Roermond

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Gemeinde Roermond
Flagge der Gemeinde Roermond
Flagge
Wappen der Gemeinde Roermond
Wappen
Provinz Limburg Limburg
Bürgermeister Henk van Beers (CDA)
Sitz der Gemeinde Roermond
Fläche
 – Land
 – Wasser
71,19 km²
60,91 km²
10,28 km²
CBS-Code 0957
Einwohner 56.986 (1. Jan. 2014[1])
Bevölkerungsdichte 800 Einwohner/km²
Koordinaten 51° 11′ N, 5° 59′ O51.195.9911111111111Koordinaten: 51° 11′ N, 5° 59′ O
Bedeutender Verkehrsweg A 73, N 271, N 280, N 293, N 570
Vorwahl 0475
Postleitzahlen 6040–6045
Website www.roermond.nl
Lage von Roermond in den Niederlanden

Roermond ([ʁuːʁˈmɔnt], anhören?/i; limburgisch: Remunj, französisch: Ruremonde) ist eine Stadt mit 56.986 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014) in der niederländischen Provinz Limburg an der Grenze zu Deutschland und nahe Flandern in Belgien.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Roermond mitsamt Maasplassen im niederländischen und belgischen Limburg

Die Stadt liegt an der Mündung der Rur (niederländisch Roer) in die Maas, am rechten Maasufer. Die Innenstadt liegt unmittelbar an der Rur. Das Gemeindegebiet besteht im Wesentlichen aus dem rund 5 Kilometer breiten Streifen zwischen Maas und der Grenze zu Deutschland.

Durch Kiesabtragungen sind im Gemeindegebiet zahlreiche miteinander verbundene Seen entstanden, die Maasplassen (dt. Maasseen oder Maastümpel). Das rund 3.000 Hektar große Gebiet ist das größte Binnen-Wassersportgebiet der Niederlande.

Geologie[Bearbeiten]

Schlagzeilen erhielt Roermond am 13. April 1992, weil 4 km südwestlich der Stadt das Epizentrum des Erdbebens von Roermond lag, eines Erdbebens der Magnitude 5,9 auf der Richter-Skala. Es war damit das stärkste Erdbeben in Mitteleuropa seit dem Jahre 1756 (siehe dazu auch: Erdbebengebiet Kölner Bucht).

Stadtteile[Bearbeiten]

Roermond gliedert sich in insgesamt 24 Stadtteile. Zum Jahresbeginn 2007 wurde die nördliche Nachbargemeinde Swalmen mit 8.826 Einwohnern eingemeindet. Die Gemeindefläche vergrößerte sich durch die Eingemeindung erheblich von 46,65 auf 69,61 km².

Die sechs Stadtbezirke haben folgende Einwohnerzahlen (Stand 1. Januar 2007):

2006 2007
Roermond (Stadt) 34.311 34.311
Swalmen * 8.826
Herten 5.496 5.496
Maasniel 3.724 3.724
Leeuwen 1.070 1.070
Asenray 883 883
Gesamt 45.484 54.310

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Name[Bearbeiten]

Der Stadtname „Roermond“ legt zwar nahe, dass die Mündung (ndl. monding) der Rur (ndl. Roer) in die Maas gemeint ist (wie Rijnmond), hat aber einen anderen Ursprung, allein da die Mündung der Rur in die Maas vor 1338 etliche Kilometer weiter westlich fern der Stadt lag. Die zweite Silbe mond stammt wahrscheinlich von der Bezeichnung „monte“ für eine Erhebung. Gemeint ist ein Burgberg, eine alte Befestigungsanlage, genannt Motte – Roermond bedeutet demnach „Rurburg“. Nach anderer Lesart (siehe frz. wikipedia) ist „mond“ von lateinisch mundium - Stadt hergeleitet, also „Stadt an der Rur“ oder „Rurbrücke“ mit keltisch-germanisch „monde“ = „Brücke“ (siehe ndl./engl. wikipedia).

Stadtbefestigung um 1650
Marktplatz 1793 mit französischer Truppenparade

Geschichte[Bearbeiten]

Die städtischen Ursprünge reichen bis zu den Römern zurück. Ein der Göttin Rura geweihter Altarstein, der im Stadtgebiet gefunden wurde, stammt aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. Cäsar soll den römischen Ort „Villa Optima“ - „bester Wohnplatz“ genannt haben.

Die älteste bis heute erhaltene Urkunde, in der Roermond erwähnt wird datiert 1130; damals gehörte sie zum Herzogtum Geldern. Im Jahr 1213 wurde sie vom deutschen Kaiser Otto IV. zerstört. Beim anschließenden Wiederaufbau begann man auch 1224 mit dem Bau der Münsterabtei, von der noch heute die Liebfrauen-Münsterkirche erhalten geblieben ist.

1232 erhielt Roermond ein eigenes Siegel sowie das Recht, Steuern zu erheben und zur Rechtsprechung. 1441 wurde Roermond Hansestadt. 1472 erhielt die Stadt das Recht zur Münzprägung.

1338-1342 wurde der Lauf der Maas künstlich um ca. 7 km an die Stadtgrenze verlegt und damit auch die Rurmündung.

1543 kam Nimwegen und das Oberquartier Gelderns durch den Vertrag von Venlo unter spanische Herrschaft. 1554 ereignete sich der erste große Stadtbrand. 1559 wurde erstmals das Bistum Roermond gegründet; 1801 ("Franzosenzeit") wurde es vorübergehend - bis 1853 - aufgelöst. 1665 ereignete sich der zweite große Stadtbrand.

Von 1702 bis 1716 war Roermond ein selbstständiger Staat. Anschließend gehörte es bis 1794 zu Österreich, wobei die Stadt im Dezember 1792 erstmals von den Franzosen unter Francisco de Miranda erobert wurde. Im März 1793 eroberten die Österreicher Roermond zunächst zurück, bevor es im April 1794 von den Franzosen besetzt wurde, welche die Stadt in Rurmonde umbenannten. Die Besetzung durch die Franzosen währte bis 1814, als es durch russische Truppen befreit wurde.

Von 1815 bis 1830 war die Stadt niederländisch, anschließend gehörte sie bis 1839 zu Belgien. Es folgte bis 1866 eine Doppelzugehörigkeit Ostlimburgs zu den Niederlanden und zum Deutschen Bund. Seit 1866 ist die Stadt wieder ausschließlich niederländisch.

Beim Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Niederlande (10. Mai 1940) war Roermond eine der wenigen Städte, in denen für einige Tage militärischer Widerstand geleistet wurde ("Slag om Roermond").[2] Die Niederlande kapitulierten am 15. Mai 1940.

Am 29. Dezember 1944 wurden etwa 3.000 Männer zwischen 16 und 60 Jahren aus Roermond deportiert. Sie verbrachten die Nacht auf den 30. in Dülken im Freien, wurden am 30. mit dem Zug nach Wuppertal transportiert und von dort zur Zwangsarbeit in verschiedene Städte gebracht. Hieran erinnert seit 1953 ein Denkmal in der Nassaustraat in Roermond. [3] Wenige Tage zuvor, am 26. Dezember, waren 14 Roermonder Männer im Alter zwischen 16 und 48 Jahren von der deutschen Wehrmacht in den Elmpter Wald getrieben worden, wo sie ohne Urteil, nachdem sie gezwungen worden waren, sich ihr eigenes Grab zu schaufeln, erschossen wurden. Im Elmpter Wald erinnert an dieses Kriegsverbrechen das Mahnmal Lüsekamp.[4]

Der Marktplatz von Roermond, rechts das Rathaus, im Hintergrund die Kathedrale

Die Westalliierten eroberten das Geländedreieck zwischen Roermond, Sittard und Heinsberg im Rahmen der Operation Blackcock (14. bis 26. Januar 1945). [5]

Die Deutschen befürchteten seit dem Geländeverlust durch die Operation Blackcock, dass ihr Frontabschnitt zwischen Heinsberg und Venlo, die seit Herbst 1944 provisorisch befestigte Maas-Rur-Stellung, beidseitig umfasst werden würde. Deshalb zogen sie sich aus diesem Frontabschnitt kampflos zurück. Deutsche Besatzer sprengten vor ihrer Flucht am 28. Februar 1945 den Turm der Christoffelkathedraal (Bischofskirche des Bistum Roermond).[6] Am 1. März wurde Roermond von der Recce Troop (Aufklärungseinheit) der 35. US-Infanteriedivision („Santa Fe Division“) ohne einen einzigen Schuss besetzt.

Am 13. April 1992 war die Stadt das Epizentrum eines Erdbebens der Stärke 5,9.

2001 eröffnete in Roermond ein Outletcenter. Es wurde 2005 und 2011 vergrößert; die Läden haben eine Gesamtfläche von 35.200 m² (Stand 2012). 2013 wurde es von etwa 4,6 Millionen Menschen besucht.[7]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Geteilt von Blau und Silber, oben ein doppelschwänziger, aufrechter, rotbezungter und -bewehrter, goldbekronter, goldener Löwe, unten eine rote heraldische Lilie. Der Schild ist mit einer goldenen Dreiblattkrone, geschmückt mit zwei Perlen, drei roten Rautensteinen und zwei blauen Ovalsteinen, bedeckt“.

Erklärung: Der Löwe repräsentiert den „Geldrischen Löwen“, das Wappentier Gelderns, an dem das Roermondsche Land, Obergeldern oder Oberquartier genannt, seit dem 13. Jahrhundert einen großen Anteil hatte. Die Lilie ist dem Wappen der Familie „van Wachtendonck“ (In Silber eine rote Lilie; siehe auch Wachtendonk mit Lilie im Wappen) entnommen, die etliche Vögte zu Roermond stellten. Ein Siegelstempel aus dem 13. Jahrhundert ist überliefert und zeigt die Lilie. Das älteste überlieferte Stadtsiegel Roermonds datiert von 1250 und stellt das Wappen der Herzöge von Geldern dar.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

  • Städtisches Museum

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Die Stadt Roermond verleiht jedes Jahr den Halewijnpreis für Literatur.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Roermond ist als Einkaufsstadt bekannt, die besonders von Deutschen aus dem Ruhrgebiet und vom Niederrhein besucht wird. 2001 wurde in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt auf einem aufgegebenen Kasernengelände ein großes Einkaufszentrum mit dem Namen McArthurGlen Designer Outlet Roermond gebaut. Das Einkaufszentrum umfasst über 150 Geschäfte und lockt im Jahr rund 2,8 Millionen Besucher an. Entgegen ursprünglichen Befürchtungen besuchen rund 40 % davon auch die Roermonder Innenstadt, die seitdem einen erheblichen Aufschwung erlebt. Durch die Anziehungskraft des Outlet Centers ist Roermond dabei, dem wesentlich größeren Venlo unter den deutschen Besuchern den Rang abzulaufen. Speziell ausgerichtet auf deutsche Besucher sind sämtliche Sonntage in der Roermonder Innenstadt verkaufsoffen, während das Outlet-Center sogar 363 Tage im Jahr geöffnet ist.

Roermond ist Sitz der Peek & Cloppenburg Düsseldorf Komplementär B.V.

Verkehr[Bearbeiten]

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Roermond hat einen Bahnhof im Stadtzentrum. Die Stadt liegt an der Bahnhauptstrecke Maastricht - Eindhoven, über die Intercity-Züge bis Amsterdam verkehren. Ferner beginnt in Roermond eine Nahverkehrs-Bahnstrecke entlang der Maas nach Venlo und über die Maaslinie nach Nijmegen.

Durch Roermond führt außerdem die Bahntrasse Eiserner Rhein von Antwerpen nach Mönchengladbach. Die Strecke ist derzeit auf den 16,5 Kilometern zwischen Roermond und Dalheim an der deutsch-niederländischen Grenze außer Betrieb. Es existieren Pläne, sie für den Güterverkehr zu reaktivieren, gegen die es allerdings erheblichen Widerstand gibt.

Schiffsverkehr[Bearbeiten]

Der Schiffsverkehr benutzt (Stand 2011) den Rurhafen mit seiner alten Looskade (Ladekai). Hier finden Besucher mit Booten bis zu 8 mtr. Länge einen "Passantenhafen" z.B. für einen Besuch von Roermond, ein Übernachten ist jedoch nicht erlaubt. Ebenfalls ist der ehemalige Frachthafen nieuwe Maashaven, um 1935 gebaut, jetzt ein Jachthafen. Sein Becken ist nun Teil des eigentlichen Fracht- oder Industriehafens, der von 1963 bis 1967 gebaut wurde und von der königlichen Familie auf den Namen Prinz Willem Alexander Haven getauft wurde.

Im Regional Overslag Centrum Roermond (ROC) [8], Teil des an der Maas gelegenen Industriehaven Willem Alexander, werden auf einer Fläche von 2 ha mit 400 m Hafenkai pro Jahr mehr als 500.000 Tonnen an Schütt- und Stückgütern zwischen LKW und Binnenschiff umgeschlagen.

Die Reedereien Rederij Cascade, Rederij de Corporaal und Rederij De Veermann fahren Roermond mit ihren Ausflugsschiffen regelmäßig an (Stand 2011).

Rundfahrtboot der Rederij de Corporaal an der Rurkade

Buslinien[Bearbeiten]

Mit einer Reihe von Stadt- und Landbussen werden sowohl die Stadtteile als auch benachbarte Orte an den Roermonder Bahnhof angebunden. Seit April 2008 hat die Stadt außerdem „Shopbusse“ eingerichtet, die als Pendelbusse die Stadtmitte mit dem Outlet Center und dem neu errichteten Retail Center verbinden.

Radwege[Bearbeiten]

Roermond verfügt inner- und außerorts über ein umfangreiches Fahrradwegenetz.

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Seit Anfang 2008 ist Roermond direkt an das niederländische Autobahnnetz angeschlossen. Der Rijksweg 73 (A 73) führt entlang der Maas von Nijmegen über Venlo und Roermond nach Maasbracht. Von dort verlängert der Rijksweg 2 (A 2) die Strecke weiter nach Maastricht und Lüttich).

Die Autobahnanbindung an die deutsche Bundesautobahn 52 nach Mönchengladbach und Düsseldorf wurde am 18. Mai 2009 zwischen der niederländischen Grenze und Elmpt freigegeben. Auf niederländischer Seite ist die N 280 bis zur Grenze bereits autobahnähnlich fertiggestellt.

Die N 280 stellt nach Westen die Verbindung nach Weert und zur A 2 Richtung Eindhoven her. Die einer deutschen Bundesstraße entsprechende N 271 verläuft in etwa parallel zur A 73 und bedient nun vorwiegend den Nahverkehr.

Hochwasserschutz[Bearbeiten]

Hochwasser der Maas bei Roermond, Januar 2011
Geschlossene Hochwasserschutztore in der Rur an der Looskade
Die Hochwasserschutztore in der Rur an der Looskade in offenem Zustand, man beachte den Unterschied im Pegelstand der Rur

Die exponierte Lage der Stadt an Rur und Maas ist Ursache häufiger Überschwemmungen nach langanhaltendem Regen sowie der Schneeschmelze in der Eifel bzw. den Ardennen. Der Wasserverband Waterschap Roer en Overmaas hat zum Schutz Roermonds vor Hochwasser seit 2008 Hochwasserschutztore in die Rur verbaut, die bei Bedarf (erstmals im Januar 2011) die Rur im Stadtkern über die Hambeek umleitet. Zudem riegeln sie das Maaswasser zur Stadt hin ab.[9]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Gerhard IV. (* um 1185; † 22. Oktober 1229), Graf von Geldern
  • Dionysius von Roermond (* 1402/03 in Rijkel; † 12. März 1471 in Roermond), Philosoph, Theologe, Mystiker und Scholastiker

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

  • PolenPolen Koszalin (Polen)
  • DeutschlandDeutschland Marktredwitz (Deutschland), seit 2007; davor Partnergemeinde von Swalmen
  • DeutschlandDeutschland Mönchengladbach (Deutschland), seit 1971
  • TschechienTschechien Nepomuk (Tschechien), seit 2007; davor Partnergemeinde von Swalmen
  • KroatienKroatien Vinkovci (Kroatien)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Roermond – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Roermond – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 12.04.2014Centraal Bureau voor de Statistiek, Niederlande
  2. siehe auch niederländische Wikipedia
  3. Britta Marzi: Was Krieg für Kinder bedeutet. In: Rheinische Post. 13. Oktober 2012, abgerufen am 21. Oktober 2012.
  4. Bericht in der Westdeutschen Zeitung vom 2. Januar 2009,abgerufen am 21. September 2013
  5. Report on Operation 'Blaclcock' (PDF; 5,2 MB)
  6. www.kathedraal-roermond.nl (auf 'Historie' klicken)
  7. http://www.outlet-center-info.de/news_erfolgreicher-jahresabschluss-2013-fur-das-designer-outlet-roermond.html Berichterstattung auf Outlet-Center-Info.de, abgerufen am 21. April 2014
  8. http://www.kallebakker.nl/
  9. animierte Website der Waterschap Roer en Overmaas zu den Hochwasserschutzmaßnahmen (niederländisch)