Jakob Lorber
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Jakob Lorber (* 22. Juli 1800 in Kanischa <Untersteiermark> bei Jahring, seit 1919 Kaniža pri Jarenini in Slowenien; † 24. August 1864 in Graz) war österreichischer Musiker und christlicher Neuoffenbarer und Visionär. Er bezeichnete sich als „Schreibknecht Gottes”.
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[Bearbeiten] Leben
Jakob Lorber wurde als erster Sohn von Michael Lorber und dessen Ehefrau Maria (geb. Tautscher), einer alteingesessenen christlichen Bauernfamilie, in dem damals zum habsburgischen Herzogtum Steiermark gehörenden Kanischa (Untersteiermark), Pfarre Jahring (slowenisch: Jarenina), seit 1919 Kaniža pri Jarenini in Slowenien, geboren.[1] Mit 17 Jahren zog er nach Marburg an der Drau und wurde dort Lehrergehilfe und Organist. Bald darauf begab er sich nach St. Johann im Saggautal, wo er von einem Kaplan Lateinunterricht erhielt. Der Kaplan riet Lorber, sich dem Priesterstand zu widmen, worauf dieser nach Marburg zurückkehrte, um das Gymnasium zu besuchen. Nachdem er fünf Klassen absolviert hatte, setzte er seine Gymnasialstudien in Graz fort. Seinen Lebensunterhalt bestritt er dort als Hauslehrer für Gesang, Musik (Klavier und Violine) und Zeichnen. 1829 besuchte er den „höheren pädagogischen Kurs für Lehrer an Hauptschulen” und erwarb ein sehr gutes Zeugnis.[2]
Nach der ersten erfolglosen Bewerbung als Lehrer gab Lorber diesen Plan auf und verlegte sich ganz auf die Musik. Er komponierte Lieder und Konzertstücke und kam dadurch mit dem bekannten Tondichter Anselm Hüttenbrenner in Kontakt. In dieser Zeit lernte Lorber den berühmten Geigenkünstler Niccolò Paganini kennen, der ihm einige Unterrichtsstunden erteilte und zum Vorbild wurde.[3]
Jakob Lorber las lt. den Angaben seines Biographen Leitner Bücher von J. Kerner, Jung-Stilling, Swedenborg, Jakob Böhme, Johann Tennhardt und vor allem die Bibel. Trotz dieser Neigung zur Erforschung tiefster geistiger Geheimnisse blieb er im ganzen ein heiterer, froher Mensch und guter Gesellschafter.[4]
Am 15. März 1840 um 6 Uhr morgens vernahm Jakob Lorber, laut eigenen Angaben, in sich eine Stimme, die ihn zu schreiben aufforderte. Dieser inneren Stimme widmete er fortan sein Leben und schrieb, ihr folgend, 25 Bücher und viele kleinere Schriften nieder. Er begann sein Schreibgeschäft fast täglich morgens vor dem Frühstück. Seiner Aussage nach teilte er das innerlich Vernommene aber noch leichter mit, wenn er einem seiner Freunde einzelne Aufsätze und sogar ganze Werke diktieren konnte. Da saß er neben dem Schreibenden, ruhig vor sich hinschauend und nie in seinem Redefluß stockend oder irgendeine Satzfügung oder einen Ausdruck abändernd. Wenn sein Diktieren auf kürzere oder längere Zeit unterbrochen wurde, vermochte er das Geschriebene, ohne von demselben mehr als die letzten Worte oder Zeilen nachzulesen, sogleich wieder bei den letzten Worten beginnend, im richtigen Zusammenhang fortzusetzen.[5]
An einen Freund schrieb Lorber im Jahre 1858 über die in ihm redende Geistesquelle, die sich ihm als „die Stimme Jesu Christi, das lebendige Wort Gottes“ vorstellte: „Bezüglich des inneren Wortes, wie man dasselbe vernimmt, kann ich, von mir selbst sprechend, nur sagen, daß ich des Herrn heiliges Wort stets in der Gegend des Herzens wie einen höchst klaren Gedanken, licht und rein, wie ausgesprochene Worte, vernehme. Niemand, mir noch so nahestehend, kann etwas von irgendeiner Stimme hören. Für mich erklingt diese Gnadenstimme aber dennoch heller als jeder noch so laute materielle Ton. Das ist aber nun auch schon alles, was ich Ihnen aus meiner Erfahrung sagen kann.“[6]
Mit der Aufnahme seiner Schreibtätigkeit war Lorber auf die Unterstützung durch seine Freunde angewiesen, darunter Grazer Honoratioren wie der Bürgermeister Andreas Hüttenbrenner und dessen Bruder Anselm Hüttenbrenner, der Apotheker der Grazer Landschaftsapotheke Leopold Cantily, sowie der Dichter und steirische Ständesekretär Karl Gottfried Ritter von Leitner. Letzterer verfasste 1864 Lorbers Biographie.[7]
Nach Lorbers 60. Lebensjahr begannen seine körperlichen Kräfte nachzulassen, während die geistigen in ungeschwächter Tätigkeit fortwirkten. 1864 erkrankte er und musste drei Monate lang das Bett hüten. Auch während dieser Zeit diktierte er seinen Freunden. Zu Beginn des Frühlings erholte er sich kurzfristig scheinbar wieder, verstarb jedoch schließlich am 24. August 1864 an einer Lungenerkrankung. Lorber wurde auf dem Friedhof zu St. Leonhard (Graz) beerdigt.[8] Den Druck der Bücher führte sein Freund Johannes Busch weiter, später Christoph Friedrich Landbeck. Mit der zunehmenden Verbreitung der Bücher von Jakob Lorber (was im größeren Umfang erst nach seinem Verscheiden geschah) bildeten sich an verschiedenen Orten Lorber-Freundeskreise.[9]
Im Verlassenschaftsakt, der sich im Steiermärkischen Landesarchiv befindet, ist vermerkt, dass der Musiker seine Violine, ein Klavier sowie mehrere Bilder und Kleidungsstücke seiner „natürlichen Tochter Maria Hochegger“ vermachte. Die Richtigkeit dieser Angabe wird jedoch von einigen Lorberfreunden aus verschiedenen Gründen in Zweifel gezogen.[10] Der Biograph Leitner sowie andere Zeitzeugen und bisher öffentlich gemachte Dokumente berichten nichts über eine natürliche oder adoptierte Tochter.
[Bearbeiten] Lehre
[Bearbeiten] Grundgedanken
Gott ist ewiger, unendlicher Geist, Urkraft und Urgrund allen Seins, von höchster Liebe, Erkenntnis und Willensmacht. Er ist nicht nur eine nebelhafte Weltseele oder unpersönliche Macht, sondern hat als Innerstes ein Machtzentrum, wo er wesenhaft gestaltet ist, als allervollkommenster Geistes-Urmensch, von dem alle göttliche Macht ausstrahlt.
Welt oder Materie besteht aus „Urgrundteilchen” (Elektronen), die nichts anderes als selbständig gemachte Gedanken- oder Geisteskräfte Gottes sind. Es gibt keinen Stoff nach materialistischer Anschauung. Alles ist Gottes- oder Geisteskraft.
Schöpfung: Der gegenwärtigen stofflichen Schöpfung gingen geistige Urschöpfungen voraus, wo die Engel und Urerzengel geschaffen wurden. Ein Teil dieser Urwesen unter dem Hauptgeist Satana (Luzifer, Satan) verfielen jedoch kraft ihres freien Willens in Selbstsucht und Selbstherrlichkeit. Da sie sich so von den Lebensströmen des Heiligen Geistes aus Gott abschnitten, erstarben und erstarrten diese Geister, brachten das göttliche Gericht (Materialisation) über sich und wurden zum Urnebel der Materie.
Erlösung und Wiederbringung der in der Materie der Sonnen und Welten gebundenen Urwesen bewirkt Gott zusammen mit der großen Mehrheit der treu gebliebenen Engelsgeister. Die in der Materie gebundenen Seelen werden stufenweise durch das Mineral-, Pflanzen- und Tierreich emporgeführt bis hin zur menschlichen Lebensform. Eine menschliche Seele besteht aus zahlreichen solchen Naturseelen. Sie erhält bei der Geburt einen reinen Gottesgeist- oder Liebesfunken eingehaucht und kann sich im Leben durch die freiwillige Haltung der Liebesgebote Gottes bewähren und als Kind und Ebenbild Gottes schließlich zur wahren Freiheit, Vollkommenheit und Seligkeit befördert werden.
Jesus Christus ist das heilige, geistig-menschliche Ur-Machtzentrum, der göttliche Vater im Gewand der Materie. Als die Schöpfung ausreichend bereitet war, brachte Jesus den Menschen die höchste Enthüllung der göttlichen Liebe – die Gottheit als Vater. Jesu Seele und Leib ist der vom Vater geschaffene und ausgegangene Sohn. Die vom Vater durch den Sohn in die Unendlichkeit ausstrahlenden allschöpferischen Gotteskräfte sind der Heilige Geist. In Jesus sind vereint Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Heilsweg: Erlösung findet der Mensch durch das Halten der Gebote. „Liebe Gott über alles und deinen Nächsten wie dich selbst!” Daran anhängend sind das Gesetz und die Propheten. Weder äußerliche Werkgerechtigkeit (Sakramentenempfang), noch äußerliche Glaubensgerechtigkeit (Bekenntnisglaube) genügen. Sie sind höchstens Hilfsmittel für die Hauptsache – die reine, tatkräftige, himmlische Liebe oder Selbstlosigkeit. Wenn in einem Menschen mit Gottes Hilfe der Geist reiner, tatkräftiger Gottes- und Nächstenliebe zu seinem Leben geworden ist, dann hat er die geistige Wiedergeburt erlangt; er ist als Gotteskind völlig eins mit Gott und kann nun von seinem göttlichen Vater die Fülle göttlicher Lebens- und Wirkungskräfte erhalten, die vollständige Freiheit und Herrlichkeit der Gotteskindschaft.
Jenseits: Die geistige Wiedergeburt erreichen nur wenige Menschen schon diesseits. Daher gibt es im Jenseits spezielle Reinigungsschulen, wo die Menschen unter der Leitung höherer Geister zur Vollendung geführt werden. Einst wird „kein Verbanntes” mehr sein. Die Reinigung dauert jenseits allerdings viel länger und ist wesentlich peinvoller als diesseits. Je nach böser oder guter Gesinnung erleben die Menschen ein höllisch-qualvolles oder ein paradiesisch-wonnevolles Dasein. Wiedergeburt (Reinkarnation) als Mensch (niemals als Tier oder Pflanze usw.) auf anderen stofflichen Welten (auf allen Planeten und Sonnen leben Menschen, Tiere und Pflanzen der Lichtmaterie) oder ausnahmsweise auch auf der Erde sind möglich.
Himmel: Entsprechend der Reinheit und Stärke ihrer Liebe erreicht die Seele einen der in drei Bereiche aufgeteilten Himmel, der jenseits des Jenseits liegt.[11]
[Bearbeiten] Prophetie
Jakob Lorber behauptete, viele der von ihm niedergeschriebenen Dinge nicht verstehen zu können.[12] Tatsächlich finden sich in seinen Schriften Aussagen und Konzepte, die von seinen Anhängern als Hinweise auf Atome, Elementarteilchen und das enorme Energiepotential in der Materie interpretiert werden.[13] Er schrieb über ein Zeitalter der Technologie, über drahtlose Kommunikation mittels des Blitzes, Flüge über die Ozeane und über Eisenwägen, die schneller als Pfeile dahinfliegen. Ebenso wird von den klimatischen Veränderungen und Katastrophen durch die Verbrennung fossiler Energieträger berichtet, über Luftverschmutzung und Wüstenbildung durch Entwaldung.[14]
Es folgen einige Beispiele, wie aus dem Lorberwerk prophetische Inhalte interpretiert werden.
- 1842 wurde Lorber von einem weiteren, noch unbekannten Planeten, genannt „Miron” unterrichtet. Der bis dahin noch unbekannte Planet Neptun wurde 1846 entdeckt, nachdem schon zuvor Bahnstörungen des Uranus einen weiteren Planeten vermuten ließen.[15]
- Der Astronom Kasimierz Kordylewski entdeckte 1962 das kosmische „Staubphänomen”. Eine mögliche Erklärung findet sich im Offenbarungswerk als „negative Kometen” erwähnt.[16]
- Die Ablehnung des materialistisch-mechanistischen Weltbildes durchzieht das gesamte Offenbarungswerk.[17] Die Materie sei vielmehr von einem unvorstellbar energiereichen Geistesleben erfüllt und bestehe aus lauter Intelligenzen, die von höheren Intelligenzen nach Ordnung und Notwendigkeit zeitweilig festgehalten werden. Diese Aussagen werden als ein Vorgriff auf die Erkenntnisse der modernen Atomforschung interpretiert.[18]
- Der japanische Physiker Hideki Yukawa erhielt 1952 für seine Forschung über das atomare Meson mit der gefundenen Lebensdauer von einer trillionstel Sekunde den Nobelpreis. Die sogar exakt selbe Zeitangabe, inklusive der Erkenntnis, wie das Atom nicht der nicht weiter teilbare Baustein der Materie sei, soll Lorber schon 1840 gegeben worden sein, jedoch nicht in Begriffen und Terminologie der modernen Forschung.[19]
- Das Lorberwerk beinhaltet eine subtile Gehirnlehre, wonach das menschliche Gehirn aus einer ungeheueren Zahl kleinster Pyramidengebilde besteht, in die Sinneswahrnehmungen eingraviert werden. Erste anatomische Bestätigungen dieser Lehre sollen Forschungen um 1930 des Gehirnspezialisten Oskar Vogt sein, der in der Tiefenschicht der grauen Gehirnrinde Pyramidalzellen feststellte.[20]
[Bearbeiten] Die Entsprechungslehre
Ein wesentlicher Punkt des Werkes von Jakob Lorber ist die sogenannte Entsprechungslehre, welche auch in den Werken von Emanuel Swedenborg beschrieben wird. Es würde sich hierbei um eine universelle geistige Sprache handeln, die bereits bei den alten Ägyptern und Israeliten bekannt gewesen, aber schon zur Zeit Jesu in Vergessenheit geraten sei. Zahlreiche Schriften der Bibel seien auf diese Weise verfasst, wie zum Beispiel die Bücher Moses oder die Apokalypse des Johannes. Die Bilder, welche in diesen Schriften vorkommen, seien daher nicht wortwörtlich zu verstehen, sondern würden einen geistigen Sinn in sich bergen, welcher durch die Entsprechungslehre entschlüsselt werden könne. So würden zum Beispiel die sieben Schöpfungstage der Genesis (1. Buch Mose) sieben geistige Entwicklungsstufen des Menschen entsprechen und jedes Bild, welches darin vorkommt, einen bestimmten Aspekt dieser Entwicklung symbolisieren.[21]
[Bearbeiten] Freiheit
Im Werk Jakob Lorbers wird die Freiheit als grundlegende Voraussetzung für die geistige Entwicklung des Menschen angesehen. Somit muß der Mensch grundsätzlich auch die Fähigkeit besitzen, gegen den Willen Gottes zu handeln. So heißt es, „ohne die Fähigkeit, den gegebenen Gesetzen zuwiderzuhandeln, wäre der Mensch ein Tier und kein Mensch.” [22] Somit wird auch ein Zwang, insbesondere in religiösen Dingen, als äußerst schädlich für die geistige Entwicklung des Menschen angesehen. [23]
[Bearbeiten] Die sieben Geister Gottes
In dem Werk von Jakob Lorber werden die sieben Geister Gottes näher beschrieben, welche in allen Geschöpfen wirken würden und welche der Mensch in sich beleben sollte, um sich geistig entwickeln zu können. So würden die sieben Geister Gottes unter anderem auch durch den siebenarmigen Leuchter – die Menorah – und die sieben Wochentage symbolisiert. Sie würden die grundlegenden Eigenschaften Gottes verdeutlichen, wie den kreativen und den erhaltenden Aspekt. Der mittlere vierte Geist würde für die Ordnung stehen, die ersten drei für die kreative Eigenschaft Gottes, nämlich die Liebe, die Weisheit und der Wille. Die letzten drei Geister für die erhaltende Eigenschaft Gottes nämlich den Ernst, die Geduld und die Barmherzigkeit oder die Sanftmut. Die Barmherzigkeit sei nun der wichtigste Geist, in dem alle anderen rückwirkend enthalten seien. Daher sollten die Menschen den Geist der Barmherzigkeit vor allem in sich beleben um sich geistig entwickeln zu können. [24]
[Bearbeiten] Das Zeitalter der Wissenschaften
In dem Werk von Jakob Lorber wird gesagt, daß die christlichen Kirchen, aus machtpolitischen und ökonomischen Erwägungen heraus die Lehre Jesu so sehr verunreinigen würden, daß sich aus diesem Grunde eine große Trübsal unter den Menschen ausbreiten würde, so daß erst nach einer Phase der reinigenden Wirkung durch die Wissenschaften und Künste verbunden mit einer Zeit der Ungläubigkeit und der Skepsis gegenüber Religion, die christliche Lehre unter den Menschen neu erstehen könne. [25]
[Bearbeiten] Arbeitslosigkeit
In dem Werk von Jakob Lorber steht, daß eine Zeit kommen würde, in der die Menschen allerlei Maschinen bauen würden, die alle menschlichen Arbeiten verrichten würden, wie lebende vernünftige Tiere und Menschen. Dadurch würden viele Menschenhände arbeitslos werden und sich das Elend der Menschen zu einer unglaublichen Höhe steigern. [26]
[Bearbeiten] Kritik
Zu Kritik an der Neuoffenbarung führt vor allem der hohe Anspruch, sie sei von Jesus Christus selbst diktiert worden.[27][28][29][30] Nach Ansicht anderer Kritiker und verschiedener Wissenschaftler finden sich in dem Werk aber Aussagen, die eher Lorbers Sichtweisen und den damaligen Zeitgeist darstellen, als die von Jesus von Nazareth wie z. B. judenfeindliche Äußerungen[31] wonach Juden stinkende Schweine seien, soweit sie die eigenliebige Anhäufung von materiellen Schätzen zu ihrem hauptsätzlichen Lebensinhalt machten [32], oder Erklärungen zu riesigen Verdauungs- und Ausscheidungsöffnungen der Erde, die vom Nordpol durch die Erde bis zum Südpol reichen (vgl. Theorie der hohlen Erde) und durch die Ausscheidung durch einen schneckenförmigen Darm die Erddrehung erzeugen.[33] Andererseits heißt es in dem Werk jedoch auch, dass das Heil aller Menschen nur von den Juden komme. Es sei vor Gott nicht gut, das Judentum zu verlassen und man solle im Herzen zum Judentum der vollen Wahrheit nach zurückkehren [34] Auch sei der Gott der Juden der allein wahre ewige Gott, der einst den Himmel und diese Erde aus Sich heraus erschaffen habe [35] und es wird gesagt, daß es Gottes bzw. Jesu Wille wäre, aller Menschen – ob Juden oder Heiden - der Wahrheit nach Freund zu sein. [36]
Der Anteil, die Art und die Qualität der durch den Höreindruck vermittelten göttlichen Inspiration wird selbst unter Lorberfreunden kontrovers diskutiert. Ebenso kontrovers ist die Haltung der Kritiker. Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) hat früher das Gespräch mit andersgläubigen Menschen gesucht.[37] Der ehemalige Leiter der EZW Kurt Hutten schrieb in seinem Werk Seher, Grübler, Enthusiasten:
- Im Kreis der zahlreichen Empfänger jenseitiger und himmlischer Kundgaben, die in den letzten 250 Jahren aufgetreten sind, erscheinen Swedenborg und Lorber gewissermaßen als zwei Riesen. Sie sind einander ebenbürtig im geistigen Volumen ihrer Werke. Sie versichern, dass sie diese aus Quellen empfingen, die außerhalb des menschlichen Bereichs liegen; sie haben durch ihren Charakter und ihren Lebensweg bewiesen, dass diese ihre Gewissheit nicht bezweifelt werden darf.
In kritischen Schriften[38] der EZW wird allerdings auf psychische Faktoren als Erklärungsmöglichkeit für die Neuoffenbarung eingegangen. Angeführt wird unter anderem Psychiaterin Dr. Antoinette Stettler-Schär. 1966 diagnostizierte sie in ihrer Dissertation in Medizin eine chronische paranoide Schizophrenie mit manisch-depressiver Komponente bei einer präpsychotisch selbstunsicheren, ängstlichen, neurotischen und geltungssüchtig-hysteriformen Persönlichkeit.[39] Dr. Bernhard Grom S. J., Professor für Religionspädagogik und Religionspsychologie, widerspricht dieser Diagnose und vermerkt, dass psychotisch Gestörte gar nicht zu Leistungen wie Lorber in der Lage seien. Inspirationserlebnisse, Auditionen und Visionen können zwar Symptome von psychischen Störungen (Schizophrenie) sein, treten jedoch auch außerhalb dieses pathologischen Kontextes auf, nämlich in Belastungssituationen und der Suche nach spiritueller Orientierung. Grom ordnet die Neuoffenbarung dieser Suche nach spiritueller Orientierung zu und vermutet eine selbstinduzierte Halluzination.[40]
Dr. Andreas Fincke fasste als stellvertretender Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen und Experte für „christliche Sondergemeinschaften” den ablehnenden Teil der Kirche zusammen: „Jakob Lorbers „Neuoffenbarungen” spiegeln nicht nur die Zeit des 19. Jahrhunderts wider, sondern auch den Kenntnisstand und die geistige Welt ihres Verfassers. (…) Lorbers Texte sind – im besten Sinne des Wortes – fromme Dichtung, aber sie sind kein Diktat Gottes.”[41]
[Bearbeiten] Wirkung
- Einen literarischen Niederschlag fand Lorber im nachgelassenen Roman Julia, oder die Gemälde von Arno Schmidt.
- In dem Buch „Karmatha” wird von Anita Wolf die geistige Entwicklung Jakob Lorbers vor seiner Erdenmission beschrieben.
- Der deutsche Mystiker und Geistheiler Carl Welkisch erklärt in seinen Büchern (Hauptwerk: „Im Geistfeuer Gottes”) sein Wesen und Wirken mehrmals durch Berufung auch auf die Lorber-Offenbarung.
- Von Gottfried Mayerhofer sind nach innerem Diktat drei Bücher erschienen, die ergänzenden und kommentierenden Charakter zur Lorber-Offenbarung haben: „Predigten des Herrn”, „Schöpfungsgeheimnisse” und „Lebensgeheimnisse”.
- Leopold Engel sah sich veranlasst, auch nach eigenem innerem Diktat einen abschließenden 11. Band des „Großen Evangelium Johannes” niederzuschreiben.
- Bertha Dudde schrieb später nach einem inneren Diktat ergänzende Kommentare zur Neuoffenbarung von Jakob Lorber.
[Bearbeiten] Werke
Das Lorber-Schrifttum umfasst 25 zum Großteil sehr umfangreiche Bände, die von Lorber in 24 Jahren gemäß dem inneren Diktat geschrieben wurden. Die Handschriften werden vom Lorber Verlag in Bietigheim in Deutschland verwahrt.
- Die Haushaltung Gottes (1840–44)
Das erste Werk (in 3 Bänden erhältlich) behandelt religiöse Grundthemen, wie das Wesen Gottes, Urschöpfung der Geisterwelt, die materielle Weltenschöpfung, die Erschaffung des Menschen und dessen Urgeschichte bis zur Sintflut. Ein lexikaler Anhang ist separat erhältlich.
- Die Jugend Jesu (1843)
Dieses Werk versteht sich als die Neuoffenbarung des Protevangelium des Jakobus, das als apokryph erklärt und nicht in die Bibel aufgenommen wurde.
- Drei Tage im Tempel (1859/60)
Die Diskussion des 12-jährigen Jesus mit den Schriftgelehrten im Tempel im Detail.
- Das große Evangelium Johannes (1851–64)
Das umfangreichste und bekannteste Werk (10 Bände), ein ausführlicher Kommentar zum Evangelium nach Johannes und den anderen Evangelien mit dem Anspruch, Ergänzung, Erweiterung und Auslegung des Neuen Testamentes zu sein.
- Schrifttexterklärungen (1843), Der Laodizenerbrief des Apostels Paulus (1844), Briefwechsel Jesu mit Abgarus (1845/46)
Weitere Werke mit biblischem und historischem Bezug.
- Die Erde (1847/56), Der Mond (1841), Der Saturn (1841/42), Die natürliche Sonne (1842), Die Fliege (1842), Der Großglockner (1842)
„Naturevangelien”, eine „göttliche Naturkunde”.
- Die geistige Sonne (1842/43), Bischof Martin (1847/48), Von der Hölle zum Himmel - Robert Blum (1848–51), Jenseits der Schwelle (1847)
Ausführliche Beschreibungen des Jenseits („Geisterwelt”) und der Weiterentwicklung einer Seele nach ihrem Tod.
- Himmelsgaben (1840–64)
Zusammenfassung (3 Bände) der Diktate, die neben den Hauptwerken gegeben wurden.
- Die große Zeit der Zeiten – Pathiel (1841)
Sammlung von Gedichten und Gebeten.
[Bearbeiten] Literatur
[Bearbeiten] Primärliteratur
- Die Jugend Jesu. Lorber Verlag, ISBN 3-87495-164-2.
- Die drei Tage im Tempel. Lorber Verlag, ISBN 3-87495-014-X.
- Johannes, das große Evangelium. 10 Bände. Lorber Verlag, ISBN 3-87495-130-8.
- Der Briefwechsel Jesu mit König Abgarus. Lorber Verlag, ISBN 3-87495-169-3.
- Der Laodizenerbrief des Apostels Paulus. Lorber Verlag, ISBN 3-87495-124-3
- Schrifttexterklärungen. Lorber Verlag, ISBN 3-87495-156-1
- Die Haushaltung Gottes. 3 Bände. Lorber Verlag, ISBN 3-87495-142-1.
- Erde und Mond. Lorber Verlag, ISBN 3-87495-165-0
- Der Saturn. Lorber Verlag, ISBN 3-87495-048-4.
- Die Fliege. Lorber Verlag, ISBN 3-87495-168-5
- Der Großglockner. Lorber Verlag, ISBN 3-87495-111-1.
- Die natürliche Sonne. Lorber Verlag, ISBN 3-87495-128-6.
- Bischof Martin. Lorber Verlag, ISBN 3-87495-009-3.
- Robert Blum. 2 Bände. Lorber Verlag, ISBN 3-87495-558-3.
- Die geistige Sonne. 2 Bände. Lorber Verlag, ISBN 3-87495-099-9 (Band 1), ISBN 3-87495-100-6 (Band 2).
- Jenseits der Schwelle. Lorber Verlag, ISBN 3-87495-163-4.
- Die große Zeit der Zeiten (Pathiel – Die Erlösung). Lorber Verlag, ISBN 3-87495-176-6.
- Himmelsgaben. 3 Bände. Lorber Verlag, ISBN 3-87495-149-9 (Band 1), ISBN 3-87495-150-2 (Band 2), ISBN 3-87495-154-5 (Band 3).
CD-ROM
- Die Offenbarungsschriften durch Jakob Lorber in Faksimilé alter Frakturausgaben. CD-ROM. Lorber Verlag.
- CD-ROM zur Offenbarung durch J. Lorber. CD-ROM. Lorber Verlag, ISBN 3-87495-591-5.
[Bearbeiten] Sekundärliteratur
- Schriften des Lorberverlages
- Briefe Jakob Lorbers, Urkunden und Bilder aus seinem Leben. Neu-Salem-Verlag, Bietigheim 1931
- Walter Lutz: Die Grundfragen des Lebens. In der Schau des Offenbarungswerkes Jakob Lorbers. Lorber Verlag, Bietigheim 2005, ISBN 3-87495-113-8.
- Walter Lutz: Neuoffenbarung am Aufgang des dritten Jahrtausends: Ein Lehr- und Nachschlagewerk der Neuoffenbarung gegeben durch Jakob Lorber. 3 Bände. Lorber Verlag, Bietigheim 1969, ISBN 3-87495-068-9.
- Weitere Literatur
- [Reinhard Breymayer (Bearb.):] Lorber, Jakob. In: Heiner Schmidt [Hauptbearb. und Hrsg.]: Quellenlexikon zur deutschen Literaturgeschichte, Bd. 19. Verlag für Pädagogische Dokumentation, (Duisburg) 1999 [Zusammenstellung der Forschungsliteratur der Jahre 1945 - 1990].
- Aglaja Heintschel-Heinegg: Zeugen für das Jenseits: Origenes, Katharina von Genua, Emanuel Swedenborg, Anna Katharina Emmerick, Jakob Lorber, Klara Kern. Swedenborg-Verlag, Zürich 1974, ISBN 3859271156.
- Anita Wolf: Karmatha - Gottes guter Knecht, inkarniert als Jakob Lorber. Anita-Wolf-Freundeskreis e. V.; http://www.anita-wolf.de/
- Michael Junge: Dokumentation um Jakob Lorber. Books on Demand GmbH, 2004, ISBN 3-8334-1562-2.
- Helmut Obst: Apostel und Propheten der Neuzeit. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 20004. ISBN 3-525-55438-9 und ISBN 3-525-55439-7. S. 233–264
- Matthias Pöhlmann (Hrsg.): „Ich habe euch noch viel zu sagen …“: Gottesboten – Propheten – Neuoffenbarer. EZW-Texte 169. Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Berlin 2003, ISSN 0085-0357
- Antoinette Stettler-Schär: Jakob Lorber: zur Psychopathologie eines Sektenstifters. Dissertation an der Medizinischen Fakultät der Universität Bern, 1966
- Kurt Eggenstein: Der Prophet Jakob Lorber verkündet bevorstehende Katastrophen und das wahre Christentum. Pandion Verlag, 1997, ISBN 3-922-929-75-3.
- Kurt Hutten: Seher - Grübler - Enthusiasten. Das Buch der traditionellen Sekten und religiösen Sonderbewegungen. Quell Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-7918-2130-X.
- Lothar Gassmann: Kleines Sekten-Handbuch Mago-Bücher, 2005, seiten 92-95, ISBN 3-9810275-0-7. S. 92–95
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und über Jakob Lorber im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Lorber-Gesellschaft e.V., Hausham (Deutschland)
[Bearbeiten] Kritik
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Jakob Lorber, Karl Gottfried Ritter v. Leitner, Neu-Salems-Verlag (1930), Seite 7
- ↑ Jakob Lorber, Karl Gottfried Ritter v. Leitner, Neu-Salems-Verlag (1930), Seite 9-10
- ↑ Jakob Lorber, Karl Gottfried Ritter von Leitner, Neu-Salems-Verlag (1930), Seite 10-12
- ↑ Jakob Lorber, Karl Gottfried Ritter v. Leitner, Neu-Salems-Verlag (1930), Seite 12-13
- ↑ Jakob Lorber, Karl Gottfried Ritter v. Leitner, Neu-Salems-Verlag (1930), Seite 14-15
- ↑ Jakob Lorber, Karl Gottfried Ritter v. Leitner, Neu-Salems-Verlag (1930), Seite 15
- ↑ Jakob Lorber, Karl Gottfried Ritter v. Leitner, Neu-Salems-Verlag (1930), Seite 34
- ↑ Jakob Lorber, Karl Gottfried Ritter v. Leitner, Neu-Salems-Verlag (1930), Seite 19-21
- ↑ Jakob Lorber, Karl Gottfried Ritter v. Leitner, Neu-Salems-Verlag (1930), Seite 44-45
- ↑ http://www.jakob-lorber.at/tochter.htm und http://www.jakoblorber.de/inhalte/tochter.htm
- ↑ Die Gegenwart Christi, Annie von Ledebur, Lorber-Verlag (1979), Seite 15-19
- ↑ Jakob Lorber, Karl Gottfried Ritter v. Leitner, Neu-Salems-Verlag (1930), Seite 25
- ↑ Jakob Lorber und das moderne Weltbild: das Zeugnis der Wissenschaft, Viktor Mohr, Lorber Verlag, Einleitung
- ↑ Der Prophet Jakob Lorber, Kurt Eggenstein, Pandion Verlag, 1997, Teil 6
- ↑ Jakob Lorber und das moderne Weltbild: das Zeugnis der Wissenschaft, Viktor Mohr, Lorber Verlag, Seite 23
- ↑ Jakob Lorber und das moderne Weltbild: das Zeugnis der Wissenschaft, Viktor Mohr, Lorber Verlag, Seite 9
- ↑ Lorber, Großes Evangelium Johannes, Band 2, Kapitel 195, Absatz 4
- ↑ Jakob Lorber und das moderne Weltbild: das Zeugnis der Wissenschaft, Viktor Mohr, Lorber Verlag, Seite 12-14
- ↑ Jakob Lorber und das moderne Weltbild: das Zeugnis der Wissenschaft, Viktor Mohr, Lorber Verlag, Seite 6-8
- ↑ Jakob Lorber und das moderne Weltbild: das Zeugnis der Wissenschaft, Viktor Mohr, Lorber Verlag, Seite 14-15
- ↑ Lorber, Großes Evangelium Johannes, Band 1, Kapitel 157 - 162
- ↑ Lorber, Großes Evangelium Johannes, Band 2, Kapitel 28
- ↑ Lorber, Großes Evangelium Johannes, Band 2, Kapitel 28 Vers 4
- ↑ Jakob Lorber, „Großes Evangelium Johannes”, Bd. 7, Kap. 18, Vers 4-17
- ↑ Lorber, Großes Evangelium Johannes, Band 9, Kapitel 88-91
- ↑ Das Große Evangelium Johannes, Band 5, Kapitel 108, Absatz 1
- ↑ Ritter von Leitner: Jakob Lorber, der steiermärkische Theosoph
- ↑ Himmelsgaben Band 2, 8. Februar 1844
- ↑ Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Ich habe euch noch viel zu sagen …”, Seite 21
- ↑ Dr. Reinhard Rinnerthaler: Zur Kommunikationsstruktur religiöser Sondergemeinschaften am Beispiel der Jakob-Lorber-Bewegung. S. 82
- ↑ Dr. Andreas Fincke: Jesus Christus im Werk Jakob Lorbers: Untersuchungen zum Jesusbild und zur Christologie einer „Neuoffenbarung”. S. 162ff
- ↑ http://www.jakoblorber.de/inhalte/ethik3.htm
- ↑ Dr. Reinhard Rinnerthaler: Zur Kommunikationsstruktur religiöser Sondergemeinschaften am Beispiel der Jakob-Lorber-Bewegung. S. 90
- ↑ Lorber, Großes Evangelium Johannes, Band 1, Kapitel 187, Absatz 10
- ↑ Lorber, Großes Evangelium Johannes, Band 1, Kapitel 210, Absatz 13
- ↑ Lorber, Großes Evangelium Johannes, Band 10, Kapitel 38, Absatz 05
- ↑ „Seher, Grübler, Enthusiasten” - 40 Jahre Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen
- ↑ Lorber-Bewegung, durch Jenseitswissen zum Heil? S. 19
- ↑ Jakob Lorber: Zur Psychopathologie eines Sektenstifters
- ↑ Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Ich habe euch noch viel zu sagen …”, S. 10
- ↑ Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Ich habe euch noch viel zu sagen …”, S. 44
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lorber, Jakob |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Schriftsteller, Musiker und „Schreibknecht Gottes” |
| GEBURTSDATUM | 22. Juli 1800 |
| GEBURTSORT | Kanischa im heutigen Slowenien und damaligen Österreich-Ungarn |
| STERBEDATUM | 24. August 1864 |
| STERBEORT | Graz |


