Sandra Maischberger

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Sandra Maischberger, 2014

Sandra Maischberger (* 25. August 1966 in München) ist eine deutsche Journalistin, Moderatorin, Produzentin und Autorin. Sie moderierte zahlreiche Interviewsendungen wie Live aus dem Schlachthof und Talk im Turm (mit Erich Böhme). Derzeit moderiert sie die Talkshow Menschen bei Maischberger im Ersten.

Sandra Maischberger, 2002

Biographie[Bearbeiten]

Ihre Kindheit verbrachte Sandra Maischberger in Frascati bei Rom und in Garching bei München. Das Abitur legte sie im Werner-Heisenberg-Gymnasium ab. Nach dem Abschluss immatrikulierte sie sich an der Ludwig-Maximilians-Universität München für das Studium der Kommunikationswissenschaften, entschied sich jedoch gegen eine wissenschaftliche Ausbildung und startete direkt ins Berufsleben. Seit 1994 ist Maischberger mit dem aus der Tschechoslowakei stammenden Kameramann Jan Kerhart verheiratet. Die beiden leben in Berlin und haben seit Februar 2007 einen Sohn. Ihr Bruder Martin Maischberger ist Archäologe. Im Mai 2013 wurde Maischberger mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.[1]

Karriere[Bearbeiten]

Radio[Bearbeiten]

Kurz nach dem Abitur begann sie als Radiomoderatorin beim Sender Bayern 2 zu arbeiten, dort moderierte sie die Musiksendung Rock-Lock. Zu dieser Zeit arbeitete sie außerdem als freie Mitarbeiterin für diverse Zeitungen und Radiosender, darunter die Münchner Stadtzeitung, das Magazin Musikexpress und den Sender SWF3. Von 1987 bis 1989 ließ sie sich an der Deutschen Journalistenschule in München zur Redakteurin ausbilden.

Fernsehen[Bearbeiten]

Mit 21 Jahren wechselte Sandra Maischberger in die Nachrichtenredaktion von Tele 5, dort arbeitete sie für die tägliche Newssendung. Bei Tele 5 sammelte sie erste Erfahrungen beim Fernsehen mit den Sendungen Mensch Mädchen und Live um 5. 1989 moderierte sie sowohl die Morgensendung auf Bayern 3, als auch die Jugendsendung Live aus dem Schlachthof des Bayerischen Rundfunks als Nachfolgerin von Günther Jauch. Im Jahr 1991 empfing sie an der Seite von Erich Böhme Gäste aus Politik in der Talkshow Talk im Turm. Ab 1992 moderierte Sandra Maischberger im wöchentlichen Wechsel mit Roger Willemsen ihre erste Interviewsendung 0137 bei Premiere. 1993 folgte die Konzeption und Moderation von Spiegel TV Interview auf VOX. Sandra Maischberger besuchte in dieser wöchentlichen Interviewsendung die Gäste in ihrer Heimatstadt und begleitete sie über einen längeren Zeitraum (u. a. Marcel Reich-Ranicki, Dirk Bach, Wolfgang Menge, Wolfgang Lippert, Ephraim Kishon, Peter Ustinov, Niki Lauda, Mario Adorf, Karlheinz Böhm, Nena) Das Live-Magazin Freitag-Nacht präsentierte sie ab 1996 auf VOX, im Jahr darauf Greenpeace TV auf RTL. Danach arbeitete sie als Freie Mitarbeiterin für den WDR, das ZDF und mehrere Zeitschriften, darunter Amica und der Spiegel.

Maischberger auf n-tv[Bearbeiten]

Von 2000 an lud Maischberger zur wöchentlichen Interviewsendung Maischberger auf n-tv den „Menschen des Tages“ in ein Berliner Studio ein.[2] Viermal wöchentlich befragte sie Gäste zu aktuellen Themen und biographischen Details und erarbeitet sich „einen hervorragenden Ruf als aufmerksame Interviewerin“.[3]Anlässlich der Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises lobte die Jury Maischberger für ihre Fähigkeit, „die Persönlichkeit der Interviewten ohne Indiskretion und Tabubrüche darzustellen“.[4] Ihr zur Seite stand ein namhaftes Redaktionsteam der Probono.tv um den Journalisten Friedrich Küppersbusch. Die letzte Sendung wurde am 31. März 2006 ausgestrahlt. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung meinte Sandra Maischberger, „nie mehr Resonanz auf eine Sendung bekommen zu haben, als für diese, die auf dem kleinsten Sender zu sehen war, für den ich je gearbeitet habe“.[5] Gleichzeitig war sie 2000 und 2001 zusammen mit Werner Schmidbauer in der Sendung Die Zwei – Maischberger und Schmidbauer im Bayerischen Rundfunk zu sehen.

Menschen bei Maischberger[Bearbeiten]

Seit September 2003 moderiert Sandra Maischberger jeden Dienstag die ARD-Talkshow Menschen bei Maischberger, die ab 22.45 Uhr im Ersten ausgestrahlt wird. Die erste Folge wurde am 2. September 2003 gesendet. Kontrovers diskutieren handverlesene Gäste aktuelle politische und gesellschaftsrelevante Themen. Sandra Maischberger trat damit die Nachfolge des erfolgreichen Boulevard Bio an, auf ausdrücklichen Wunsch von Alfred Biolek selbst. Die Sendung wird, laut einem Interview mit Sandra Maischberger, „grundsätzlich gesendet, wie aufgezeichnet wurde."[6] Ehemals aus dem Berliner Tränenpalast gesendet, kommt das Talkformat heute aus dem WDR-Studio in Köln. Zu besonderen Anlässen wechselt die Produktion auch in Studios in Berlin oder München. In der Sendung bringt Sandra Maischberger Menschen zusammen, die sich in ihrem täglichen Leben nie getroffen hätten. Ein langjähriger Hartz IV-Empfänger bekommt die Chance mit Politikern über seine Situation zu sprechen, ein konservativer Familienvater muss sich mit einer Travestie-Künstlerin auseinandersetzen und Gewaltopfer treffen auf Täter. Dem Talent der Moderatorin ist es zu verdanken, dass sich alle Anwesenden "auf die Geschichten der anderen"[7] einlassen müssen. Die Themen sind stets aktuell und bringen in der Regel fünf bis sechs Gäste zusammen. Während der Sendung gibt es vereinzelt informative Filmbeiträge und/oder eine Live-Schaltung zu Gästen außerhalb des Studios. Menschen bei Maischberger ist nach Günther Jauch nach wie vor das quotenstärkste und erfolgreichste ARD-Talkformat. [8] Die Sendung ist eine Gemeinschaftsproduktion der ARD, hergestellt vom WDR in Zusammenarbeit mit der Vincent TV GmbH. [9]

Produzentin[Bearbeiten]

Gemeinsam mit einer Partnerin und Jan Kerhart gründete Sandra Maischberger 2000 die TV-Produktionsfirma Vincent Television GmbH. Für den WDR produziert Vincent TV die ARD-Sendung Menschen bei Maischberger. Darüber hinaus stellt das Unternehmen zahlreiche Dokumentationen in den Bereichen Politik, Geschichte, Natur und Wissenschaft für unterschiedliche Auftraggeber her. 2013 entstand das Dokudrama Ein blinder Held – Die Liebe des Otto Weidt in Kooperation mit der ARD; Erstausstrahlung war am 6. Januar 2014 im Ersten.

Autorin[Bearbeiten]

Sandra Maischberger ist auch als Autorin erfolgreich. So erschien 2002 Hand aufs Herz – Sandra Maischberger im Gespräch mit Altbundeskanzler Helmut Schmidt. Laut FAZ gelingt es Sandra Maischberger in diesem Dialog, dass „Helmut Schmidt in diesem Buch nicht nur die Hand aufs Herz [legt]; er nimmt auch kein Blatt vor den Mund“.[10] Ein Jahr darauf wurde der Interviewband Ich bin so frei, ein Gesprächsportrait mit der ehemaligen FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher veröffentlicht. Im Oktober 2004 veröffentlichte sie ein Nachschlagewerk für Kinder mit dem Titel Die musst Du kennen – Menschen machen Geschichte. Darin versammelt sind 250 der wichtigsten Wissenschaftler, Künstler und Politiker von der Antike bis in die Gegenwart. Zuletzt erschien 2011 ein Gespräch mit Hans-Jochen Vogel: Wie wollen wir leben, darin „[inspiziert] er mit Frau Maischberger alle Streitfelder der gegenwärtigen Politik“.[11]

Soziales Engagement[Bearbeiten]

2008 gründete Sandra Maischberger Vincentino e. V., einen gemeinnützigen Verein, der Kulturprojekte an Berliner Schulen initiiert und unterstützt. Von Joachim Gauck persönlich berufen, ist Sandra Maischberger Mitglied des Kuratoriums von Jugend debattiert und wurde für ihren Einsatz mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet. 2001 engagierte sich Maischberger neben vielen anderen prominenten Berlinern für die Street-Art-Aktivität Buddy Bär Berlin Show[12], deren Erlöse, die sich aus der Versteigerung vieler Bären ergaben, mehreren Kinder- und Jugendprojekten in Berlin zugutekam. Der von Maischberger gestaltete Bär steht heute im Museum in Bad Pyrmont.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

TV-Dokumentationen, eigene Filme[Bearbeiten]

  • 2013: Helmut Schmidt und Valéry Giscard d’Estaing – Eine Männerfreundschaft (mit Dorothe Dörholt)
  • 2013: 16xDeutschlandBerlin: Reichtstag
  • 2011: Persching statt Petting (mit Jan Lorenzen)
  • 2010: Richard von Weizsäcker – Für immer Präsident
  • 2009: Kasse gegen Privat. Sandra Maischberger und die Zweiklassenmedizin (mit Uli Stein)
  • 2007: Helmut Schmidt außer Dienst
  • 2002: Es ist 20 Uhr... Die Tagesschau wird 50! (mit Armin Toerkell)
  • 2002: Dr. Wedel und Mr. Hyde (mit Dieter Wedel)
  • 2001: Eric Escoffier - wenn der Kopf den Körper trägt

Bücher[Bearbeiten]

  • Hand aufs Herz – Sandra Maischberger im Gespräch mit Helmut Schmidt. Ullstein-Verlag, München 2002, ISBN 3-548-36460-8.
  • Ich bin so frei – Sandra Maischberger im Gespräch mit Hildegard Hamm-Brücher. Econ, München 2003, ISBN 3-430-16295-5.
  • Die musst du kennen. Menschen machen Geschichte. cbj, München 2004, ISBN 3-570-12871-7.
  • Hans-Jochen Vogel/Sandra Maischberger: Wie wollen wir leben - Was unser Land in Zukunft zusammenhält. Siedler, München 2011, ISBN 978-3-88680-991-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sandra Maischberger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Bundesverdienstkreuz für Sandra Maischberger". RP-Online, 7.Mai 2013
  2. Heide-Ulrike Wendt: "Die Kunst der Frage: Sandra Maischberger", 2002. Zuletzt abgerufen am 16. April 2014
  3. fernsehlexikon.de; Zuletzt abgerufen am 16. April 2014
  4. Sandra Maischberger im Portrait Zuletzt abgerufen am 16. April 2014
  5. Christopher Keil: Interview mit Sandra Maischberger in der Süddeutschen Zeitung am 11. Mai 2010; Zuletzt abgerufen am 16. April 2014
  6. Susanne Schneider: Interview mit Sandra Maischberger im Süddeutsche Magazin 33/2010; Letzter Zugriff am 16. April 2014
  7. Philipp Krohn: Gekonnt am Kitsch vorbei. in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 23. Oktober 2013; Letzter Zugriff am 23. Mai 2014
  8. Talk im Ersten: Publikumsinteresse im Jahr 2013 weiter gestiegen, news aktuell – Presseportal am 20. Dezember 2013; Letzter Zugriff am 15. Mai 2014
  9. Das Erste: Menschen bei Maischberger; Letzter Zugriff am 15. Mai 2014
  10. Gregor Schöllgen: "Wir werden damit nicht fertig", FAZ Besprechung am 17.April 2002; abrufbar auf perlentaucher.de
  11. "Da muss ich ja schon wieder konkret werden" Buchbesprechung in der FAZ am 26. November 2011; Zuletzt abgerufen am 16. April 2014
  12. BZ, Dienstag, 22. Mai 2001, Seite 30, BZ-Kultur: Maischberger und Pfitzmann leisten ihren Bären-Dienst