London Bullion Market

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London Bullion Market Association
Rechtsform Trade association
Gründung 14. Dezember 1987
Sitz London, Vereinigtes Königreich
Leitung Stewart Murray (CEO)
Branche Außerbörsliche Handelsplätze
Produkte FinanzdienstleistungenVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.lbma.org.uk

Der London Bullion Market (engl. bullion: ungemünztes Edelmetall) ist der wichtigste außerbörsliche Handelsplatz für Gold und Silber sowie einer der global bedeutenden Rohstoffhandelsplätze in London. Hier wird seit 1919 der Weltmarktpreis für Gold und seit 1897 der Weltmarktpreis für Silber festgestellt. Den Handel koordiniert die London Bullion Market Association (LBMA).

Geschichte[Bearbeiten]

Nathan Rothschild (1777–1836) wurde durch den Goldhandel zum einflussreichsten Finanzier der britischen Regierung

London wurde erstmals zum weltweiten Zentrum des Goldhandels, als Moses Mocatta 1671 von Amsterdam nach London segelte, um mit Gold und Diamanten zu handeln. Seine Bank Mocatta & Goldsmid nahm 1684 ihre Geschäftstätigkeit auf, zehn Jahre vor der Gründung der Bank of England.

1717 legte der englische Münzmeister Sir Isaac Newton in London einen zu niedrigen Goldpreis für Silber fest und somit den „Grundstein“ des Goldstandards, der für rund 200 Jahre Bestand haben sollte. Die Konsequenz daraus war, dass in England Silber allmählich aus dem Zahlungsverkehr verschwand.

1809 begann N M Rothschild & Sons mit dem Handel von Goldbarren und Goldmünzen. In den Napoleonischen Kriegen schmuggelte die Bank Goldmünzen über den Ärmelkanal, um den Vormarsch der britischen Truppen in Frankreich zu finanzieren. Nathan Mayer Rothschild erwirtschaftete im Krieg ein Vermögen und wurde zum einflussreichsten Finanzier der britischen Regierung.

Mit dem Londoner Silberfixing 1897 und dem Goldfixing 1919 entstand die Marktstruktur, wie sie bis heute existiert. Gründungsmitglieder des Gold- und Silberfixings waren N M Rothschild & Sons, Mocatta & Goldsmid, Samuel Montagu & Co., Pixley & Abell sowie Sharps & Wilkins. Am 12. September 1919 übernahm N M Rothschild & Sons den Vorsitz beim Goldfixing. Zu dieser Veranstaltung trafen sich die Händler einmal täglich im Bankhaus Rothschild, um Angebot und Nachfrage festzustellen. Wenn sich beides im Gleichgewicht befand, senkten die Teilnehmer ihre britischen Flaggen, und der Goldpreis des Tages konnte fixiert werden.

Die Financial Services Authority reguliert seit 1987 den London Bullion Market

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges schloss der Londoner Goldmarkt am 3. September 1939, der Silbermarkt kam unter alleinige Kontrolle der Bank of England. 1946 erfolgte eine teilweise Wiederaufnahme des Silberhandels und 1953 wurde der Silbermarkt vollständig geöffnet. Am 22. März 1954 fand nach 15 Jahren wieder ein Goldfixing statt.

Als die britische Regierung im November 1967 eine Abwertung des Pfund Sterling beschloss, damals die wichtigste Reservewährung nach dem US-Dollar, setzte am London Bullion Market ein Ansturm auf Gold ein. Am 17. März 1968 wurde daraufhin ein Abkommen über die Zweiteilung des Goldmarktes unterzeichnet. Der eine Preis konnte sich weiterhin frei dem Markt anpassen, der andere war fix. Nach zweiwöchiger Schließung erfolgte am 1. April 1968 die Wiedereröffnung des London Bullion Market. Seit diesem Zeitpunkt gibt es ein weiteres tägliches Treffen, um den Goldpreis zur Öffnungszeit der US-Börsen erneut festzulegen.

Am 14. Dezember 1987 wurde die London Bullion Market Association (LBMA) in enger Absprache mit der Bank of England gegründet, die damals die Regulierungsbehörde für den Edelmetall-Markt war. Die primäre Regulierungsbehörde in Großbritannien ist seitdem die Financial Services Authority (FSA).

Seit 1999 wird der Silberpreis und seit 2004 auch der Goldpreis telefonisch festgelegt.

Im April 2004 zog sich N M Rothschild & Sons nach 200 Jahren vom gesamten Rohstoffhandel und damit auch vom Goldhandel in London zurück. Als Grund wurden gesunkene Erträge im Warenterminhandel genannt: 1999 hatte der Rohstoffhandel 8,8 Prozent zum Ertrag des gesamten Londoner Bereichs der Bank beigetragen; im Finanzjahr 2003 lag der Anteil nur noch bei 2,2 Prozent.[1]

Handelsstruktur[Bearbeiten]

Der außerbörsliche Handel (englisch: Over-The-Counter, OTC) mit Gold- und Silberbarren wird von der London Bullion Market Association (LBMA) durchgeführt. Ihre Mitglieder sind große internationale Banken, Hersteller, Veredler, Verarbeiter, Produzenten und Händler auf der ganzen Welt. Sie handeln in der Regel untereinander und mit ihren Kunden auf eigene Rechnung, was bedeutet, dass sie alle Risiken tragen. Zu den Kunden zählen hauptsächlich institutionelle Investoren.

Im Gegensatz zu einer Terminbörse bietet der OTC-Markt eine gewisse Flexibilität und Vertraulichkeit bei den Transaktionen, die zwischen den beiden Auftraggebern durchgeführt werden. Der London Bullion Market ist ein Großhandelsmarkt, wo die Mindestgröße der gehandelten Beträge in der Regel 1.000 Unzen Gold und 50.000 Unzen Silber beträgt. Täglich werden über 600 Tonnen Gold und 3.000 Tonnen Silber gehandelt.[2] Nicht alles zwischen den Parteien gehandelte Edelmetall wechselt langfristig den Eigentümer. Ein Teil des Handelsvolumens sind spekulative Transaktionen.

Preisermittlung[Bearbeiten]

London Goldfixing 2000–2008

Handelszeit ist Montag bis Freitag von 8:50 Uhr bis 15:00 Uhr UTC (9:50 bis 16:00 Uhr MEZ).

Goldfixing[Bearbeiten]

Das Goldfixing wird zweimal täglich durchgeführt mit dem Ziel, möglichst viele Transaktionen zu einem Fixpreis abzuwickeln:

  • Vormittag: Montag bis Freitag 10:30 Uhr UTC (11:30 Uhr MEZ)
  • Nachmittag: Montag bis Freitag 15:00 Uhr UTC (16:00 Uhr MEZ).

Seit dem 7. Juni 2004 findet die Sitzung, die früher dauerhaft von Rothschild geleitet wurde, unter jährlich rotierendem Vorsitz in der Barclays Bank statt. Zu dieser Veranstaltung treffen sich jeweils ein Vertreter der Bank of Nova Scotia–ScotiaMocatta, der Barclays Bank, der Deutschen Bank AG London, der HSBC Bank USA NA London Branch und der Société Générale, die alle Mitglieder der London Bullion Market Association (LBMA) sind.

Silberfixing[Bearbeiten]

Das Silberfixing wird einmal täglich durchgeführt:

  • Montag bis Freitag 12:00 Uhr UTC (13:00 Uhr MEZ).

Bei der Veranstaltung führt die Bank of Nova Scotia-ScotiaMocatta den Vorsitz und fixiert zusammen mit der Deutschen Bank und HSBC Bank USA den Silberpreis. Nachdem das Geschäft zustande gekommen ist, sorgen sogenannte Clearinggesellschaften für die Abwicklung der Transaktion. Für das Clearing sind folgende Unternehmen der LBMA zuständig: Bank of Nova Scotia-ScotiaMocatta, Barclays, Deutsche Bank, HSBC Bank USA, JPMorgan Chase & Co. und UBS.[3]

Good-Delivery-Barren[Bearbeiten]

Aurubis in Hamburg steht auf der „Good Delivery List“ der London Bullion Market Association

Zum Handel sind nur Barren von Affinerien und Münzprägeanstalten zugelassen, die bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllen. Standardbarren der LBMA haben ein hohes Gewicht und eine hohe Feinheit. Ein Standardbarren Gold mit einem Feingehalt von 995 ‰ („Good-Delivery-Barren“) wiegt nominell 400 Feinunzen, also 12,44 Kilogramm, darf aber von 350 bis zu 430 Feinunzen variieren. Die Feinheit muss bei Gold mindestens 995 ‰ und bei Silber mindestens 999 ‰ erreichen. Die Feinheit, die Marke des Herstellers und die Barrennummer müssen auf den Barren eingestanzt sein. Die Barrennummer dient zur Identifikation jedes Barrens und wird vom Produzenten in einem Verzeichnis eingetragen.

Das internationale Gütesiegel „good-delivery“ (deutsch: „in guter Auslieferung“) garantiert die aufgeprägten oder eingestanzten Merkmale wie Feinheit und Gewicht sowie die ständige, ununterbrochene Aufbewahrung in akzeptierten Lagerungsanstalten. Barren mit Good-Delivery-Status werden weltweit akzeptiert und gehandelt.

Seit 2012 holt die Deutsche Bundesbank im Ausland gelagertes Gold nach Deutschland zurück. Jene Barren, die in Paris lagern, gehen mit "London-good-delivery"-Status direkt in den Transport. Barren von der Fed in New York jedoch, die ab den 1950er-Jahren dort erworben wurden, müssen erst überwacht umgeschmolzen werden, um diese Qualität zu erreichen.[4]

Unternehmen im deutschsprachigen Raum mit Good-Delivery-Zertifizierung[Bearbeiten]

Auf der aktuellen „Good Delivery List“ der LBMA stehen:[5]

aus Deutschland:

aus der Schweiz:

LBMA Referees[Bearbeiten]

Die LBMA hat fünf Unternehmen als sogenannte „Good Delivery Referees“ [6] akkreditiert um das Good Delivery System zu überwachen. Ihre Hauptaufgaben sind:

  • Die technische Beurteilung neuer Antragssteller für die Good-Delivery-Zertifizierung
  • Die proaktive Überwachung der zertifizierten Unternehmen
  • Die Bereitstellung technischer Expertise bezüglich verschiedener Themen

Als Referees sind akkreditiert:

Weitere Rohstoffmärkte in London[Bearbeiten]

Aluminiumbarren werden an der London Metal Exchange (LME) gehandelt

Die Preisbildung für die Edelmetalle Platin und Palladium findet am London Platinum and Palladium Market (LPPM) statt. Der LPPM stellt wie der London Bullion Market eine Ausnahme unter den Rohstoffmärkten dar: er ist keine Börse, sondern ein OTC-Markt.

Für Industriemetalle wie Aluminium, Blei, Kupfer, Nickel, Zink und Zinn ist die London Metal Exchange (LME) zuständig. Außer bei Kupfer und Aluminium, die auch an der NYMEX in New York gehandelt werden, verfügt die LME bei allen anderen Metallen nahezu über eine Monopolstellung.

Die ICE Futures (früher „International Petroleum Exchange“, IPE) ist Handelsplattform für die in Europa führende Ölsorte Brent. Sie ist die größte Terminbörse für Optionen und Futures auf Erdöl, Erdgas und Elektrizität in Europa.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Handelsblatt: Rothschild zieht sich aus Goldhandel zurück, vom 16. April 2004
  2. Bullionaer.de: Der Goldmarkt – wie und wann wird Gold gehandelt?
  3. London Bullion Market Association: The London Gold and Silver Fixings
  4. http://www.orf.at/#/stories/2214720/ Deutsche Bundesbank löst Goldlager in Paris auf, ORF.at vom 19. Jänner 2013
  5. London Bullion Market Association: Good Delivery Lists
  6. London Bullion Market Association: LBMA Referees