K.u.k. Infanterieregiment „Hoch- und Deutschmeister“ Nr. 4

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist eine alte Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 10. Juli 2016 um 20:02 Uhr durch The real Marcoman (Diskussion | Beiträge) (→‎Anfänge). Sie kann sich erheblich von der aktuellen Version unterscheiden.
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Teutschmeister zu Fuß“, 1717 „Teutschmeister-Infanterie“ „Niederösterreichisches Infanterie Regiment „Hoch- und Deutschmeister“ Nr. 4

Regiment Teutschmeister
Regiment Teutschmeister im Jahre 1762 – zeitgenössische Albertina-Handschrift, Wien
Aktiv 1696 bis 1918
Staat Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation: Kaiserliche Armee/ Habsburgermonarchie, 1804 Kaisertum Österreich, 1867 Österreich-Ungarn
Truppengattung Infanterie
Herkunft der Soldaten aus dem gesamten Reich, ab 1766: Niederrheinisch-Westfälischer Reichskreis, Reichsstädte des Niedersächsischen Reichskreises und Fränkischer Reichskreis (insb. Deutschordensballei Franken)
Inhaber 1696 Franz Ludwig von der Pfalz,
1731 Clemens August von Bayern,
1761 Carl Alexander von Lothringen,
1780 (Erzherzog Maximilian von Österreich),
1801 Erzherzog Karl von Österreich,
1805 Erzherzog Anton Victor
Stammliste Liste der Infanterieregimenter der kaiserlich-habsburgischen Armee der Frühen Neuzeit
Stammnummer 1769: No. 4
Abwehrkampf der Maschinengewehrabteilung II des Regiments auf der Höhe Gora Sokal am Bug, 20. Juli 1915 (Gemälde von Karl Friedrich Gsur)

Das als kaiserliches Regiment Teutschmeister zu Fuß 1696 gegründete spätere k.u.k. Infanterie-Regiment Hoch- und Deutschmeister Nr. 4 (offizielle Bezeichnung: Niederösterreichisches Infanterie Regiment „Hoch- und Deutschmeister“ Nr. 4; umgangssprachlich kurz: Hoch- und Deutschmeister) war ein Infanterie-Regiment der kaiserlich-habsburgischen und später der k.u.k. Armee.

Geschichte

Anfänge

Das Regiment wurde 1696 durch einen Vertrag Kaiser Leopolds I. mit dem Hochmeister des Deutschen Ordens, Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg, aufgestellt und hieß zuerst „Pfalz-Neuburg-Teutschmeister“, wurde aber bald nur noch „Teutschmeister“ genannt. Das Regiment wurde in Franken geworben und sammelte sich in Donauwörth, um am 3. Juni 1696 in den kaiserlichen Dienst übernommen zu werden.

Das Regiment nahm am Großen Türkenkrieg teil und war die meiste Zeit in Siebenbürgen eingesetzt. Am 11. September 1697 schlug das Teutschmeister-Regiment bei Zenta seine erste große Schlacht. Das Regiment zeichnete sich dabei so aus, dass der Kaiser auf den Bericht des Prinzen Eugen ein Dank- und Anerkennungsschreiben an den damaligen Kommandeur des Regiments, Damian Hugo Freiherr von Viermund zu Neersen, erließ. 1717, in der Schlacht von Belgrad, fiel der Kommandeur Damian Casimir von Dalberg. Im Siebenjährigen Krieg nahm das Regiment 1757 an der Schlacht bei Kolin teil, worauf sich auch sein Traditionstag, der 18. Juni 1757, zurückführt. Nach diesem Krieg wurden dem Regiment die Gegend des Wienerwaldes und die Wiener Vorstädte zur Werbung zugewiesen, worauf hin es sich zum Wiener Hausregiment entwickelte. Bei Einführung der Stammnummern für Infanterieregimenter 1769 erhielt das Regiment die Nr. 4. Inhaber des Regiments war der jeweilige Ordenshochmeister, dessen Amt von 1530 bis 1929 umgangssprachlich „Hoch- und Deutschmeister“ genannt wurde, so dass 1814 der Regimentsname offiziell in „Hoch- und Deutschmeister“ geändert wurde. Nach Verlust der Souveränität des Ordens 1806 war bis 1918 stets ein Habsburger Erzherzog Inhaber.

Situation im August 1914

Zugehörigkeit: II. Armeekorps – 25. Infanterie-Truppendivision
Nationalitäten: 95 % Deutsche – 5 % Sonstige
Ergänzungsbezirkskommando und Ersatzbataillonskader: Wien
Dislozierung: Stab, II., III. Baon: Wien (Wien III. Bez. Rennweg 93 – Rennweger Infanteriekaserne) – IV. Baon: Konjic (Eine Kompanie in Jablanica) – I. Baon: Wöllersdorf
Kommandant: Oberst Freiherr Ludwig von Holzhausen
Stabsoffiziere: Obstlt. Waniek, Heinrich – Obstlt. Hassenteufel, Franz – Obstlt. Fischer vom See, Hugo – Maj. Nauheimer, Erich – Maj. Freiherr von Waldstätten-Zipperer, Josef – Maj. Friedinger, Maximilian – Maj. Mayer, Oskar
Deutsche Uniform – Egalisierungsfarbe: himmelblau – Knöpfe: Gelb
Regimentssprache: Deutsch

Im Jahre 1915 verloren alle Regimenter ihre Zusatz- und Ehrennamen[1] und wurden nur noch nach ihrer Stammnummer benannt. Von da an hieß das Regiment – zumindest offiziell – nur noch Infanterie-Regiment Nr. 4.(Dies ließ sich jedoch im allgemeinen Sprachgebrauch nicht durchsetzen, insbesondere da die sparsame k.u.k. Militäradministratur verfügt hatte, zuerst alle vorhandenen Stempel und Formulare aufzubrauchen.)[2]

Stationierungsorte

I. II. III.

Verbandstradition nach 1918

Spätere Truppenteile erhielten aus Traditionsgründen ebenfalls den Ehrennamen „Hoch- und Deutschmeister“. Im Bundesheer der ersten österreichischen Republik erhielt das Infanterieregiment 4 den Traditionsnamen „Hoch- und Deutschmeister“.

Während des Zweiten Weltkrieges trug die 44. Reichs-Grenadier-Division Hoch- und Deutschmeister diesen Beinamen, wobei das 3. Bataillon des Grenadier-Regiments Nr. 134 als einer der wenigen Verbände der deutschen Wehrmacht eine gesonderte Fahne führte. Sie war der Truppenfahne der ehemaligen k.u.k. Armee nachgebildet.

Die militärischen Traditionsträger im österreichischen Bundesheer der heutigen Republik waren zunächst das Landwehrstammregiment 21 (dann als Jägerregiment 2 der 2. Jägerbrigade) und anschließend bis zu seiner Auflösung im Sommer 2006 das Jägerregiment WIEN. Derzeit wird die Tradition vom Jägerbataillon Wien 1 fortgesetzt, das den Beinamen „Hoch- und Deutschmeister“ trägt.

Deutschmeisterdenkmal

Deutschmeisterdenkmal in Wien

Im Jahr 1876 wurde in Wien Innere Stadt (1. Bezirk) der Deutschmeisterplatz nach dem Regiment benannt. Anlässlich der Feier des 200-jährigen Bestehens des Regiments 1896 wurde ihm auf diesem Platz das Deutschmeister-Denkmal gestiftet. Dieses wurde am 29. September 1906 enthüllt. Auf dessen Vorderseite ist im Relief ist die „Feuertaufe bei Zenta 1697“ auf der Rückseite „Graf Soro bei Kolin 1757“ dargestellt.

Deutschmeisterbund

Ehemalige Angehörige des Regiments und seiner Nachfolge- bzw. Traditionstruppenteile der ersten Republik sowie der in der Regimentstradition stehenden Deutschmeistervereine werden Deutschmeister genannt. Diese Vereine bestehen teilweise seit Ende des 19. Jahrhunderts und sind im Deutschmeisterbund unter dem Protektorat des Hochmeisters des Deutschen Ordens zusammengeschlossen. Dieser Dachverband (Wahlspruch: „Deutschmeister ist und bleibt man“) wurde 1986 gegründet und hat seinen Sitz in Wien. Bereits von 1919 bis 1945 und von 1956 bis 1974 gab es mit gleichem Namen und Sitz eine solche Dachorganisation.

Mitgliedsvereine in Österreich sind:

  • Verein Hoch- und Deutschmeister IR 4
  • Deutschmeister-Schützenkorps
  • Wiener Regimentskapelle Infanterie-Regiment 4
  • Kameradschaft der Angehörigen der ehem. 2. Division des österr. Bundesheeres sowie der ehem. 44. Infanterie-Division später Reichsgrenadier-Division ‚Hoch- u. Deutschmeister‘
  • Verein der Freunde des Jägerbataillons WIEN 1 „Hoch- und Deutschmeister“
  • Deutschmeister 1809 Infanterieregiment No. 4 in Perchtoldsdorf
  • Original Hoch- und Deutschmeister: Kapelle des K. und K. Infanterieregiments Hoch und Deutschmeister Nr. 4

In Deutschland gehören bspw. dem Bund an:

  • Historische Deutschorden-Compagnie zu Mergentheim e. V.
  • Deutschordens-Kapelle Ellingen e. V.
  • Freundeskreis Hoch- und Deutschmeister Mannheim (gegründet 1989, Mitglied seit 1995, Austritt 2010)

Die Deutschmeister treffen sich alljährlich am St. Georgstag in der alten Residenz ihres Protektors in Bad Mergentheim. Die ihnen bis heute gemeinsame Farbe ist hellblau als alte Egalisierungsfarbe des Regiments. Sie findet sich heute noch im Abzeichen des Deutschmeisterbundes, sowie in seinen Ehrenzeichen und in den Traditionsuniformen.

Der Deutschmeisterbund hält Kontakt zum Traditionsträger des Regiments im Bundesheer sowie zum Deutschen Orden und gibt neben dem „Deutschmeisterjournal“ in loser Folge weitere Publikationen heraus. Außerdem vergibt er für besondere Verdienste um die Deutschmeistertradition das vierstufige „Ehrenzeichen des Deutschmeisterbundes“, das (obwohl nichtstaatlich) vom österreichischen Verteidigungsministerium zum Tragen an der Uniform zugelassen ist.

Bildergalerie

Bekannte Angehörige des Regiments

Mediale Rezeption

Neben den Filmen Frühjahrsparade (1935) und Die Deutschmeister (1955) hinterließ das Regiment auch in der Musik Spuren:

Siehe auch

Literatur

  • Gegenwart und Geschichte der Deutschmeistervereine. Herausgegeben vom Deutschmeisterbund (Selbstverlag), Wien 1996.
  • 300 Jahre Regiment Hoch- und Deutschmeister 1696–1996. Herausgegeben vom Deutschmeisterbund (Selbstverlag), Wien 1996 (2. Auflage Wien 1999).

Weblinks

Fußnoten

  1. wahrscheinlich um alle jetzt unliebsamen Ehren-Regimentsinhaber wie z. B. den König von Montenegro, den König von Italien oder den Zaren von Russland auf diese elegante Weise loszuwerden
  2. gem. „Verlautbarung der Quartiermeisterabteilung“ des Heeresgruppenkommando FM. Erzherzog Eugen / Q.Op. Nr 665/15. Ausgegeben vom Feldpostamt 512