Muhen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Muhen
Wappen von Muhen
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Aarauw
BFS-Nr.: 4009i1f3f4
Postleitzahl: 5037
UN/LOCODE: CH MUH
Koordinaten: 646420 / 24267847.3333298.052787433Koordinaten: 47° 20′ 0″ N, 8° 3′ 10″ O; CH1903: 646420 / 242678
Höhe: 433 m ü. M.
Fläche: 7.03 km²
Einwohner: 3743 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 532 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 13,0 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.muhen.ch
Muhen

Muhen

Karte
Hallwilersee Kanton Basel-Landschaft Kanton Solothurn Bezirk Bremgarten Bezirk Brugg Bezirk Kulm Bezirk Laufenburg Bezirk Lenzburg Bezirk Rheinfelden Bezirk Zofingen Aarau Biberstein Buchs AG Densbüren Erlinsbach AG Gränichen Hirschthal AG Küttigen Muhen Oberentfelden Suhr AG UnterentfeldenKarte von Muhen
Über dieses Bild
w

Muhen (schweizerdeutsch: muə; Einwohner und Adjektiv: Müheler, schweizerdeutsch ˈmyələr)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Aarau im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt am Ostrand des unteren Suhrentals.

Geographie[Bearbeiten]

Muhen liegt etwa sechs Kilometer südlich des Kantonshauptorts Aarau, am Nordwesthang des Höhenrückens zwischen dem Suhren- und dem Wynental. Die Gemeinde Muhen besteht (von Nord nach Süd) aus den drei Ortsteilen Untermuhen, Mittelmuhen und Obermuhen, die einst getrennt waren, in den letzten Jahrzehnten aber zusammengewachsen sind. Jeder Ortsteil liegt auf einem Schuttkegel am Ausgang tief eingeschnittener Täler, die von den Hügelspornen Egg, Schafrain, Lotten und Gibel gebildet werden. Die Suhre durchfliesst das Dorf von Süden nach Norden.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 703 Hektaren, davon sind 290 Hektaren mit Wald bedeckt und 120 Hektaren überbaut. Der tiefste Punkt liegt auf 425 Metern an der nordwestlichen Gemeindegrenze, der höchste auf 635 Metern am Wannenköpfli.

Nachbargemeinden sind Oberentfelden im Norden, Gränichen im Nordosten, Teufenthal im Osten, Hirschthal im Süden, Holziken im Südwesten und Kölliken im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Reformierte Kirche

1962 kamen beim Bau des Hauptstranges der Kanalisation römische Ziegel zum Vorschein, ein Jahr später im Hardfeld solche mit Ziegelstempeln der in Vindonissa stationierten Legio XXI Rapax. Die erste urkundliche Erwähnung von Mucheim erfolgte im Jahr 1045, als König Heinrich III., der an diesem Tag in Solothurn weilte, die Besitzungen des Stiftes Beromünster bestätigte. Das Stift besass damals in Muhen eine Taverne. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen «Muochinheim» und bedeutet «Wohnort des Muocho»[3], hat also nichts mit muhenden Kühen zu tun.

Im Mittelalter lag das Dorf im Herrschaftsbereich der Grafen von Lenzburg, ab 1173 in jenem der Grafen von Kyburg. Nachdem diese ausgestorben waren, wurden die Habsburger im Jahr 1264 die neuen Landesherren. Um 1350 entstand das Muhenamt, ein gesonderter Gerichtsbezirk, der Muhen, Attelwil, Bottenwil, Holziken, Kölliken, Staffelbach, Wiliberg und Wittwil umfasste.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau; Muhen gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau. Im 15. Jahrhundert wurde der Sitz des Gerichts nach Kölliken verlegt. Muhen besass bis zum 20. Jahrhundert keine eigene Kirche; die Bewohner besuchten teils in Suhr, teils in Schöftland den Gottesdienst. 1528 führten die Berner die Reformation ein. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Seither gehört Muhen zum Kanton Aargau.

Noch während des 19. Jahrhunderts war Muhen von der Landwirtschaft geprägt. Am 19. November 1901 nahm die Suhrentalbahn, die Muhen mit der weiten Welt verband, ihren Betrieb auf. Nach 1950 wuchsen die einzelnen Ortsteile zusammen und Muhen entwickelte sich zu einer Vorortsgemeinde von Aarau. Die Landwirtschaft verlor ihre einstige Bedeutung und machte der Industrie und dem Dienstleistungssektor Platz.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In Untermuhen steht eines der letzten Bauernhäuser des westlichen Aargaus, dessen Dach mit Stroh gedeckt ist. Zwar ist das genaue Baujahr des Strohdachhauses nicht überliefert, doch scheint es Mitte des 17. Jahrhunderts errichtet worden zu sein und war bis 1954 bewohnt. 1961 wurde es von der Aargauischen Vereinigung für Heimatschutz erworben, brannte jedoch infolge Brandstiftung im selben Jahr zu einem grossen Teil ab. 1962/63 erfolgte der originalgetreue Wiederaufbau. 1983 kaufte es die Einwohnergemeinde Muhen und richtete dort das Dorfmuseum ein.[5]

Die vom Architekten Hans Hauri erbaute Reformierte Kirche Muhen besteht seit 1961.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau über drei weissen Wellen dreibogige, schwarz gefugte weisse Brücke, überhöht von zwei fünfstrahligen gelben Sternen.» Die älteste Darstellung stammt aus dem Jahr 1683 auf einem Kirchenfenster in Schöftland, eine einbogige Brücke mit fünf sechsstrahligen Sternen. Von 1827 bis 1949 war auf dem Wappen eine dreibogige Brücke mit je einem Baum an den Brückenenden abgebildet.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1764 1803 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 615 846 1288 1213 1732 2046 2314 2462 2471 2663 3083 3590

Am 31. Dezember 2013 lebten 3743 Menschen in Muhen, der Ausländeranteil betrug 13 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 64,6 % reformiert, 20,2 % römisch-katholisch und 1,8 % moslemisch; 1,2 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 93,5 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 3,1 % Italienisch, je 0,7 % Albanisch und Französisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Gemeindehaus Muhen

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Aarau zuständig. Muhen gehört zum Friedensrichterkreis Entfelden.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Muhen gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 1000 Arbeitsplätze, davon 7 % in der Landwirtschaft, 30 % in der Industrie und 63 % im Dienstleistungsbereich.[10] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in Aarau und weiteren Gemeinden der Agglomeration. Die Stiftung Wendepunkt hat ihren Hauptsitz in Muhen.

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Muhen
Geburtshaus von Bernhard Matter

Muhen profitiert von einer ausgezeichneten Verkehrsanbindung. Westlich des Dorfes verläuft die Hauptstrasse 24, die gleichzeitig als Umfahrungsstrasse und als Zubringer zum Anschluss Aarau-West der Autobahn A1 dient. Die Wynental- und Suhrentalbahn (heute AAR bus+bahn) fährt alle 15 bis 30 Minuten nach Aarau und nach Schöftland. Auf dem Gemeindegebiet gibt es vier Haltestellen: Muhen Nord, Muhen, Mittelmuhen und Obermuhen.

Bildung[Bearbeiten]

In Muhen können Schulkinder den Kindergarten, die Primarschule, die Realschule und (teilweise) die Sekundarschule besuchen. Die Bezirksschule sowie ein Teil der Sekundarschule befinden sich im benachbarten Kölliken. Die nächste Kantonsschule (Gymnasium) ist in Aarau.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 281–282.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1089, Swisstopo
  5.  Michael Stettler, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmaeler des Kantons Aargau. Band I: Die Bezirke Aarau, Kulm, Zofingen, Birkhäuser Verlag, Basel 1948.
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 219.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.