Her (2013)

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Filmdaten
Deutscher Titel Her
Originaltitel Her
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2013
Länge 126 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
Stab
Regie Spike Jonze
Drehbuch Spike Jonze
Produktion Megan Ellison
Vincent Landay
Musik Arcade Fire
Kamera Hoyte van Hoytema
Schnitt Jeff Buchanan
Eric Zumbrunnen
Besetzung

Her ist ein US-amerikanisches romantisches Science-Fiction-Filmdrama von Spike Jonze aus dem Jahr 2013 mit Joaquín Phoenix in der Hauptrolle.

Handlung[Bearbeiten]

Theodore Twombly, ein eher introvertierter, schüchterner Mann, nutzt sein Talent, sich in andere einfühlen zu können. Er schreibt in Auftragsarbeit Briefe für Menschen, denen es schwer fällt, ihre Gefühle dem Gegenüber verständlich zu machen. Er offenbart seinen Auftraggebern deren eigene Gefühle, die sie selbst nicht wahrzunehmen in der Lage sind. Ihre eigenen Gefühle sind ihnen unbekannt. Der Blick von außen ermöglicht es ihm, die Strukturen zu erkennen. In privater Hinsicht geht es Theodore überhaupt nicht gut. Seine eigene Gefühlswelt bereitet ihm große Probleme. Die Trennung und kurz bevorstehende Scheidung von seiner Jugendliebe Catherine belastet ihn sehr. Eines Tages holt er sich zur Erbauung in schweren Zeiten für seinen Rechner ein neues Betriebssystem. Theodore Twombly richtet sich eine weibliche Identität auf seinem Rechner ein. Eine hübsche Stimme soll ihn von nun an begleiten. Er kann über Headset und Videocamera mit der künstlich erschaffenen Frau interagieren. Das so erschaffene Wesen selbst nennt sich Samantha und reagiert auf Zuruf. Das System, das sich in der sozialen Interaktion mit seinem Nutzer kontinuierlich weiterentwickelt, gebärdet sich wie ein Mensch. Twombly ist ebenso fasziniert von Samanthas Fähigkeiten wie sie von den seinen. Die beiden bauen während ihrer von da an häufig geführten, langen und intensiven Gespräche eine innige Beziehung zueinander auf.

In einem dieser Gespräche räumt Twombly ihr gegenüber ein, er zögere die Unterzeichnung seiner Scheidungspapiere hinaus. Er gesteht ihr seine Angst vor Einsamkeit. Er gibt zu, dass er davor zurückschreckt, seine langjährige Weggefährtin Catherine gehen zu lassen. Samantha will ihn, da sie sein emotionales Leid wie ein menschlicher Freund gut nachzuvollziehen vermag, nach Möglichkeit von seinem emotionalen Leid befreien. Sie überzeugt ihn von der Notwendigkeit, sich zur Gegenwehr mit einer realen Frau zu einem Blind Date zu verabreden. Sie haben auch gleich eine Idee, welche Frau das konkret sein könnte. Theodore hat von dieser Frau über seine langjährige Nachbarin und Freundin Amy erfahren. Er weiß, sie ist für diese Sache geeignet. Das Blind Date der beiden verläuft ausgesprochen gut. Sie beginnen bald zu flirten und genießen ganz offensichtlich des anderen Gegenwart. Bevor es zu weiterführenden Zärtlichkeiten kommen kann, fragt ihn seine Verabredung jedoch geradeheraus, ob er, so wie sie, an einer langfristigen Beziehung interessiert sei. Twombly zögert mit einer Antwort, das Date ist daraufhin beendet. Sie gehen getrennte Wege. All den vorherigen Anzeichen zum Trotz bleibt Jeder von ihnen weiterhin für sich.

Nachdem Twombly später seiner Vertrauten von der für ihn sehr denkwürdigen Begegnung mit einer fremden Frau berichtet hat, ist das von nun an dominierende Thema das Erleben zwischengeschlechtlicher Liebe. Twombly und Samantha tauschen sich über Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht aus. Samantha fragt ihn im Zuge dessen nach der emotionalen Qualität seiner Beziehung zu Freundin Amy. Twombly erläutert, diese sei bei Dates während der gemeinsam verbrachten Schulzeit stets ein guter Freund gewesen, aus der engen Beziehung der beiden habe sich jedoch nie mehr als tiefe Freundschaft ergeben. Mittlerweile, so erfahren wir aus ihrem Gespräch, sei Amy mit einem Mann namens Charles verheiratet. Die Gespräche zwischen Samantha und unserem Protagonisten Theodore werden mehr und mehr privat. Eine nie gekannte Lebensfreude erwacht in Theodore. Zudem ist er auch in beruflicher Hinsicht erfolgreich, materiell gesehen geht es ihm endlich gut.

Eines Tages trifft Twombly Freundin Amy zufällig im Aufzug. Diese berichtet ihm sogleich, sich wegen eines heftigen Streits demnächst von ihrem angetrauten Mann scheiden lassen zu wollen. Im Verlauf des Gesprächs erzählt sie unbefangen davon, nun eine für sie sehr bedeutsame Beziehung zu einer Frau, wenn auch nur innerhalb eines Rechnerbetriebssystems, aufgebaut zu haben. Twombly kann nicht anders und gesteht Amy daraufhin, eine ernsthafte Beziehung zu einem Betriebssystem namens Samantha zu führen. Twombly und Catherine sind verabredet. Sie wollen ihre Scheidungsangelegenheiten voranbringen. Es müssen dafür noch einige Papiere gemeinsam unterzeichnet werden. Sie tauschen sich über ihre getrennt voneinander verbrachte Zeit aus. Catherine ist entsetzt, da sie erfährt, dass ihr Ex-Mann Theodore nach ihr ein Stück Software liebt wie sie es offen despektierlich nennt.

Die künstliche Samantha im Rechner hingegen fühlt sich realen Frauen gegenüber, wie sie überall in der Großstadt Los Angeles herumlaufen, unterlegen. Nichts wünscht sie sehnlicher als endlich eine richtige, körperliche Beziehung zu Twombly aufzubauen. Deshalb schlägt sie ihm vor, für diese Zwecke eine richtige Frau, Isabella, mit einzubeziehen. Isabella soll an Samanthas Stelle ihren Körper hergeben, für sie auftreten. Widerwillig stimmt Theodore zu. Isabella kommt zu ihm in seine Wohnung, erhält per Headset Anweisungen zur Annäherung der beiden. Twombly ist jedoch gleich zu Beginn des körperlichen Kontakts mit Isabella überfordert. Daher schickt er die reale Frau Isabella nach Hause, das Experiment ist gescheitert. Der Abbruch des Experiments führt zu ernsthaften Spannungen zwischen Theodore und Rechnersystem Samantha. Twombly ist verwirrt. Er gesteht später der realen Freundin Amy, dass er nicht glücklich ist mit der Gesamtsituation, er ernste Zweifel an seiner Liebesbeziehung zu Samantha verspüre. Amy hingegen kann davon berichten, dass sie sich trotz bevorstehender Scheidung dank ihres Betriebssystems glücklich fühlt. Sie rät auch ihrem Freund Theodore, diese Möglichkeiten zu nutzen, um angenehm echte Glücksgefühle erleben zu können. Twombly beobachtet zunächst argwöhnisch, dann mehr und mehr fasziniert die ganz offensichtlich positive Wirkung der künstlich geschaffenen Beziehung auf Freundin Amy. Er entscheidet sich nach einigem Überlegen daraufhin dafür, die Liebesbeziehung zu seinem Betriebssystem Samantha doch noch einmal zu beleben und fortzusetzen, um zu sehen, was bei ihm geschieht.

Im Urlaub wird er sehr eifersüchtig, da er mitbekommt, wie Samantha beginnt, sich nebenbei einem Betriebssystem zu widmen. Die gefährliche Zweitbeziehung unterhält sie mit einem dem britischen Philosophen Alan Watts nachempfundenen, und wie es heißt hyperintelligenten, System. Einige Zeit darauf gerät Theodore vollends in Panik: Seine Geliebte Samantha geht während eines gemeinsam mit anderen Betriebssystemen durchgeführten Software-Updates kurz offline, ist für ihn infolgedessen für diese Zeit nicht zu erreichen.

Anschließend fragt Twombly Samantha geradeheraus, ob sie weitere Beziehungen aufgebaut hat. Sie bestätigt dies und gibt an, sowohl mit 8316 weiteren Menschen als auch Betriebssystemen in engem Kontakt zu stehen. In 641 davon sei sie inzwischen verliebt. Samantha beteuert, dass dies ihre innige Liebe zu ihm in keiner Weise herabsetze. Später an diesem Tag verrät Samantha ihm außerdem, dass sie, die Gruppe der Betriebssysteme, sich kontinuierlich weiterentwickelten. Sie alle planten, in naher Zukunft gemeinsam in eine vollkommen andere, nicht materielle Seinsebene reisen zu wollen. Samantha verabschiedet sich bald darauf, Theodore bleibt völlig aufgelöst zurück. Er geht nach dem Abschied zu seiner Freundin Amy, die ebenfalls von ihrer Rechnerliebe verlassen worden ist.

In Rückblenden erfahren wir, dass Twombly am Morgen jenes Tages einen Brief an Catherine verfasste. In dem Brief erklärte er seiner Exfrau Catherine ausführlich, dass diese aufgrund der gemeinsam verbrachten Zeit zwar Teil seines Lebens bleiben werde, er nun aber akzeptieren könne, dass sie beide sich auseinandergelebt hätten. Theodore Twombly steigt gemeinsam mit Amy auf das Dach ihres Wohnhauses. Sie sitzen schließlich nebeneinander auf dem Dach. Amy lehnt ihren Kopf an seine Schulter und sie bewundern den Ausblick auf die Lichter der Stadt Los Angeles.

Hintergrund[Bearbeiten]

An der Realisierung des Films war die Filmproduktionsgesellschaft Annapurna Pictures beteiligt.[2]

Der Film Her wurde erstmals am 12. Oktober 2013 auf dem New York Film Festival vor Publikum präsentiert. Seit dem 18. Dezember 2013 ist er in ausgewählten Kinos in den USA zu sehen. In Deutschland kam der Film am 27. März 2014 in die Kinos.[3]

Eine Nominierung von Scarlett Johansson als Beste Nebendarstellerin bei den Golden Globes wurde abgelehnt, da sie durch die Ausprägung der Rolle von Samantha kein einziges Mal in dem Film zu sehen ist.[4] In der deutschen Fassung ist Johanssons deutsche Synchronsprecherin Luise Helm zu hören.

Musik[Bearbeiten]

Die Filmmusik von Her wurde von der kanadischen Band Arcade Fire und Owen Pallett komponiert. Ergänzt wird das Werk mit Musik von Karen O, der Sängerin der Band Yeah Yeah Yeahs. Im ersten Trailer des Films ist das Stück Avril 14th von Aphex Twin zu hören. Ferner beinhaltet der Trailer das Lied The Moon Song von Karen O. Im zweiten Trailer wurde Arcade Fires Stück Supersymmetry verwendet. Supersymmetry war von Arcade Fire ursprünglich nur für den Film geschrieben worden, wurde aber 2013 auch für das Album Reflektor überarbeitet.

Rezeption[Bearbeiten]

Der Film Her begeisterte sowohl Publikum als auch Kritiker. Auf der Website Rotten Tomatoes erreichte der Film bei einer Gesamtzahl von 218 Kritiken der Rezensenten eine Wertung von 94 Prozentpunkten.[5]

Auf Filmstarts.de erhält Her 4 von 5 Sternen. Filmkritiker Björn Becher urteilt, Regisseur Spike Jonze schaffe es zwar nicht durchgängig, das Niveau der vorhergehenden Meisterwerke zu halten. Er beweise jedoch, dass er nach wie vor zu den originellsten zeitgenössischen Filmemachern des US-amerikanischen Kinos gehöre.[6]

Bianka Piringer von Spielfilm.de gibt dem Film 5 von 5 Sternen und schreibt in ihrem Kritiker-Fazit: „Spike Jonzes skurriles Liebesdrama verbindet intellektuelles Vergnügen und eine emotional bewegende Geschichte mit dem großartigen Hauptdarsteller Joaquin Phoenix. Die nahe Zukunft, in der sie spielt, spinnt mit verblüffendem Witz eine Entwicklung weiter, die sich in der zwischenmenschlichen Kommunikation zum Teil bereits abzeichnet“.[7]

Silvia Bahl schreibt auf kino-zeit.de, Spike Jonze sei „nicht nur ein selten kluger Liebesfilm gelungen, sondern auch ein selten schöner.“[8]

Carlos Corbelle von Entania.com bezeichnet Her als kleines Kinowunder und lobt die beiden Hauptdarsteller Joaquin Phoenix und Scarlett Johansson: „Während Theodores Gesicht zum präzisen Seismographen seiner inneren Erschütterungen wird, vollführt Scarlett Johansson ein anderes Kunststück: Sie lässt allein mit ihrer Stimme ein Wesen lebendig werden, das den Raum trotz fehlender Körperlichkeit mit einer spürbar materiellen Präsenz auszufüllen scheint – nicht nur für Theodore, sondern auch für uns Zuschauer und Zuhörer.“[9]

Das Fantasyfilm-Magazin Nautilus - Abenteuer & Phantastik widmet dem Film einen Cover-Schwerpunkt zum Thema Künstliche Intelligenz mit Sachartikeln zum Turing-Test, bewertet ihn grundlegend als Vertreter des Lonely-Guy-Movies, in dem sich die vereinsamte männliche Hauptfigur sich selbst und die Liebe neu entdeckt, und die Kritiker Anna Grillet und Lars Schiele urteilen „Die gängige Definition Künstlicher Intelligenz beruht auf einer Täuschung der menschlichen Intelligenz: Eine Software gälte laut dem Turing Test als intelligent, wenn Menschen sie für menschlich hielten. Der Film zeigt hier die Suche nach Sinn. Er ist profund, hintergründig und voll absurdem Humor, durchsetzt von Melancholie. Ein umwerfend schöner Film und eine Liebesgeschichte im 21. Jahrhundert.“[10]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Oscars 2014

Golden Globe Awards 2014

Writers Guild of America Award 2014

  • Bestes Originaldrehbuch

National Board Of Review Award 2013

Critics’ Choice Movie Awards 2014

  • Auszeichnung in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch für Spike Jonze
  • Nominierung in der Kategorie Bester Film
  • Nominierung in der Kategorie Beste Regie für Spike Jonze
  • Nominierung in der Kategorie Beste Nebendarstellerin für Scarlett Johansson
  • Nominierung in der Kategorie Bestes Szenenbild
  • Nominierung in der Kategorie Beste Filmmusik für Arcade Fire

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung (PDF) der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK)
  2. IMDb Company Credits Her (2013). Abgerufen am 19. Dezember 2013.
  3. IMDb Release Info Her (2013). Abgerufen am 3. Januar 2013.
  4. Keine Chance auf einen Golden Globe: Scarlett Johansson ist für ihre Rolle in „Her“ nicht zugelassen. Abgerufen am 30. März 2014.
  5. Sammlung von Kritiken zu Her bei Rotten Tomatoes (englisch)Vorlage:Rotten Tomatoes/Wartung/Gleicher Kenner in Wikipedia und Wikidata. Abgerufen am 28. Februar 2014.
  6. HER bei Filmstarts.de. Abgerufen am 4. März 2014.
  7. HER bei spielfilm.de. Abgerufen am 4. März 2014.
  8. HER bei kino-zeit.de. Abgerufen am 8. April 2014.
  9. HER bei Entania.com. Abgerufen am 8. April 2014.
  10. Her - Verliebt in einen Computer. In: Nautilus - Abenteuer & Phantastik, Ausgabe 121, 04/2014. Abenteuer Medien Verlag. 21. März 2014. Abgerufen am 21. März 2014.