Hubert von Meyerinck

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Hubert von Meyerinck (1934)
Hubert von Meyerinck (1933), Sammelbild aus der Serie Bühnenstars und ihre Autogramme, die 1933 den Gold-Saba-Zigaretten der Garbaty-Zigarettenfabrik beilagen

Hubert(us) Georg Werner Harald von Meyerinck (* 23. August 1896 in Potsdam; † 13. Mai 1971 in Hamburg) war ein deutscher Schauspieler. Er war der Onkel von Gudrun Genest und der Großonkel von Corinna Genest, die ebenfalls Schauspieler sind.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Er wurde als Sohn des Hauptmanns im Garde-Jäger-Bataillon und Gutsbesitzers Friedrich von Meyerinck (1858–1928) und seiner Ehefrau Caroline (geborene von Hoppenstedt, 1868–1940) geboren. Sein Großvater war Kommandierender General. Seit der frühen Scheidung der Eltern wuchs er auf dem Familiengut in Posen auf. Danach besuchte er ein Gymnasium in Godesberg und wurde nach dem Abitur während des Ersten Weltkrieges zum Militärdienst eingezogen.[1] Kurze Zeit diente er als Fahnenjunker in Karlsruhe, doch ein Lungenleiden, das mehrere Sanatoriumsaufenthalte nach sich zog, bedingte seine Entlassung.

Sein Debüt am Theater gab er 1917 am Berliner Schauspielhaus als Leutnant von Hagen in Paul Heyses Kolberg. Von 1918 bis 1920 hatte er ein Engagement an den Hamburger Kammerspielen und kehrte anschließend nach Berlin zurück, wo er erfolgreich in den Avantgarde-Stücken von Carl Sternheim auftrat. Er hatte Auftritte in verschiedenen Revuen und Kabaretts, darunter auch im berühmten Tingeltangel. Später spielte er am Deutschen Theater und am Lessingtheater Rollen wie den Eingebildeten Kranken, Mackie Messer, Mephisto und den Hauptmann von Köpenick.

1920 wurde von Meyerinck für den Stummfilm entdeckt. Der Mann mit Glatze, Oberlippenbärtchen, oft mit Monokel und hypnotischem Blick wurde zu einer unverkennbaren Gestalt des deutschen Films, auch indem er im Tonfilm seine charakteristische Stimme und seine schnarrende Artikulation zur Geltung brachte. Er spielte Männer mit einer allürenhaften Haltung, die sich häufig als Hochstapler oder als Schurken erwiesen. Auch während der NS-Zeit wirkte er in zahlreichen Filmen mit. Daneben war er am Theater immer wieder im klassischen Rollenfach zu sehen, so etwa als Mephisto oder als Malvolio.

„Anfänglich betonte von Meyerinck das Feminine seiner Erscheinung. In einem Paul-Wegener-Film tanzte er, angetan mit einem rosa Balletthöschen, dem Hermelincape seiner Mutter und einer blauen Seidenkappe als Kopfbedeckung auf dem Tisch. Seine aparten homoerotischen Nuancierungen dienten seinen Regisseuren später zur negativen Charakterzeichnung. Er wurde zum beliebtesten Filmschurken des deutschen Kinos.“

Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz: [2]

Nach den Erinnerungen seines ebenfalls homosexuellen Freundes und Kollegen Kurt von Ruffin legte sich von Meyerinck auch zu dieser Zeit keine große Zurückhaltung hinsichtlich seiner Neigung auf und stand gefährdeten Freunden bei.

„Hubert von Meyerinck, mein großer Freund, der ein herrlicher Kollege, ein herrlicher Mann war, hat gesagt (obwohl er selbst immer in Gefahr war, denn er war ja einer der muntersten): ‚Ich begleite dich auf den Alexanderplatz‘. Damals war das [Polizeirevier] am Alexanderplatz. Er ging wirklich mit mir dorthin, was eine edle Tat war. Er hat mir hinterher eine wunderschöne Krawatte geschenkt, die ich noch habe.“

Kurt von Ruffin: im Interview mit Friedrich Kuhn[3]

In späteren Jahren wurde er in Filmkomödien für skurrile Amtspersonen, Adelige, Generäle und verschlagene Hochstapler besetzt. Zusammen mit Ilja Richter und Peter Alexander bildete er eine feste Besetzung in den Filmreihen Wenn die tollen Tanten kommen und Graf Bobby. Bis zu seinem Lebensende brachte es „Hubsi“ oder „Knurpsi“, wie er von Freunden, Familie und Kollegen genannt wurde[4], auf mehr als 275 Filmeinsätze, womit er zu den meistbeschäftigten deutschen Filmschauspielern gehörte. 1950 zog er nach München, spielte aber auch an den Bühnen von Göttingen und Wuppertal.

1966 erhielt er ein Festengagement am Thalia Theater in Hamburg, wo er am 4. März 1971 seine letzte Vorstellung als Agamemnon in Die schöne Helena gab. Letzte Filmerfolge hatte Hubert von Meyerinck mit den Edgar-Wallace-Filmen Im Banne des Unheimlichen (1968), Der Gorilla von Soho (1968) und Der Mann mit dem Glasauge (1968), in denen er Sir Arthur, den schrulligen Chef von Scotland Yard, verkörperte. Insgesamt wirkte er von 1965 bis 1969 in fünf Wallace-Verfilmungen mit.

Meyerinckplatz in Berlin-Charlottenburg

Sein Privatleben verstand von Meyerinck vor den Medien abzuschirmen. Seine Erinnerungen erschienen 1967 unter dem Titel Meine besten Freundinnen, in denen er über prominente Kolleginnen wie Marlene Dietrich oder Adele Sandrock, aber auch über seine geliebte Mutter berichtet, mit der er bis zu deren Tod in häuslicher Gemeinschaft gelebt hatte.[1] Hubert von Meyerinck starb an Herzversagen im Hamburger Bethanien-Krankenhaus. Sein Grab befindet sich auf dem evangelischen Friedhof der Gemeinde Schladen bei Goslar.[5]

Berlin ehrte ihn im August 1994 mit der Benennung des Meyerinckplatzes in Charlottenburg.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Hubert von Meyerinck: Meine berühmten Freundinnen. Erinnerungen. Econ-Verlag, Düsseldorf u. a. 1967 (Ungekürzte Ausgabe. (= dtv-Taschenbücher 611). Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1969).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Bernd-Ulrich Hergemöller: Mann für Mann. Ein biographisches Lexikon (= Suhrkamp-Taschenbuch 3266). Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-518-39766-4.
  2. Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars. Lexikon-Imprint-Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-89602-229-6.
  3. Als schwuler Häftling in den KZs Columbiahaus und Lichtenburg 1935/36. Friedrich Kuhn interviewt Kurt von Ruffin im Herbst 1978 in Berlin. In: CAPRI. Zeitschrift für schwule Geschichte. Korrespondenz- und Mitteilungsblatt der „Freunde eines Schwulen Museums in Berlin e.V.“ Bd. 13, Heft 3, 1991, ISSN 1431-8024, S. 4–10, hier S. 9.
  4. O.V.: Hubert von Meyerinck. In: FIRST. Ausgabe 19, Mai 1990, ZDB-ID 1049278-1, S. 6.; O.V.: Hubert von Meyernick: „Wo soll ich jetzt ficken?“ In: Männer aktuell. August 1993, S. 68; Hermann J. Huber: Leben, Lieben, Legenden. Die 60 schillerndsten Kultstars der Schwulen. Fotokunstverlag, Berlin u. a. 1989, ISBN 3-922257-97-6.
  5. Das Grab von Hubert von Meyerinck.