Landesbank Baden-Württemberg

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Sachsen Bank ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Sachsen Bank (Begriffsklärung) aufgeführt.
  Landesbank Baden-Württemberg
LBBW-Logo
Staat Deutschland
Sitz Stuttgart
Weitere Hauptsitze der LBBW sind Karlsruhe, Mainz und Mannheim.
Rechtsform Anstalt des öffentlichen Rechts
Bankleitzahl 600 500 00[1]
BIC SOLA DEST XXX[1]
Gründung 1. Januar 1999
Website www.lbbw.de
Geschäftsdaten 2012[2]
Bilanzsumme 336,3 Mrd. EUR
Mitarbeiter 11.642
Leitung
Vorstand Hans-Jörg Vetter (Vorsitzender); Michael Horn, Karl Manfred Lochner, Ingo Mandt, Martin Setzer, Volker Wirth
Aufsichtsrat Hans Wagener (Vorsitzender)
Gebäude der Landesbank Baden-Württemberg am Hauptsitz Stuttgart, am Hauptbahnhof, Kurt-Georg-Kiesinger-Platz
Flanke von den Bahnsteigen aus gesehen
Glasbau an der Heilbronner Straße

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ist ein deutsches Kreditinstitut mit Hauptsitz in Stuttgart und weiteren Sitzen in Karlsruhe, Mainz und Mannheim in der Rechtsform einer Anstalt des öffentlichen Rechts.

Mit über 200 Filialen und Stützpunkten vorwiegend in Baden-Württemberg und weltweit über 20 weiteren Standorten sowie rund 12.000 Mitarbeiter im Konzern ist die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) die größte Bank im Südwesten Deutschlands. In der Bundesrepublik Deutschland zählt sie nach Bilanzsumme zu den zehn größten Kreditinstituten, weltweit zu den 100 größten Banken.

Geschichte[Bearbeiten]

Eines der zahlreichen LBBW-Vorgängerinstitute gehörte zu den ersten Sparkassen Deutschlands. 1818 gründete Königin Katharina von Württemberg die Württembergische Spar-Casse.[3] Deren Rechtsnachfolgerin, die seit 1912 bestehende Württembergische Landessparkasse, fusionierte 1975 mit der Girokasse Öffentliche Bank und Sparkasse Stuttgart (seit 1971) – die Nachfolgerin der 1884 gegründeten Städtischen Sparkasse Stuttgart – zur Landessparkasse Girokasse – öffentliche Bank. Ab 1977 firmierte das Institut unter dem Namen Landesgirokasse Stuttgart (LG) – öffentliche Bank und Landessparkasse.
Mit Aufnahme des Zahlungsverkehrs im Jahr 1916 wurde die Zentralstelle des Württembergischen Giroverbands – Stuttgart gegründet. Im Jahre 1975, nach drei weiteren Nachfolgeinstituten, ist daraus die Württembergische Kommunale Landesbank, Girozentrale (WüKoLa) entstanden. Ende 1988 schloss sich die daraus entstandene, seit 1987 bestehende Landesbank Stuttgart, Girozentrale mit der seit 1929 existierenden Badischen Kommunalen Landesbank – Girozentrale, öffentliche Bank und Pfandbriefanstalt Mannheim (BaKoLa) zur Südwestdeutschen Landesbank (SüdwestLB) zusammen.[4][5]

1998 hatte die LBBW 8.799 Mitarbeiter und einer Bilanzsumme von 435,9 Milliarden DM (222,9 Milliarden Euro).

Zum 1. Januar 1999 erfolgte unter Einbeziehung des Marktteils der Landeskreditbank die Vereinigung von LG und Südwest LB zur Landesbank Baden-Württemberg.

Zum Jahresbeginn 2005 wurde die Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) als hundertprozentige Tochter in den LBBW-Konzern integriert. Zum 1. August 2005 erfolgte die Eingliederung der Baden-Württembergischen Bank (BW-Bank) als rechtlich unselbständige Anstalt in die LBBW.

Im Zuge dieser Eingliederung wurde das Geschäftsfeld mit Privat- und Firmenkunden (alle Filialen im Raum Stuttgart) von LBBW auf BW-Bank umfirmiert. Die Filialen der ehemaligen BW-Bank bekamen dabei das seit August 2005 aktuelle Logo. Die LBBW tritt seither nicht mehr als Sponsor oder Werbepartner auf.

Am 1. Januar 2005 hat Siegfried Jaschinski Hans Dietmar Sauer als Vorsitzenden des Vorstands abgelöst. Am 18. Juli 2005 entfiel – wie bei allen deutschen Landesbanken – die Gewährträgerhaftung der staatlichen Eigentümer.

Im August 2007 wurde die Übernahme der angeschlagenen Landesbank Sachsen eingeleitet. Nach einem Beschluss der Trägerversammlung vom 7. März 2008 wurde die Landesbank Sachsen im April 2008 als unselbstständige Einheit in die LBBW integriert.

Am 1. Juli 2008 wurde auch die Landesbank Rheinland-Pfalz rückwirkend zum 1. Januar 2008 auf die LBBW verschmolzen. Die Mainzer Niederlassung firmiert seither als regionale Mittelstandsbank unter dem Namen Rheinland-Pfalz Bank. Gleichzeitig wurde am Standort Mainz ein weiterer Hauptsitz der LBBW etabliert.

Finanzmarktkrise[Bearbeiten]

In den ersten neun Monaten des Jahres 2008 machte die Bank insgesamt 800 Millionen Euro Verlust.[6] Zur Eigenkapitalstärkung, die im Zuge der Finanzmarktkrise notwendig wurde, soll die LBBW von ihren Eigentümern im Jahr 2009 insgesamt fünf Milliarden Euro an frischem Kapital bekommen. Daneben prüft das Institut auch, Kreditgarantien aus dem Finanzmarktstabilisierungsfonds des Bundes in Höhe von 15 bis 20 Milliarden Euro in Anspruch zu nehmen.[7]

Die Diskussionen um die Kapitalerhöhung in den Gremien der Eigentümer, führten dazu, dass für einen „Neuanfang“ der bisherige Vorstandsvorsitzende Jaschinski sein Amt verliert. Als neuer Chef wurde Hans-Jörg Vetter benannt, zuvor Vorsitzender der Landesbank Berlin.

Im Geschäftsjahr 2008 machte die LBBW einen Verlust von ca. 2,1 Mrd. Euro.[8] 2009 betrug der Verlust 2,148 Milliarden Euro.

Mitte September 2009 wurde bekannt, dass das Unternehmen bis zu 400 Millionen Euro einsparen muss, um die Vorgaben des von der EU-Kommission geforderten Restrukturierungsprogramms zu erfüllen.[9] Hinzu kommt ein Stellenabbau von 2.500 Arbeitsplätzen.[10] Die Anteilseigner erhöhten das Stammkapital der Bank von 1,4 auf 6,4 Milliarden Euro. Einen Anteil von 18,9 % an dieser Summe hält die Stadt Stuttgart.[11]

Am 7. Dezember 2009 durchsuchte die Staatsanwaltschaft Stuttgart die Konzernzentrale in Stuttgart und mehrere Privatwohnungen amtierender und ehemaliger Vorstände. Die Staatsanwaltschaft geht dem Vorwurf der Pflichtverletzung nach, da der seinerzeitige Vorstand Ende 2006 hochriskante Investitionen im dreistelligen Millionenbereich tätigte oder genehmigte.[12]

2010 wurde nach HGB-Rechnungslegung ein Gewinn von rund 300 Millionen Euro erzielt; nach IFRS-Rechnungslegung lag die Bank jedoch weiterhin in der Verlustzone mit rund 340 Millionen Euro.[13] 2011 wies das Konzernergebnis vor Steuern einen Überschuss von 117 Millionen Euro aus.

Im Jahr 2012 erklärte die Europäische Bankaufsichtsbehörde, dass nur noch solche Finanzanteile zum sogenannten harten Kernkapital zählen, die an möglichen Verlusten beteiligt sind. Sie forderte die Eigentümer der LBBW ebenso wie die Eigentümer anderer Banken auf, ihre stillen Einlagen in haftendes Eigenkapital umzuwandeln.[11]

Träger[Bearbeiten]

Die LBBW ist eine rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts. Ihre Träger sind (Stand: 6. Januar 2014) der Sparkassenverband Baden-Württemberg (40,534 %), das Land Baden-Württemberg (24,988 %), die Stadt Stuttgart (18,932 %), die Landesbeteiligungen Baden-Württemberg GmbH (13,539 %) und die Landeskreditbank Baden-Württemberg – Förderbank – (2,006 %).

Umwandlung in Aktiengesellschaft[Bearbeiten]

Am 16. November 2009 wurde bekannt, dass auf Druck der Brüsseler EU-Kommission die LBBW in eine Aktiengesellschaft (AG) oder Aktiengesellschaft europäischen Rechts (SE) umgewandelt werden musste, allerdings sollten die bisherigen Träger nach der Umwandlung bis auf weiteres Eigentümer der Bank bleiben können.[14][15] Am 15. Dezember 2009 bestätigte die EU-Kommission die Umwandlung der LBBW in eine AG,[16] die für 2013 vorgesehen war.[17] 2013 revidierte die EU-Kommission die Auflage; die LBBW darf eine Anstalt des öffentlichen Rechts bleiben.[18]

Geschäftsfelder[Bearbeiten]

Die Landesbank Baden-Württemberg ist Universalbank und internationale Geschäftsbank mit voller Geschäfts- und Niederlassungsfreiheit. Zusammen mit den rechtlich unselbstständigen Anstalten Baden-Württembergische Bank (BW-Bank), Rheinland-Pfalz Bank und Sachsen Bank und spezialisierten Tochterunternehmen ist sie auf allen Geschäftsfeldern einer Großbank tätig.

LBBW[Bearbeiten]

Als Konzerndach obliegen der LBBW die Steuerungsaufgaben für den gesamten Konzern. Darüber hinaus bündelt sie die Kompetenzen für das Geschäftsfeld Financial Markets, von der Bilanz- und Portfolioberatung über die Entwicklung von Finanzmarktprodukten bis hin zu Trading und Sales am internationalen Kapitalmarkt, der Treasury sowie dem Research. In direkter Verantwortung betreut die LBBW überregionale und internationale Unternehmenskunden, institutionelle Kunden sowie Einrichtungen der öffentlichen Hand. Weitere Schwerpunkte sind die Sparkassenzentralbankfunktion für die Sparkassen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen sowie das internationale Geschäft und Spezialprodukte wie z. B. Leverage Finance oder Strukturierte Finanzierungen. Ferner sind bei der LBBW sämtliche Stabs- und Abwicklungsfunktionen zusammengefasst.

BW-Bank[Bearbeiten]

Schwerpunkt der BW-Bank als operativer Einheit innerhalb der LBBW ist das Privat- und Unternehmenskundengeschäft im Kernmarkt Baden-Württemberg. Das Produktportfolio für Unternehmenskunden ist auf den Mittelstand fokussiert und enthält neben klassischen Finanzierungsleistungen auch den Zahlungsverkehr sowie das Asset Management. Auf dem Gebiet der Landeshauptstadt Stuttgart erfüllt die BW-Bank für die LBBW die Aufgaben einer Sparkasse.

Sachsen Bank[Bearbeiten]

Logo der Sachsen Bank

Die Sachsen Bank wurde am 1. April 2008 als rechtlich unselbstständige Anstalt der Landesbank Baden-Württemberg errichtet und entstand aus dem regionalen Kundengeschäft der Landesbank Sachsen sowie den Filialen der Baden-Württembergischen Bank (BW-Bank) in Halle, Leipzig und Dresden.

Die Sachsen Bank betreibt das mittelständische Unternehmenskunden- und Privatkundengeschäft der LBBW in Mitteldeutschland (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) sowie den angrenzenden Wirtschaftsräumen und steuert in diesen Geschäftsfeldern den künftigen Marktauftritt der LBBW-Gruppe in Polen und Tschechien. Das breite Produkt- und Dienstleistungsportfolio der LBBW wird mit der Kundennähe einer eigenständig agierenden Regionalbank verbunden.

Die Sachsen Bank ist per Stand April 2012 in Leipzig, Dresden, Halle, Chemnitz, Magdeburg und Erfurt vertreten. Sie beschäftigt per Stand Juni 2013 etwas mehr als 100 Mitarbeiter. Vorsitzender des Vorstandes ist Harald R. Pfab.

Der Kunstpreis der Sachsen Bank wird im zweijährigen Turnus mit dem Museum der bildenden Künste Leipzig vergeben.

Rheinland-Pfalz Bank[Bearbeiten]

Die Rheinland-Pfalz Bank wurde am 1. Juli 2008 als rechtlich unselbstständige Anstalt der Landesbank Baden-Württemberg errichtet. Sie entstand durch Staatsvertrag zwischen den Ländern Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg aus der früheren LRP Landesbank Rheinland-Pfalz, welche durch Fusion mit der Landesbank Baden-Württemberg vereinigt wurde.

Kerngeschäftsfelder der Rheinland-Pfalz Bank sind das Unternehmenskundengeschäft sowie das Geschäft mit Key Accounts in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hessen, das Geschäft mit ausgewählten institutionellen Kunden sowie Private Banking.

Kennzahlen[Bearbeiten]

Überschrift 2008 2009 2010[19] 2011[20] 2012[21]
Bilanzsumme (Mrd. €) 447,7[22] 411,7[22] 374,4 373,1 336,3
Mitarbeiterzahl 13.369[22] 13.630[22] 13.061 12.231 11.642

Tochter- und Beteiligungsunternehmen[Bearbeiten]

Tochter- und Beteiligungsunternehmen vervollständigen das Angebot der Landesbank Baden-Württemberg. Die Palette der Leistungen reicht von Leasing und Factoring über das Management von Wertpapierspezialfonds sowie Beteiligungsfinanzierungen bis zu speziellen Finanzdienstleistungen für Kommunen und einem umfassenden Service-Angebot rund um den Immobilienbereich.

Auswahl an Tochterunternehmen

Die LBBW Immobilien GmbH mit ca. 21.500 Wohnungen wurde Mitte Feb. 2012 für 1,435 Mrd. Euro an ein Investorenkonsortium aus Versicherungen und Pensionskassen unter Führung des Immobilienverwalters Patrizia Immobilien verkauft.[24]

Vorstandsvorsitzende[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernd Weber: „In der LBBW stecken jede Menge Fusionserfahrungen“. In: Börsenzeitung. 14. August 2007, ISSN 0343-7728.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Landesbank Baden-Württemberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b Stammdaten des Kreditinstitutes bei der Deutschen Bundesbank
  2. Geschäftsbericht 2012
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatGeschichte der BW-Bank. bw-bank.de, abgerufen am 18. November 2009.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format"Family Tree" of the operative members of the Association of German Pfandbrief Banks former names, mergers etc. (in German). Verband Deutscher Pfandbriefbanken (vdp), August 2007, S. 21, 34, 41 (PDF), abgerufen am 17. November 2009.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatLandesgirokasse (LG), Geschichte. wabw.uni-hohenheim.de, 25. Mai 2009, abgerufen am 18. November 2009.
  6. Spiegel Online. 21. November 2008 – LBBW und HRE: Banken rufen Milardenhilfen ab
  7. FAZ.net. 21. November 2008 – LBBW erhält Fünf-Milliarden-Euro-Kapitalspritze
  8. LBBW rechnet auch für 2009 mit Milliardenverlust
  9. boersennews.de. 14. September 2009 – LBBW muss bis zu 400 Millionen einsparen
  10. Stuttgart Journal 2. Oktober 2009 – 2.500 Arbeitsplätze werden gestrichen
  11. a b Jörg Nauke: Stadt soll beim Eigenkapital helfen, Stuttgarter Zeitung, 15. September 2012, S. 21.
  12. [1]Durchsuchung bei LBBW: Staatsanwaltschaft knöpft sich Topmangagement vor, Spiegel online, 7. Dezember 2009
  13. LBBW beendet 2010 mit Verlust, Handelsblatt online, 24. Februar 2011, abgerufen am 15. September 2012
  14. [2] LBBW-Hilfen: EU-Auflagen weniger streng. Stuttgarter Zeitung online, 17. November 2009
  15. KOMPROMISS ERZIELT – LBBW kommt bei EU glimpflich davon Handelsblatt vom 16. November 2009
  16. Auflage der EU-Kommission: LBBW wird in Aktiengesellschaft umgewandelt spiegel.de, 15. Dezember 2009. / Staatliche Beihilfen: Kommission segnet LBBW Umstrukturierungsplan und Entlastung für Risikoaktiva ab.
  17. [3] Geschäftsbericht der LBBW 2011, veröffentlicht 20. April 2012
  18. Geschäftsbericht der LBBW 2013
  19. Geschäftsbericht 2011 (PDF; 2,3 MB)
  20. Geschäftsbericht 2012
  21. Geschäftsbericht 2012
  22. a b c d LBBW Geschäftsbericht 2009 (PDF; 69 kB)
  23. Cellent Finance Solutions AG – Zahlen / Fakten. Internetpräsenz des Unternehmens, 16. Januar 2012.
  24. Patrizia Immobilien Pressemitteilung vom 14. Feb. 2012

48.785989.181072Koordinaten: 48° 47′ 10″ N, 9° 10′ 52″ O