Kugelkoordinaten
In räumlichen Polarkoordinaten wird ein Punkt durch seinen Abstand vom Ursprung und durch zwei Winkel angegeben.
Bei Punkten auf einer Kugeloberfläche (Sphäre) ist der Abstand vom Ursprung (Kugelmittelpunkt) konstant. Die Zahl der Variablen reduziert sich auf die beiden Winkel, die als sphärische Koordinaten bezeichnet werden.
Der Begriff Kugelkoordinaten kann als Oberbegriff für den allgemeinen Fall und die sphärischen Koordinaten angesehen werden.
Für Polarkoordinaten in der Ebene (ein Abstand, ein Winkel) und Zylinderkoordinaten (zwei Abstände, ein Winkel) siehe den Artikel Polarkoordinaten.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Übliche Konvention
Die nebenstehende Abbildung zeigt einen Punkt
mit den Kugelkoordinaten
. Die Transformationsgleichungen von kartesischen Koordinaten
in Kugelkoordinaten lauten:
In der Analysis und ihren Anwendungen werden Kugelkoordinaten meist im Bogenmaß angegeben. Ist
der Ortsvektor von
(also der Vektor, der den Koordinatenursprung
mit
verbindet) und
die senkrechte Projektion von
in die xy-Ebene, dann haben die Kugelkoordinaten von
folgende anschauliche Bedeutung:
(Radius) ist der Abstand des Punktes
vom Koordinatenursprung
, also die Länge des Vektors 
bzw.
[2] (Azimutwinkel[3]) ist der Winkel zwischen der positiven x-Achse und
, gezählt von
bis
(-180° bis 180°) gegen den Uhrzeigersinn
bzw.
[2] (Polarwinkel[3]) ist der Winkel zwischen der positiven z-Achse und
, gezählt von
bis
(0° bis 180°)
Die Rücktransformation erfolgt nach den Gleichungen (Parametrisierung):
Die Einheitsvektoren der sphärischen Koordinaten lauten damit:
Um diese Einheitsvektoren zu erhalten, muss die Parametrisierung nach der jeweiligen Koordinate (hier
) abgeleitet und auf
normiert werden. Sie bilden in der Reihenfolge
ein Rechtssystem.
[Bearbeiten] Andere Konventionen
Die obige Koordinatenwahl ist internationaler Konsens in der theoretischen Physik. Manchmal werden die Zeichen θ und φ gerade im umgekehrten Sinne verwendet, insbesondere in amerikanischer Literatur.
Der Polarwinkel θ ist nicht die geographische Breite. Diese ist vielmehr als Winkel zwischen der Äquatorialebene und dem Ortsvektor definiert und nimmt Werte zwischen −90° und 90° an. Wird sie mit φ bezeichnet, so ist φ = 90° − θ, θ = 90° − φ. Hingegen kann man das oben benutzte φ ohne weiteres mit der geographischen Länge λ östlich von Greenwich gleichsetzen. Siehe dazu den Artikel: geographische Koordinaten.
Des Weiteren ist die obige Konstruktion in gewisser Hinsicht inkonsistent zum Aufbau der ebenen Polarkoordinaten. Für manche Probleme ist es praktischer, die Darstellung
zu benutzen. In dieser Darstellung entspricht
der geographischen Breite.
Die Rücktransformation des Punktes bzw. Vektors
in die Winkelbestandteile erfolgt dann mit:
wobei
.
[Bearbeiten] Verallgemeinerung auf n-dimensionale Kugelkoordinaten
Eine Verallgemeinerung der Kugelkoordinaten auf
Dimensionen:
Die Winkel entwickeln sich nach:
Durch Umnummerierung erhält man eine Rekursionsformel für die Winkel:
Woraus sich die folgenden Winkel ergeben:
mit
und
Der Radius ist:
Eine Fallunterscheidung liefert mittels Arkustangens den passenden Winkel zur gegebenen kartesischen Koordinate, wobei
:
Dabei fällt auf, dass
immer ein zweidimensionaler Vektor ist für
.
[Bearbeiten] Beispiel
Zuordnung am Beispiel
mit den geläufigen Koordinatenachsen
:
Die Winkel sind dann:
[Bearbeiten] Transformation von Differentialen
[Bearbeiten] Jacobi-Matrix
Die lokalen Eigenschaften der Koordinatentransformation werden durch die Jacobi-Matrix beschrieben. Für die Transformation von Kugelkoordinaten in kartesische Koordinaten lautet diese
bei sphärischen Polarkoordinaten (nur θ, φ) fällt die erste Spalte (und Zeile) weg.
Die zugehörige Funktionaldeterminante lautet:
Die Jacobi-Matrix der entgegengesetzten Transformation ist nur für räumliche, nicht für sphärische Polarkoordinaten definiert; man berechnet sie am einfachsten als Inverse von J:
Einige Komponenten dieser Matrix sind Brüche, an deren Nennern man die Uneindeutigkeit der Polarkoordinaten bei r=0 und bei sin θ=0 (also θ=0 oder π) erkennt. Ungebräuchlicher ist die Darstellung in kartesischen Koordinaten:
[Bearbeiten] Differentiale, Volumenelement, Linienelement
Die Jacobi-Matrix erlaubt es, die Umrechnung von Differentialen übersichtlich als lineare Abbildung zu schreiben:
beziehungsweise
.
Das bedeutet eine Koordinatentransformation
gegeben durch die Jacobi-Matrix, und zwar hier von kartesischer zu sphärischer Geometrie. Dabei sind die Komponenten
in
Elemente des zu
dualen (Tangential-)Raums (d. h. im Prinzip
). Dieser Koordinatenwechsel spielt auch eine Rolle bei der Parametrisierung einer Kurve für Kurvenintegrale.
Das Volumenelement
lässt sich besonders einfach mit Hilfe der Funktionaldeterminante
umrechnen:
.
Hier gilt
(mit
als Determinante des metrischen Tensors) sodass man gleich sieht, dass:
.
Das spielt eine Rolle im Falle einer Verallgemeinerung im Sinne allgemeiner Skalarprodukte und z. B. des Laplace-Beltrami-Operators (g aus dem allgemeinen Skalarproduktes beinhaltend).
Durch Differentiation dV/dr erhält man für ein Flächenelement dA auf einer Sphäre mit Radius r
.
Ein Linienelement ds rechnet man gemäß
um (mit i,j=1 bis 3). Dabei sind
die Komponenten des metrischen Tensors, der die Multiplikation in nichttrivialen Räumen definiert (kartesisch gilt
), beziehungsweise benutzt wird, um Indizes zu heben und zu senken, d. h. kovariante Tensoren in Kontravarianten und umgekehrt zu transformieren, sodass
, bzw.
eine besonders große Rolle in der allgemeinen und in der speziellen Relativitätstheorie, d.h im Standardmodell der Kosmologie und der Elementarteilchen, spielten.
[Bearbeiten] Metrik und Rotationsmatrix
Im Fehlen gemischter Glieder im Linienelement ds spiegelt sich wider, dass der metrische Tensor
auch in Kugelkoordinaten keine Außerdiagonalelemente hat.
Der metrische Tensor ist offensichtlich das Quadrat der Diagonalmatrix
.
Mit Hilfe dieser Matrix lässt sich die Jacobi-Matrix als J=Sh schreiben, wobei S die Rotationsmatrix
ist.
[Bearbeiten] Transformation von Vektorfeldern und -Operatoren
Im Folgenden soll die Transformation von Vektoren und Differentialoperatoren exemplarisch hergeleitet werden. Die Ergebnisse werden bevorzugt in kompakter Form unter Benutzung von Transformationsmatrizen geschrieben.
[Bearbeiten] Transformation der Vektorraumbasis
Der Basisvektor eφ zur Koordinate φ gibt an, in welche Richtung sich ein Punkt P(r, θ, φ) (oft auch Event genannt) bewegt, wenn die Koordinate φ um einen infinitesimalen Betrag dφ verändert wird:
.
Daraus erhält man
.
Um eine orthonormale Basis zu erhalten, muss eφ noch auf die Länge 1 normiert werden:
.
In ähnlicher Weise erhält man die Basisvektoren er und eθ. Um die folgenden Transformationen in kompakter Form zu schreiben, verwenden wir die oben eingeführte Rotationsmatrix S. Diese Matrix ist orthogonal, das heißt,
. Die normierten Basisvektoren des Kugelkoordinatensystems kann man dann zusammengefasst so mitteilen:
.
Entsprechend lautet die Transformation in die Gegenrichtung
.
[Bearbeiten] Transformation eines Vektorfeldes
Ein Vektor, als ein geometrisches Objekt, muss vom Koordinatensystem unabhängig sein:
Diese Bedingung wird erfüllt durch
beziehungsweise
.
[Bearbeiten] Transformation der partiellen Ableitungen
Die partiellen Ableitungen transformieren sich wie die Basisvektoren, aber ohne Normierung. Man kann genau wie oben rechnen, nur lässt man den Punkt P im Zähler weg (tatsächlich werden in der modernen Formulierung der Differentialgeometrie die Koordinatenbasisvektoren des Tangentialraums und die partiellen Ableitungen gleichgesetzt) und verwendet die Jacobi-Matrix J=Sh anstelle der Rotationsmatrix S. Die Transformation lautet also:
,
und in die Gegenrichtung
.
[Bearbeiten] Transformation des Nabla-Operators
Der Nabla-Operator
hat nur in kartesischen Koordinaten die einfache Form
.
Sowohl die partiellen Ableitungen als auch die Einheitsvektoren muss man in der oben hergeleiteten Weise transformieren. Man findet:
.
In dieser Form kann der transformierte Nabla-Operator unmittelbar angewandt werden, um den Gradienten eines in Kugelkoordinaten gegebenen Skalarfeldes zu berechnen.
Um die Divergenz eines in Kugelkoordinaten gegebenen Vektorfeldes A zu berechnen, ist hingegen zu berücksichtigen, dass
nicht nur auf die Koeffizienten Ar, … wirkt, sondern auch auf die in A implizit enthaltenen Basisvektoren er
Um die Rotation eines in Kugelkoordinaten gegebenen Vektorfeldes A zu berechnen, ist selbiges zu berücksichtigen:
[Bearbeiten] Transformation des Laplace-Operators
Wenn man in der Divergenzformel als Vektorfeld A den Gradientenoperator
einsetzt, findet man den Laplace-Operator
.
bzw.
.
Eine besonders einfache Form um diese Form des Laplace-Operators herzuleiten ergibt sich mit Hilfe der Formel für den Laplace-Beltrami-Operator. Dabei gilt:

.
Dabei gilt
, also
.
Der Laplace-Beltrami-Operator ist dann genauso definiert wie der gewöhnliche Laplace-Operator, gilt aber für allgemeinere riemannsche Mannigfaltigkeiten:
.
Der metrische Tensor in Kugelkoordinaten ist diagonal und von der Form
.
Somit entfällt die Summe über
und die
sind die Kehrwerte der Komponenten des metrischen Tensors, also
und 
Die Wurzel des Betrags der Determinante ist
, also gleich der Jacobi-Determinante.
Setzt man die verschiedenen Größen in die Formel des Laplace-Beltrami-Operators ein, dann ergibt sich


.
Addiert man zu
, so ergibt sich die obige Formel für den Laplace-Operator in Kugelkoordinaten.
[Bearbeiten] Weblinks
- Matroids Matheplanet: Einführung in die Vektoranalysis (als PDF) von Eckard Specht
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Kugelkoordinaten. Mathematik-Online-Lexikon der Universität Stuttgart. Autoren: App/Höllig
- ↑ a b Lothar Papula: Mathematik für Ingenieure und Naturwissenschaftler. Band 3: Vektoranalysis, Wahrscheinlichkeitsrechnung, mathematische Statistik, Fehler- und Ausgleichsrechnung. 4. verbesserte Auflage. Vieweg + Teubner, Wiesbaden 2001, ISBN 3-528-34937-9.
- ↑ a b Skript (PDF; 59 kB) an der TU München



(Radius) ist der Abstand des Punktes
bzw. 
bis
(-180° bis 180°) gegen den Uhrzeigersinn
bis 






















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