Francesco Crispi

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Francesco Crispi (etwa 1893)

Francesco Crispi (* 4. Oktober 1819 in Ribera, Sizilien; † 11. August 1901 in Neapel) war ein italienischer Revolutionär, Staatsmann und Politiker. In seiner Amtszeit als Ministerpräsident trieb er vor allem die koloniale Expansion seines Landes voran.

Biographie[Bearbeiten]

Francesco Crispi wurde in Ribera, Sizilien, geboren. Er war der Sohn einer Arbëresh-Familie, der alteingesessenen albanischen Minderheit in Italien, die im späten 15. Jahrhundert vor den Osmanen nach Italien floh.

Crispi musste wegen Beteiligung an der Revolution von 1848 im bourbonischen Königreich beider Sizilien elf Jahre im Exil in Piemont verbringen. Dort wurde er auch als Journalist aktiv. In dieser Zeit wandelte sich seine Einstellung von der Forderung nach einer Autonomie Siziliens zur Unterstützung eines gesamtitalienischen Nationalstaats. 1853 wurde Crispi beschuldigt, in Aufstände in Mailand verwickelt zu sein, worauf er nach Malta, London und Paris floh. Nach seiner Rückkehr 1859 organisierte er im Auftrag Mazzinis auf Sizilien einen erfolgreichen Aufstand gegen den Bourbonenkönig Franz II. und schuf so die Voraussetzung für Garibaldis „Zug der Tausend“. Er unterstützte den Anschluss von Neapel-Sizilien an Piemont zur Bildung des Königreiches Italien 1860 und gehört, obwohl er damit die Monarchie unterstützte, dem Parlament des neuen Staates als Abgeordneter der radikalen Linken an und übernahm zweimal das Amt des Innenministers. Von 1876 bis 1877 war er auch Präsident der Abgeordnetenkammer. 1878 musste Crispi sich für kurze Zeit aus der Politik zurückziehen, weil er der Bigamie beschuldigt, dann aber freigesprochen wurde. Von 1887 war er mit zwei Unterbrechungen bis 1896 Ministerpräsident; gleichzeitig hatte er zwischen Juli 1887 und Februar 1881 auch die Funktion des Außenministers inne.

Crispi regierte angesichts einer zerstrittenen und von Skandalen geschwächten Opposition autoritär und unterdrückte vor allem die Arbeiterschaft. 1893 war er in einen Skandal um die Banca Roma verwickelt. Seine Innenpolitik war von Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen geprägt. Außenpolitisch orientierte Crispi sich am Deutschen Reich und propagierte eine entschlossene Kolonialpolitik, doch die Eroberung Abessiniens im Italienisch-Äthiopischen Krieg misslang. Nach der Niederlage gegen das Heer Menileks bei Adua 1896 wurde Crispi persönlich für diese „nationale Schmach“ verantwortlich gemacht und musste zurücktreten. Anschließend verfasste er seine Memoiren, in denen er seine Politik rechtfertigte. Crispi starb am 11. August 1901 in Neapel.

Seine Leiche wurde zunächst von Präparatoren aus Neapel einbalsamiert, doch erwiesen sich ihre Methoden als unzureichend. Ein Jahr später erhielt der Chemiker Alfredo Salafia den Auftrag, den Körper zu retten, was ihm in mehrmonatiger Arbeit auch gelang. Durch Paraffininjektionen konnte er auch die Gesichtszüge Crispis wiederherstellen.[1] Sein Leichnam gilt aufgrund der innovativen Konservierungsmethode Salafias als eine bedeutende Mumie des 20. Jahrhunderts.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Barth: Crispi. Mit Urteilen hervorragender Zeitgenossen. Renger, Leipzig 1893.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Francesco Crispi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Vorgänger Amt Nachfolger
Agostino Depretis Ministerpräsident von Italien
1887–1891
Antonio Starabba di Rudinì
Giovanni Giolitti Ministerpräsident von Italien
1893–1896
Antonio Starabba di Rudinì
Agostino Depretis Italienischer Außenminister
1887–1891
Antonio Starabba di Rudinì

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Paul Koudounaris, The Immaculate Corpses of Dr Alfredo Salafia at the Palermo Catacombs (Palermo, Sicily, Italy), Zugriff 5. November 2012