Langendreer

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Wappen von Bochum
Langendreer
Stadtteil von Bochum
Lage von  im Ost
Koordinaten 51° 28′ 24″ N, 7° 19′ 29″ O51.4733333333337.324722222222290Koordinaten: 51° 28′ 24″ N, 7° 19′ 29″ O
Höhe 90 m ü. NN
Fläche 12,01 km²
Einwohner 25.233 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 2101 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Aug. 1929
Postleitzahl 44892 bzw. 44894 im Norden
Gliederung
Bezirk Ost
Gemarkungen

Kaltehardt, Langendreer, Langendreerholz, Oesterheide, Somborn, Ümmingen

Quelle: [1][2]

Langendreer ist der östlichste Stadtteil von Bochum. Er wurde 1929 eingemeindet. Im Westen grenzt er vor allem an Werne sowie an Laer und Querenburg. Im Nordosten liegt der Dortmunder Stadtteil Lütgendortmund, im Osten und Süden grenzt Langendreer an Witten.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Der Name Langendreer leitet sich aus der Bezeichnung Threiri (Dreer) ab und wird in dieser Form erstmals um 880 im ältesten Urbar des Klosters Werden genannt.[3] Der Name beruht auf der Siedlungsstruktur des mittelalterlichen Langendreer, in dem es drei Siedlungsschwerpunkte gab. 1436 wurde Dreer erstmals Langendreer genannt. Seit dem 9. Jahrhundert befand sich hier auch der Rittersitz Haus Langendreer.

Um 1092 wurden in der Abtei Werden schon eine Gruppe von 10 Höfen und eine Langendreerer Edelingsfamilie genannt. Ein weiterer Rittersitz hieß Darneden (1412), später noch als Hof Niermann existent.

16. Jahrhundert[Bearbeiten]

Haus Langendreer (2005)

Im Jahr 1599 zerstörte der spanische Oberst La Barlotta mit seinen Soldaten das ganze Dorf samt Kirche und Ritterburg. Sie „übten sonsten große Tyrannei und Mutwillen an Manns- und Weibspersonen mit Morden und Schänden“.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Christuskirche

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte Langendreer zur preußischen Grafschaft Mark; 1809 wurde Langendreer im Zuge einer Neuordnung der Gebietsgrenzen durch französische Besatzungstruppen Teil der Mairie Witten. Nach dem vollständigen Abzug der Truppen Napoleons 1815 übernahmen die nunmehr preußischen Machthaber viele der von den Franzosen geschaffenen Verwaltungseinheiten. Daher blieb Langendreer zunächst in einem Amt mit Witten und anderen Dörfern aus der Umgebung vereint. Aufgrund der Verleihung der Stadtrechte an Witten 1823 wurde der genaue Status von Langendreer unklar; denn einerseits gehörte Langendreer nun zu Witten, andererseits stellte Langendreer aufgrund seiner Größe eine eigene Verwaltungseinheit dar. 1850 wurde schließlich das Amt Langendreer gegründet.

Das 1900 errichtete Amtshaus belegt den Aufstieg Langendreers (1839: 1515 Einwohner; 1885: 10.151 Einwohner; 1905: 23.111 Einwohner).

Langendreer verfügt über eine reiche Industriegeschichte; so gab es mehrere kleine und große Kohlebergwerke wie zum Beispiel die Zeche Vollmond, Zeche Neu-Iserlohn, Zeche Vereinigte Urbanus, Zeche Mansfeld, Zeche Constanze, Zeche Bruchstraße und Zeche Siebenplaneten.

Gemeindereform 1929[Bearbeiten]

Im Zuge der Gemeindereform vom 1. August 1929 wurde Langendreer ein Stadtteil Bochums.[4] Grund für die Eingemeindung war unter anderem der Güterbahnhof in Langendreer; denn Bochum verfügte über keine vergleichbare Kapazität.

Einige Teile Langendreers (Crengeldanz, Krone und Papenholz) wurden jedoch der Stadt Witten zugeordnet; andererseits breitete sich das Gebiet Langendreers nach Osten aus, da das Dorf Somborn in zwei Teile geteilt wurde. Eine Hälfte erhielt Langendreer (also Bochum), die andere Hälfte ging an Dortmund. Seit 1929 wird Langendreer als der Osten von Bochum betrachtet. Südlichster Teil ist die Kaltehardt.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Kath. Kirche Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz (St. Marien)

In den späten Kriegsmonaten erfuhr Langendreer die Schrecken des Bombenkriegs:

  • 6. November 1944: Angriff auf den Bahnhofsbereich
  • 9. November 1944: 16 Bomben auf dem Amtsplatz, Zerstörung von Schulen und Wohnhäusern
  • 12. Dezember 1944: Drei weitere Häuser werden zerstört
  • 15. Januar 1945: Ein großer Luftangriff fordert 190 Todesopfer
  • 18. März 1945: Das Gymnasium wird schwer getroffen
  • 22. März 1945: Beim größten Luftangriff wird auch die Marienkirche, „Dom des Ruhrgebietes“ genannt, zerstört.

Am 11. April 1945 rückte die amerikanische Armee nach dreitägigem Artilleriebeschuss in den Ort ein. Etwa ein Drittel der Häuser Langendreers waren beschädigt oder zerstört.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

In der Nachkriegszeit förderten die Zechen Rekordmengen von Steinkohle. In den 1960er Jahren fanden zahlreiche Zechenschließungen statt.

Wirtschaftlich wichtigster Faktor – auch für das räumlich kaum noch von Langendreer trennbare Werne – sind die Opel-Werke II und III. Aufgrund des Programms des Sozialen Wohnungsbaus entstanden einige Trabantenviertel, unter anderem die Sonnenleite.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Langendreer verfügt mit der Lessing-Schule über ein eigenes Gymnasium, angrenzend an die Zweigstelle der Stadtbücherei und die Haupt- und Realschule mit Sporthalle. Außerdem gibt es eine der ältesten Waldorfschulen Nordrhein-Westfalens, die Rudolf Steiner Schule Bochum Langendreer, gegründet 1958, mit ca. 900 Schülern. Des Weiteren befindet sich am ehemaligen Haus Langendreer ein Förderschulzentrum des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe, bestehend aus einer Förderschule für Körperliche und Motorische Entwicklung, einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation sowie einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Sprache. Im Gebäude des ehemaligen Amtsgerichts befindet sich heute eine Zweigstelle der Musikschule Bochum.

Gesundheit[Bearbeiten]

Knappschaftskrankenhaus Langendreer

Das Knappschaftskrankenhaus Bochum-Langendreer genießt als Unfallkrankenhaus überregional einen guten Ruf und ist im Rahmen des Bochumer Modells eine Einrichtung des Universitätsklinikums der Ruhr-Universität Bochum. Der alte Rittersitz Haus Langendreer ist heute Teil der Schule für Behinderte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.

Verkehr[Bearbeiten]

Langendreer ist durch die A40 im Norden, sowie die A44 im Süden an das Autobahnnetz angebunden, welche aber jeweils nur auf der Grenze verlaufen. Die Anschlussstelle Witten-Zentrum grenzt unmittelbar an den südlichen Teil. Die Bundesstraße 235 durchquert Langendreer einmal komplett auf der Nord-Süd-Achse.

Es gibt zwei Haltepunkte der S-Bahn-Linie S1, Langendreer und Langendreer-West. Beide Haltepunkte bestehen aus zwei Gleisen an einem Bahnsteig.

Linie Linienbezeichnung Linienverlauf
S 1 S-Bahn Rhein-Ruhr DortmundBochumEssenMülheim (Ruhr)DuisburgDüsseldorf FlughafenDüsseldorfHildenSolingen

Außerdem wird Langendreer durch die Buslinien 345, 355, 364, 366, 369, 370, 372, 377, 378 und 379, sowie der NachtExpress-Linien NE3 und NE18 erschlossen.

Südlich fast peripher an Langendreer vorbei fährt die Straßenbahnlinie 310 von Bochum nach Witten; eine Verlegung durch das Ortszentrum von Langendreer ist aber derzeit in Bau.

Freizeitgestaltung[Bearbeiten]

  • Das frühere Bahnhofsgebäude von Langendreer wurde in den 1980er-Jahren zum Kulturzentrum Bahnhof-Langendreer umgebaut, wo unter anderem Veranstaltungen wie Konzerte oder alternative und schwule bzw. lesbische Diskothekenabende stattfinden.
  • Die Diskothek Matrix, der ehemalige „Rockpalast“, befindet sich in der alten Müser-Brauerei.
  • Die ehemalige Diskothek Zwischenfall, davor „Appel“, am Alten Bahnhof war ein bekannter Treff der Gothic-Szene, wurde aber aufgrund eines Feuers in den oberen Etagen 2011 geschlossen.

Naherholung und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Ümminger See im Morgennebel

Der Langendreer Bach mündet am Ümminger See in den Oelbach; der See gilt inzwischen als beliebtes Ausflugsziel über die Grenzen von Langendreer hinaus. Von historischem Wert ist der Historische Friedhof im Ortsteil Ümmingen.

Museum[Bearbeiten]

Im Amtshaus Langendreer befindet sich seit 1995 die Heimatstube Langendreer. Hier haben die beiden Gründer, Friedhelm Vielstich und Heinz-Richard Gräfe, mehr als 1000 Exponate, wie Fahnen, Fotos und Dokumente zusammengetragen und daraus eine Ausstellung zur zeitlichen Geschichte im Bochumer Osten erstellt.[5][6]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Carl von der Borch: Notata, betreffend das Gericht und Dorff Langendreer nebst der Familie von Treer und von der Borch. Haus Langendreer, 1751.
  • Vom Gericht und Kirchspiel Langendreer. In: Johann Diederich von Steinen: Westphälische Geschichte mit vielen Kupfern, Band 2, Stück 17. 1757.
  • Otto Hüttemann: Die Geschichte von Langendreer. C. L. Krüger, Witten 1887.
  • Max Jäkel: Dorf und Rittersitz Langendreer in alten Zeiten und in der Gegenwart. Pöppinghaus, Langendreer 1908.
  • Emil Tetzlaff: Langendreerer Heimatbuch. 1923.
  • Denkschrift über den Zusammenschluss der Gemeinden Langendreer-Werne. Überreicht von der Amtsverwaltung Langendreer-Werne. Grabe, Langendreer 1927.
  • Paul Kanold: Gutachten über die Frage der Mittelstadt Langendreer-Werne. H. Pöppinghaus, Langendreer 1928.
  • Karl Alberts: Langendreerer Heimatbuch. Pöppinghaus, Bochum 1964.
  • Clemens Kreuzer: 1100 Jahre Langendreer-Werne. Werden und Wandel einer Vorstadt des Reviers. Heinrich Pöppinghaus Verlag, Bochum 1987.
  • Herbert Dierkes: Langendreer 1850–1929: das Amt, die Amtmänner; ein Beitrag zur Heimatgeschichte. Franken, Bochum 1994, ISBN 3-928341-00-6.
  • Herbert Dierkes: Langendreer im 19. Jahrhundert. Franken, Bochum 1997, ISBN 3-92834101-4.
  • Clemens Kreuzer (Hrsg.): Bauernzeit und Bergmannszeit in Bochum-Ost: Geschichte und Geschichten, Berichte und Dokumente, Erinnerungen und Erzählungen von Langendreer und Werne, Laer, Ümmingen und Havkenscheid. Pöppinghaus, Bochum 1990.
  • Clemens Kreuzer: Langendreer-Werne zwischen Steinzeit und Gegenwart. Eine Siedlungsgeschichte des Bochumer Ostens. Pöppinghaus, Bochum 1999, ISBN 3-00-004663-1.
  • Hansi Hungerige: Langendreer-Werne wie es früher war. Verlag Wartberg, Gudensberg-Gleichen 2001, ISBN 3-83131181-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Jahrbuch der Stadt Bochum 2006 (pdf)
  2. Die Einwohnerzahlen sind nach statistischen Bezirken und nicht nach den Gemarkungen angegeben; die Zahlen hierfür sind im Artikel Einwohnerentwicklung von Bochum
  3. Rudolf Kötzschke (Hrsg.): Die Urbare der Abtei Werden a. d. Ruhr (= Publikationen der Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde XX: Rheinische Urbare). Bd. 2: A. Die Urbare vom 9.–13. Jahrhundert, hrsg. von Rudolf Kötzschke, Bonn 1908, Nachdruck Düsseldorf 1978; Bd. 3: B. Lagerbücher, Hebe- und Zinsregister vom 14. bis ins 17. Jahrhundert, Bonn 1908, Nachdruck Düsseldorf 1978; Bd. 4,I: Einleitung und Register. I. Namenregister, hrsg. von Fritz Körholz, Düsseldorf 1978; Bd. 4,II: Einleitung, Kapitel IV: Die Wirtschaftsverfassung und Verwaltung der Großgrundherrschaft Werden, Sachregister, hrsg. von Rudolf Kötzschke, Bonn 1958.
  4.  Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 255.
  5. blick in die Heimatstube, noch ein Blick.
  6. Die Schatzkammer Langendreers. Website Langendreerer Dorfpostille. Abgerufen am 9. Dezember 2012.