Cartagena (Kolumbien)

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Cartagena de Indias
Cartagena de Indias (Kolumbien)
Cartagena de Indias
Cartagena de Indias
Koordinaten 10° 24′ N, 75° 30′ W10.4-75.5Koordinaten: 10° 24′ N, 75° 30′ W
Symbole
Wappen
Wappen
Flagge
Flagge
Basisdaten
Staat Kolumbien

Departement

Bolívar
Höhe 2 m
Fläche 572 km²
Einwohner 952.036 (2005)
Dichte 1664,4 Ew./km²
Webauftritt www.cartagenadeindias.travel
Politik
Bürgermeister Dionisio Vélez Trujillo[1]
Cartagena, Bolívar, Colombia.jpg

Cartagena de Indias ist eine Stadt in Kolumbien, Hauptstadt des Departements Bolívar mit 952.036 Einwohnern (Stand 1. Januar 2005). Der Name der Stadt stammt von der spanischen Stadt Cartagena, zur Unterscheidung diente der Zusatz Indias.

Geographie[Bearbeiten]

Cartagena ist an der Karibikküste im Norden des Landes gelegen, zum Landesinneren durch eine Bergkette geschützt, mit dem Meer durch die Bucht Bahia de Cartagena verbunden, die durch Inseln begrenzt wird.

Cartagena
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Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Cartagena
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Max. Temperatur (°C) 31,2 31,2 31,3 31,5 31,7 31,8 31,9 31,9 31,9 31,6 31,2 31,3 Ø 31,5
Min. Temperatur (°C) 23,2 23,4 23,9 24,8 25,3 25,3 25,0 25,0 24,9 24,6 24,7 23,8 Ø 24,5
Niederschlag (mm) 8 1 1 31 92 115 94 124 144 244 132 37 Σ 1.023
Sonnenstunden (h/d) 9,2 8,7 8,0 7,2 6,6 6,5 7,0 6,7 6,0 5,6 7,0 8,1 Ø 7,2
Regentage (d) 0 0 0 2 6 9 7 8 10 14 8 3 Σ 67
Wassertemperatur (°C) 27 27 26 27 27 27 27 28 28 29 27 27 Ø 27,3
Luftfeuchtigkeit (%) 78 78 77 79 80 81 80 81 82 83 82 80 Ø 80,1
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Geschichte[Bearbeiten]

Satellitenbild von Cartagena

Die Stadt wurde am 1. Juni 1533 von Pedro de Heredia gegründet. Sie gilt in der Geschichte als eine der ersten spanischen Stadtgründungen im Norden Südamerikas und erlebte ein schnelles Wachstum als wichtiger Hafen für die Schifffahrt des Kontinents. Die spanische Flotte kam zweimal jährlich von Sevilla oder Cádiz nach Cartagena, um hier spanische Waren wie Waffen, Rüstungen, Werkzeug, Textilien und Pferde zu vermarkten und Gold, Silber, Perlen und Edelsteine zu laden, bevor sie nach Puerto Bello und Santo Domingo weitersegelte.

Auch die niederländischen und englischen Sklavenschiffe, soweit sie überhaupt in spanische Häfen in Amerika einlaufen durften, mussten nach Cartagena. Aus diesem Grund wurde Cartagena häufig von Piraten attackiert und geplündert, beispielsweise 1585 durch Sir Francis Drake, 1697 von den Franzosen unter Jean-Bernard Louis de Saint-Jean, Baron de Pointis, genannt Bernard Desjean, und Jean Baptiste Ducasse. Nach dem Einfall Drakes befestigten die Bewohner die Stadt durch einen 11 km langen Schutzwall und die riesige Wehranlage San Felipe. Die Einfahrt in die Bucht säumten fortan zwei Forts, San José und San Fernando, die nur schwer zu überwinden waren.

Festung San Felipe
Festung San Felipe

Auch die Kirchen in der Stadt gleichen Wehrbauten. 1575 bis 1585 wurde an der Kathedrale gebaut, 1570 bis 1612 wurde das Kloster Santo Domingo errichtet; im 17. Jahrhundert kam das Jesuitenkloster La Compania hinzu. Schon 1610 wurde die spanische Inquisition auch in Cartagena eingeführt, die 1770 einen eigenen Palast bezog und hier eine mächtige Rolle spielte. Cartagena wurde als die Perle von Las Indias bezeichnet, galt nach einem Überfall englischer Piraten 1741, gegen den sich Cartagena behaupten konnte, zeitweilig als uneinnehmbar und als das Beispiel spanischer Militärarchitektur. Die gelagerten Schätze, die nach Spanien transportiert werden sollten, und die stetig ankommenden und abfahrenden Schiffe machten die Hafenstadt aber auch sehr schnell zu einem bevorzugten Ziel von Freibeutern und Piraten. Es wurde – mit Hilfe von Sklaven aus Afrika – ein mächtiger Schutzwall und insgesamt 29 Forts errichtet. Nach der Kriegserklärung Englands an Spanien wurde Admiral Vernon mit einer Streitmacht von 186 Schiffen und 18000 Mann geschickt um Cartagena einzunehmen. Der am 13. März 1740 begonnene größte Angriff der Geschichte Cartagenas musste drei Monate später abgebrochen werden, da keine Aussichten mehr auf Sieg bestanden und die Flotte Vernons von Gelbfieber und Malaria zermürbt war.

Der Jesuit Pedro Claver beschränkte im 17. Jahrhundert seine Hilfe für die zahllosen schwarzen Sklaven, die hier versteigert wurden, nicht auf Massentaufen, sondern bemühte sich in tätiger Nächstenliebe als Arzt um die Verbesserung der menschenunwürdigen Bedingungen, unter denen sie zu leiden hatten, und wurde dafür von der Katholischen Kirche heiliggesprochen. Am 31. März 1741 wurde hier im Zuge des War of Jenkins' Ear die Schlacht von Cartagena zwischen der englischen Armada mit 186 Schiffen unter dem Kommando des englischen Admirals Edward Vernon und den Verteidigern Cartagenas unter Don Blas de Lezo ausgetragen.

Sonnenuntergang in Cartagena

Im November 1811 erklärte der Befreier Südamerikas Símon Bolívar unter dem Eindruck der französischen Revolution und der napoleonischen Besatzung des Mutterlandes die Unabhängigkeit auch für Cartagena und das Ende der Inquisition. Doch die Spanier wollten ihre Kolonien nicht so widerspruchslos ziehen lassen: Im Dezember 1815, nach dem Abzug der napoleonischen Truppen aus Spanien und der Wiederherstellung der spanischen Monarchie, eroberten spanische Verbände unter Pablo Morillo die Kolonie zurück. Erst nach der Schlacht von Boyacá 1821 und weiteren Zusammenstößen im Frühjahr 1822 erlangte Cartagena gemeinsam mit der Kolonie die international anerkannte Unabhängigkeit vom spanischen Mutterland.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Stadt hat sich als eine der schönsten Kolonialstädte Südamerikas behauptet. Cartagena ist die Stadt mit den meisten Touristen und nicht zuletzt wegen der geografischen Lage die sicherste und bestbewachte Stadt in Kolumbien. Wie in allen Großstädten ist wegen der Kleinkriminalität trotzdem Vorsicht geboten. Vom bewaffneten Konflikt zwischen Militär, Paramilitärs (AUC) und Guerilla (FARC, ELN) ist Cartagena kaum betroffen. Die kolumbianische Marine hat in Cartagena ihren Hauptstützpunkt.

Das komplett ummauerte alte Stadtzentrum mit Festungsring und den Stadtteilen Centro mit der Kathedrale und zahllosen Palästen im andalusischen Stil, San Diego, dem Viertel der Händler und der zahlenmäßig kleinen Bourgeoisie sowie Getsemaní, dem Viertel der kleinen Leute und Handwerker, das aus dieser Zeit stammt, wurde 1959 zum nationalen Kulturerbe erklärt und ist seit 1984 UNESCO-Weltkulturerbe. Auf einer Landzunge neben der ummauerten Altstadt liegt die riesige Hotelzone, Bocagrande.

Das karibische Nachtleben in Cartagena de Indias ist legendär, eine touristische Spezialität ist „rumba en chiva“, eine Party im Bus. Die meisten Diskotheken befinden sich in der Calle Arsenal, Getsemaní. Kleinere Clubs und Restaurants befinden sich im Historischen Zentrum der Stadt. In Cartagena entstand die afrokaribische Musikrichtung Champeta, die vor allem in den Armenvierteln der Stadt gehört und gefeiert wird.

Jedes Jahr findet hier das internationale Cartagena Film Festival statt, das FICCI – "Festival Internacional de Cine de Cartagena de Indias"[2].

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Einwohner sind zu großem Teil afrikanischer Abstammung. Die Mehrheit lebt in Armut oder zumindest in bescheidenen Verhältnissen. Zu den wichtigsten Einkommensquellen zählen Fischerei, Tourismus, Schiff-Fracht, Öl-Industrie. Exportiert wird hauptsächlich Öl, Kaffee und Platin.

Erdölraffinerien, chemische und petrochemische Industrie sind hier angesiedelt.

Der internationale Flughafen Aeropuerto Internacional Rafael Núñez (IATA: CTG, ICAO: SKCG) befindet sich im Nordosten der Stadt.

Hafenanlagen[Bearbeiten]

Im Südwesten befinden sich über 40 Seehäfen für die Handels- und Sportschifffahrt. Der Hafen ist der wichtigste Erdöl- und Containerhafen Kolumbiens. Die Betreiber der drei größten Containerhafenanlagen sind Sociedad Portuaria de Cartagena de Indias, Muelles El Bosque und Terminal de Contenedores de Cartagena de Indias. Daneben gibt es u.a. folgende Betriebshäfen: REFICAR S.A. (Raffinerie), SABMiller, Argos cement, Dow Chemical, BASF Colombia, DuPont, Cemex, Dole Food Company und Colombian Navy Steelworks.

Sonstiges[Bearbeiten]

Der Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez setzte Cartagena im Roman Die Liebe in den Zeiten der Cholera aus dem Jahre 1985 ein Denkmal. In Cartagena fand 1990 der Drogengipfel mit den Präsidenten Kolumbiens, Perus, Boliviens und der USA statt, auf dem Maßnahmen gegen den Anbau von Cocasträuchern und die Gewinnung von Kokain besprochen wurden.

Ebenfalls in Cartagena fand 2003 eine Konferenz über den grenzüberschreitenden Transport, die Handhabung und den Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen statt, deren Ergebnis ein völkerrechtlich bindendes Abkommen über die biologische Sicherheit war, kurz Cartagena-Protokoll genannt, das am 11. September 2003 verabschiedet wurde.

Alljährlich findet hier der nationale Schönheitswettbewerb „Miss Colombia“ statt.

Cartagena hat eine Universität und ist Sitz eines Erzbischofs.

In dieser Stadt und dem Umland wurden zu großen Teilen der Bud Spencer-Film Banana Joe gedreht.[3]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Ehrenbürger der Stadt[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cartagena (Kolumbien) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Cartagena (Indias) – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.elespectador.com/noticias/nacional/dionisio-velez-manda-cartagena-articulo-433655
  2. http://www.ficcifestival.com/
  3. IMDb (Online Datenbank)