NeXTStep

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NeXTStep
Bildschirmfoto
NeXTSTEP Nethack.png
Basisdaten
Entwickler NeXT
Erscheinungsdatum 18. September 1989
Aktuelle Version 3.3
(1995)
Abstammung BSD + Mach
↳ NeXTStep (1.0–3.3)
↳ 
OPENSTEP (4.0+)
Architekturen x86, 68000, SPARC, PA-RISC
Lizenz EULA (Closed Source)

NeXTStep [nɛkstˈstɛp] oder NeXTSTEP bzw. OPENSTEP (in Großbuchstaben, seit Version 4.0), war ein Betriebssystem des Unternehmens NeXT, das Steve Jobs nach seinem Weggang von Apple 1985 gegründet hatte.

Es basiert auf dem Unix-ähnlichen Betriebssystem BSD in Version 4.3 und einem Mach-2.5-Kernel. Verbreitung hatte es vor allem im wissenschaftlichen, aber auch im Bankbereich, wo dank der damals ungewöhnlichen, objektorientierten Entwicklungsumgebung schnell komplexe Applikationen gebaut werden konnten.

NeXT wurde 1996 von Apple aufgekauft und Steve Jobs kehrte im Sommer 1997 zu Apple als CEO zurück. OPENSTEP wurde unter dem Codenamen Rhapsody weiterentwickelt und später als Mac OS X, das mittlerweile nur noch OS X heißt, auf den Markt gebracht.

Konzepte[Bearbeiten]

Bei NeXTStep handelt es sich um ein Microkernel-Betriebssystem, das den Mach-Mikrokernel verwendet. Auf Basis dieses Kernels ist ein gewöhnliches BSD-Unix aufgebaut. Dadurch bietet NeXTStep Funktionen wie präemptives Multitasking, Multithreading und Speicherschutz, jedoch fehlt Multiprozessorunterstützung; diese war im Mach-Kernel zwar vorgesehen, wurde aber nicht aktiviert. Zur Grafikausgabe wird Display PostScript von Adobe verwendet, dies ist die PostScript-Variante für Monitore (statt für Drucker) und ermöglicht echtes WYSIWYG. Zusammen mit Display PostScript kommt ein objektorientiertes Anwendungs-Framework zum Einsatz, das die Programmierung von grafischen Benutzeroberflächen stark vereinfacht. Objective-C wird als Standard-Programmiersprache unter NeXTStep eingesetzt und war mit ein Grund für die OO-Entwickler-Tools, die mit dem Betriebssystem mitgeliefert wurden. Als Dateisystem wird das auch bei den verschiedenen BSD-Unix-Varianten eingesetzte UFS verwendet.

Die Benutzerumgebung ist standardmäßig reichhaltig ausgestattet. Es gibt einen Installer/Deinstaller, das Webster-Wörterbuch, einen leistungsfähigen Texteditor, Softwareschnittstellen für eine Fax-Einbindung, etc.

Die Bedienung der GUI weist verschiedene Besonderheiten auf, welche die Arbeit erleichtern sollen:

  • vertikale Menüs (links oben im Bild) zur Minimierung der Mausbewegungen;
  • Kontextmenüs;
  • Scrollknöpfe sind direkt untereinander angeordnet und auf der linken Seite platziert, wo man sich ohnedies bei europäischen Schriften mehr aufhält;
  • einheitliche Gestaltung aller Anwendungen durch Beschränkung auf eine API, dadurch kurze Einarbeitungszeiten bei neuen Programmen;
  • „Services“ können Manipulationen von markierten Bildschirmelementen durchführen.

NeXTStep/OPENSTEP und OpenStep[Bearbeiten]

Die NeXTStep-Spezifikation wurde gemeinsam mit Sun zu der OpenStep-Spezifikation erweitert, von Sun dann jedoch zugunsten von Java fallengelassen.

1993 verabschiedete sich NeXT vom Hardwaregeschäft, wurde zum reinen Softwarehersteller und entwickelte NeXTStep weiter zu OPENSTEP worin OpenStep implementiert war. „NeXTStep“ und „OPENSTEP“ (ab Version 4.0) bezeichnen dabei das Betriebssystem, während die Spezifikation, auf der auch GNUstep basiert, „OpenStep“ geschrieben wird. NeXTStep 3.1 läuft auf NeXT-Computern mit Motorolas 68030- und 68040-Prozessoren, auf Intel-Hardware, einigen PA-RISC-Workstations[1] von HP (konkret die Workstation HP 9000 712 "Gecko"),[2] auf SPARC[3] und zumindest im Labor auch auf PowerPC. In Version 4.0 entfällt die Unterstützung für PA-RISC und SPARC und die Variante „OPENSTEP Enterprise“ lief als „Aufsatz“ auf Windows NT statt der eigenen Unix-Variante.

NeXTStep/OPENSTEP und OS X[Bearbeiten]

Schließlich wurde das Unternehmen NeXT von Apple übernommen und ein neues Betriebssystem auf Basis von OPENSTEP entwickelt, das zunächst den Codenamen Rhapsody trug. Es besaß das Look and Feel des klassischen Mac OS und wurde nur als Vorschau für Entwickler veröffentlicht. Später bekam es mit Aqua ein neues Aussehen und erschien im März 2001 unter dem Namen Mac OS X, seit 2012 heißt es nur noch OS X.

Versionen[Bearbeiten]

Version Datum Beschreibung / Änderungen
0.9 1988 erste veröffentlichte Version
1.0 1989
2.0 1990
2.1 1991
3.0 Ende 1992
3.1 Mai 1993 Unterstützung für die Architekturen i386, PA-RISC und Sparc
3.3 1995 Populärste (und letzte) Version unter dem Namen NeXTStep
4.0 Juni 1996 Implementierung der OpenStep-API, daher Umbenennung in OPENSTEP bzw. OPENSTEP for Mach (unixoid) und OPENSTEP Enterprise (Portierung der API auf Windows NT, OpenStep für Windows); Unterstützung für PA-RISC und SPARC entfällt;
4.2 Letzte Version für OPENSTEP, durch Apple im September 1997 ausgeliefert und weitere fünf Jahre unterstützt
5.x und folgende Basis für Apples neue Betriebssystem-Generation unter dem Codenamen „Rhapsody“, als „Mac OS X Server“ erstmals vertrieben; Die Optik des klassischen Mac OS wurde übernommen; Unterstützung für die 68k-Workstations von NeXT entfällt; Unterstützung für Power Macintosh von Apple;

Verschiedenes[Bearbeiten]

  • Sowohl der erste Webbrowser (unter dem Namen WorldWideWeb) als auch der erste Webserver, die den Grundstein für die Internetrevolution der folgenden Jahre legten, wurden von Tim Berners-Lee am CERN unter NeXTStep in wenigen Wochen entwickelt.
  • Die populären Computerspiele Wolfenstein 3D und Doom von id Software wurde unter NeXTStep entwickelt und dort für DOS kompiliert. Die Level-Editoren von Doom und Quake waren echte NeXTStep-Anwendungen, geschrieben in der Programmiersprache Objective-C.
  • Die Computer-Animationen für den international erfolgreichen Anime Ghost in the Shell entstanden unter NeXTStep.
  • Der Anime Serial Experiments Lain enthält zahlreiche Hommagen zu NeXTStep.
  • 1989 erwarb IBM für 60 Mio. US$ eine Lizenz von NeXTStep 1.0 für den Vertrieb auf IBM-PCs. Die Zusammenarbeit wurde aber eingestellt, bevor auch nur ein solches Gerät ausgeliefert wurde. Auch Compaq und Dell wollten eine solche Lizenz kaufen.
  • NeXTstep R3 enthielt die 3D-Programmierung RenderMan von Pixar unter dem Namen 3DKit.
  • NeXTStep, OPENSTEP und OS X sind hoch portabel und bereits für mehrere Plattformen portiert worden, so:
    • Motorola 68000 (Ursprungsplattform) und 88100 (geplante Nachfolge-CPU des 68000 in den NeXTstations, nicht vermarktet worden);
    • IBM RT (nicht vermarktet, evtl. nur ein Port der Entwicklungsumgebung);
    • Intel/AMD x86/x64;
    • Sun SPARC;
    • HP PA-RISC;
    • PowerPC (zunächst bei NeXTStep als Nachfolger für Motorola 68000 geplant, dann bei Mac OS X für die Macintoshs umgesetzt);
    • ARM (iOS).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Axel Kossel: Wiederkehr -- Nextstep auf RISC-Workstation. In: c’t-Archiv, 7/1994. heise online. Abgerufen am 15. November 2011.
  2. Blake Patterson: My HP 9000 712/60 “Gecko” Workstation. Byte Cellar. 9. Februar 2005. Abgerufen am 15. November 2011.
  3. Hubert Feyrer: Gestern standen wir noch am Abgrund, heute sind wir schon einen Schritt weiter! (Erfahrungsbericht). Hubert Feyrer. 21. Mai 1995. Abgerufen am 15. November 2011.