Heinrich Sahm

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Heinrich Sahm, 1932
Heinrich Sahm eröffnet 1932 die Grüne Woche in Berlin

Heinrich Friedrich Wilhelm Martin Sahm (* 12. September 1877 in Anklam; † 3. Oktober 1939 in Oslo) war ein deutscher und Danziger Politiker. Von 1920 bis 1931 war er Präsident des Senats der Freien Stadt Danzig und von 1931 bis 1935 Oberbürgermeister von Berlin.

Leben[Bearbeiten]

Ausbildung und Studium[Bearbeiten]

Heinrich Sahm entstammte einer Handwerkerfamilie, die seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Anklam lebte. Sein Urgroßvater, der Seiler Johann Sahm, war zwischen 1759 und 1799 aus Ostpreußen zugewandert. Sein Großvater Johann Joachim David Sahm, war ebenfalls Seiler, sein Vater Heinrich Alexander Wilhelm Sahm wurde Nadler. Die Mutter, Wilhelmine geborene Schußmann, die der Vater 1875 in zweiter Ehe geheiratet hatte, war die Tochter eines Bürstenmachers aus Greifswald. Aus der Ehe der Eltern ging als ältester Sohn Johannes Sahm (1876–1927) hervor, der das elterliche Geschäft später übernahm. Der zweite und letzte Sohn war Heinrich Sahm.

Ab 1883 besuchte Sahm die Volksschule und danach das Gymnasium seiner Heimatstatt. Auch wenn er ein Schuljahr wegen seiner angeschlagenen Gesundheit wiederholen musste, machte er im Frühjahr 1896 sein Abitur mit sehr guten Noten.

Sahm studierte ab Sommer 1986 in München Rechts- und Staatswissenschaften. Nach einem Semester wechselte er an die Universität zu Berlin bevor er im Sommer 1898 nach Greifswald wechselte. Während des Studiums wurde er Mitglied der Turnerschaften Cimbria Greifswald und Rhenania Berlin (heute Turnerschaft Berlin). Im Frühjahr 1900 bestand er am Oberlandesgericht Stettin die erste Staatsprüfung.

1900–1904 war er als Gerichtsreferendar in Wollin, Greifswald und Stettin tätig. Nebenher arbeitete er als Repetitor für Rechtsstudenten. Sein Vater war 1901 gestorben. Im Oktober 1904 bestand er auch die zweite Staatsprüfung im preußischen Innenministerium mit der Note „gut“.

Kommunalpolitische Karriere in Magdeburg[Bearbeiten]

Nach dem Studium arbeitete er kurzzeitig als unbesoldeter Assessor am Amtsgericht Anklam und als Rechtsanwalt. Im Mai 1905 wurde er in Stettin als Magistratsassessor angestellt. Dort lernte er auch seine künftige Frau Dorothea geborene Rolffs kennen. Sie war die Tochter eines Apothekers. Am 29. Dezember 1905 erfolgte die Verlobung, am 10. Oktober 1906 – nach der Wahl als Stadtrat in Magdeburg – wurde Hochzeit gefeiert. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und zwei Töchter hervor.

1906 wurde er zum Stadtrat in Magdeburg gewählt und am 16. August 1906 in sein Amt eingeführt. Im gleichen Jahr wurde auch Hans Luther, der künftige Reichskanzler, als weiterer Stadtrat gewählt. Die langjährige Freundschaft der beiden sollte Sahm in der Danziger Zeit nützlich sein. Im Magistrat war er nacheinander für verschiedene Dezernate zuständig. Als Spezialauftrag war er für die Eingemeindungen vom 1. April 1910 (Cracau und Prester (Kreis Jerichow I), Fermersleben, Lemsdorf, Salbke, Westerhüsen (alle Kreis Wanzleben)) zuständig.

Zweiter Bürgermeister in Bochum[Bearbeiten]

Von September 1912 bis Juni 1918 (mit Unterbrechung in Warschau) war er Zweiter Bürgermeister in Bochum. Dort war er für Finanz- und Steuersachen, Sparkasse, Auflassungen, das Stadtarchiv, Rechtsfragen und Volksschulsachen verantwortlich. Er war maßgeblich an der Gründung der Bochumer Hypothekenanstalt und der Einführung des Stadtschuldbuches beteiligt. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges wurde er zusätzlich für Kriegsernährung und Volksernährung in Bochum zuständig.

Nach der Rückkehr aus Warschau 1918 war er noch vier Monate in Bochum tätig.

Zivilverwaltung in Warschau[Bearbeiten]

Am 15. August 1915 wurde er telegraphisch in das Reichsamt des Inneren bestellt, wo ihm Unterstaatssekretär Lewald die Aufgabe als kommunalpolitischer Referent der deutschen Zivilverwaltung in Warschau antrug. Er nahm das Angebot an und traf am 20. August in Warschau ein. Einer der Kollegen in der Zivilverwaltung war Hubertus Schwartz, der später unter ihm Senator in Danzig werden sollte. In Warschau war er vor allem für Fragen der Kriegswirtschaft, also schwerpunktmäßig der Lebensmittelversorgung, zuständig.

Im Dezember 1917 verlangte der Bochumer Magistrat seine Rückkehr. Er verließ Warschau am 11. Februar 1918.

Geschäftsführer der Deutschen und Preußischen Städtetages[Bearbeiten]

Anfang 1918 bewarb Sahm sich um die Aufgabe als Oberbürgermeister der Stadt Essen. Die Zentrumspartei hatte jedoch Vorbehalte gegen den parteilosen Sahm und so wurde stattdessen Hans Luther gewählt.

Am 21. Juni 1918 wurde er auf einer gemeinsamen Sitzung der Vorstände des deutschen und des preußischen Städtetages zum Geschäftsführer des Deutschen und Preußischen Städtetages und damit als Nachfolger Luthers gewählt.

Danzig[Bearbeiten]

Im Oktober 1918 starb der Oberbürgermeister von Danzig, Heinrich Scholtz. Am 2. Februar 1919 wurde Sahm durch die Stadtverordnetenversammlung zum Oberbürgermeister gewählt und am 25. Februar 1919 in sein Amt eingeführt.

1920 wurde er als Präsident des Danziger Staatsrates berufen. Nach Inkrafttreten des Versailler Vertrages wirkte er vom 6. November 1920 bis zum 9. Januar 1931 ununterbrochen durch drei Senatslegislaturen als Senatspräsident der Freien Stadt Danzig. Sahms politisches Streben in Danzig ging dahin, nach der Abtrennung vom Deutschen Reich den deutschen Charakter der Stadt zu erhalten und polnische Aspirationen abzuwehren.

Oberbürgermeister von Berlin[Bearbeiten]

Am 14. April 1931 wurde er zum Oberbürgermeister von Berlin gewählt, dadurch erlangte er gleichzeitig die Position des Präsidenten des Deutschen und Preußischen Städtetages. Das vorerst letzte demokratisch bestimmte Stadtoberhaupt soll als Deutschnationaler am Ausbau der NS-Herrschaft auf kommunaler Ebene mitgewirkt haben. Er soll seine Unterschrift unter die Entlassungen dem neuen Regime nicht genehmer Mitarbeiter und den Ausschluss kommunistischer Stadtverordneter gesetzt haben. Nachdem ihm im März 1933 Julius Lippert als Staatskommissar zur Seite gestellt wurde, verlor sein Amt an Entscheidungsbefugnissen. Am 18. Dezember 1935 trat er zurück und ging am 11. Mai 1936 als Gesandter nach Oslo, von wo ihn 1939 Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop abberufen wollte. Sahm starb an den Folgen einer Blinddarmoperation. Sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof Dahlem.

Sahm war seit November 1933 Mitglied der NSDAP.[1] Sein Ausschluss 1935 per Parteigerichtsverfahren wegen Einkaufs in jüdischen Geschäften wurde auf ausdrücklichen Wunsch Adolf Hitlers aufgehoben.[2]

Ein Enkel von Sahm ist der Nahostkorrespondent Ulrich W. Sahm, Sohn des deutschen Diplomaten Ulrich Sahm.

Kunst[Bearbeiten]

Heinrich Sahm war ein Kenner und Förderer der Kunst. Ein Teil dieser Kunstförderung bestand darin, dass er namhafte Künstler beauftragte, Bilder von ihm zu malen. So wurde er 1917 in Warschau von Henryk Berlewi, in Danzig von Fritz Pfuhle und Otto Dix und in Berlin von Konrad von Kardorff, Heinrich von Luckner und Leo von König gemalt. Fritz Gruson erstellte eine Porträtbüste.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Sprenger : Heinrich Sahm : Kommunalpolitiker und Staatsmann,1969, Diss.
  • Martin Otto: Sahm, Heinrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 22, Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. 353–355 (Digitalisat).
  • Joachim Lilla: Der Preußische Staatsrat 1921–1933. Ein biographisches Handbuch. Mit einer Dokumentation der im „Dritten Reich“ berufenen Staatsräte. Droste Verlag, Düsseldorf 2005
  • Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945. Band 4: S. Herausgegeben vom Auswärtigen Amt, Historischer Dienst, Bearbeiter: Bernd Isphording, Gerhard Keiper, Martin Kröger. Schöningh, Paderborn u. a. 2012, ISBN 978-3-506-71843-3, S. 5f

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lilla, S. 234
  2. Lilla, S. 233

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heinrich Sahm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien