Jane Morris

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Rossetti: Jane Morris als Proserpina, 1872

Jane Morris (geborene Burden; * 19. Oktober 1839 in Oxford; † 26. Januar 1914 in Bath) war Modell und Muse der Präraffaeliten.

Leben[Bearbeiten]

Jane war die älteste Tochter von Robert Burden, einem Stallmeister, und seiner Frau Ann Maizey, einer Waschfrau. Im Oktober 1857 sahen Dante Gabriel Rossetti und Edward Burne-Jones Jane Burden mit ihrer Schwester Elizabeth während einer Vorstellung der Drury Lane Theatre Company in Oxford. Betroffen von Janes Schönheit, baten Rossetti und Burne-Jones sie, für sie Modell zu sitzen. Die beiden Künstler war damit beschäftigt, Wände im Gebäude der Oxford Union zu bemalen, die auf der Sage von König Arthur basierten. Ursprünglich saß Jane hauptsächlich für Rosetti, dem sie als Vorbild diente für seine "Queen Guinevere" an der Wand.[1]

Jane Morris war in vielerlei Hinsicht die ideale Präraffaelitische Schönheit. Sie war groß und schlank und hatte dramatische dunkle Haare und Augen. Morris sah in ihr das Wesen der schönen Heldinnen seiner Gedichte und Gemälde. Allerdings sieht man auch auf Fotografien von Jane, dass nicht jeder sie schön finden würde; es gibt eine Schwermütigkeit (Ernsthaftigkeit) in ihrem Aussehen. Es ist klar, dass die Präraffaeliten sie in ihren Arbeiten idealisierten und diesen Aspekt ihres Aussehens weicher malten. Sie nannten sie einen „stunner“ (Prachtweib, Klassefrau).

Danach saß Jane für William Morris, der auf seiner Staffelei das Gemälde „La belle Iseult“ [2] begonnen hatte. Während dieser Zeit verliebte sich Morris in Jane und sie verlobten sich. Morris brachte ihr einiges an Bildung bei, darunter Manieren, Musik, Tanz, Französisch, Italienisch und Mathematik. Ihr Benehmen und ihre Sprache wurden gewählter in solchem Ausmaß, dass Zeitgenossen ihr Verhalten als „königlich“ oder „majestätisch“ bezeichneten.

Jane wurde für ihre seltsame Schönheit und den exzentrischen Kleidern, die sie trug und selbst anfertigte, bekannt. Es gab eine große Vielfalt in der Wahrnehmung von Jane Morris durch ihre Zeitgenossen. Einige fanden ihr Aussehen ätherisch und königlich; andere fanden sie bloß seltsam oder langweilig.

Am 26. April 1859 heiratete William Morris Jane Burden in der St Michael's Church, Ship Street, Oxford. Die Trauung wurde von Morris Freund, Richard Watson Dixon [3] durchgeführt, mit Charles Faulkner als "best man". Sie wurde von ihrem Vater zum Altar geführt. Von Morris Familie nahm niemand an der Hochzeit teil. Morris steckte Jane einen schlichten Goldring an den Finger, der den London hallmark von 1858 trug. [4]. Jane schenkte Morris eine antike Silbertasse mit zwei Griffen.

Auch schenkte er ihr zur Hochzeit das Red House in Bexleyheath, das Philipp Webb für sie entworfen hatte und das 1860 bezugsfertig war. Alle Freunde trugen etwas zur Einrichtung bei. So malte Edward Burne-Jones z. B. drei Wandbilder. Weil Morris die herkömmlichen Möbel nicht gefielen, baute er diese selber. Die Frauen verschönerten das Haus mit Stickereiarbeiten. Auch entstanden hier die ersten Entwürfe für Wandteppiche, denn damals mochte Morris noch keine Tapeten.

Nach den Tod ihres Vater im Herbst 1865 zog Elizabeth, (genannt Bessie) Burden, Janes Schwester, zu ihnen in das Red House. Sie war eine ausgezeichnete Stickerin und half bei den Stickereiarbeiten.

Eine ihrer bemerkenswertesten Stickereien war die Bettdecke für Morris Bett in Kelmscott Manor, die sie gemeinsam mit ihrer Freundin De Morgan herstellte. Das Muster basierte auf einem antiken Blumenmuster und sie zeichnete mit: ‘Si je puis Jane Morris’ (Wenn ich könnte Jane Morris). Den Volant bestickte May Morris mit einem Gedicht ihres Vaters.

Aus der gemeinsamen Verbindung gingen zwei Töchter, Jane (Jenny) Alice (1861–1935 litt an Epilepsie) und Mary (May) (1862–1938), hervor. Zwischen den Jahren 1871 und 1874 wohnte Morris' Freund und Malerkollege Dante Gabriel Rossetti auf Kelmscott Manor, der Jane als Modell für Porträts wählte und mit dem sie eine jahrelange Liaison hatte. Ihr Mann entfloh dieser Situation nach Island, wo er sich Kenntnisse über isländische Legenden erwarb. Diese bildeten später eine Grundlage seiner Romane und Dichtungen. Als Jane Morris 1876 das Ausmaß der Chloral-Sucht von Rossetti entdeckte, brach sie die Beziehung zu ihm schließlich ab.

Jane war das Modell für einige von Rossettis berühmtesten Gemälde z. B. "Pandora", [5] Venus Astarte [6] (Manchester City Galleries), Proserpine [7] (Tate collection), La pia de Tolomei [8] (Spencer Museum of Art, University of Kansas) und The Day Dream [9] (Victoria & Albert Museum).

”The M’s at Ems” Wortspiel – Federzeichnung von Rossetti 1869
Jane Morris mit Cobden-Sandersons 1881 in Siena

Jane nahm Anteil an Rosettis künstlerischer Arbeit, indem sie oftmals Kleider für seine Gemälde entwarf und dann auch nähte. Einige haben spekuliert, dass sie die Inspiration für George Bernard Shaws „Pygmalion“ gewesen ist.

Sie ging durch Phasen der "Invalidität" und Rückenschmerzen, die unklare Ursachen hatten. Morris begleitete sie 1869 zu einer Kur nach Bad Ems, die von Rossetti karikiert wurde. Es wurde spekuliert, dass ihre Leiden psychosomatische Ursprungs waren und das Ergebnis eines unglücklichen Lebens, weil sie mit einem Mann verheiratet war, den sie nicht liebte.

Zusätzlich zu ihrer Stickerei produzierte Jane eine Anzahl Bücher. Diese waren aufwändig verziert und in Velinpapier (weiches, pergamentartiges Papier für Bucheinbände) Samt oder Leder gebunden. Sie waren anscheinend als Geschenke vorgesehen und die Texte waren im Allgemeinen per Hand geschriebene englische und französische Verse mit verzierten Anfangsbuchstaben oder anderer Dekoration. Der Buchbinder Thomas James Cobden-Sanderson lernte sein Handwerk erst auf Janes Zureden.

Zusätzlich zu ihren Beiträgen zu der Firma ihres Mannes, die sie bis zu dessen Tod fortführte, arbeitete sie auch für Morris Verein „Protection of Ancient Buildings“, dem 1882 gegründeten Kommitte für die Isländische Hungerhilfe und später für die Kelmscott Druckerei. Sie teilte jedoch NICHT die politischen Ansichten ihres Mannes und seiner Hingabe für den Sozialismus. Jane behielt eine Anhänglichkeit zur Liberalen Partei, obwohl ihre Sympathien zum radikalen Flügel der Partei tendierten. Sie war auch eine leidenschaftliche Unterstützerin der Irish Home Rule,[10] einer Ansicht, die sie mit ihren engen Freundinnen Rosalind Howard, Countess of Carlisle,[11] die Suffragette Jane Cobden,[12] teilte.

Zu ihrem Freundeskreis zählten neben Georgiana (‘Georgie’) und Edward (‘Ned’) Burne-Jones, der Architekt Philip Webb, der Dichter Algernon Swinburne und die Malerin Marie Spartali Stillman.

1883 traf Jane den Dichter und politischen Aktivisten Wilfrid Scawen Blunt (1840–1922) und spätestens 1887 waren sie ein Paar. In Kelmscott Manor legte Jane ein Stiefmütterchen in sein Zimmer, wenn „die Luft rein war“ und er in ihr Schlafzimmer kommen konnte. Jane entwarf den Umschlag für Blunts Gedichtband „In vindulis“, der 1889 veröffentlicht wurde. Wahrscheinlich ebenfalls auf Janes Fürsprache wurden seine Gedichte von der Kelmscott Press gedruckt.

In den folgenden Jahren entwickelte sich Jane Morris zu einer bemerkenswerten Pianistin.

Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1896 zog sie sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. 1913 - ein Jahr vor ihrem Tod - kaufte Jane Kelmscott Manor für ihre Töchter für £4000.

Bei der Abwicklung der Kelmscott Druckerei arbeitete sie eng zusammen mit Sydney Cockerell.

1894 saß sie Modell für die Königin im Gemälde von Evelyn De Morgan „The Hour Glass“ – Das Stundenglas [13] (Evelyn De Morgan Foundation, London). Auch half sie ihrer Tochter May bei der Herausgabe von „The Collected Works of William Morris”, indem sie Manuskripte identifizierte und datierte. Außerdem stellte sie Material für die „Einführungen“ bereit, einschließlich der Erinnerung von Morris, las Korrektur, korrigierte Fehler und bot Vorschläge zur Verbesserung an.

Jane Morris starb am 26. Januar 1914 in Bath, wo sie wegen eines Lungenleidens kurte. Sie wurde neben ihrem Mann auf dem Friedhof bei Kelmscott in Oxfordshire beigesetzt.

Literatur[Bearbeiten]

  • John Bryson: Dante Gabriel Rossetti und Jane Morris: Ihre Korrespondenz, Oxford: Clarendon Press (1976)
  • Jan Marsh: Jane and May Morris: A Biographical Story 1839–1938, London: Pandora Press (1986) ISBN 0-86358-026-2
  • Jan Marsh: Jane and May Morris: A Biographical Story 1839–1938, (2000)
  • Debra Mancoff: Jane Morris: The Pre-Raphaelite Model of Beauty, San Francisco: Pomegranate (2000) ISBN 0-7649-1337-9
  • Wendy Parkins: Jane Morris: the burden of history, Edinburgh : Edinburgh University Press, 2013, ISBN 978-0-7486-4127-7

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jane Morris – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pre-Raphaelite Murals in Oxford
  2. Tate Collection
  3. Dictionary of National Biography, 1901 supplement
  4. Trace a Hallmark
  5. “Pandora” Sotheby’s auction 22 May 2014 - See catalogue description
  6. Astarte Syriaca - Alternately titled: Venus Astarte
  7. Proserpine von Rossetti, 1874
  8. 'La pia de Tolomei'
  9. The Day Dream
  10. Home Rule and Ireland
  11. Death of Rosalind, Lady Carlisle - THE TIMES, Saturday, Aug 13, 1921
  12. Jane Cobden
  13. „The Hour Glass“