Dagebüll

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Dagebüll führt kein Wappen
Dagebüll
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Dagebüll hervorgehoben
54.7336111111118.71444444444441Koordinaten: 54° 44′ N, 8° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Nordfriesland
Amt: Südtondern
Höhe: 1 m ü. NHN
Fläche: 36,92 km²
Einwohner: 912 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 25 Einwohner je km²
Postleitzahl: 25899
Vorwahlen: 04667, 04674
Kfz-Kennzeichen: NF
Gemeindeschlüssel: 01 0 54 022
Adresse der Amtsverwaltung: Marktstraße 12
25899 Niebüll
Webpräsenz: www.dagebuell.de
Bürgermeister: Hans-Jürgen Ingwersen (WG-D-F-W)
Lage der Gemeinde Dagebüll im Kreis Nordfriesland
Karte
Dagebüll-Hafen

Dagebüll (dänisch Dagebøl, nordfriesisch Doogebel) ist eine an der Westküste Schleswig-Holsteins im Kreis Nordfriesland gelegene Gemeinde.

Das heutige Dagebüll entstand 1978 aus der Zusammenlegung der selbstständigen Gemeinden Dagebüll, Fahretoft, Juliane-Marien-Koog und Waygaard. Dagebüll befand sich früher auf einer Hallig. Nachdem die ältesten Häuser auf Warften gebaut wurden, die zum Teil heute noch erkennbar sind, wurde das Land 1704 mit Deichen gesichert.

Geographie[Bearbeiten]

Kirche in Dagebüll-Kirche
Watt und Deich in Dagebüll

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Dagebüll Kirche[Bearbeiten]

Der Ortsteil Kirche (nordfriesisch: Doogebel Schörk) besteht wesentlich aus den Warften der historischen Hallig, die den Kern des Dagebüller Koogs bilden. Viele alte Höfe stehen noch auf Fundamenten der Halligbauten.

Die St. Dionysius-Kirche steht ebenfalls auf einer Warft innerhalb der alten Hallig. 1731 wurde sie noch ohne Kirchturm gebaut. Als 1905/06 ein Turmbaufond vorhanden war, entschloss man sich zum nachträglichen Bau des Turmes.

Dagebüll-Hafen[Bearbeiten]

Alter Leuchtturm (außer Betrieb) und Betriebshof der Lorenbahn nach Oland

Der Ortsteil Dagebüll-Hafen liegt etwa drei Kilometer entfernt von Dagebüll-Kirche direkt an der Küste. Hier verlässt ein Großteil der Besucher der Inseln Föhr und Amrum das Festland. Im Ortsteil Hafen befinden sich zahlreiche Fremdenverkehrsbetriebe sowie eine große Garage für Benutzer der Fährlinien. Südlich des Fährhafens steht der Leuchtturm Dagebüll,[2] der nicht mehr in Betrieb ist. Nicht weit vom Leuchtturm am Dorfrand liegt der Wirtschaftshof des Wasser- und Schifffahrtsamtes, dessen Halligbahn Dagebüll–Oland–Langeneß ihren 900 mm breiten Schienenweg auf Pfahljochen durch das Watt nach Oland und Langeneß startet.

Osewoldter Koog[Bearbeiten]

Hauptartikel: Osewoldter Koog

Der Osewoldter Koog wurde 1935 eingedeicht und 1936 besiedelt.

Fahretoft[Bearbeiten]

Hauptartikel: Fahretoft

Der Ortsteil Fahretoft liegt zwischen Dagebüll und Waygaard. Hier hat der Sportverein der Gemeinde, der TSV Fahretoft/Waygaard, der 1965 gegründet wurde, seinen Sitz. Einer der Köge in Fahretoft ist der Bottschlotter Koog. Dieser wurde zwischen 1633 und 1638 eingedeicht und ist benannt nach dem Tief gleichen Namens. In diesem Koog gibt es insgesamt neun Grundstücke und rund 28 Einwohner, die vor allem von der Landwirtschaft leben.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Dagebüller Land war früher eine Westermarsch genannte Hallig.[3] Im Jahr 1626 war sie 895 Demat groß, also etwa 447,5 Hektar. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde mehrmals vergeblich versucht, die Dagebüller Bucht auf einmal einzudeichen. Es gelang jedoch nicht, sämtliche Wattströme zugleich einzudämmen, so dass es immer wieder zu Überschwemmungen und Landverlusten kam. Besonders in der Burchardiflut 1634 erlitt die nur von einem Sommerdeich umgebene Hallig große Landverluste.

1700 erhielten die Einwohner einen vorteilhaften Oktroy, der ihnen ermöglichte, einen festen Deich zu errichten. Die Eindeichung geschah 1702/1703. Der Dagebüller Koog enthielt 1005 Demat (502,5 Hektar) und war gegenüber der alten Hallig erheblich nach Osten verlagert. 1704 wurde er mit einem Damm mit dem Vorland des Alten Christian-Albrechts-Koogs verbunden. Durch den 1727 eingedeichten Kleiseerkoog wurde dieser Koog landfest.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1978 wurden die zuvor eigenständigen Gemeinden Fahretoft, Juliane-Marienkoog und Waygaard eingegliedert.[4]

Religion[Bearbeiten]

Deich in Dagebüll und Blick auf Oland (1895)

Die beiden evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Fahretoft (mit Waygaard) und Dagebüll sind in einer Pfarrstelle zusammengefasst.[5] Zu jeder Gemeinde gehört eine Kirche, die St. Laurentiuskirche in Fahretoft, die 1703 gebaut wurde, und die 1731 errichtete St. Dionysus-Kirche in Dagebüll.

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Seit den Kommunalwahlen am 26. Mai 2013 setzt sich die Gemeindevertretung zusammen aus:

  • Christlich Demokratische Union (CDU), zwei Sitze mit 18,2 Prozent
  • Arbeitsgemeinschaft Bürger für Bürger (ABB), ein Sitz mit 10,6 Prozent
  • Unabhängige Wählergemeinschaft Dagebüll (UWD), vier Sitze mit 38,4 Prozent
  • Wählergemeinschaft Dagebüll-Fahretoft-Waygaard (WG-D-F-W) vier Sitze mit 32,8 Prozent.

Die Wahlbeteiligung betrug 63,6 Prozent.[6]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Für die Wahlperiode 2013–2018 wurde Hans-Jürgen Ingwersen (WG-D-F-W) wieder zum Bürgermeister gewählt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Der örtliche Sportverein ist der TSV Fahretoft/Waygaard. Dieser Verein wurde 1965 gegründet. Er bietet unter anderem Sportarten wie Fußball, Tischtennis, Turnen und Badminton an. Jährlicher Höhepunkt ist im Sommer der mögliche Erwerb des Sportabzeichens sowie eine Fußgängerrallye in Fahretoft. Außerdem gibt es den SV Dagebüll. Er wurde 1967 gegründet. Angeboten werden Frauengymnastik, Reiten, Fußball, Fahrrad fahren, Nordic Walking und Kitesurfen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Im Ortsteil Fahretoft gab es von 1963 bis 2009 mit der Hans-Momsen-Schule eine Grundschule. Seit ihrer Schließung besuchen die Kinder die Grundschule in Risum-Lindholm.

Verkehr[Bearbeiten]

Fährhafen mit Bahnhof
Bistro am Fähranleger

Schifffahrt[Bearbeiten]

Hauptartikel: Wyker Dampfschiffs-Reederei

Der Fährhafen bietet eine Schiffsverbindung im Linienverkehr zu den Inseln Föhr und Amrum. Auch kleine Frachtschiffe, Muschelkutter und sonstige Schiffe verkehren hier.

Bahn[Bearbeiten]

Dagebüll liegt an der Eisenbahnstrecke Niebüll–Dagebüll, die von der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft Niebüll mbH betrieben wird. Reguläre Zughalte finden an den Stationen Dagebüll Kirche (nordfriesisch: Doogebel Schörk) und Dagebüll Mole (nordfriesisch: Doogebel Bru) statt. Außerdem gibt es den Bedarfsbahnhof Dagebüll Hafen. Dieser liegt innerhalb des Deiches und wird im Personenverkehr nur benutzt, wenn der Bahnhof Dagebüll Mole durch Hochwasser überspült ist.

Ein Damm mit einer Lorenbahn verbindet Dagebüll durch das nordfriesische Wattenmeer mit den Halligen Oland (seit 1927) und Langeneß (seit 1929), wobei dieser lediglich dem Materialtransport für den Küstenschutz und der Versorgung der Halligen dient, nicht jedoch dem öffentlichen Personenverkehr. Anfangs hatten diese Loren ein Segel und wurden durch Wind vorangetrieben, später wurden sie mit einem Dieselmotor bestückt.

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Dagebüll ist mit dem Auto von Süden aus über Husum, Bredstedt und Schlüttsiel, von Osten aus über Niebüll und Risum-Lindholm auf Landesstraßen erreichbar. Der Autoverkehr zu den Inseln wird seit etwa 2005 über eine Umgehungsstraße nördlich um den Dagebüller Ortskern geführt. An dieser Straße befinden sich ausgedehnte, gebührenpflichtige Unterstellmöglichkeiten für Kraftfahrzeuge. Zuvor waren zahlreiche innerörtliche Wiesen von den Grundeigentümern als Stellflächen für Autos angeboten worden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dagebüll – Sammlung von Bildern
 Wikivoyage: Dagebüll – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2013 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Der Leuchtturm von Dagebüll
  3. So auf der Karte des Johannes Petreus von ca. 1600, abgedruckt: Reimer Hansen (Hrsg.): Johannes Petreus’ († 1603) Schriften über Nordstrand. Quellensammlung der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte Band 5; Kiel 1901; Anhang
  4.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 183.
  5. Kirchenführer der Dagebüller und der Fahretofter Kirche
  6. Web-Redaktion: Ergebnisse der Gemeindewahl 2013 im Amt Südtondern. In: www.amt-suedtondern.de. Amt Südtondern, abgerufen am 22. Juni 2013.