Géza von Cziffra

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Géza von Cziffra [ˈgeːzɒ fɔn ˈʦifrɒ] (* 19. Dezember 1900 in Arad in der Region Banat, Königreich Ungarn, heute Rumänien; † 28. April 1989 in Dießen am Ammersee) war ein ungarischer Filmregisseur und Drehbuchautor.

Leben[Bearbeiten]

Er besuchte ein Jesuiten-Internat und von 1914 bis 1918 eine Marine- und eine Kadettenschule. Anschließend zog er nach Budapest, wo er als Zeitungsredakteur arbeitete, und 1920 nach Wien.

Im Jahr 1922 war er als Volontär bei der Sascha-Filmindustrie tätig und inszenierte den weitgehend mit Puppen gestalteten Film Gullivers Reisen. 1923 ging er nach Berlin und schrieb für das Berliner Tageblatt und die Welt am Abend. Er verfasste Novellen, Filmartikel und für Die Weltbühne Glossen zur ungarischen Justiz und Politik. In diesem Umfeld lernte er den seinerzeit bedeutenden Dichter und Filmpionier Karl Gustav Vollmoeller kennen. In seiner Autobiografie Kauf Dir einen bunten Luftballon schreibt Cziffra:

„Es gab nur einen einzigen namhaften Autor, der sich für den Tonfilm interessierte: Karl Vollmoeller … in den zwanziger Jahren war er eine der schillerndsten Erscheinungen in der literarischen und gesellschaftlichen Welt Berlins … er schrieb Romane und Filme, unter anderem den Film, den heute noch jeder kennt: Der Blaue Engel … In Vollmoellers Wohnung traf ich die Bildhauerin Renée Sintenis, den Bauhaus-Chef Walter Gropius, den Kunsthändler Alfred Flechtheim, den kommunistischen Verleger Wieland Herzfelde; den bildenden Künstler George Grosz, Oskar Kokoschka, Ernst Barlach; Fritz LangErich Mendelsohn … Fürstin Mechtilde Lichnowsky; den jüdischen Polizeipräsidenten Bernhard Weiß und den Kronprinzen.“

Géza von Cziffra 1975[1]

Vollmoeller mit seinen enormen Kontakten war es, der Cziffra den Weg in die Filmstudios ebnete und ihm wichtige Begegnungen, so mit Max Liebermann und Albert Einstein ermöglichte.

Cziffra beteiligte sich zu dieser Zeit an verschiedenen Drehbüchern und war von 1932 bis 1933 Eigentümer des Kabaretts im Palmenhaus am Kurfürstendamm. Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten kehrte er im April 1933 nach Budapest zurück, wo er für die dortige Hunnia-Film als Regisseur oder Co-Regisseur einige Filme drehte.

Im Jahr 1936 ging er wieder nach Berlin und war hier zunächst vor allem als Drehbuchautor und Regieassistent tätig. Außerdem veröffentlichte er mehrere Bühnenstücke. 1941 ging er wieder nach Wien. Nach einer Regieprobe bei einigen Szenen seines Stückes Das unsterbliche Antlitz gelang ihm mit dem außerordentlich erfolgreichen Revuefilm Der weiße Traum 1943 unter der künstlerischen Oberleitung von Karl Hartl der Durchbruch als Regisseur.

Im Jahr 1945 drehte er in der damals von den Deutschen besetzten Stadt Prag den Film Leuchtende Schatten. Als kriminalpolizeilicher Berater war dabei der SS-Sturmbannführer Eweler, Angehöriger des SD und Bruder der Schauspielerin Ruth Eweler, vorgesehen. Nach einiger Zeit wurde Eweler von Cziffra wegen übertriebener Kritik des Ateliers verwiesen. Kurz darauf wurde Cziffra verhaftet und in das Prager Gestapo-Hauptquartier im Palais Pecec gebracht. Ihm wurde vorgeworfen, im tschechischen Restaurant "Neumann" mehrmals ohne Marken gegessen zu haben. Cziffra wurde schließlich in das Prager Untersuchungsgefängnis Pankrác transportiert und zu einer sechsmonatigen Haft verurteilt, die er am 12. Februar antreten sollte. Eigenen Angaben zufolge konnte sich Cziffra einem Transport nach Theresienstadt nur durch Manipulation von Unterlagen entziehen. Kurz vor Kriegsende wurde Cziffra am 19. April aus der Haft entlassen.

Im Jahr 1945 gründete Cziffra in Wien mit amerikanischer Lizenz die erste österreichische Filmproduktionsfirma nach dem Zweiten Weltkrieg, die Cziffra-Film, welche bis 1949 existierte. Im Jahr 1952 war er Mitbegründer der Arion-Film GmbH in Hamburg.

Vornehmlich drehte er Unterhaltungs- und Musikfilme, in denen bekannte deutsche und österreichische Schauspieler wie Peter Alexander, Rudolf Platte, Senta Berger und Hubert von Meyerinck mitwirkten. Durch Musiker wie Bill Ramsey oder Bully Buhlan avancierten die Filme meist zu Musical-Revuen mit Heimat-Charakter. Cziffras Arbeiten prägten maßgeblich den deutsch-österreichischen Unterhaltungsfilm der 50er und beginnenden 60er Jahre. Als Drehbuchautor benutzte er dabei häufig Pseudonyme (Peter Trenck, Albert Anthony, John Ferguson, Thomas Harrer, Richard Anden, Enrico Anden und Horace Parker).

Er war zeitweise mit der Schauspielerin Ursula Justin und zuletzt seit 1958 in fünfter Ehe verheiratet. Cziffra wurde im Krematorium Ostfriedhof in München bestattet (Urnenhalle D - G3).

Filmografie[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Das Beste aus meiner Witze- und Anekdotensammlung vom Film. Heyne, München 1977, ISBN 3-453-00739-5.
  • Dr Martin Ottler, Mitläufer. Roman (= Lambda-Dossier, No. 3). Lambda-Edition, Hamburg 1988, ISBN 3-925495-25-8.
  • Es war eine rauschende Ballnacht. Eine Sittengeschichte des deutschen Films. Herbig, München 1985, ISBN 3-7766-1341-6.
  • Hanussen. Hellseher des Teufels. Die Wahrheit über den Reichstagsbrand. Herbig, München 1978, ISBN 3-7766-0879-X.
  • Der heilige Trinker (über Joseph Roth). Lübbe, Bergisch Gladbach 1983, ISBN 3-404-10215-0.
  • Im Wartesaal des Ruhms. Begegnungen mit berühmten Persönlichkeiten wie Bert Brecht, Albert Einstein, Erich Kästner u.a. (= Bastei Lübbe Allgemeine Reihe, Band 10660). Lübbe, Bergisch Gladbach 1985, ISBN 3-404-10660-1.
  • Immer waren es die Frauen … Eine intime Zeitgeschichte. Herbig, München 1976, ISBN 3-7766-0784-X.
  • Kauf dir einen bunten Luftballon. Erinnerungen an Götter und Halbgötter. Herbig, München 1975, ISBN 3-7766-0708-4.
  • Der Kuh im Kaffeehaus. Die goldenen Zwanziger in Anekdoten. Herbig, München 1981, ISBN 3-7766-1147-2.
  • Tango. Roman einer Berliner Familie. Herbig, München 1980, ISBN 3-7766-0946-X.
  • Tanja und ihre vierzig Männer. Ein Roman. Wancura-Verlag, Wien 1957.
  • Ungelogen. Erinnerungen an mein Jahrhundert (Autobiographie). Herbig, München 1988, ISBN 3-7766-1500-1.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Géza von Chiffra: Kauf dir einen bunten Luftballon. Erinnerungen an Götter und Halbgötter. Herbig, München 1975, ISBN 3-7766-0708-4, S.162–164.