Louise Otto-Peters

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Louise Otto-Peters

Louise Otto-Peters (auch Luise Otto-Peters, Pseudonym Otto Stern; * 26. März 1819 in Meißen; † 13. März 1895 in Leipzig) wurde als jüngste der fünf Töchter des Gerichtsdirektors Fürchtegott Wilhelm Otto und seiner Ehefrau Charlotte, geb. Matthäi, in Meißen geboren. Als sozialkritische Schriftstellerin wurde sie zur Mitbegründerin der bürgerlichen deutschen Frauenbewegung.[1]

Leben[Bearbeiten]

Geburtshaus von Louise Otto-Peters in Meißen

Louise Otto wuchs im bürgerlich wohlhabenden Haushalt ihres Vaters auf, der nicht nur Gerichtsdirektor, sondern zeitweise auch Senator war. Nach mehreren familiären Todesfällen wurde Louise Otto mit 17 Jahren Vollwaise. Ihren Lebensunterhalt bestritt sie vor allem aus der Erbschaft und ihrer schriftstellerischen, später eher publizistischen Tätigkeit.

Als junge Frau hatte sie anlässlich eines Besuchs 1841 bei ihrer Schwester in Oederan die bedrückenden Lebensverhältnisse der Arbeiterfamilien in dem aufblühenden Industriestädtchen kennengelernt. 1842 erschien ihr erster Roman Ludwig der Kellner und 1846 ihr deutlich sozial-kritischer Roman Schloss und Fabrik, in dem sie die bittere Not der Industriearbeiter und deren Aufbegehren beschrieb. Das Erlebnis der blutigen Niederschlagung eines Aufstandes in Leipzig wurde zur Initialzündung, sich für die Rechte und für die Unterstützung der Arbeiter, aber auch ihrer Frauen einzusetzen.

In Zeitungen veröffentlichte sie Artikel, zunächst unter dem Pseudonym „Otto Stern“ oder „ein sächsisches Mädchen“. Als 1843 Robert Blum in den Sächsischen Vaterlandsblättern die Frage nach der politischen Stellung der Frau aufwarf [2], antwortete Louise Otto im gleichen Blatt: „Die Teilnahme der Frau an den Interessen des Staates ist nicht ein Recht, sondern eine Pflicht.“

„Führerinnen der Frauenbewegung“,
Illustration aus Die Gartenlaube, 1894
L. Otto-Peters ist in der oberen Reihe die erste von links.

Durch ihre Publikationen war Louise Otto so zu einer von der Öffentlichkeit, aber auch den Behörden beachteten Person geworden. Ihre 1847 erschienene Gedichtsammlung Lieder eines deutschen Mädchens trug ihr den Namen „Lerche des Völkerfrühlings“ ein, da ihre Verse von der Aufbruchstimmung des Vormärz getragen waren. Sie brachten ihr Anerkennung in demokratischen und Arbeiterkreisen.

Sowohl breite Zustimmung wie auch scharfen Widerspruch löste 1848 ihre Adresse an den hochverehrten Minister Oberländer in Dresden aus, in der Otto forderte: „Meine Herren! Im Namen der Moralität, im Namen des Vaterlandes, im Namen der Humanität fordere ich Sie auf: Vergessen Sie bei der Organisation der Arbeit die Frauen nicht![3] Dabei ging es um die Besetzung einer Kommission, die zu wirtschaftspolitischen Fragen in Sachsen Vorschläge insbesondere der Arbeitsorganisation erarbeiten sollte. Sie habe daher auch für die Organisation der Frauenarbeit zu sorgen, unter anderem deshalb, um Frauen nicht in die Prostitution zu treiben. Louise Ottos Forderung, für die zu besetzende Arbeiterkommission auch Frauen zu benennen, wurde damals nahezu als Skandal empfunden. Trotzdem bat man sie um Vorschläge in dieser Frage. Sie organisierte Versammlungen zur Aufklärung über die Lage der Arbeiterinnen, war Mitbegründerin eines Vaterlandsvereins und stand in regem Austausch mit den sich zunehmend organisierenden Arbeiterinnen und Arbeitern.

Während der Märzrevolution wurde sie 1849 Herausgeberin der von ihr begründeten Frauen-Zeitung unter dem Motto „Dem Reich der Freiheit werb ich Bürgerinnen!“.[4][5] Das verschärfte die Aufmerksamkeit der sächsischen Zensurbehörde. Es folgten Hausdurchsuchungen, Verhöre, Auflösung der von ihr mitbegründeten Dienstboten- und Arbeiterinnenvereine aufgrund des preußischen Vereinsgesetzes von 1851, Verbot der Frauen-Zeitung 1850 aufgrund eines eigens geänderten sächsischen Pressegesetzes (Lex Otto), das Frauen die Herausgabe von Zeitungen untersagte.[6] Sie wich mit der Redaktion nach Gera aus, bevor 1852 ein endgültiges Verbot durch ein ähnliches preußisches Gesetz erfolgte.

Mit dem Schriftsteller August Peters, der als Teilnehmer an den Revolutionskämpfen von 1848/49 sieben Jahre Kerkerhaft verbüßen musste, verlobte sie sich im Gefängnis. Nach dem Erlass seiner Reststrafe 1856 fand 1858 die Hochzeit statt, danach lebte das Ehepaar ab 1859 in Leipzig. Sie arbeitete in Bibliotheken Dresdens und Leipzigs, schrieb Artikel, Rezensionen und Romane und gab mit ihrem Mann bis zu dessen Tod 1864 die Mitteldeutsche Volkszeitung heraus, deren Feuilleton sie leitete. Neben anderem verfasste sie den Text der Oper Theodor Körner, die der Komponist Wendelin Weißheimer eigens zum 50. Jubiläum der Völkerschlacht bei Leipzig komponiert hatte.

1865 gründete Louise Otto-Peters zusammen mit Auguste Schmidt, Ottilie von Steyber und Henriette Goldschmidt den Leipziger Frauenbildungsverein und berief noch im gleichen Jahr die erste deutsche Frauenkonferenz nach Leipzig. Sie war auch Mitbegründerin des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (ADF), den sie während der folgenden drei Jahrzehnte als erste Vorsitzende leitete.[7] Sie arbeitete zudem in der Redaktion der Vereinszeitung Neue Bahnen mit. Die daraus sich entwickelnde gemäßigt feministische Zeitschrift Der Frauenanwalt sollte später von Elsbeth Krukenberg-Conze weitergeführt werden.

Von ihr gingen Anregungen aus, Arbeiterinnen nicht nur als Zielgruppe karitativen und pädagogischen Wirkens, sondern auch als Mitstreiterinnen für die Rechte der Frau anzusprechen. Der Allgemeine Deutsche Frauenverein betrieb unter anderem eine „Sonntagsschule“, eine Fortbildungsschule für Mädchen und eine Speiseanstalt und veranstaltete Unterhaltungsabende für Frauen.

Ehrungen[Bearbeiten]

In Leipzig erinnern ein Denkmal im Rosental, der Louise-Otto-Peters-Platz, die Louise-Otto-Peters-Allee und eine Gedenktafel in der Kreuzstraße für ihr Wohnhaus seit 1868, in Halle (Saale) und in Freiburg im Breisgau jeweils die Louise-Otto-Peters-Straße und in Hamburg-Bergedorf der Luise-Otto-Peters-Weg an sie. In Annaberg-Buchholz trägt ein Seniorenheim ihren Namen. Zudem wurden mehrere weiterführende Schulen nach ihr benannt, die Leipziger "Louise-Otto-Peters-Gesellschaft" pflegt mit bildungspolitischen Angeboten die Erinnerung an die Schriftstellerin.[8] Ihr Grabstein ist auf dem Leipziger Alten Johannisfriedhof erhalten.

Schriften[Bearbeiten]

Mein Lebensgang, Gedichte 1893

Literatur[Bearbeiten]

zum literarischen Werk
  • Hans Adler: Soziale Romane im Vormärz. Fink, München 1980
  • Christine Otto: Variationen des „poetischen Tendenzromans“. Das Erzählwerk von Louise Otto-Peters. Centaurus, Pfaffenweiler 1995 ISBN 3-89085-900-3
  • Wendelin Weißheimer: Erlebnisse mit Richard Wagner, Franz Liszt und vielen anderen Zeitgenossen. Stuttgart/Leipzig 1898
zur Rolle in der Frauenbewegung
  • Ruth-Ellen Boetcher Joeres: Die Anfänge der deutschen Frauenbewegung: Louise Otto-Peters. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 1983 ISBN 3-596-23729-7
  • Carol Diethe: The life and work of Germany's founding feminist Louise Otto-Peters (1819 - 1895). Edwin Mellen Press, Lewiston/Queenston/Lampeter 2002 ISBN 0-7734-7048-4
  • Irene Duchrow; Dietrich Nummert: Dem Reich der Freiheit werb' ich Bürgerinnen. Louise Otto-Peters, Begründerin der deutschen Frauenbewegung. (Manuskript). Rundfunkvortrag im Deutschlandsender Kultur am 11. Mai 1991
  • Ute Gerhard; Elisabeth Hannover-Drück; Romina Schmitter (Hrsg.): „Dem Reich der Freiheit werb' ich Bürgerinnen“. Die Frauen-Zeitung von Louise Otto. Frankfurt 1979
  • Cordula Koepcke: Louise Otto-Peters. Die rote Demokratin. Freiburg 1981
  • Ilse Nagelschmidt; Johanna Ludwig (Hrsg.): Louise Otto-Peters. Politische Denkerin und Wegbereiterin der deutschen Frauenbewegung. Sächsische Landeszentrale für Politische Bildung, Dresden 1996
  • Christine Susanne Rabe: Gleichwertigkeit von Mann und Frau: die Krause-Schule und die bürgerliche Frauenbewegung im 19. Jahrhundert. Böhlau Verlag 2006. Dissertation.[9]
Biografie
Ehrungen und Nachwirkung

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Louise Otto-Peters – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Louise Otto-Peters – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ursula Birsl, Gisela Notz, Inge Wettig-Danielmeier; Christl Wickert: 90 Jahre Frauenwahlrecht! vorwärts buch, Berlin 2008
  2. Robert Blum: „Haben die Frauen das Recht, an den Interessen des Staates teilzunehmen?“
  3. L. Otto-Peters: Das Recht der Frauen auf Erwerb. Leipzig 1997, S. 118 [Hervorhebung im Original]
  4. Programm der Frauen-Zeitung FrauenMediaTurm
  5. Frontispiz der ersten Ausgabe der Frauen-Zeitung
  6. Claudia von Zglinicki: Für sie wurde die Lex Otto erfunden Der Freitag, 23. April 1999
  7. André Böttger: Frauenwahlrecht in Deutschland - ein Rückblick. In: von heute an für alle! Hundert Jahre Frauenwahlrecht. hgr. von Marjaliisa Hentilä; Alexander Schug, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2006, S. 62ff.
  8. Vgl. Susanne Schötz: 20 Jahre Louise-Otto-Peters-Gesellschaft in Leipzig, in: Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft III/2013.
  9. Inhaltsverzeichnis, Leseprobe