Unterentfelden

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Unterentfelden
Wappen von Unterentfelden
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Aarauw
BFS-Nr.: 4013i1f3f4
Postleitzahl: 5035
Koordinaten: 645549 / 24668647.3694388.041671417Koordinaten: 47° 22′ 10″ N, 8° 2′ 30″ O; CH1903: 645549 / 246686
Höhe: 417 m ü. M.
Fläche: 2.87 km²
Einwohner: 4067 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 1417 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 24,0 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.unterentfelden.ch
Gemeindehaus

Gemeindehaus

Karte
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Unterentfelden (schweizerdeutsch: ˈʊndərˌæmpfæʊd)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Aarau im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im unteren Suhrental und grenzt an den Kanton Solothurn.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt nordwestlich der Mündung der Uerke in die Suhre, am Rande einer ausgedehnten flachen Ebene. Beide Gewässer waren vollständig begradigt, wurden aber wieder renaturisiert. Die Ebene wird durch sanft ansteigende, bewaldete Hügel begrenzt: Im Westen durch den Ischlag (470 m ü. M.), im Norden durch den Distelberg (495 m ü. M.) und im Nordosten durch den Gönert (468 m ü. M.). Die beiden Gewässer waren auf dem Gemeindegebiet vollständig begradigt. Die überbaute Fläche ist lückenlos mit derjenigen der Nachbargemeinde Oberentfelden zusammengewachsen.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 287 Hektaren, davon sind 86 Hektaren bewaldet und 123 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 495 Metern auf dem Distelberg, der tiefste auf 406 Metern an der Suhre.

Nachbargemeinden sind Aarau im Norden, Suhr im Osten, Oberentfelden im Süden sowie die solothurnischen Gemeinden Schönenwerd und Eppenberg-Wöschnau im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 965 schenkte der deutsche Kaiser Otto der Grosse den Hof Endiveld dem Kloster Disentis. Der aus dem althochdeutschen stammende Ortsname bedeutet «Ende des Feldes».[3] Der untere Teil des Hofes gehörte ab 1045 dem Stift Beromünster, der schliesslich nach mehreren Besitzerwechseln an die Grafen von Habsburg-Laufenburg fiel. Mindestens seit 1306 übte die Hauptlinie der Habsburger die hohe Gerichtsbarkeit aus. 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau; Unterentfelden lag nun im Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau. 1528 führten die Berner die Reformation ein.

Die Beziehungen zur Nachbarstadt Aarau waren sehr eng, aber auch mit Problemen verbunden. Bereits 1312 war die niedere Gerichtsbarkeit an den Aarauer Bürger Ulrich Trutmann übergegangen, 1411 an die Stadt selbst. Häufige Streitereien über die Bodennutzung veranlassten die Aarauer, die niedere Gerichtsbarkeit im Jahr 1576 an Bern abzutreten, im Austausch gegen einen Anteil an den Zolleinnahmen in Biberstein. Mit der Zeit erwarben die Stadt und zahlreiche Stadtbürger immer mehr Grundstücke auf dem Distelberg und auf dem Gönert, die erst 1793 nach einer Grenzbereinigung wieder in den Besitz der Bewohner Unterentfeldens gelangten. Der Steckhof Roggenhausen, seit 1527 zur Stadt gehörend, war allerdings nicht Bestandteil dieser Vereinbarung.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Unterentfelden wurde eine eigenständige Gemeinde im neuen Kanton Aargau. Das Dorf war damals hauptsächlich von Taunern bewohnt, die neben der Landwirtschaft auf zusätzliche Einkünfte angewiesen waren. Diese boten sich vor allem in der Heimarbeit für die Aarauer Textilindustrie.

Die Suhrentalbahn nahm am 19. November 1901 ihren Betrieb auf. Der Bau eines neuen Schulhauses führte 1911 fast zum Bankrott der Gemeinde, die daraufhin eine Fusion mit Aarau anstrebte. Diese kam allerdings nicht zustande, weil die Stadt Steuererhöhungen befürchtete. Nach 1950 entwickelte sich Unterentfelden immer mehr zu einer Wohngemeinde. Aufgrund der flächendeckenden Überbauung des Distelberg-Südhangs stieg die Bevölkerungszahl innerhalb von zwanzig Jahren um fast das Dreifache. Seit 1970 ist sie allerdings stagnierend, da die Baulandreserven fast vollständig erschlossen sind.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Gelb auf grünem Dreiberg stehende braune Ente, im Schildhaupt begleitet von drei balkenweise gestellten sechsstrahligen roten Sternen.» Das Wappen erschien erstmals 1828 auf einem Siegel. Es beruht auf einer Fehlinterpretation des Ortsnamens im Sinne von «Entenfeld», was die Sprachforschung mittlerweile widerlegt hat. Ausserdem ist die Farbe der Ente nicht korrekt, da Braun in der Heraldik unzulässig ist.[5]

Es gab mehrere erfolglose Anläufe, diesen Zustand zu korrigieren. 1948 schlug die kantonale Wappenkommission vor, die «falsche» Ente durch ein etymologisch begründbares Emblem zu ersetzen. Beim nächsten Änderungsvorschlag 1964 zeigte sich die Kommission kompromissbereiter: Dem Gemeindewappen wurde die Ente zugestanden, jedoch sollte sie nun weiss sein und auf einem blauen Gewässer schwimmend in grünem Hintergrund eingebettet sein. Die Gemeinde lehnte auch diesen Vorschlag ab. Um anlässlich des 200. Jahrestages der Kantonsgründung eine heraldisch korrekte Wappensammlung veröffentlichen zu können, kam vom Kanton im Jahr 2002 nunmehr der Vorschlag, es solle lediglich die Farbe der Ente von Braun ins heraldisch korrekte Rot geändert werden. Die Gemeindeversammlung konnte sich zwar knapp mit einer roten Ente anfreunden, nicht aber die Bevölkerung. Es wurde umgehend das Referendum ergriffen. Somit durften die Unterentfelder am 18. Mai 2003 über die Wappenfrage ihrer Gemeinde abstimmen. Mehr als zwei Drittel der Abstimmenden stimmten gegen die rote Ente.[6]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Dorfmuseum ist im Staufferhaus beherbergt. Ausgestellt wird die Sammlung «Alt Unterentfelden», welche diverse Gegenstände aus der Geschichte der Gemeinde umfasst.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1764 1803 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 273 405 699 726 912 1182 1981 3259 3190 3436 3195 3913

Am 31. Dezember 2013 lebten 4067 Menschen in Unterentfelden, der Ausländeranteil betrug 24 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 51,6 % reformiert. 29,3 % römisch-katholisch, 4,8 % moslemisch und 1,3 % christlich-orthodox; 0,5 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 88,2 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 4,0 % Italienisch, 1,9 % Serbokroatisch, 1,6 % Albanisch und 1,1 % Französisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Aarau zuständig. Unterentfelden bildet zusammen mit Oberentfelden, Hirschthal und Muhen den Friedensrichterkreis Entfelden.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Unterentfelden gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 1900 Arbeitsplätze, davon 1 % in der Landwirtschaft, 36 % in der Industrie und 63 % im Dienstleistungsbereich.[10] Es gibt einige mittelgrosse Industrieunternehmen, darunter ein Stanzwerk, eine Möbelfabrik, ein Metallverarbeitungsbetrieb, die CARDAG (Unternehmen der Trüb AG) und die Firma Leica (Hersteller von Geosystemen). In der Gemeinde existiert nur noch ein einziger landwirtschaftlicher Betrieb. Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in Aarau und weiteren Gemeinden der Agglomeration.

Verkehr[Bearbeiten]

Unterentfelden liegt an der Hauptstrasse 24 zwischen Aarau und Sursee. Sie verläuft östlich des Dorfes als Umfahrungsstrasse und dient auch als Zubringer zum Anschluss Aarau-West der Autobahn A1, der sich drei Kilometer weiter südlich befindet. Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr erfolgt durch die schmalspurige Suhrentalbahn zwischen Aarau und Schöftland, die direkt neben der Hauptstrasse verläuft; auf Gemeindegebiet befinden sich die Haltestellen Distelberg, Post und Oberdorf.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über drei Kindergärten und zwei Schulhäuser, in denen die Primarschule und die Realschule unterrichtet werden. Die Sekundarschule und die Bezirksschule können im benachbarten Oberentfelden besucht werden. Seit 1876 ist Unterentfelden Standortgemeinde der Schweizerischen Schule für Schwerhörige Landenhof, in der hörbehinderte Kinder sämtliche Schulstufen der obligatorischen Schule absolvieren können. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau. Zudem hat die Schweizerische Bauschule ihren Standort in Unterentfelden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 437–439.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1089, Swisstopo
  5.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 300.
  6. Aargauer Zeitung: Mehrheit für heraldisch verpönte Farbe. 8. Januar 2010.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.