Lazaristen

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Die Lazaristen, auch Vinzentiner (lat.: Congregatio Missionis; Ordenskürzel: CM), sind ein katholischer Männerorden, der 1625 vom heiligen Vinzenz von Paul für den Dienst an den Armen in Paris gegründet wurde.

Kongregation und Ordensleben[Bearbeiten]

Zur Kongregation der Mission gehören heute 3829 Männer, 2999 davon sind Priester, die übrigen Brüder (Stand 2009).

Die Lazaristen nennen sich so in Frankreich (französisch Lazaristes) und in Österreich, dieser Name leitete sich vom ersten Mutterhaus, Saint Lazare in Paris, ab, das heute nicht mehr existiert. In Deutschland nennen sie sich Vinzentiner, und beispielsweise in Polen schlicht Missionare (polnisch Misji, Misjonarze), oder spanisch Paules (gesprochen „Paˈules“).[1]

Die vinzentinische Spiritualität ist bestimmt vom Vertrauen auf die Güte Gottes, von der Nachfolge Jesu, der Solidarität mit den Armen und Sorge um die Weitergabe des Glaubens. Sie verstehen sich selbst als Weltpriester und Brüder, die in Gemeinschaft leben.
Ihr Leitspruch lautet: „Den Armen das Evangelium verkünden“.

Zu den Aufgaben der Vinzentiner/Lazaristen gehören die Pfarrseelsorge, Seelsorge in Krankenhäusern und Altenheimen, die Behindertenseelsorge, Schulunterricht und die Seelsorge bei den Barmherzigen Schwestern/Vinzentinerinnen. Eine wichtige Aufgabe der Lazaristen ist die Ausbildung, und so betreuen die österreichischen Lazaristen das St. Georgs-Kolleg in Istanbul.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach seiner Gründung im Jahr 1625 beschäftigte der Orden sich zunächst mit der Seelsorge an der französischen Landbevölkerung und dehnte dann seine Tätigkeit auf die Priesterausbildung, das Geben von Exerzitien, die geistliche Betreuung der Vinzentinerinnen sowie auf die Seelsorge an Galeerensträflingen und anderen Gefangenen aus. Der Orden wurde 1633 durch Papst Urban VIII. approbiert. Seit 1645 sind die Vinzentiner auch in der Mission tätig (u.a. seit 1697 in China). In der Französischen Revolution kam es zum Verlust der 78 französischen Niederlassungen des Ordens und zur Zerstörung des Mutterhauses St. Lazare in Paris. Ab 1843 wurden die Lazaristen durch den Generalsuperior Jean-Baptiste Étienne reorganisiert und haben sich seitdem weltweit ausgebreitet.

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Deutschland[Bearbeiten]

Im deutschen Sprachraum wirkten die Lazaristen zuerst in Wien.

Nach Aufhebung des in der Kurpfalz sehr verdienstvoll wirkenden Jesuitenordens 1773 suchte Kurfürst Karl Theodor eine Kongregation, die ihre rechtliche Nachfolge, besonders auch hinsichtlich der Klöster und Liegenschaften, antreten sollte. Hierbei entschied er sich für den Lazaristenorden. Zum 7. November 1781 verfügte der Kurfürst seine Einführung in der Kurpfalz und übertrug dem Orden sämtliche Besitztümer und Rechte der bisherigen Jesuiten. Als ersten kurpfälzischen Provinzial der Gemeinschaft hatte er bereits mit Datum vom 12. Oktober des Jahres einen Sohn seines Landes, Pater Johann Wilhelm Theobald (1726-1816) ernannt. Infolge der politischen Ereignisse war der Ordensprovinz keine lange Lebensdauer beschieden und sie wurde 1796 wieder aufgelöst.[2]

Die heutige Deutsche Provinz wurde 1851 von Kaplänen aus dem Erzbistum Köln gegründet. Nach dem Verbot 1873[3] im Kulturkampf kehrten die Lazaristen/Vinzentiner 1918 nach Deutschland zurück.

Generalsuperiore[Bearbeiten]

  • Vinzenz von Paul (17. April 1625 – 27. September 1660)
  • René Alméras (17. Januar 1661 – 22. September 1672)
  • Edmond Jolly (1673 – 26. März 1697)
  • Nicolas Pierron (1697 – 1703)
  • François Watel (1703 – 1710)
  • Jean Bonnet (10. Mai 1711 – 3. September 1735)
  • Jean Couty (1736 – 1746)
  • Louis de Bras (6. März 1747 – 21. August 1761)
  • Antoine Jacquier (1762 – 1787)
  • Jean Félix Cayla de la Garde (1788 – 12. Februar 1800)
  • Pierre-Joseph Dewailly (1827 – 25. Oktober 1828)
  • Dominique Salhorgne (1829 – 25. Mai 1836)
  • Jean-Baptiste-Rigobert Nozo (1835 – 1842)
  • Jean-Baptiste Étienne (1843 – 1874)
  • Eugène Boré (11. September 1874 – 3. Mai 1878)
  • Antoine Fiat (1878 – 1914)
  • Emile Villette (1914 – 1916)
  • François Verdier (1919 – 1933)
  • Charles Souvay (1933 – 1939)
  • William Slattery (1947 – 1968)
  • James Richardson (1968 – 1980)
  • Richard McCullen (1980 – 1992)
  • Robert P. Maloney (1992 – 2004)
  • Gregory Gay (2004 – ...)

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wer sind die Lazaristen? Lazaristen Österreich – Kongregation der Mission
  2. Webseite zur Geschichte der Lazaristen in der Kurpfalz
  3. s:Bekanntmachung, betreffend die Ausführung des Gesetzes über den Orden der Gesellschaft Jesu. Vom 20. Mai 1873

Literatur[Bearbeiten]

  • Alban Haas: Die Lazaristen in der Kurpfalz. Pilgerdruckerei, Speyer 1960.
  • Reiner Albert, Günther Saltin: Katholisches Leben in Mannheim. Band 1. Von den Anfängen bis zur Säkularisation. Thorbecke Verlag, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-0908-4, S. 444-460.

Weblinks[Bearbeiten]