Karl II. (Rumänien)

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Carol II. von Hohenzollern-Sigmaringen

Carol II. von Hohenzollern-Sigmaringen (* 15. Oktober 1893 in Sinaia; † 4. April 1953 in Estoril, Portugal) war von 1930 bis 1940 König von Rumänien. 2003 wurde er in der orthodoxen Kathedrale der rumänischen Königsfamilie in Curtea de Argeș beigesetzt.

Carol II. von Rumänien war ein Sohn des Königs Ferdinand von Rumänien und der Prinzessin Marie von Edinburgh (1875–1938), der Tochter des Herzogs Alfred von Sachsen-Coburg-Gotha. Er war somit mütterlicherseits ein Urenkel der britischen Königin Victoria und des russischen Zaren Alexander II.

Ausschluss von der Thronfolge und erstes Exil[Bearbeiten]

Kronprinz Carol war zwar nach einer kurzen, morganatischen Ehe mit Ioana Lambrino (Zizi Lambrino) mit Prinzessin Elena von Griechenland verheiratet (die Ehe wurde am 21. Juni 1928 geschieden), doch wurde er im Jahr 1926 von der Thronfolge ausgeschlossen, da seine nicht standesgemäßen Liebschaften, vor allem mit der geschiedenen Magda Lupescu, für andauernde Skandale sorgten. Carol ging mit Magda ins Exil nach Paris und Michael, der fünfjährige Sohn von Carol und Elena, bestieg de iure den Thron.

Herrschaft[Bearbeiten]

Carol II. beim Besuch eines Banater Dorfes, 1934

Am 6. Juni 1930 kehrte Carol nach Rumänien zurück und wurde nach dem Versprechen, sich von Magda-Elena Lupescu zu trennen, am 8. Juni König von Rumänien.

Am 10. Februar 1938 entließ Carol II. die Regierung und setzte eine Königsdiktatur ein, um damit die Bildung einer Regierung zu verhindern, deren Minister der quasi-mystischen faschistischen Bewegung der Eisernen Garde angehört hätten. Dies geschah in direkter Konfrontation mit Adolf Hitlers ausdrücklicher Unterstützung der Eisernen Garde.

Über die nächsten zwei Jahre entwickelte sich der bereits heftige Konflikt zwischen der Eisernen Garde und anderen politischen Gruppierungen nahezu zu einem Bürgerkrieg. Im April 1938 ließ Carol den Führer der Eisernen Garde Corneliu Zelea Codreanu verhaften. In der Nacht vom 29. auf den 30. November 1938, vermutlich als Revanche für eine Reihe von Attentaten durch Kommandos der Eisernen Garde, wurden Codreanu und mehrere andere Legionäre bei einem angeblichen Fluchtversuch getötet.

Die Diktatur durch den König war kurzlebig. Am 7. März 1939 wurde mit Armand Călinescu (der 1939 als Rache für Codreanu wiederum von Legionären ermordet wurde) als Premierminister eine neue Regierung gebildet.

Abdankung und zweites Exil[Bearbeiten]

In der Folge erwies sich, dass Rumänien seine großen territorialen Gewinne nach dem Ersten Weltkrieg ohne Verbündete und von lauter Feinden umgeben nicht halten konnte. Zwar erhielt das Land im April 1939 nach der Auflösung der Tschechoslowakei von Großbritannien eine Garantieerklärung seines Territoriums, doch war die Schutzmacht im Zweiten Weltkrieg zunächst anderweitig absorbiert und am Balkan desinteressiert. Die neue Schutzmacht, das Dritte Reich, zeigte sich an Rumäniens Erhaltung nur soweit interessiert, als die lebenswichtigen Öllieferungen Rumäniens an Deutschland nicht gefährdet waren. So war das Unglück im Sommer 1940 nach dem Fall Frankreichs nicht mehr aufzuhalten:

Ende Juni erzwang die Sowjetunion im Gefolge ihrer Annexion der baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen auch von Rumänien durch ein Ultimatum die sofortige Abtretung der Nordbukowina sowie Bessarabiens. Unmittelbar darauf meldeten ihrerseits Bulgarien und Ungarn Gebietsansprüche an: Mit Bulgarien einigte sich Rumänien relativ rasch auf die Abtretung der Süddobrudscha, doch endeten die Verhandlungen mit Ungarn schnell in einer Sackgasse. Da ein Krieg unvermeidlich schien und überdies ein erneutes Eingreifen der Sowjetunion Richtung der rumänischen Ölfelder drohte, diktierte Hitler am 30. August 1940 den Zweiten Wiener Schiedsspruch. Durch diesen verlor Rumänien den gesamten Norden und Osten Siebenbürgens an Ungarn, dessen Territorium nunmehr wie ein Keil nach Restrumänien hineinragte, jedoch hierdurch auch Gebiete zu Ungarn kamen, die (auch heute noch) einen ungarischen Bevölkerungsanteil von über 90-95 % haben.

Um den Einmarsch Ungarns und der Sowjetunion und damit den völligen Kollaps des rumänischen Staatswesens zu verhindern, sah sich König Carol II. gezwungen, all diese Gebietsabtretungen zu akzeptieren; an ein Weiterregieren war jedoch nicht mehr zu denken. So berief er Kriegsminister Ion Antonescu am 4. September 1940 zum neuen Ministerpräsidenten, dankte am 6. September 1940 ab und ging wieder ins Exil. In der Berufung von Antonescu sah Carol die einzige Möglichkeit, den Staat vor der Machtübernahme durch die Eiserne Garde zu schützen.

Sein Nachfolger wurde sein Sohn König Michael I.

Am 14. Februar 2003 wurden Carols sterbliche Überreste aus dem Nationalpantheon (Panteao Nacional) in Lissabon, Portugal nach Rumänien (Curtea de Argeș) überführt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Karl II. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Vorgänger Amt Nachfolger
Michael I. König von Rumänien
1930–1940
Michael I.