Kurt Lehmann (Bildhauer)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Knabe mit Taube, Bronze, 1958, in Osnabrück

Kurt Lehmann (* 31. August 1905 in Koblenz; † 16. März 2000 in Stuttgart) war ein deutscher Bildhauer.

Leben[Bearbeiten]

Kurt Lehmann studierte 1924–29 an der Staatlichen Kunstakademie Kassel bei Alfred Vocke und konnte auch in Kassel im Kunstverein 1929 seine erste Ausstellung mit bildnerischen Arbeiten zeigen. Nach Studienreisen nach Belgien und Frankreich, wo er unter anderem Aristide Maillol besuchte, hielt er sich 1930 mit einem Stipendium in der Villa Massimo in Rom auf und lebte seit 1931 in Berlin. Hier war er mit den Bildhauern Gerhard Marcks und Gustav Seitz befreundet. Seit 1934 lebte Lehmann wieder in Kassel, 1940–45 war er Soldat, sein Atelier in Kassel wurde im Krieg zerstört. 1946 nahm er seine Arbeit in Kassel wieder auf und wurde schließlich 1949 Professor an der Technischen Hochschule Hannover (bis 1969), wo er den Lehrstuhl für Modellieren in der Architektur-Abteilung innehatte.

In Hannover schuf Kurt Lehmann zahlreiche Plastiken und Reliefs (meist aus Muschelkalk oder Bronze), die noch heute das Stadtbild beherrschen. Er stellt eine zentrale Figur bei der künstlerischen Entwicklung der Stadt in der Nachkriegszeit während der 1950er und Anfang der 1960er Jahre dar.

Grabmal von Kurt Lehmann auf dem Herrenhäuser Friedhof

Für seine Werke hatte ihm Hannover direkt am Großen Garten von Herrenhausen eigens ein Atelier mit einem Steinhof errichtet. Während seiner dortigen Schaffensjahre bewohnte der Bildhauer das an die barocke Gartenanlage grenzende Hardenberg'sche Palais in der Alten Herrenhäuser Straße, wo Lehmann dann Gastgeber war etwa für Martin Buber, Alexander Calder, Werner Gilles, Alfred Hentzen, den Kunstmäzen Bernhard Sprengel, den Bühnenbildner Rudolf Schulz oder auch Kurt Ehrhardt.[1]

Im Jahr 1955 war Kurt Lehmann Teilnehmer der documenta 1 in Kassel. Seit 1970 lebte er in Staufen im Breisgau.

Für seine künstlerischen Arbeiten, „die in ihrer strengen, vereinfachenden Formgebung an Ernst Barlach erinnern“,[2] erhielt Lehmann zahlreiche Preise und Auszeichnungen.

Kurt Lehmanns Grabmal findet sich auf dem Herrenhäuser Friedhof.[3]

Familie[Bearbeiten]

Kurt Lehmann war verheiratet. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: der Operndirektor Hans-Peter und die Malerin Katharina Lehmann sowie eine weitere Schwester.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Figuren an der Georgstraße (1950/51)
  • Zusammenbrechender Knabe (1949)
  • Türgrifffiguren am Opernhaus Hannover (1950)
  • Figuren am Bahlsen-Haus (heute Schuhhaus Gisy) (1950/51), Georgstraße 27-29, Hannover
  • Badende (1951), Innenhof des NDR-Funkhauses Hannover (Kleiner Sendesaal)
  • Kindergruppe (1952-53), Rheinpark Köln
  • Relief über dem Eingang der Industrie- und Handelskammer Hannover (1953)
  • Liegendes Fohlen (1954), Leibnizschule Hannover
  • Hirtenjunge (1954)
  • Rübezahlbrunnen, Brunnenfigur (1954), Hannover-Mittelfeld
  • Die große Stehende (1955), Hof des ehemaligen Ratsgymnasiums Hannover
  • Mädchen im Regen, Brunnenfigur (1955), Rosmarinhof, Hannover
  • Wächter (1955), Oberfinanzdirektion Niedersachsen, Hannover
  • Spielende Kinder, Brunnenplastik (1955/56), Grupenstraße, Hannover (die Modelle waren Lehmanns eigene Kinder)
  • Evangelistensymbole an der inneren Eingangstür zur Marktkirche Hannover (1956)
  • Umschauende (1956), Leibnizufer Hannover (und Plastikpark Middelheim, Antwerpen)
  • Ausschreitende (1957)
  • Moses und die Gesetzestafel (1957/1958), Landgericht Hannover, Wandrelief aus Kirchheimer Muschelkalkplatten[4][5]
  • Demut (Kniender Hirte) (1958), Aegidienkirche Hannover
  • Mutter und Kind (1958), Kassel
  • Erzengel Michael (1961), vor dem Eingang des OLG-Neubaus, Celle
  • Der gute Hirte (1962), über dem Haupteingang des Finanzamtes für Großbetriebsprüfung Hannover, vormals Hauptgebäude der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Hannover
  • Speerwerfer (1964), Eingang HDI-Arena
  • Grabstätte von Erhart Kästner in Staufen im Breisgau (1974)
  • Akademisches Logo der Medizinischen Hochschule Hannover
  • Heiliger Martin als Relief an der Kirche St. Martin in Hannover-Linden-Mitte

Literatur[Bearbeiten]

  • Deutsche Biographische Enzyklopädie, Bd. 6, S. 295
  • Ehrtfried Böhm (Texte), Reinhold Lessmann (Fotos): neue plastik in hannover / Kunstsinn, Mäzenatentum, Urbane Ästhetik / Ein Beispiel im Spiegel zweier Jahrzehnte, Steinbock-Verlag, Hannover 1967, S. 81 u.ö.
  • Fritz Nemitz: Junge Bildhauer, Rembrandt-Verlag, Berlin 1939.
  • Der Bildhauer Kurt Lehmann. Einführung von Walter Passarge. Fotos von Kurt W. L. Müller. Lometsch, Kassel 1957. (Druck der Arche. 16)
  • Rudolf Lange: Kurt Lehmann. Musterschmidt, Göttingen 1968. (Niedersächsische Künstler der Gegenwart. 11)
  • Rudolf Lange: Kurt Lehmann. Ein Bildhauerleben. Schäfer, Hannover 1995, ISBN 3-88746-344-7.
  • Rudolf Lange: Die Gestalt des Menschen. Der Bildhauer Kurt Lehmann ist 94-jährig in Hannover gestorben. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung. 18. März 2000, S. 7.
  • Ludwig Zerull: Kunst ohne Dach. Skulpturen und Objekte im Stadtbild Hannovers, Hannover: Edition Libri Artis, Schäfer , 1992, ISBN 3-88746-278-5, S. 143
  • Hugo Thielen: LEHMANN, (1) Kurt. In: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 226f.
  • Hugo Thielen: Lehmann, (1) Kurt, in: Stadtlexikon Hannover, S. 390f.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kurt Lehmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rudolf Lange: Ein Atelier in Herrenhausen. In: Kurt Lehmann / Ein Bildhauerleben. Verlag Th. Schäfer, Hannover 1995, ISBN 3-88746-344-7, S. 60.
  2. H. Thielen, 2002, S. 226.
  3. Gitta Kirchhefer: Ein Spaziergang über den Herrenhäuser Friedhof, Broschüre mit Fotos von Sergej Stoll und einem nummerierten Übersichtsplan, Hannover: Selbstverlag, 2012
  4. Rudolf Lange: Kurt Lehmann. Ein Bildhauerleben. Hannover 1995, abgerufen am 25. September 2011
  5. Moses und die Gesetzestafel. Website des Landgerichts Hannover, abgerufen am 25. September 2011