziel-Lenk-System, das eine Kombination aus Mechanik und Analogcomputer einsetzt, da Digitalrechner mit ausreichender Leistung und Kompaktheit zur Entwicklungszeit nicht verfügbar waren. Dies änderte sich erst Mitte der 1990er-Jahre durch die AIM-9X.

Im Zweiten Weltkrieg hatten die Deutschen bereits mit Infrarot-Lenksystemen in einer großen als Enzian bezeichneten Rakete experimentiert; das Kriegsende verhinderte jedoch eine Weiterentwicklung. Die Enzian besaß einen IR-Detektor, der in einem kleinen beweglichen Teleskop montiert war, und benutzte eine Metallfahne vor dem Spiegel, um feststellen zu können, auf welcher Seite des Zentrums sich das Ziel befand, um lenken zu können. Wenn die Rakete sich kontinuierlich in die jeweils gegenwärtige Richtung des Teleskops bewegte, lenkte sie sich auf einem so genannten Schleppkurs ins Ziel.

Die Sidewinder verbesserte dieses auf mehrere Arten: Zuerst wurde der starre Spiegel durch einen um einen Schaft rotierenden ersetzt. Anstatt das Ziel im Spiegel zu fixieren, würde der IR-Sensor das Ziel als eine Serie kurzer Blitze sehen. Wenn bekannt war, wo auf dem sich drehenden Spiegel der Blitz war, ergab sich die radiale Richtung zum Ziel, im Bild w1. Zusätzlich konnte das System den Abweichungswinkel, w2, zum Ziel auf eine clevere Weise feststellen. Wenn sich das Ziel seitlich aus dem Sichtfeld bewegte, war der Blitz auf Grund der höheren Bewegungsgeschwindigkeit an der Außenseite des Spiegels kürzer.

Diese Art von Signal verbesserte das Zielverfolgungssystem: Anstatt den Flugkörper einfach auf die momentane Position des Ziels zu lenken – was ineffizient ist, da dieses sich meist schnell weiter bewegt – „merkte“ sich das Lenksystem der Sidewinder die Richtung und Dauer jedes Blitzes. Sie versuchte dann, die Bewegungsänderungen des Ziels im Spiegel auszunullen, anstatt den Unterschied zwischen dem Winkel des Detektors und dem des Flugkörpers bei Null zu halten. Wenn das Ziel im Sucher stillstand, war der Flugkörper genau auf dem kürzesten Weg zum Ziel, dieser Kurs wird auch Abfangkurs genannt.

Das ganze System war allerdings davon abhängig, dass der Flugkörper nicht um die Längsachse rotierte, da in diesem Fall das von der Rotationsgeschwindigkeit des Spiegels abhängige Timing nicht mehr korrekt sein würde. Die Korrektur dieser Rotation würde normalerweise einen Lagesensor erfordern, um dann entsprechend gegenzusteuern. Stattdessen fanden die Sidewinder-Ingenieure eine einfachere Lösung: Am hinteren Teil des Flugkörpers wurden kleine Steuerflächen mit drehenden Scheiben (Zahnräder) auf der Oberfläche angebracht (englisch: „rollerons“).[1] Luftfluss über die Scheiben ließ sie schneller drehen; wenn der Flugkörper zu rollen begann, drückte die in diesem Fall auf die Scheiben wirkende gyroskopische Kraft die Steuerflächen in den Luftfluss und unterband die Rollbewegung. Das Sidewinder-Team ersetzte also ein komplexes Kontrollsystem durch vier kleine Stücke Metall.

Die Zielerfassung mit der Sidewinder kann auf mehrere Arten erfolgen: Zum Einen kann die Rakete selbständig den Himmel vor ihrem schwenkbaren Suchkopf absuchen; hat sie eine Wärmequelle erfasst, signalisiert sie dies dem Piloten per Audiosignal (ein hohes Pfeifen in Abhängigkeit von der Qualität der Zielerfassung). Zum Zweiten gibt es den Nachführungsmodus, bei dem der Pilot ein Ziel mit seinem Bordradar aufschaltet. Das Radar teilt dann dem Flugkörper den Winkel zum Ziel mit, dieser schwenkt seinen Suchkopf dorthin und erfasst das Ziel. Die neue AIM-9X beherrscht noch einen dritten Modus, der allerdings gegenwärtig noch nicht benutzt wird; hierbei ist der Pilotenhelm mit einem Sensor gekoppelt, der dem Flugkörper die momentane Blickrichtung des Piloten meldet. Um einen Flugkörper abzufeuern, muss der Pilot also nur das Ziel anschauen und abdrücken. Dies ist vor allem im extremen Nahkampf, wenn die Entfernung zum Radareinsatz bereits zu gering ist, oder bei Helikoptern nützlich.

Technische Daten[Bearbeiten]

Typ[1] Lenkung Länge
in m
Startmasse
in kg
Vmax
in Mach
Reichweite
in km
Bemerkungen
AIM-9B Infrarot 2,83 70,4 2 4,8 ab 1956
AIM-9C halbaktives Radar 2,87 84 2 17,7
AIM-9D Infrarot 2,87 88,5 2 17,7
AIM-9J Infrarot 3,07 78 2 14,5 ab Anfang der 1970er Jahre
AIM-9L Infrarot 2,85 85,3 2 17,7 ab 1977
AIM-9M Infrarot 2,85 86 2,5 17,7 ab 1982
AIM-9P Infrarot 3,07 78 2,5 17,7
AIM-9X Infrarot 2,90 85,5 2,7 16 ab 2002
MAA-1 Infrarot 2,72 86 2 16 brasilianische Version
PL-2 Infrarot 2,88 70 2 7,8
PL-5B Infrarot 2,89 85 2 16
Shafrir 2 Infrarot 2,47 93 2,5 5 israelische Eigenentwicklung auf Basis der Sidewinder
AAM-1 Infrarot 2,60 70 2 7 japanische Version
Kukri V3 Infrarot 2,94 73,4 2,5 6 südafrikanische Version
Tien Chien 1 Infrarot 2,87 90 2 15 taiwanesische Version
R-3S Infrarot 2,84 75,3 2 7 ab 1960
R-3R halbaktives Radar 3,42 82,4 2 8
R-13M Infrarot 2,87 88,2 2,5 13 mit Stabmantelgefechtskopf

Details zur AIM-9X

  • Hersteller: Raytheon; Ford Aerospace; Loral; Diehl Defence;
  • Antrieb: Thiokol Hercules und Bermite MK 36 Mod 11; einstufiger Feststoff-Raketenmotor
  • Durchmesser: 12,7 cm
  • Spannweite: 44 cm
  • Geschwindigkeit: Mach 2,7 bis (je nach Modelltyp) zu 4,7 Mach
  • Sprengkopf: HE-Fragment; 10,5 kg
  • Auslieferung: ab 2002

Andere Luft-Luft-Raketen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c FliegerRevue Juli 2010; S. 28–30; Bissige Sidewinder
  2. FlugRevue September 2011, S.50, kurz notiert
  3. a b c http://www.ausairpower.net/APA-NOTAM-170209-1.html

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: AIM-9 Sidewinder – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]