Hambergit

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Hambergit
Hambergite-rare-09-15a.jpg
Hambergit aus Paprok, Nuristan, Afghanistan (Kristallgröße: 2,3 x 1,1 x 1 cm)
Chemische Formel

Be2[OH|BO3][1]

Mineralklasse Borate (ehemals Carbonate, Nitrate und Borate)
6.AB.05 (8. Auflage: V/L.02) nach Strunz
25.01.01.01 nach Dana
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin orthorhombisch-dipyramidal; 2/m 2/m 2/m[2]
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) Pbca (Raumgruppen-Nr. 61)
Farbe farblos, weiß, grauweiß bis gelblichweiß
Strichfarbe weiß
Mohshärte 7,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,347 bis 2,372; berechnet: 2,365[3]
Glanz Glasglanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Spaltbarkeit vollkommen nach {010}, gut nach {100}[3]
Bruch uneben; spröde
Habitus tafelige, prismatische oder dipyramidale Kristalle; körnige Aggregate
Häufige Kristallflächen {110}, {021}, {010}, {100}, {210}[3]
Zwillingsbildung nach {110} mit netzartiger Struktur[3]
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,554 bis 1,560; nβ = 1,587 bis 1,591; nγ = 1,628 bis 1,631[4]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,074[4]; zweiachsig positiv
Optischer Achsenwinkel 2V = 87° (berechnet)[4]

Hambergit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Borate (ehemals Carbonate, Nitrate und Borate, siehe Klassifikation). Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Be2[OH|BO3], ist also chemisch gesehen ein Beryllium-Borat mit Hydroxidionen als zusätzlichen Anionen.

Hambergit entwickelt meist tafelige, prismatische oder dipyramidale Kristalle mit nach der c-Achse gestreiften Oberflächen, die einen glasähnlichen Glanz aufweisen und bis zu 30 Zentimeter lang[3] werden können. Er kommt aber auch in Form körniger Mineral-Aggregate vor. In reiner Form ist Hambergit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine grauweiße bis gelblichweiße Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.

Mit einer Mohshärte von 7,5 gehört Hambergit zu den harten Mineralen und ist ähnlich dem Referenzmineral Quarz (7) in der Lage, Fensterglas zu ritzen.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Hambergit wurde erstmals bei Salbutangen nahe Helgeroa in der zur norwegischen Provinz Vestfold gehörenden Kommune Larvik entdeckt und 1890 durch Waldemar Christofer Brøgger beschrieben, der ihn nach dem schwedischen Mineralogen, Geographen und Entdecker des Minerals Axel Hamberg (1863–1933) benannte.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Hambergit zur gemeinsamen Mineralklasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort zur Abteilung der „Gerüstborate mit [BO2]1− bis [B6O10]2−“, wo er zusammen mit Rhodizit die „Hambergit-Rhodizit-Gruppe“ mit der System-Nr. V/L.02 und dem weiteren Mitglied Londonit bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Hambergit dagegen in die neu definierte Klasse der „Borate“ und dort in die Abteilung der „Monoborate“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach der Art des Boratkomplexes und der möglichen Anwesenheit weiterer Anionen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „BO3 mit zusätzlichen Anionen; 1(D) + OH usw.“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 6.AB.05 bildet.

Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Hambergit wie die veraltete Strunz'sche Systematik in die Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort in die Abteilung der „Wasserfreien Borate mit Hydroxyl oder Halogen“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 25.01.01 innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Borate mit Hydroxyl oder Halogen“ zu finden.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Hambergit (weiß) mit grünem Turmalin (Verdelith) aus der „Little Three Mine“, Ramona (Kalifornien), USA (Größe: 3,7 × 1,9 × 1,2 cm)
Netzartig verzwillingter Hambergit aus dem Pamirgebirge in Tadschikistan (Gesamtgröße: 5,7 × 4,6 × 2,3 cm)

Hambergit bildet sich in magmatischen Gesteinen, dabei vorzugsweise in granitischen, selten auch in alkalischen Pegmatiten. Er kann aber auch aus hydrothermalen Lösungen in Pegmatithohlräumen ausfällen. Als Begleitminerale können unter anderem Beryll, Danburit, verschiedene Apatite, Spodumen, Zirkon, Fluorit, verschiedene Minerale der Feldspatgruppe oder auch Quarz auftreten.

Als seltene Mineralbildung konnte Hambergit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand: 2013) rund 70 Fundorte als bekannt gelten.[5] An seiner Typlokalität Salbutangen nahe Helgeroa fand sich Hambergit in einem etwa 10 bis 20 Zentimeter breiten Dyke, bestehend aus Nephelin-Syenit-Pegmatit. Daneben konnte das Mineral noch mehreren Fundpunkten im Langesundsfjord in der Kommune Larvik und an einigen Fundpunkten in der Kommune Porsgrunn in Norwegen gefunden werden.

Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Hambergitfunde ist unter anderem die „Little Three Mine“ bei Ramona (Kalifornien), wo tafelige Kristalle von bis zu 20 Zentimetern Länge zutage traten. Immerhin bis zu 11 Zentimeter lange Kristalle konnten nahe Imalo und Anjanabonoina in der Region Vakinankaratra auf Madagaskar gefunden werden.[6]

Weitere Fundorte sind unter anderem Tasmanien in Australien; Hunan in der Volksrepublik China; die Toskana in Italien; die Nordwest-Territorien von Kanada; Antananarivo auf Madagaskar; der Shan-Staat in Myanmar (Birma); an den Flussregionen Dudh Kosi und Seti in Nepal; Telemark Fylke und Vestfold in Norwegen; die nördlichen Regionen von Pakistan; Ost-Sibirien und die nördlichen Regionen von Russland; Tadschikistan; Böhmen und Mähren in Tschechien; sowie Kalifornien, Nevada und Wisconsin in den USA.[7]

Verwendung[Bearbeiten]

Klare Steine von Edelsteinqualität werden überwiegend in Facettenform geschliffen und zu Schmucksteinen verarbeitet. Der Bekanntheitsgrad von Hambergit-Schmuck ist allerdings nach wie vor gering. Farblose Varietäten können leicht mit Bergkristall, Danburit, Euklas, Leukogranat (seltene farblose Varietät) und Zirkon verwechselt werden.[8]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Hambergit kristallisiert im orthorhombisch in der Raumgruppe Pbca (Raumgruppen-Nr. 61) mit den Gitterparametern a = 9,76 Å, b = 12,20 Å und c = 4,43 Å sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Hambergit zählt zu den Gerüstboraten, dessen Kristallstruktur aus ebenen [BO3]3−-Gruppen besteht. Die Be-Ionen sind tetraedisch von je drei O2−-Ionen der [BO3]-Gruppen und einem (OH)-Ion umgeben (koordiniert). Die Struktur kann daher über die O2− als ein, den SiO2-Modifikationen ähnliches, Tetraederfachwerk angesehen werden.[9]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • W. C. Brögger: Die Mineralien der Syenitpegmatitgänge der südnorwegischen Augit- und Nephelinsyenite, 16. Hambergit, In: Zeitschrift für Kristallographie, Band 16 (1890), S. 65–67 (PDF 293 kB)
  •  Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 727.
  •  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 560–561.
  •  Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 592.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hambergite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 330.
  2. Webmineral – Hambergite
  3. a b c d e Hambergite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 65,8 kB)
  4. a b c Mindat - Hambergite
  5. Mindat – Anzahl der Fundorte für Hambergit
  6.  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 134.
  7. Fundortliste für Hambergit beim Mineralienatlas und bei Mindat
  8.  Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. 13. Auflage. BLV Verlags GmbH, 1976/1989, ISBN 3-405-16332-3, S. 196.
  9.  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 560–561.