Jungfrau von Candelaria

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Die Jungfrau von Candelaria (spanisch:Virgen de Candelaria; Nuestra Señora de Candelaria), ist die zentrale Marienfigur in der Basilika von Candelaria auf der kanarischen Insel Teneriffa. Die Jungfrau von Candelaria ist die Schutzheilige der Kanarischen Inseln.[1] Von dort weitete sich mit der Auswanderung von Kanaren ihre Verehrung auch nach Lateinamerika aus.

Geschichte der Figur[Bearbeiten]

Jungfrau von Candelaria mit Guanchen, Gemälde eines unbekannten Künstlers des 18. Jahrhunderts in der Kapelle de las Angustias in Icod de los Vinos

Über die Art und Weise wie die Statue an den Strand von Güímar gelangte, gibt es verschiedene Theorien. Ein vorbeifahrendes Schiff könnte sie verloren haben, dagegen spricht die offenbar gut erhaltene Vergoldung und Farbe. Als wahrscheinlichste Lösung wird heute angenommen, dass Missionare die Marienfigur nach Teneriffa gebracht haben.[2] Der größte Teil der Berichte deutet auf die Zeit zwischen 1390 und 1405 für das erste Auftreten hin.[2] Die Legende besagt, dass zwei Guanchen die Statue am Strand von Chimisay (heute Socorro) bei Güímar entdeckten. Der eine versuchte einen Stein auf die Figur zu werfen und sein Arm erstarrte, der andere wollte mit einem Steinkeil feststellen, ob die Figur lebe und verletzte sich dabei selbst. Sie informierten ihren Mencey (Stammesführer / Fürst) der die Skulptur in seine Residenz, die Höhle Chinguaro mitnahm. Im Jahr 1446, 50 Jahre vor dem Abschluss der Eroberung der Insel Teneriffa, überzeugte ein getaufter Guanche mit Namen Antón den Mencey in der Höhle Achbinico eine Anbetungsstätte für die Skulptur einzurichten. Antón selbst kümmerte sich als Eremit um die Pflege der Höhle.[3]

Nach der Eroberung der Insel durch die Kastilier wurde in der Höhle ein richtiger geweihter Altar errichtet. Am 2. Februar 1497 nahmen hier der Adelantado Alonso Fernández de Lugo und eine Anzahl seiner Leute an der Messe zu Mariä Lichtmess teil, bei der eine große Zahl von Guanchen getauft wurde.

Am 2. Februar 1526 wurde die Figur in eine neue ihr gewidmete Kapelle in der Nähe ihres bisherigen Standortes überführt. Die Höhle wurde in Cueva de San Blas (Höhle des Heiligen Blasius) umbenannt.[3]

Im Jahr 1530 wurde die Figur der Jungfrau von Candelaria und die Kapelle in die Obhut des Dominikanerordens übergeben. Es wurde mit der Genehmigung der Königin ein Kloster gebaut in dem auch einige der damals schon recht zahlreichen Pilger beherbergt werden konnten.

Seit König Philipp II. sich 1596 zum Schutzherren der Heiligenfigur erklärte, übernahmen die nachfolgenden Spanischen Könige diese Aufgabe regelmäßig. Daraus ergibt sich für das Kirchengebäude die Bezeichnung Real Santuario Mariano de Nuestra Señora de la Candelaria. Direkt nach seiner Amtsübernahme im Jahr 1598 wurde Philipp III. auch Schutzherr des Klosters, das daher den Namen Real Convento de Nuestra Señora de la Candelaria trägt.[3]

Am 26. März 1599 erklärte Papst Clemens VIII María de Candelaria zur Schutzpatronin der Diözese der Kanarischen Inseln, die damals noch die ganze Inselgruppe umfasste. Nach der Aufteilung der Kanarischen Inseln in zwei Diözesen im Jahr 1819 bestätigte Papst Pius IX. am 12. Dezember 1867 die Jungfrau von Candelaria als erste Schutzheilige beider Diözesen.[3]

Wegen des begrenzten Platzes für die Pilger und des schlechten Bauzustandes der Kapelle ließ der Bischof im Jahr 1669 eine neue dreischiffige Basilika an der Stelle der alten Kapelle bauen. Während der Bauzeit wurde die Virgen de Candelaria wieder in der alten Höhle des Heiligen Blasius (zuvor bekannt unter dem Namen Achbinico) verehrt. Die neue Klosterkirche konnte 1672 geweiht werden. Die Heiligenfigur wurde am 2. Februar dorthin gebracht.

Im Jahr 1705, am 2. Februar, dem Feiertag Mariä Lichtmess, einem der beiden großen Festtag der Jungfrau von Candelaria, ereignete sich ein Erdbeben und der Vulkanausbruch des Volcán de Las Arenas in Arafo. Die Skulptur wurde daraufhin aus Sicherheitsgründen nach San Cristóbal de La Laguna gebracht und kehrte erst fünf Monate später nach Candelaria zurück.

Altarraum der Basilika im Juli 2013

Am 15. Februar 1789 zerstörte ein Feuer nicht nur das Kloster sondern auch die Basilika. Die Marienfigur konnte gerettet werden und wurde erneut in der Höhle des Heiligen Blasius untergebracht. Mit dem Bau einer Klosterkirche wurde 1797 begonnen. Nachdem diese 1803 fertiggestellt war und die Figur der Jungfrau von Candelaria dorthin gebracht worden war, begann der Bau einer zusätzlichen Wallfahrtskirche. Die Arbeiten an dieser Kirche mussten im Jahr 1818 wegen Geldmangels eingestellt werden.

Am 7. November 1826 tobte über Teneriffa ein Unwetter mit starkem Sturm und starkem Regen. Ein großer Wasserschwall strömte durch den Barranco de Candelaria und riss mehrere Häuser mit sich. Das Wasser drang durch die Öffnung zwischen der noch nicht fertiggestellten Basilika und der Klosterkirche und spülte einen großen Teil des Inventars Kirche, darunter auch die Figur der Jungfrau von Candelaria ins Meer.[3] Die Kirche selbst wurde nur unerheblich beschädigt. Im Jahr 1827 beauftragten die Dominikanermönche den in La Orotava ansässigen Bildhauer Fernando Estévez einen Ersatz für die verlorene Skulptur zu schaffen. Seine Darstellung der Jungfrau von Candelaria wurde 1830 geweiht. Bei der geringen Größe der sichtbaren Teile der Figur im Verhältnis zu der Bekleidung und dem Schmuck sowie dem üblicherweise großen Abstand der Gläubigen zum Aufstellungsort der neuen Heiligenfigur wurde dieser bald die gleiche Verehrung entgegengebracht wie ihrer Vorgängerin. Sie trat auch rechtlich an Stelle der von den Guanchen gefundenen Skulptur z.B. im Hinblick auf die Schutzherrschaft der Spanischen Könige.

Die Figuren der Jungfrau von Candelaria und des Kindes wurde auch schon auf älteren Bilder mit einer Krone dargestellt. Am 13. Oktober 1889 krönte der Bischof von San Cristóbal de La Laguna Ramón Torrijos y Gómez die Figuren, nachdem Papst Leo XIII. ein entsprechendes Privileg gewährt hatte.

Trotz wechselnder politischer Verhältnisse, zeitweiser Aufhebung des Klosters und verschiedener Ansätze zu Neubauten einer Basilika, verblieb die Marienfigur, abgesehen von einigen ausgedehnten Prozessionen über die Insel Teneriffa, bis zur Fertigstellung der 1949 begonnen Basilika in dem Gebäude der Klosterkirche. Am 2. Februar 1959 wurde die Figur der Jungfrau von Candelaria in die am Tag vorher geweihte Basilika von Candelaria gebracht. Die grundlegende Restaurierung der Marienfigur im Jahr 1972 betraf ausschließlich Teile die von der Bekleidung verdeckt werden.

Beschreibung der Marienfigur[Bearbeiten]

Bei der Betrachtung der Marienfigur muss man die unterschiedlichen Zuständen in den verschiedenen Epochen berücksichtigen. An der Virgen de Candelaria lassen sich drei verschiedene Typen von mit Textilien bekleideten Heiligenfiguren erkennen.

ca. 1400–1826[Bearbeiten]

Die Virgen de Candelaria war eine vollkommen mit Kleid und Mantel aus Holz geschnitzte zusammenhängende Figurengruppe aus Jungfrau und Kind.

Berichte aus dem 16. Jahrhundert geben Aufschluss darüber wie die Originalskulptur ausgesehen hat. Verschiedene heute noch vorhandene Marienfiguren in anderen Kirchen gelten als originalgetreue Kopien.[2] Sie war etwa fünf handbreit hoch, den Sockel eingeschlossen, aus bemaltem massivem Holz von geringem Gewicht. Die Farbe war Dunkelbraun mit roten Wangen. Die Haare waren nicht durch eine Haube oder ein Tuch bedeckt sondern fielen in sechs vergoldeten Strähnen auf die Schultern. Das unbekleidete Kind, das auf dem rechten Arm saß, hielt mit beiden Händen einen vergoldeten Vogel. In der linken Hand hatte die Figur einen grünen Stab, der oben eine Öffnung hatte in die man eine Kerze stecken konnte. An den Säumen des Umhangs und des Kleides und auf dem Gürtel befanden sich lateinische Buchstaben rot auf goldenem Grund. Der Sinn des Textes konnte bisher nicht geklärt werden.[4] Als im Jahr 1530 in der 1526 errichteten Kirche ein neuer Altar aufgestellt wurde, war die Nische für die Skulptur etwas zu klein geraten. Um keine Änderungen am Altar vornehmen zu müssen wurde die Figur am unteren Ende etwas gekürzt.[3]

Stilgeschichtliche Studien und Dokumente deuten darauf hin, dass die Originalstatue im 16. Jahrhundert gegen eine Neuanfertigung ausgetauscht wurde.

Bereits auf Bildern des 17. Jahrhunderts ist zu erkennen, dass die Holzskulptur mit Textilien bekleidet wurde und sowohl das Kind als auch die Madonna mit einer Metallkrone versehen waren. Darüber hinaus wurde die Figur mit weiteren Schmuckstücken ausgestattet. Besonderes Merkmal der Maria Candelaria ist eine mehrsträngige gewundene Perlenkette die wie eine Schärpe von ihrer linken Schulter zur rechten Hüfte verläuft.

1827–1972[Bearbeiten]

Statue in der Basílica de Nuestra Señora de Candelaria (Teneriffa)

Die Virgen de Candelaria nach 1827 war eine „Escultura de vestir“ eine Skulptur die besonders durch ihre textile Bekleidung wirkte. Nur die sichtbaren Teile. Gesicht, Hände und das Kind waren ausgearbeitet. Das Kind war als getrennte Skulptur angelegt.

Nachdem am 7. November 1826 die Skulptur ins Meer geschwemmt worden war und nicht mehr aufgefunden wurde, gab es Überlegungen eine der Skulpturen die in anderen Kirchen standen und die als Kopien der verschwunden Virgen de Candelaria galten, in der Klosterkirche aufzustellen. Der erste Feiertag Mariä Lichtmess am 2. Februar 1827 wurde mit einem Bild der Patronin an Stelle der Skulptur gefeiert. Schließlich beauftragten die Dominikanermönche den Bildhauer Fernando Estévez mit der Schaffung eines Ersatzes. Er begann im August 1827 mit der Arbeit und schuf ein neues Original. Seine Virgen de Candelaria unterscheidet sich von der Vorgängerversion nicht nur durch die Größe. Estévez schuf eine „Escultura de vestir“, eine zu bekleidende Skulptur. Das bedeutete, dass er Gesicht und Hände der Jungfrau sowie eine getrennte Skulptur des Kindes schuf. An Stelle des massiven, gefassten Körpers verwendete er ein einfaches Lattengestell, das durch die aufwendige textile Bekleidung verdeckt wurde. Das Gesicht aber besonders das Kind zeigen realistische, barocke und nicht die gotisch strengen Formen der früheren Figur.[5] Die Hände wurden zu Anfang des 20. Jahrhunderts von Nicolás Perdigón Oramas erneuert.

Ab 1972[Bearbeiten]

Die Virgen de Candelaria wirkte zwar immer noch in erster Linie durch ihre textile Bekleidung aber auch unter der Bekleidung ist ein - wenn auch einfacher - ausgearbeiteter und polychrom gefasster Körper vorhanden.

Im Jahr 1972 restaurierte der Bildhauer Ezequiel de León Domínguez die Figur. Er ersetzte das Gestell unterhalb der Schultern durch einen Körper aus Zedernholz, an dem er Arme aus dem gleichen Material befestigte. An diese Arme setzte er von Nicolás Perdigón Oramas geschaffenen Hände an. Er veränderte die Kopfform ohne dass dies bei dem Gesicht erkennbar ist. [6] Für den Betrachter waren die Veränderungen nicht sichtbar. Unter dem gewaltigen Aufwand an Textilien hatte die Virgen de Candelaria jetzt wieder einen richtig geformten und polychrom gefassten Körper.

Die Auswahl der Bekleidung richtet sich nach den Liturgische Farben entsprechend der Zeit im Kirchenjahr. Es stehen etwa 20 verschiedene Ausstattungen zur Verfügung.[7]

Die Verehrung der Jungfrau von Candelaria auf den Kanarischen Inseln, in Spanien und in Portugal[Bearbeiten]

Virgen de Candelaria in der Kathedrale in La Laguna

Die hohen Festtage der Jungfrau von Candelaria sind der 2. Februar (Mariä Lichtmess) und der 15. August (Mariä Aufnahme in den Himmel).

Die Jungfrau von Candelaria ist die Schutzheilige der Kanarischen Inseln und – zumal in Portugal – auch der Seefahrer. Dem Wirken der Jungfrau von Candelaria wird eine Vielzahl von Wundern zugeschrieben.[8] In vielen Kirchen, insbesondere auf den Kanarischen Inseln, stehen Statuen der „Virgen de Candelaria“. Besondere Kennzeichen sind, dass das Kind auf dem rechten Arm der Jungfrau sitzt und einen Vogel in den Händen hält.

Die Verehrung der Jungfrau von Candelaria in Lateinamerika[Bearbeiten]

Von den Kanarischen Inseln verbreitete sich die Verehrung der Jungfrau von Candelaria nach Lateinamerika. Kirchen, die ihr geweiht sind oder die durch ihr Bildnis zu Wallfahrtsorten wurden, gibt es z.B. in:

Der bedeutendste unter den lateinamerikanischen Wallfahrtsorten zur Jungfrau von Candelaria ist die zur Basílica de la Virgen de la Candelaria de Copacabana in Bolivien.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  •  María José Ramos Rodríguez et. al.: La Basílica de Candelaria – Crónica de una construción. 1 Auflage. Ayuntamiento de Candelaria, Candelaria 2012, ISBN 978-84-616-1174-4, S. 460 (spanisch).
  •  Regina Böhnke: Tenerife, zwischen Autonomie und Tourismus. Eine ethnologische Untersuchung zur Konstruktion von ethnischer Identität auf einer Kanareninsel. In: Interethnische Beziehungen und Kulturwandel. Band 33, Lit Verlag, Berlin, Hamburg, Münster 2002, ISBN 9783825839819, Kapitel 5.3.1: Virgen de Candelaria, S. 57f.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fechas históricas importantes. Dominicos de Candelaria, abgerufen am 3. August 2013 (spanisch).
  2. a b c Carlos Rodríguez Morales in  María José Ramos Rodríguez et. al.: La Basílica de Candelaria – Crónica de una construción. 1. Auflage. Ayuntamiento de Candelaria, Candelaria 2012, ISBN 978-84-616-1174-4, S. 281ff (spanisch).
  3. a b c d e f Octavio Rodríguez Delgado in  María José Ramos Rodríguez et. al.: La Basílica de Candelaria – Crónica de una construción. 1. Auflage. Ayuntamiento de Candelaria, Candelaria 2012, ISBN 978-84-616-1174-4, S. 77 ff (spanisch).
  4. Julio Torres Santos: La antigua imagen de la Virgen de Candelaria (I). la laguna ahora, 13. Mai 2009, abgerufen am 3. August 2013 (spanisch).
  5. Julio Torres Santos: La antigua imagen de la Virgen de Candelaria (II). la laguna ahora, 20. Mai 2009, abgerufen am 3. August 2013 (spanisch).
  6. Julio Torres Santos: La antigua imagen de la Virgen de Candelaria (III). la laguna ahora, 21. Mai 2009, abgerufen am 3. August 2013 (spanisch).
  7. El fondo de armario de la Virgen. Jaime Estévez, responsable del vestuario de La Morenita, lleva 20 años dedicado a esta labor. La Opinion, 16. August 2010, abgerufen am 3. August 2013 (spanisch).
  8. Auszug aus der Chronik der auf die Fürsprache der Virgen de la Candelaria bewirkten Wunder in der Historia de Nuestra Señora de Candelaria von Fray Alonso de Espinosa (1594), hier Wunder Nr. 15 bis 21, 32 und 34 (spanisch), abgerufen am 3. Juni 2014.
  9. Max Meier: Engel, Teufel, Tanz und Theater. Die Macht der Feste in den peruanischen Anden. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 2008. ISBN 978-3-496-02802-4. Darin S. 200–483 über die Verehrung der Jungfrau von Candelaria in den Andenländern.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Virgen de la Candelaria, Tenerife – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien