Chengdu J-20

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von J-20)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Chengdu J-20
J20 impside art.JPG
Typ: Jagdflugzeug
Entwurfsland: China VolksrepublikChina Volksrepublik China
Hersteller: Chengdu Aircraft Industry Corporation
Erstflug: 11. Januar 2011
Indienststellung: In der Flugerprobung
Stückzahl: 3[1]

Die Chengdu J-20[2] ist ein in der Entwicklung befindliches Kampfflugzeug des Unternehmens Chengdu (CAC), das im Rahmen des J-XX-Programms für die Luftstreitkräfte der Volksrepublik China gebaut werden soll. Es handelt sich dabei um das erste bekannt gewordene Flugzeug chinesischer Produktion, welches über Tarnkappeneigenschaften verfügt. Das Flugzeug absolvierte seinen achtzehnminütigen[3] Jungfernflug am 11. Januar 2011.[4][5]

Beschreibung[Bearbeiten]

Dreiseitenriss der Chengdu J-20

Die J-20 geht vermutlich auf die Anforderungen des J-XX-Programms (Bezeichnung westlicher Geheimdienste für das Entwicklungsprogramm, die offizielle Bezeichnung ist nicht bekannt) zurück, das Ende der 1990er Jahre von den chinesischen Streitkräften initiiert wurde, um ein Stealth-Kampfflugzeug zu entwickeln. Bisher ist allerdings unklar, ob die J-XX nur der Grundlagenforschung dient oder direkt zur Serienproduktion der Maschine führen soll und es sich somit bei der J-20 um einen Technologiedemonstrator oder einen Prototyp für ein Kampfflugzeug der (nach chinesischer Zählung) vierten Generation handelt.

Ende 2009 wurde vom Bau eines Mock-ups berichtet und ab Mai 2010 erfolgte der Bau zweier Prototypen. Geleitet wird die Entwicklung von den Projektdirektoren Yang Wei und Zhang Jigao.[1]

Die ersten Bilder der J-20 gelangten in die Öffentlichkeit, als am 22. Dezember 2010 Rollversuche mit dem Prototyp (#2001) auf dem Werksgelände von Chengdu durchgeführt wurden. Auf den Bildern ist zu erkennen, dass es sich bei der J-20 um einen Deltaflügler mit Canards handelt. Das doppelte Seitenleitwerk ist stark nach außen gekantet, die rautenförmigen Lufteinlässe liegen am Bug an und sind als Diverterless Supersonic Inlet (DSI) ausgeführt. Mit der FC-1 hat CAC bereits ein Flugzeug mit DSI hergestellt, so dass man in diesem Bereich auf eigene praktische Erfahrungen zurückgreifen konnte. Angetrieben wird das Flugzeug höchstwahrscheinlich von russischen Triebwerken der Saturn AL-31-Familie.[2] Der zweite Prototyp (#2002) wird eventuell von Shenyang Liming WS-10A oder WS-10G Triebwerken angetrieben, was an veränderten Düsen sichtbar ist. In den Serienmaschinen soll das WS-15 zum Einsatz kommen.[6] Gleichzeitig zeigten Änderungen am Radom, das eventuell ein EASA-Radar eingebaut wurde. Anhand der vorliegenden Bilder wurde die Gesamtlänge der Maschine zunächst auf etwa 23 m und die Spannweite auf mindestens 15 m geschätzt. Damit besäße die J-20 für ein Jagdflugzeug ungewöhnlich große Abmessungen. Nach neueren Schätzungen soll die Maschine nur 20 m lang sein und eine Spannweite von rund 13 m besitzen. Die Höhe beträgt ungefähr 4,70 m.[7]

Das Grundlayout der J-20 ähnelt sehr dem der MiG 1.44, die Verwandtschaft wird besonders in der Heckansicht deutlich. Möglicherweise hat RAC MiG hier Entwicklungshilfe geleistet, wie dies bereits in den 1990er Jahren bei der Entwicklung der FC-1 der Fall war. Übereinstimmungen mit der MiG 1.44 zeigen sich beim gesamten Hinterrumpf, den weit außen angeordneten Leitwerken und Falschkielen, der Delta-Canard-Konfiguration und den Dimensionen.[7] Jedoch verneint die Firma jegliche Zusammenarbeit mit China.[7] Die voll beweglichen, stark geneigten Seiten-/Höhenleitwerke ähneln dagegen mehr denjenigen der Suchoi T-50. Bug, Cockpitsektion und Anordnung der Lufteinläufe wurden offensichtlich stark an die F-22 angelehnt.[7]

Die Bewaffnung wird intern mitgeführt, wobei in den seitlichen Waffenschächten die Kurzstreckenrakete PL-10 und in den Hauptschächten bis zu sechs Mittelstreckenraketen PL-12C/D oder PL-21 geplant sind.[8]

Im November 2013 tauchten die ersten unscharfen Photos eines dritten Prototyps (#2011) auf. Spätere Bilder aus dem Januar 2014 zeigten deutlich Änderungen gegenüber den ersten beiden Exemplaren. So wurde die Form der Lufteinlässe geändert, die Kanten der Hecksteuerflächen abgeschrägt und auch die Cockpithaube, die Form der Hecksektion und die Fahrwerksklappen wurden geändert. Die wichtigste sichtbare Änderung ist der Einbau eines anderen HUD-Display im Cockpit und eines optischen Systems unter dem Bug.[1]

Politische Bedeutung[Bearbeiten]

Der Erstflug der J-20 fand während des Besuchs des amerikanischen Verteidigungsministers Robert Gates in China statt. Beobachter werteten dies als ein klares Zeichen an die USA, was der chinesische Staatspräsident Hu dementierte (er sagte, der Termin des Erstfluges hätte schon lange festgestanden und habe nichts mit dem Besuch Gates zu tun).[5][9] Die Entwicklung eines Jagdflugzeuges/Jagdbombers mit großer Reichweite und Stealth-Eigenschaften, der wahrscheinlich mit einem AESA-Radar und Luft-See-Abstandswaffen ausgerüstet sein wird, wird von Analysten als Bedrohung der amerikanischen Flottenpräsenz im Westpazifik gedeutet.[7][10][11]

Andrew Scobell von der Rand Corporation gibt zu bedenken, dass die zivil-militärische Zusammenarbeit in der Volksrepublik China von Spannungen geprägt sein könnte. Ob der politischen Führung des Landes der Test von vornherein bekannt war und der Flug als Signal an die Vereinigten Staaten beabsichtigt gewesen sei, sei nicht abschließend zu klären. Gleichwohl ist die Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten Scobell zufolge von allen vier Szenarien betroffen, die sich aus der Bejahung oder Verneinung dieser beiden Aspekte ergeben.[12]

Namen[Bearbeiten]

Alle bisher publizierten Namen sind nicht offiziell; auch die Bezeichnung J-20 ist nicht gesichert.[2][7] Bisher bekanntgewordene Beinamen wie Powerful Dragon,[13] Black Ribbon[14] oder Black Eagle[15] sind ausnahmslos Spekulation.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chengdu J-20 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c AirInternational April 2014, ISSN 0306-5634, China's Mighty Dragon, S.40-45.
  2. a b c Abgehoben: Chinas neues Jagdflugzeug. fliegerweb.com, 12. Januar 2011, abgerufen am 19. Januar 2011: „J-20 ist noch keine offizielle Bezeichnung“
  3. Chinesischer „J-20“-Stealth-Fighter startet in Chengdu zum Erstflug. Flugrevue, 11. Januar 2011, abgerufen am 19. Januar 2011 (Html): „Es gibt angeblich zwei Maschinen (Kennung 2000 und 2001)“
  4. Wolfgang Greber: China bejubelt Jungfernflug des Tarnkappenjets J-20. Die Presse, 11. Januar 2011, abgerufen am 11. Januar 2011 (Html).
  5. a b Provokation: China testet neuen Kampfjet. Spiegel Online, 11. Januar 2011, abgerufen am 12. Januar 2011 (Flash-Video).
  6. FliegerRevue Juni 2011, S. 28–29, Chinas mächtiger Drache
  7. a b c d e f Martin Rosenkranz: Die neuen Krallen des chinesischen Drachen. China „leakt“ Bilder von neuem Stealth-Flugzeug in die Welt. www.airpower.at, 11. Januar 2011, abgerufen am 19. Januar 2011 (Html): „Das Flugzeug wurde im Zuge des Gespräches zwar als J-20 bezeichnet, ob dies aber als offizielle Stellungnahme und hinkünftig gültige Bezeichnung gelten darf, bleibt im dunkeln.“
  8. FliegerRevue Oktober 2011, S.8, Stealth-Jäger zeigt seine Waffenschächte
  9. faz.net: China testet Tarnkappenflugzeug. Abgerufen am 11. Januar 2011.
  10. Markus Becker: PChinas Tarnkappen-Kampfjet hebt ab. Spiegel Online, 11. Januar 2011, abgerufen am 19. Januar 2011 (Html).
  11. China soll seinen ersten Tarnkappen-Kampfjet gebaut haben. Zeit Online, 5. Januar 2011, abgerufen am 19. Januar 2011 (Html).
  12. Andrew Scobell: The J-20 Episode and Civil-Military Relations in China. (PDF; 197 kB) rand.org, 10. März 2011, abgerufen am 13. März 2011.
  13. Fighters. Abgerufen am 19. Januar 2011 (Html, englisch, private Website).
  14. Shirong Chen: China conducts first test-flight of stealth plane. BBC News, 11. Januar 2011, abgerufen am 11. Januar 2011 (Html, englisch).
  15. Asiatische Kampfflieger heben ab.Vorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter In: Financial Times Deutschland, 2. Januar 2011