Kudzu (Pflanze)

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Kudzu
Pueraria montana var. lobata

Pueraria montana var. lobata

Systematik
Ordnung: Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Tribus: Phaseoleae
Gattung: Pueraria
Art: Kudzu
Wissenschaftlicher Name
Pueraria montana
(Lour.) Merr.

Kudzu (Pueraria montana) [1], von Japanisch kuzu (), deutsch auch Weltengrün, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet liegt in Ostasien: China, Japan, Korea.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung[Bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Pueraria montana ist eine robuste, kletternde, saisongrüne, ausdauernde krautige Pflanze, die zum Teil an der Basis verholzt (Liane). Sie bildet gelbliche, raue Haare an den oberirdischen Pflanzenteilen. Es werden Wurzelknollen als Überdauerungsorgane gebildet. Die an den Blattansatzstellen wurzelnden, kletternden Sprossachsen sind behaart, wachsen bis zu 20 m pro Jahr und können eine Wuchshöhe von 30 m erreichen [2] [3].

Die gegenständigen Laubblätter sind dreiteilig gefiedert oder selten einfach. Die dorsifixen Nebenblätter sind eiförmig-länglich und gestreift. Das endständige Fiederblättchen ist breit eiförmig, 7 bis 15 (selten bis 19) cm lang und 5 bis 12 (selten bis 18) cm breit. Die beiden seitlichen Fiederblättchen sind quer eiförmig und kleiner als das Endfiederblättchen. Die länglich-lanzettlichen Nebenblättchen der Fiederblättchen sind mindestens gleich lang wie deren Stielchen.

Blütenstand mit Schmetterlingsblüten.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

In den 15 bis 30 cm langen traubigen Blütenständen stehen in jedem Knoten zwei oder drei Blüten zusammen. Die länglich-lanzettlichen bis lanzettlichen Tragblätter sind kürzer oder länger als die eiförmigen, weniger als 2 mm langen Deckblätter. Die 2 bis 2,5 cm großen Blüten sind zygomorph, fünfzählig und zwittrig. Der zottig gelb behaart Kelch ist 7 bis 20 mm lang, mit fünf lanzettlichen Kelchlappen, die etwas länger als der verwachsene Teil sind. Die fünf Kronblätter sind purpurfarben bis violett. Die kurzgenagelte, verkehrt-eiförmige Fahne ist 8 bis 18 mm lang. Die Flügel sind sichelförmig und schmaler als das Schiffchen. Das Schiffchen ist sichelförmig-rechteckig. Der behaarte Fruchtknoten ist länglich. Die Blütezeit reicht von Juli bis Oktober.

Behaarte Hülsenfrüchte.

Die braun raubehaarte, flache, lang elliptische Hülsenfrucht weist eine Länge von 4 bis 14 cm und eine Breite von 6 bis 13 mm auf. Die Früchte reifen von Oktober bis Dezember.

Die invasive Pflanze überwuchert alles.

Verbreitung[Bearbeiten]

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Pueraria montana ist der Osten Indiens, Myanmar, Indochina, China, Korea und Japan, bis Thailand, Malaysia, die Pazifischen Inseln und der Norden Australiens. [4]

1876, zur Centennial Exhibition in Philadelphia, Pennsylvania, wurde Pueraria montana erstmals in die USA eingeführt [5]. Von 1935 bis Mitte der 1950er Jahre wurden Landwirte im Süden der USA zum Anbau ermutigt [6]. Heute ist Pueraria montana in allen Bundesstaaten im Südosten und in Oregon, Washington und Hawaii im Westen der Vereinigten Staaten von Amerika verbreitet [7].

Auch in Panama, der Karibik und Sierra Leone in Afrika ist ein Auftreten von Pueraria montana beschrieben [8], in Mexiko tritt Pueraria montana var. lobata auf. [9]

In Europa findet sich Kudzu an mehreren Wuchsorten in warmen Lagen am Lago Maggiore und am Lago di Lugano (Schweiz und Italien). [2]

Natürliche Symbionten[Bearbeiten]

Kudzu-Käfer (Megacopta cribraria)

Einer natürlicher Symbiont des Kudzu ist der Kudzu-Käfer (Megacopta cribraria) der in den Kudzu-Feldern zwar den Pflanzenwuchs behindert da er dort heimisch ist, vor allem aber auch in allen angrenzenden Nicht-Kudzu-Feldern, wie z.B. Soja-Plantagen, die ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln vermutlich komplett kahl gefressen und dem Kudzu so den Weg ebnen würden. In den Kudzu-Feldern selbst, schützt sich der Kudzu vor allem durch seine große Regenerationsfläche und sein Nährstoff-speicherndes Wurzelsystem.

Der erwachsene Kudzu-Käfer wird etwa zwischen 3.5 und 6 mm groß und spielte bis zum Jahr 2009 in den USA keine besondere Rolle, danach gab es jedoch jedes Jahr bis 2012 eine regelrechte Invasion, die immer mehr Bundesstaaten im Süden der USA erfasste. Geläufig ist den Menschen der Käfer demnach vor allem nach dem auftreten der Kudzu-Käfer-Pest, regelrechten schwarzen Schwärmen die oft ganze Hauswände bedecken und bei den Menschen auch Allergien auslösen können.[10]

Systematik[Bearbeiten]

Pueraria montana gehört in die Gattung Pueraria in der Subtribus Glycininae aus der Tribus Phaseoleae in der Unterfamilie der Faboideae innerhalb der Familie der Fabaceae [1].

Diese Art wurde 1790 als Dolichos montanus von João de Loureiro in Flora Cochinchinensis, 2, S. 440–441 [11] erstbeschrieben. Den Namen Pueraria montana hat sie 1935 von Elmer Drew Merrill in Transactions of the American Philosophical Society, new series, 24 (2), S. 210 erhalten. Es gibt eine große Zahl von weiteren Synonymen.

Von Pueraria montana (Lour.) Merr. sind mindestens drei Varietäten bekannt [1]:

  • Pueraria montana var. lobata (Syn.: Dolichos hirsutus Thunb., Dolichos lobatus Willd., Neustanthus chinensis Benth., Pachyrhizus thunbergianus Sieb. & Zucc., Pueraria hirsuta (Thunb.) Matsum., Pueraria lobata (Willd.) Ohwi, Pueraria lobata var. chinensis (Benth.) Ohwi, Pueraria pseudohirsuta Tang & F.T.Wang, Pueraria thunbergiana (Sieb. & Zucc.) Benth., Pueraria triloba (Houtt.) Makino)
  • Pueraria montana var. montana (Syn.: Dolichos montanus Lour., Glycine javanica L., Pueraria lobata var. montana (Lour.) Maesen, Pueraria omeiensis F.T. Wang & Tang, Pueraria tonkinensis Gagnep.)
  • Pueraria montana var. thomsonii (Syn.: Pueraria lobata var. thomsonii (Benth.) Maesen, Pueraria montana var. chinensis auct., Pueraria thomsonii Benth.)
Nudeln aus Kudzu aus der Japanischen Küche.

Nutzung[Bearbeiten]

Die stärkereichen Wurzelknollen von Pueraria montana var. lobata werden gegart gegessen. Die Wurzelknollen können bis zu 1,8 Meter lang und 35 kg oder schwerer werden. Die Knollen enthalten bis zu 10 % Stärke, die extrahiert werden kann und beispielsweise als Panade oder zum Andicken von Suppen verwendet wird. Es werden auch Nudeln daraus hergestellt, oder es wird wie Agar-Agar und Gelatine verwendet. Diese Wurzelknollen sind ein Hauptnahrungsmittel in Japan. Auch die Blüten werden gekocht oder sauer eingelegt gegessen. Stängel und Blätter werden roh oder gekocht verwendet und die frischen Blüten duften nach Vanille. Sehr nährstoffreich sind die frischen jungen Austriebe, die wie eine Mischung aus Bohnen und Erbsen schmecken. [12]

Die medizinischen Wirkungen von Pueraria montana var. lobata wurden untersucht. [12] Das in der Pflanze enthaltene Daidzin deaktiviert das Enzym Aldehyd-Dehydrogenase 2 (ALDH-2) im menschlichen Körper [13], wodurch während der Alkoholeinahme weniger Acetaldehyd abgebaut wird. Daher gilt Kudzu als wirksam gegen Alkoholsucht. [14]

Die 2 bis 3 mm langen, festen Fasern aus dem Stängel werden beispielsweise zu Textilien und grünlichem, cremefarbenem Papier verarbeitet. Wie viele der Leguminosen mit ihren Knöllchenbakterien wird Pueraria montana var. lobata als Gründünger und Mulchpflanze angepflanzt; ihre Wurzeln reichen mit bis zu 1,8 Meter sehr tief. [12]

Kudzu ist in den USA auch unter Schäfern beliebt, da die Schafe hiermit praktisch auch immer einen gedeckten Tisch vorfinden und sich geradezu berauscht in die Felder stürzen, während sie gleichzeitig aber auch damit sorgen, dass Wege und öffentliche Parks vom Kudzu nicht überwuchert werden, was die Stadtregierungen oft entlohnen, da teure Pestizide und mechanische Unkrautbekämpfungs-Methoden damit auch wieder entfallen.

Kontrolle[Bearbeiten]

Die Kontrolle großer Kudzuflächen, besonders heute in den USA, ist schwierig, denn seine natürlichen Frassfeinde wie Wildschafe und Wildziegen gibt es in dieser Form kaum noch. Entlaufende Tiere obgleich die in den Kudzu-Habitaten dauerhaft überleben könnten werden zumeist wieder eingefangen und ihrem Besitzer überstellt.

Hierbei spielen auch kommerzielle Interessen eine Rolle, an freilebenden Tieren verdient niemand, das einsetzen von Mietschafen und Ziegen hingegen entlohnen die Gemeinden zumeist, nebst auch dem Einsatz von Pestiziden und mechanischen Unkautbekämpfungsmethoden, die auf den Hektar gesehen jedoch unwirtschaftlicher sind.

Teils gab es den Versuch von Gemeinden, gezielt Tiere zu kaufen und dann nahe der Kudzufelder auszuwildern, gegen diese wird sich jedoch auch oft mit dem Argument der Verkehrssicherheit, Landrechten usw. gewehrt.

Auch haben die Maschinen wie Pestizidhersteller kaum ein Interesse an einer nachhaltigen Lösung, die Kudzu-Kontrolle ist heute auch ein Milliardendollar-Markt in den USA an denen viele Arbeitsplätze hängen. Zum Teil dienen die Kuzudfelder auch nur dazu viele Arbeitslose zu beschäftigen, die dann mit der Hand das Kudzu sägen und sammeln, mit bescheidenen Ergebnis.

Auch scheint der Kudzu ein minimale Wehrfähigkeit zu besitzen, Arbeiter die mit dem mechanischen bekämpfen der Kudzufelder beauftragt sind, berichten häufig das sich ihre Kleidung mit der Zeit verfärbt, sich diese dann aber auch nicht mehr reinigen lässt. Zudem häufen sich dann auch allergische Reaktionen auf das Kudzu, aufgrund des vom Kudzu entlassenden Stickstoffmonoxid und der damit ansteigenden regionalen Ozonbelastung.

Die Kudzufelder im Süden der USA sind im Grunde durch ihr Wurzelsystem alle miteinander verbunden und bilden so auch einen der größten Organismen der Erde. Es wird daher auch vermutet, das diese stetig nur lokalen Bekämpfungsstrategien kaum nachhaltig sind, da der Kudzu seine Wachstums wie Abwehrstoffe dann auch wieder anders verteilt.

Quellen[Bearbeiten]

  • L. J. G. van der Maesen: Pueraria, the kudzu and its relatives: an update of the taxonomy, In: Proc. 1st Int. Symp. Tuberous legumes. Guadeloupe, FWI, 1992, S. 55-86. - Pueraria montana auf S. 65.
  • Delin Wu & Mats Thulin: Pueraria in der Flora of China, Volume 10, S. 246: Pueraria montana - Online.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Pueraria montana im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  2. a b Schweizerische Kommission für die Erhaltung von Wildpflanzen: Infoblatt Pueraria, Kudzu, Kopoubohne (abgerufen am 14. Juni 2010; PDF; 168 kB)
  3. US Forest Service Species: Pueraria montana var. lobata (englisch, abgerufen am 14. Juni 2010)
  4. Pueraria montana bei AgroForestryTree Database (englisch, abgerufen am 16. Juni 2010)
  5. Invasive Plant Watch Network: Description file for "Kudzu" bei www.rspee.glu.org (englisch, abgerufen am 16. Juni 2010)
  6. Plant Invaders of Mid-Atlantic Natural Areas: Kudzu bei National Plant Invaders of Mid-Atlantic Natural Areas des Park Service U.S. Fish and Wildlife Service. (englisch, abgerufen am 16. Juni 2010)
  7. Pueraria montana var. lobata bei Invasive and Exotic Species of North America.
  8. Pueraria montana bei www.ildis.org International Legume Database & Information Service - ILDIS - Artname in Suchmaske eingeben. (englisch, abgerufen am 16. Juni 2010)
  9. Pueraria montana var. lobata bei Institute of Pacific Islands Forestry - Pacific Island Ecosystems at Risk (PIER). (englisch, abgerufen am 16. Juni 2010)
  10. http://www.cals.ncsu.edu/agcomm/news-center/media-releases/extension-offers-advice-on-kudzu-bugs/
  11. João de Loureiro: Flora Cochinchinensis, 2, S. 440-441 eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  12. a b c Pueraria montana var. lobata bei Plants For A Future.
  13. [1]Daidzin - chemischer Aufbau und Wirkung (engl.)
  14. [2] US National Library of Medicine National Institutes of Health, "Suppression of heavy drinking and alcohol seeking by a selective ALDH-2 inhibitor."

Weblinks[Bearbeiten]