Reußenköge

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Reußenköge
Reußenköge
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Reußenköge hervorgehoben
54.5852777777788.92444444444442Koordinaten: 54° 35′ N, 8° 55′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Nordfriesland
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Amt Mittleres Nordfriesland
Höhe: 2 m ü. NHN
Fläche: 45,91 km²
Einwohner: 335 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 7 Einwohner je km²
Postleitzahl: 25821
Vorwahlen: 04671, 04674
Kfz-Kennzeichen: NF
Gemeindeschlüssel: 01 0 54 108
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Theodor-Storm-Straße 2
25821 Bredstedt
Webpräsenz: www.reussenkoege.de
Bürgermeister: Dirk Albrecht (WGR)
Lage der Gemeinde Reußenköge im Kreis Nordfriesland
Karte

Reußenköge (dänisch: Reussenkog) ist eine Gemeinde bei Bredstedt im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde Reußenköge befindet sich mitten in der nordfriesischen Marsch auf geographisch gleicher Höhe mit der östlich gelegenen Nachbargemeinde, der Stadt Bredstedt in der Region Mittleres Nordfriesland.

Ausdehnung des Gemeindegebietes[Bearbeiten]

Die Gemeinde umfasst ein Gebiet, welches aus sieben eingedeichten Kögen besteht. Der Gemeinde zugehörig ist ebenfalls die ihr vorgelagerte Hamburger Hallig. Die Gesamtfläche beträgt knapp 4600 ha. Sie erstreckt sich auf etwa 12 km Länge entlang der Nordseeküste.

Geologie[Bearbeiten]

Die Entstehung des Gemeindegebietes ist holozänen Ursprungs. Das älteste Gebiet bildet die Hamburger Hallig, die bereits im ersten Teil des 17. Jh. als Teil des Amsinckkooges auf Alt-Nordstrand existierte und als eines der wenige Stücke dieses Landstriches die Burchardiflut im Jahr 1634 überstand.

Durch mehrere Eindeichungen ab dem Jahr 1741 entstanden fruchtbare Marschgebiete. Die so bis zum Jahr 1926 gewonnenen sechs bewohnten Köge haben hochwertige Böden, die bis heute die Basis für eine ertragreiche Landwirtschaft bilden.

Der jüngsten Gemeindeteil ist der nördliche Abschnitt des Beltringharder Kooges. Dieser weist − auch wegen seiner Eigenschaft als Naturschutzgebiet − nur wenige Landflächen auf. Sie sind ausschließlich für die extensive Beweidung zugelassen. Daneben befinden sich zwei große Wasserflächen in diesem Teil des Kooges. Hierbei handelt es sich um ein Süßwasserbiotop sowie um ein Speicherbecken. Letzteres dient der Entwässerung des Hinterlandes durch die vorgelagerte Sönke-Nissen-Koog-Schleuse.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die der Gemeinde zugehörigen besiedelten Köge sind (in chronologischer Reihenfolge):

Ergänzt wird dieses Gebiet, durch den nördlichen Teil des im Jahr 1987 fertiggestellten Beltringharder Kooges und die Hamburger Hallig.

Geschichte[Bearbeiten]

Die großen Sturmfluten 1362 und 1634 veränderten die nordfriesische Festland-Küste derart, dass von den ehemals riesigen fruchtbaren Flächen nur noch kleine Inseln und Halligen übrigblieben und die Küste sich fast bis an den Geestrand verlagerte. Es war hier ein Einschnitt in der Größe der heutigen Gemeinde Reußenköge entstanden, die Bredstedter Bucht.

König Christian IV. von Dänemark hatte den Plan gefasst, das Gebiet zwischen dem Hattstedter Koog und Ockholm auf einen Streich einzudeichen. Von ihm stammt auch der Name "Bredstedter Werk". Nach mehrmaligen Versuchen wurde dies Vorhaben durch die Eisflut vom 10. Januar 1625 endgültig zerstört. Auch das Herstellen von Schenkeldeichen um 1716/17 führte nicht zu dem erhofften Erfolg. Die Besitzer des Oktroys (verliehenes Privileg) boten jetzt ihren Besitz zum Verkauf an, um zu retten, was zu retten war. So kam es, dass der Geheimrat Jean Henri Huguetan Graf von Gyldensteen und sein Sohn, der Conferenzrat Jean Henri Desmercières, 1728 alle Rechte der früheren Besitzer und zusätzlich noch den Oktroy von Christian VI. im Jahre 1733 erwerben konnten. Schrittweise begann man in bemerkenswerter Einsicht, nicht das ganze Gebiet, sondern abschnittsweise nur das wirklich hoch genug aufgeschlickte Vorland einzudeichen. Als erster entstand der Sophien-Magdalenen-Koog. Graf Desmercières nahm das südlich angrenzende Wattland - den späteren Desmerciereskoog - nicht gleich mit dazu, weil es zur damaligen Zeit noch nicht reif für eine Eindeichung war.

Der Deichschluss des Sophien-Magdalenen-Kooges wurde 1741 vollzogen. 1742 wurde das Land bereits zum Verkauf gestellt. Nachdem Graf Gyldensteen und Graf Desmercières gemeinsam den Oktroy erhalten und die Eindeichung finanziert hatten, überließ Graf Gyldensteen den neuen Koog seinem Sohn, der als Verwaltungsfachmann alles geplant und geleitet hatte, als Alleinbesitz. Der Koog wurde in sieben Hofstellen aufgeteilt und von dem Landmesser Heinrich Hemsen aus Niebüll vermessen. 1754 wurde eine Karte gezeichnet, die heute noch erhalten ist. So wurde also der Sophien-Magdalenen-Koog zur Keimzelle der späteren Gemeinde Reußenköge. Heute wird dem Urvater Graf Desmercières vor Ort an der Koogshalle im Sophien-Magdalenen-Koog durch eine Gedenktafel gedacht.

Gedenktafel zu Ehren Graf Desmercières

Im Jahr 1767 erfolgte die Eindeichung des nach seinem Erbauer benannten Desmerciereskooges. Im weiteren Verlauf kamen die beiden Reußischen Köge (1789 der Reußenkoog und 1799 der Louisen-Reußen-Koog) hinzu. Der Übergang des Deichbaurechts auf Graf Heinrich XLIII. Reuß zu Köstritz, den Sohn von Desmercières Nichte, erfolgte nach dem Tode des Grafen Desmercières per Fideikommiss.

Die (Haupt-)Partizipanten der oktroyierten Köge genossen einige Sonderprivilegien. Die Finanzgeber ließen sich ihre Investition mit diversen Freiheiten vom dänischen Königshaus belohnen. So ließ sich Desmercières in dem relevanten Oktroy die verwaltungsmäßige Freiheit (einschl. der ersten Gerichtsinstanz) zusichern,[2] ebenso wie die Nutzungsmöglichkeiten der Vorländereien. Aus diesem Grund war der Oktroy auch nach dem Übergang auf Heinrich XLIII. (Reuß-Köstritz) für die beiden folgenden Köge gültig. Die Vertretung in den ersten Jahren geschah, wie aus der Chronik des Sophien-Magdalenen-Koogs und des Desmercièreskoog hervorgeht, durch den im Koog ansässigen sogenannten Koogsinspektor.

In den übrigen Gebieten war die unterste verwaltungsmäßige Gebietseinteilung die der Harden. Nachdem die Gebietseinteilung der Harden im Jahr 1850 verändert worden war, erfolgte durch Verordnung vom 8. Juni 1853 die Hinzulegung u.a. der oktroyierten Köge zu den Harden.[3] Die Reußenköge kamen zur sogenannten Landschaft Bredstedt, welche Teil des Amt Bredstedt war.

Nach dem verlorenen Deutsch-Dänischen Krieg wurden die Reußenköge zusammen mit dem Herzogtum Schleswig dem Königreich Preußen einverleibt. Durch die Neugliederung im Rahmen der Verordnung vom 22. Juni 1867 kam es zu einer verwaltungsmäßigen Neugliederung.[4] Dies bedeutete erstmals die Trennung von öffentlicher Verwaltung und Gerichtswesen. Die Verwaltung wurde von den sogenannten Hardesvogteien durchgeführt, die gebietsmäßig den ehemaligen Harden entsprachen.

1871 wurden die vier oktroyierten Reußischen Köge in den Stand einer eigenständigen Landgemeinde mit dem Namen Reußenköge gehoben. 1889 wurde schließlich der Amtsbezirk Bordelum gebildet, dem neben den Reußenköge auch die Kirchspielslandgemeinde Bordelum und die Gutsbezirke Hamburger Hallig und Vorufer zugeordnet wurden. Allerdings setzten sich die Gemeindevertreter in den folgenden Jahren immer wieder gegen diese von der Obrigkeit vollzogene "Zusammenlegung" zur Wehr.

Im Jahr 1903 erfolgte schließlich der Beginn der nächsten Eindeichungsreihe. Mit dem Cecilienkoog entstanden eingedeichte Ländereien, die zuvor Teil der Pieck-, Meed- und Jacobshallig waren. Die Namensgebung erfolgte nach einem traditionellen Muster. Namensgeberin war Cecilie von Mecklenburg-Schwerin, die zu der Zeit gerade in den Hochzeitsvorbereitungen mit dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm Viktor August Ernst von Preußen, dem Sohn des letzten deutschen Kaisers Wilhelms II., stand. Gleichzeitig war sie die Urenkelin eines Mitglieds des Hauses Reuß, welches mit der Eindeichung der beiden reußischen Köge in Verbindung stand.

1925 begann die Eindeichung des Sönke-Nissen-Koogs. Dieser wurde 1927 in die Gemeinde eingegliedert. Er bildete die bis heute letzte im Gemeindegebiet erfolgte Eindeichung zum Zwecke der Landgewinnung. 1928 wurde der Gutsbezirk Hamburger Hallig aufgelöst und ebenfalls nach Reußenköge eingemeindet. Im Dezember 1929 wurde Reußenköge dann amtsfreie Gemeinde.[5]

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einem starken Flüchtlingszuzug. Nach der Eindeichung des Beltringharder Kooges im Jahr 1987 erfolgte die Übertragung des nördlichen, vor dem Cecilien- und Sönke-Nissen-Koog liegenden, Teilgebietes im Jahr 1996.

Mit Bildung des Kreises Nordfriesland wurde das Amt 1970 aufgelöst und die Reußenköge sollten zusammen mit der Gemeinde Bordelum und den Gemeinden des Amtes Langenhorn das Amt Stollberg bilden. Dagegen klagten sowohl die Gemeinden des Amtes Langenhorn wie auch die Gemeinde Reußenköge. Das Amt Stollberg wurde schließlich zum 1. Januar 1972 ohne Reußenköge, das amtsfrei blieb, gebildet. Die Gemeinde bildete danach eine Verwaltungsgemeinschaft mit der Stadt Bredstedt, die die Verwaltungsgeschäfte für Reußenköge mit durchgeführt hat. Diese Verwaltungsgemeinschaft wurde im Zuge der Ämterstrukturreform des Jahres 2008 aufgelöst. Seit diesem Moment besteht eine Verwaltungsgemeinschaft mit dem neu gegründeten Amt Mittleres Nordfriesland.

Das Verwaltungsgebäude des Amtes Mittleres Nordfriesland

Ab dem Jahr 2008 startete auf Initiative der Gemeinde ein Projekt zum Ausbau des Telekommunikationsnetzes. Ziel war die Versorgung aller Haushalte der Gemeinde mit einem Breitbandnetzanschluss. Nach schwierigem Anfang wurde dieses Projekt im Jahr 2012 abgeschlossen. Die Gemeinde fungiert zuletzt neben der Gemeinde Bohmstedt als Pilotgemeinden im Gebiet der AktivRegion Nordfriesland Nord für die neu gegründete Breibandnetzgesellschaft.[6]

Im Jahr 2011 erhielt Bürgermeister Johannes Volquardsen die Freiherr-vom Stein Medaille für besondere Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung.[7]

Politik[Bearbeiten]

Verwaltung[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Reußenköge eine amtsfreie Gemeinde. Mit einer Unterbrechung in den 1970er Jahren ist sie bis heute amtsfrei geblieben. Bis 1970 hatte die Gemeinde eine eigene Verwaltung. Nach Ende der kurzen Zugehörigkeit zum Amt Stollberg erledigte die Stadt Bredstedt die Verwaltungsgeschäfte. Seit 2008 besteht eine Verwaltungsgemeinschaft mit dem Amt Mittleres Nordfriesland. Das Verwaltungsgebäude des Amtes in Bredstedt gehört der Gemeinde Reußenköge und ist an das Amt vermietet.

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Schon traditionell belegt die Wählergemeinschaft Reußenköge (WGR) alle Sitze des Kommunalparlaments. Auch bei den Kommunalwahlen am 26. Mai 2013 behielt sie bei einer Wahlbeteiligung von 63,3 Prozent ihre neun Sitze.[8]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Von Grün und Silber im Wellenschnitt geteilt. Oben eine goldene, aus sechs Ähren bestehende Garbe, unten fünf blaue Wellenfäden, überdeckt mit einem schwarzen Dreieckschild, darin ein rot gekrönter und gezungter goldener Löwe.“[9]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Für Gäste gibt es verschiedene Sehenswürdigkeiten. Unter anderem zählen hierzu die Besichtigung des größten Naturschutzgebietes auf dem schleswig-holsteinischen Festland, des Beltringharder Kooges. Naturliebhaber und Ornithologen finden hier viel Studienmaterial. Ebenfalls gehören die Besichtigung des unmittelbar vor der Gemeinde liegenden Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und der Hamburger Hallig zu den stark frequentierten Anziehungspunkten.

Amsinckhaus

Für landschafts- und kulturinteressierte Gäste ist der Besuch des Amsinck-Hauses zu empfehlen. Hierbei handelt es sich um das Informationszentrum der Region Mittleres Nordfriesland. Es befindet sich direkt an der Deichüberfahrt zur Hamburger Hallig im Sönke-Nissen-Koog.

Architektonisch interessierten Gästen ist der Besuch des Sönke-Nissen-Koog im Ganzen zu empfehlen. Die großzügigen Einzelhof-Anlagen im Koog entstammen Entwürfen des Architekten Heinrich Stav. Sie alle haben trotz unterschiedlicher Größe einen ähnlichen Grundriss, weiße Außenwände und grüne Dächer. 24 von ihnen wurden im Jahr 2005 unter Denkmalschutz gestellt. Sie sind in der Liste der Kulturdenkmale in Reußenköge aufgelistet.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind der Engelsplatz im Desmerciereskoog und das Desmercieres-Denkmal im Sophien-Magdalenen-Koog.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Zeltstadt des NF-Cup-Camps im Sophien-Magdalenen-Koog

Alljährlich finden sportbegeisterte Handballer den Weg in die Gemeinde. An zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden Mitte August befindet sich das Übernachtungs-Camp des NF-Cup in Form einer Zeltstadt im Sophien-Magdalenen-Koog. An den beiden Sonnabenden, findet in der benachbarten Koogshalle die dazugehörige NF-Cup-Fete statt.

Eine weitere regelmäßige Veranstaltung für die Einwohner der Gemeinde ist das von der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr ausgerichtete Kinderfest. Am Vortag findet für die Bürger traditionell ein Festabend statt.

Die gemeindeeigene Koogshalle wird darüber hinaus für überregionale Veranstaltungen und Familienfeste der Gemeindemitglieder genutzt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaftsstruktur[Bearbeiten]

Bis ins späte 20. Jahrhundert hinein war die Wirtschaftsstruktur in der Gemeinde fast ausschließlich durch die Landwirtschaft geprägt. Die hochwertigen Böden in allen Kögen, die von der Bodengüte vergleichbar mit jenen der Bördestandorte am Rande der Mittelgebirge und einigen Auentälern ist, machte die örtliche Landwirtschaft wettbewerbsfähig. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde dies zusätzlich gestützt durch die europäische Agrarpolitik, welche die Landwirtschaft in starkem Maße von den Preisentwicklungen auf dem Weltmarkt abkoppelte.

Nachdem in den 1980ern und 90ern Jahren dieser Politikbereich immer weiter liberalisiert wurde, kam es zu einem Strukturwandel in der Landwirtschaft. So wurde es für die landwirtschaftliche Betriebe notwendig, andere Einkommensquellen zu erschließen oder die Betriebsgrößen zu erhöhen. Da Letzteres innerhalb der Gemeinde kaum möglich war, orientierten sich einige Landwirte in ihrer Betriebsausrichtung um. Nach der deutschen Wiedervereinigung suchten einige ihr Heil in den neuen Bundesländern, in denen größere Betriebseinheiten bewirtschaftet werden konnten. Für eine rein ackerbaulich auf Marktfrüchte ausgerichtete Produktion war dies von immenser Bedeutung.

Die Landschaftsgestalt in den Reußenkögen wird bestimmt durch viele Windenergieanlagen

Alternativ kam es in der Gemeinde ab den 1990er Jahren zu einem weiteren Strukturwandel durch erneuerbare Energien. Die Windenergie war hier an einem der windhöffigsten Standorte Deutschlands besonders erfolgversprechend. Vor allen Dingen das aktive Einwirken der Gemeinde bzw. der Gemeindevertretungen hat den Ausbau Erneuerbarer Energien wesentlich beeinflusst und forciert. Durch das verfolgte Konzept der Bürgerwindparks bekam jede in der Gemeinde wohnende Person die Gelegenheit, von dem Wachstum in diesem Zukunftsfeld zu profitieren.[10] Dieser Bereich hat sich schnell weiterentwickelt und bildet heute eine der Haupteinkommensquellen für Bürger, Landeigentümer und Gemeinde. Die Einwohner sind heute zum großen Teil Anteilseigner an einem oder mehreren der fünf örtlichen Windparkbetreibergesellschaften; diese haben zusammen 70 Windkraftanlagen.

Ein sechster Bürgerwindpark ist in Planung; er soll 17 Windkraftanlagen haben und 2012 gebaut werden. 2010 wurde in der Gemeinde Reußenköge im Mittel 140 mal mehr elektrische Energie produziert, als sie selber verbrauchte.[11]

Teilweise haben sich landwirtschaftliche Betriebsleiter im Bereich des Projektmanagements zum Aufbau regenerativer Energieanlagen und deren Betriebsführung ein weiteres Standbein aufgebaut. Andere Betriebe haben sich durch die Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte oder im Fremdenverkehr - Urlaub auf dem Bauernhof - eine alternative Einkommensmöglichkeit geschaffen.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Verkehrsanbindung der Gemeinde Reußenköge erfolgt überwiegend im motorisierten Individualverkehr. Von Süden kommend zweigt in der Nachbargemeinde Struckum die schleswig-holsteinischen Landesstraße 278 von der Bundesstraße 5 ab. Die Gemeindegrenze wird nach ungefähr 3 km mit Einfahrt in den Desmerciereskoog erreicht. Ebenso erreichen Gäste die Gemeinde über die L 11, die in Bredstedt von der B 5 und in der Gemeinde Ockholm von der L 191 abzweigt. Ortskundige Fahrer und langjährige Urlauber nutzen die Querverbindung zwischen Struckum und Ockholm durch die Reußenköge als Abkürzung für die Fahrt nach Dagebüll und Schlüttsiel. Von dort ist ein Weiterfahrt per Fährverbindung zu den Nordfriesischen Inseln Föhr und Amrum, sowie zu den Halligen möglich.

Die Anbindung durch den ÖPNV ist durch einen Linienbusverkehr des Bredstedter Linienbusunternehmen Röpkevon Bredstedt aus möglich. Es handelt sich um einen Ringverkehr mit Startort in Bredstedt und dem Zielort Bordelum (Liniennummer 1028). Allerdings ist dieser in starkem Maße auf die Schülerbeförderung ausgerichtet und verkehrt aus diesem Grund weitestgehend nur zu den entsprechenden Uhrzeiten am Tag und nicht während der Schulferien sowie am Wochenende. Der nächstgelegene Bahnhof befindet sich in Bredstedt. Dieser wird von allen Regionalzügen auf der Marschbahn angefahren. Die Deutsche Bahn bietet einige Intercity täglich bis nach Westerland an. Diese halten allerdings nicht in Bredstedt, so dass Reisende am nächstgelegenen Fernverkehrsbahnhof in Husum aus- bzw. einsteigen müssen.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen in der Gemeinde selbst bestehen kaum. Die kommunalen staatlichen und kirchlichen (Verwaltungs-)einrichtungen befinden sich in Bredstedt und Breklum. Aufgrund der stark landwirtschaftlich geprägten Wirtschaftsstruktur befindet sich allerdings ein landwirtschaftliches Versuchsfeld der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein im Sönke-Nissen-Koog.

Bildung[Bearbeiten]

In der Gemeinde gab es bis Mitte des 20. Jh. zwei Volksschulen. Seit Schließung dieser Einrichtungen mussten die Schüler die nächstgelegenen Bildungseinrichtungen besuchen. Diese befinden sich damals wie heute in der Stadt Bredstedt. Hierzu zählen u.a. die Grund- und Hauptschule, sowie eine, mit der 2007 in Schleswig-Holstein verabschiedeten Schulreform entstandene, Gemeinschaftsschule. Die nächstgelegenen Gymnasien sind in Husum und Niebüll angesiedelt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Mit Reußenköge verbunden[Bearbeiten]

  • Die Entwicklung der Gemeinde besonders beeinflusst haben die folgenden Persönlichkeiten. Jean Henri Desmercières wurde als Inhaber eines Oktroy, welche Ihm das Recht zur Eindeichung des Sophien-Magdalenen- sowie des Desmerciereskooges gab, zum Urvater der heutigen Gemeinde.
  • Hinzu kam zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Industrielle Sönke Nissen. Er war maßgeblich an der Finanzierung des jüngsten und größten bewohnten gemeindeangehörigen Koogs, dem nach ihm benannten Sönke-Nissen-Koog, beteiligt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reußenköge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2013 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Nicolai Möllgaard, Boy Chr. Sibbers: Sophie - Magdalenen - Koog 1741-2002 : Desmerciereskoog 1767-2002 : Koogsbook. Selbstverlag, 2002, DNB 750964642.
  3. vgl. Harde#Neuzeit (Erster Absatz)
  4. vgl. Harde#Neuzeit (Zweiter Absatz)
  5. In den Koogsprotokollen wird im Jahr der neue Amtsbezirk Reußenköge erwähnt
  6. Breitband für Alle: Eine Vision wird langsam Realität. auf: shz.de 30. September 2011.
  7. Wohl der Region liegt ihm am Herzen. In: Husumer Nachrichten. 25. November 2011.
  8. Ergebnis Gemeindewahl Reußenköge 2013. auf der Webseite Amt Mittleres Nordfriesland
  9. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  10. Frank Pergande: Bürgerwindpark, Die den Wind ernten. auf: FAZ.net 12. Oktober 2012.
  11. Windräder für alle. auf: Spiegel online. 23. Juli 2011.