Ner-a-Car

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Ner-a-Car von 1924
Radnabenlenkung der Ner-a-Car
Motor und Getriebe
Anzeige von Juli 1922 in Popular Mechanics

Das Ner-a-Car war ein US-amerikanisches Motorrad des Herstellers „Neracar Corporation of Syracuse“, das von 1921 bis 1926 zum Kauf angeboten wurde. Es war das erste Motorrad mit einer Radnabenlenkung als Vorderradführung.[1] Der Name Ner-a-Car leitet sich von dessen Konstrukteur Carl A. Neracher ab, der sich vorgenommen hatte, ein „Beinahe-Auto“ zu bauen.[2][Anm. 1]

Anfänge[Bearbeiten]

Carl A. Neracher (1882–1969), der als Ingenieur bei Overland beschäftigt war, hatte bereits 1919 ein Patent auf das „autoähnliche Fahrzeug“ erworben.[3] Finanzielle Unterstützung für sein Projekt erhielt Neracher von King Camp Gillette. 1921 lief die Produktion in Stückzahlen von bis zu 150 pro Tag im Werk in Syracuse an. Das Ner-a-Car wurde zugleich in England von Sheffield Simplex Motor Works in Lizenz gefertigt; dort jedoch mit einem Motor mit größerem Hubraum.[2]

Technik[Bearbeiten]

Der Rahmen des Motorrads bestand aus zwei Stahlblech-Teilen, in die der Motor und das Reibradgetriebe eingehängt wurde. Ein breiter Kotflügel am Vorderrad schützte den Fahrer vor Schmutz. Durch den freien Durchstieg konnten Frauen in normaler Straßenkleidung das Motorrad fahren.[4][5] Gelenkt wurde mit einer Deichsel, die durch die Nabe des Vorderrades geführt wurde und über eine Zugstange mit dem Lenker verbunden war.[2] Die Radnabenlenkung hatte nur einen geringen Lenkeinschlag.[4] Das ungefederte Hinterrad wurde über ein Reibradgetriebe und eine Kette angetrieben. Die fünf Gänge des an sich stufenlosen Getriebes ergaben sich durch festgelegte Positionen der Reibscheibe. Der Motor, ein Zweitakt-Einzylinder mit 221 cm³ Hubraum, leistete 2,5 PS (1,8 kW) (Modell A). Das englische Modell des Lizenznehmers Sheffield Simplex Motor Works hatte einen auf 285 cm³ Hubraum vergrößerten Motor (Modell B), in einer späteren Version (Modell C, ab Baujahr 1924) einen Viertaktmotor von Blackburne mit einem Dreigang-Getriebe von Sturmey-Archer.[Anm. 2] Die Höchstgeschwindigkeit des als reines Gebrauchsfahrzeug ausgelegten Motorrads betrug 35 mph (56 km/h).[6] Erwin G. Baker („Cannonball“ Baker) durchquerte 1922 mit einer Ner-a-Car die USA von New York nach Los Angeles in 27 Tagen. Seine Durchschnittsgeschwindigkeit betrug dabei 31 km/h bei einem Verbrauch von 3,2 Liter auf 100 km.[2]

Der Preis des 75 kg leichten Motorrads betrug 225 US-Dollar, die englische Version kostete 85 Pfund. 1926 schlossen die Werke in den USA und England aufgrund der mangelnden Nachfrage.[7]

10.000 Ner-a-Car sollen in den USA und 6.500 in England produziert worden sein; heute sollen noch etwa 100 Fahrzeuge existieren.[8]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ner-a-Car – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Es besteht auch eine Doppeldeutigkeit zum Namen des Konstrukteurs.
  2. Dieses Modell soll bei einem Leergewicht von 113 kg eine Höchstgeschwindigkeit von 88 km/h erreicht haben.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Roger Hicks: Die internationale Enzyklopädie Motorräder. Motorbuch Verlag Stuttgart, 1. Auflage 2006, ISBN 978-3-613-02660-5, S. 375
  2. a b c d Christian Rey und Harry Louis: Berühmte Motorräder. Wilhelm Heyne Verlag München, 1977, ISBN 3-453-52062-9. S. 70
  3. Enzyklopädie des Motorrads. Instituto Geografico De Agostini, 1996, ISBN 3-86047-142-2, S. 356
  4. a b Hugo Wilson: Das Lexikon vom Motorrad. Motorbuch Verlag Stuttgart, 2001, ISBN 3-613-01719-9, S. 140
  5. Ner-a-Car mit weiblichem Fahrer
  6. The Art Of The Motorcycle. Guggenheim Museum, Las Vegas, ISBN 0-89207-207-5, S. 146
  7. Helmut Krackowizer: Meilensteine der Motorrad-Geschichte. Motorbuch Verlag Stuttgart, 1. Auflage 1987, ISBN 3-613-01141-7, S. 33
  8. bonhams.com Bonhams: Ner-A-Car (abgerufen am 6. Juli 2013)