Sursee

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Sursee
Wappen von Sursee
Staat: Schweiz
Kanton: Luzern (LU)
Wahlkreis: Sursee
BFS-Nr.: 1103i1f3f4
Postleitzahl: 6210
UN/LOCODE: CH SUR
Koordinaten: 650769 / 22504847.174448.108333504Koordinaten: 47° 10′ 28″ N, 8° 6′ 30″ O; CH1903: 650769 / 225048
Höhe: 504 m ü. M.
Fläche: 6,06 km²
Einwohner: 9160 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 1512 Einw. pro km²
Website: www.sursee.ch
Karte
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Sursee (schweizerdeutsch Soorsi) ist eine politische Gemeinde mit altem Stadtrecht und Hauptort im gleichnamigen Wahlkreis Sursee des Kantons Luzern in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten]

Die Stadt Sursee liegt an einem geografischen Knotenpunkt am nordwestlichen Ende des Sempachersees. Der Ortsname Sursee setzt sich aus den Begriffen Sure und See zusammen. Die Sure (im Aargau Suhre) fliesst in einem gekrümmten Lauf durch das Städtchen und fliesst dann gegen Norden durch den Surseerwald ab. Im Sempachersee liegt eine auf Gemeindegebiet gelegene, kleine naturgeschützte Insel (Gamma Insel). Sursee besitzt eine Quaianlage am Triechter genannten Seebecken mit Blick auf die Alpen. Das restliche Seeufer ist geschützt und trägt den Namen Zellmoos. Das Gemeindegebiet liegt zwischen dem Viereck Sempachersee, Autobahn A2, Surseerwald (im Nordwesten) und der Bahnlinie Luzern–Olten. Die Gebiete Allmend nördlich der A2 und einige Strassen westlich der Bahnlinie bilden die Ausnahme.

Knapp ein Fünftel ist von Wald bedeckt (Surseerwald) und rund ein Drittel (30,8 %) wird landwirtschaftlich genutzt. Beinahe die Hälfte des Gemeindegebietes ist Siedlungsfläche (46,7 %). Die Stadt ist aufgeteilt in die Quartiere Altstadt, Eisenbahn Vorstadt, Mariazell und Neufeld.[2]

Sursee grenzt an Geuensee, Knutwil, Mauensee, Oberkirch und Schenkon. Mit den Gemeinden Oberkirch, Schenkon und Mauensee bildet Sursee einen zusammenhängenden Siedlungsraum mit rund 15'000 Einwohnern.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte und alemannische Zeit[Bearbeiten]

Bereits zur Jungstein- und Bronzezeit waren die Seeufer am Sempachersee mit kleinen Dörfern besiedelt. In der römischen Epoche befand sich westlich der Altstadt ein Vicus, eine römische Kleinstadt mit Markt- und Verwaltungsfunktionen.[3] Im 8. Jahrhundert wurde auf dem höchsten Punkt des Moränenhügels an der Sure eine erste, hölzerne Kirche für eine kleine Dorfgemeinschaft errichtet. Als sich mit der Zeit das Dorf vergrösserte, wurden um 800 und etwa ums Jahr 1000 steinerne Kirchen erbaut. Nordöstlich der Stadt wurde im mit Seekreide durchsetzten Zellmoos ein alemannisches Gräberfeld und Überreste einer frühmittelalterlichen Kirche ausgegraben.

Mittelalterliche Kleinstadt[Bearbeiten]

Erstmals historische erwähnt wird Sursee als Surse, als der Lehnherr Ulrich I. von Lenzburg dem Chorherrenstift Beromünster die obere Kirche mitsamt einem zugehörigen Hof schenkt.

Auf der Grundlage der älteren, dörflichen Siedlung entwickelte sich um Mitte des 13. Jahrhunderts die Kleinstadt Sursee. Durch die Grafen von Kyburg als Nachfolger der Lenzburger wurde sie mit ersten städtischen Rechten ausgestattet, die nach dem Aussterben der Kyburger 1264 im Stadtrechtsbrief von 1299 als bereits bestehende Rechte – wie z. B. das Marktrecht – von den Herzögen von Österreich garantiert und durch weitere Freiheiten ergänzt wurden. Im Laufe des 14. Jahrhunderts erweiterten die Herzöge von Österreich diese städtischen Privilegien mit Handels- und Zollrechten. Auch nach der Eroberung durch die Luzerner im Jahre 1415 wusste Sursee seine städtischen Rechte und Freiheiten im luzernischen Untertanenland zu wahren. Die Stadt Sursee entwickelte sich im Spätmittelalter zu einem Gemeinwesen, das seine Bedeutung als Etappen- und Marktort an der alten Gotthardroute, als Verwaltungsort für wichtige Klöster wie durch regsames Handwerk und Gewerbe zum Ausdruck brachte. Die historische Altstadt von Sursee vermittelt noch immer das Bild dieser spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Entwicklung.

Die neuere Zeit[Bearbeiten]

Das 19. Jahrhundert war auch in Sursee eine Zeit vielfältiger Umbrüche in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Einheimische Zeitungen entstanden, in Handwerk und Gewerbe versuchte man innovative Neuerungen und nebst vielen kurzlebigen Versuchen entwickelte sich die 1871 gegründete Ofenfabrik Sursee (später AG Ofenfabrik und Therma-Werke) zum grössten Industrieunternehmen, das in seiner Blütezeit um 350 Arbeiter beschäftigte. In jenen Jahrzehnten wurde aus der alten Stadt eine moderne Gemeinde, die sich 1831 in eine Einwohner- und Bürgergemeinde (seit 2000 vereinigt) sowie die Korporationsgemeinde aufteilte.

Ein modernes Zentrum[Bearbeiten]

Als Hauptort des Amtes Sursee beherbergt die Stadt noch heute das Amtsgericht, das Regierungsstatthalteramt sowie das Grundbuchamt. Für Kirche und Seelsorge zuständig sind die römisch-katholische Kirchgemeinde und Pfarrei sowie die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde mit einem grossen Sprengel im ganzen Amt.

In den letzten hundert Jahren ist in Sursee ein bedeutender Komplex von Schulen und weiteren Bildungsinstitutionen entstanden. Er umfasst das Oberstufenzentrum, das Berufsschulzentrum mit kaufmännischer und gewerblicher Berufsschule, die Kantonsschule als Maturitäts- und Diplommittelschule sowie das Bildungs- und Beratungszentrum für Milchwirtschaft, Haus- und Landwirtschaft, welches an die Stelle der ehemaligen Landwirtschaftsschule getreten ist. Sonderschulen für schwächere und behinderte Kinder und Jugendliche ergänzen das Angebot. 1940 wurde in Sursee das erste moderne Spital eröffnet, das in den Jahren 1971/72 kantonalisiert und gleichzeitig erweitert wurde. In den letzten Jahren hat man zudem die Verwaltung der Spitäler Wolhusen und Sursee vereinigt. Die Pflege von Betagten wird durch das regionale Pflegeheim und das Betagtenzentrum St. Martin sichergestellt. Mit rund 10000 Arbeitsplätzen ist Sursee das Dienstleistungszentrum der Region.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1798 950
1850 1'627
1900 2'592
1950 4'265
1960 5'324
1970 7'052
1980 7'645
1990 8'143
2000 8'059
2004 8'082
2006 8'403
2007 8'573
2008 8'679
2010 8'941
2011 8'998

Die Bevölkerung wuchs von 1798 bis 1990, besonders stark war das Wachstum zwischen 1950 und 1970 .

Sprachen[Bearbeiten]

Die Bevölkerung benutzt als Alltagssprache eine hochalemannische Mundart. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 86,87 % Deutsch, 2,83 % Albanisch und 2,83 % Serbokroatisch als Hauptsprache an.

Religionen, Konfessionen[Bearbeiten]

Früher war die gesamte Einwohnerschaft Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Heute (Stand 2000) sind 74,50 % römisch-katholische, 9,82 % evangelisch-reformierte und 3,04 % orthodoxe Christen. Daneben findet man 4,73 % Muslime, 3,71 % Konfessionslose und 1,10 % Angehörige anderer nichtchristlicher Bekenntnisse. Die Orthodoxen sind fast ausschliesslich Slawen aus den Republiken des früheren Jugoslawiens. Die Muslime sind albanischer, bosniakischer, türkischer und kurdischer Herkunft. Die Angehörigen anderer nichtchristlicher Bekenntnisse sind fast ausnahmslos Hindus tamilischer Herkunft.

Herkunft – Nationalität[Bearbeiten]

Von den Ende 2011 8'998 Einwohnern waren 7'590 Schweizer und 1'408 (= 15,6 %) Ausländer. Bei der letzten Volkszählung waren 76,67 % (einschliesslich Doppelbürger 80,58 %) Schweizer Staatsangehörige. Die größten Einwanderergruppen kommen aus Serbien-Montenegro (sowohl Albaner wie Slawen), Italien, Portugal, Sri Lanka, Deutschland und Kroatien.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Surseer Bahnhof ist Fernverkehrshalt der Bahnlinie Luzern–Zofingen–Olten und Startbahnhof der Sursee-Triengen-Bahn. Ausserdem ist Sursee Ausgangspunkt diverser Buslinien ins Umland. Diese sind Sursee–Triengen–Schöftland, Sursee–Buchs LU–Uffikon, Sursee–Schenkon–Beromünster, Sursee–Schlierbach–Etzelwil, Sursee–Ettiswil–Willisau, Sursee–Butisholz–Wolhusen Spital und Sursee–Eich–Sempach Station.

Sursee liegt an der alten Baslerstrasse Luzern–Zofingen(–Basel). Weitere wichtige Strassenverbindungen sind Sursee–Willisau, Sursee–Schöftland, Sursee–Sempach, Sursee–Neuenkirch und Sursee–Beromünster. Das Städtchen hat einen eigenen Autobahnanschluss an der A2.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sursee hat eine historische Altstadt mit berühmtem spätgotischem Rathaus und liegt am Sempachersee. Im St. Urbanhof rastete Herzog Leopold III. von Österreich am Vorabend der Schlacht bei Sempach, bei der die Eidgenossen das österreichische Heer 1386 vernichtend geschlagen haben. Das stattliche Gebäude beherbergt heute das Stadtmuseum. Vor den Toren der Stadt befindet sich seit 1960 das Museum der Schweizer Kapuziner. Das Kloster wurde 1998 aufgehoben, von der römisch-katholischen Kirchgemeinde gekauft und restauriert resp. umgebaut.[4] Auf der Stirnmoräne über dem Triechter befindet sich die als Wallfahrtsort bekannte Kapelle Mariazell, ein frühbarocker Sakralbau.

Sport[Bearbeiten]

Der FC Sursee hat sein Heimstadion in Sursee und spielt seit der Saison 2013/14 in der 1. Liga classic. Der Handballverein BSV RW Sursee ist ebenfalls ein Sportverein mit grosser Tradition in der Region Sursee und spielt in der 2. Liga. Daneben bietet Sursee ein breites Sportangebot u.a. mit Unihockey, Volleyball, Basketball, Eishockey und Badminton.

Kultur – Brauchtum[Bearbeiten]

Am 11. November, dem Martinstag, wird in Sursee nachmittags um 15.00 Uhr der traditionelle Gansabhauet durchgeführt, ein Überbleibsel eines im Ancien Régime weit verbreiteten, bäuerlichen Spiels um Gänse, Hühner oder anderes Federvieh. Vielleicht steht in Sursee dieser traditionelle Brauch in Zusammenhang mit den Zehntabgaben der Bauern an die Amtshöfe der Klöster Einsiedeln, Muri und St. Urban. Belegen kann man das aber nicht. Bei diesem Volksfest wird eine tote Gans an einem Draht über einer Bühne vor dem Rathaus aufgehängt. Burschen oder junge Frauen versuchen mit verbundenen Augen, bekleidet mit einem roten Mantel und der geschnitzten, vergoldeten Sonnenmaske, der Gans in einem Säbelhieb den Kopf vom Rumpf zu trennen. Zwischen den einzelnen Schlägern findet das Stangenklettern sowie das Sackhüpfen und das Chäszänne (Grimassen schneiden) für die Kinder statt. Um 18.30 wird als weiteres Brauchtumselement ein Lichterumzug durch die dunkle Altstadt durchgeführt.

Sonstiges[Bearbeiten]

Für besondere Verdienste um den Ortsbildschutz erhielt Sursee vom Schweizer Heimatschutz im Jahre 2003 den Wakkerpreis.

Partnerstädte[Bearbeiten]

  • Seit 1987 ist die durch den ausgewanderten Surseer Arzt Kaspar Köpfli (1774–1854) gegründete Stadt Highland (Illinois) Partnerstadt von Sursee.
  • Einen vorwiegend kulturellen Austausch pflegt Sursee mit der unterwalliser Stadt Martigny. Diese Partnerschaft wurde Ende der 90er Jahre unter anderem von Pascal Couchepin in die Wege geleitet und kam im Herbst 1999 offiziell zustande. In Sursee weist der 2003 vor dem Stadthof eingeweihte Martigny-Platz 47.17258.1066666666667 auf diese Verbundenheit hin.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Bossardt: Vademecum durch das historische Städtchen Sursee. 3. Auflage. Küng, Sursee 1977
  • Adolf Reinle: Die Kunstdenkmäler des Kantons Luzern. Band 4. Das Amt Sursee. Birkhäuser, Basel 1956
  • Andrea Willimann: Sursee. Die zwei Kapitale der Kantons Luzern. Zur politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Geschichte der Luzerner Landstadt in den Jahren 1798 bis 1871 . (= Luzerner Historische Veröffentlichungen; Band 41). Schwabe, Basel 2006, ISBN 3-7965-2156-8
  • Emanuel Amrein/Thomas Stillhart: «Die Eisenbahnvorstadt in Sursee». Verlag Surseer Schriften (Stadtarchiv) Sursee 2006, ISBN 3-9520856-4-2
  • Judith Schütz: Sursee, Kanton Luzern. (Schweizerischer Kunstführer GSK Nr. 898-899). Bern 2011, ISBN 978-3-03797-026-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sursee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. http://www.vereine-sursee.ch/
  3. Hermann Fetz, Christine Meyer-Freuler, Jasmin Gerig: Der Vicus Sursee. Eine römische Kleinstadt zwischen Mittelland und Alpen, Verlag Surseer Schriften, 2003.
  4. Kloster Sursee. Katholische Kirchgemeinde Sursee, abgerufen am 29. Dezember 2011 (pdf; 8,0 MB).