Nigel Kennedy

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Nigel Kennedy, Cheltenham Jazz Festival 2009

Nigel Kennedy (* 28. Dezember 1956 in Brighton, England) ist ein britischer Violinist.

Werdegang[Bearbeiten]

Kennedy stammt aus einer Musikerfamilie. Sein Vater ist Cellist, seine Mutter Klavierlehrerin. Kennedy begann im Alter von sechs Jahren das Violinspiel. Nach einem Jahr bekam er das erste Stipendium an der renommierten Yehudi-Menuhin-Schule in London, an der er teilweise von Menuhin persönlich betreut wurde.

Mit 16 Jahren ging er an die Juilliard School of Music; dort erhielt er seine klassische Ausbildung in der Klasse von Dorothy DeLay. Gleichzeitig wurde er von dem Jazzgeiger Stéphane Grappelli in die Jazz-Improvisation eingeführt. 1977 gab Kennedy sein Konzert-Debüt mit dem e-Moll-Violinkonzert von Mendelssohn in der Londoner Royal Festival Hall, begleitet vom Philharmonia Orchestra unter der Leitung von Riccardo Muti.

Ab 1980 trat Kennedy regelmäßig mit den Berliner Philharmonikern auf, bald darauf spielte er mit nahezu allen großen Orchestern und unter allen bedeutenden Dirigenten. Kennedy gab auch regelmäßig Konzerte mit kleineren Ensembles und verschiedenen Kammermusik-Partnern. So wurde 1998 sein Arrangement mit Werken von Jimi Hendrix uraufgeführt und für Sony eingespielt. Außerdem fand im Frühjahr 1998 eine Duo-Tournee und Einspielung mit Werken von Bach bis Kodály mit dem Cellisten Lynn Harrell statt.

Im Jahre 1999 gab er einen denkwürdigen Auftritt in Belgrad; als erster westlicher Künstler nach dem Kosovo-Krieg spielte er dort ein ausverkauftes Konzert mit Werken von Bach und Bartók.

2000 fand eine große Bach-Tournee durch Deutschland mit dem Berliner Philharmonischen Bach Collegium statt. Die Einspielung hielt sich über ein Jahr in den deutschen Klassik Charts.

Seit einigen Jahren hat Nigel Kennedy seinen Wohnsitz abwechselnd in London, Malvern und Krakau. Seine polnische Ehefrau Agnieszka brachte ihn in Kontakt zu Krakauer Künstlern und so entstand mit der Krakauer Klezmerband Kroke zunächst ein Konzertprogramm und 2003 auch ein Album. Im Jahre 2002 wurde er zum Künstlerischen Leiter des Polnischen Kammerorchesters ernannt, eine Position, die einst sein Lehrer und Mentor Yehudi Menuhin innehatte. Mit Menuhin teilt er die Kritik an der Politik des Staates Israel. Seit 2007 weigert er sich in Israel aufzutreten. Während eines Konzerts der BBC mit einem palästinensischen Jugendorchester im Jahr 2013 forderte er, dass palästinensische Musiker von den Folgen der Apartheid befreit werden müssten.[1]

Nigel Kennedy veröffentlichte 2007 eine CD mit zum Teil vergessenen polnischen Violinkonzerten der Spätromantik, etwa von Emil Mlynarski (1870–1935) und Mieczyslaw Karlowicz (1876–1909).[2]

Musikstil[Bearbeiten]

„Wer will, kann mich einen klassischen Geiger nennen; ich selbst verstehe mich als einen Musiker, der einfach Musik spielt – und nicht nur eine Art von Musik“. Nigel Kennedy

Nigel Kennedy gilt als das Enfant terrible der klassischen Musikszene. Zu seinem Repertoire gehören neben Beethoven, Vivaldi und Johann Sebastian Bach auch Peter Gabriel, Jimi Hendrix und The Doors.

Er wurde nicht nur durch sein außergewöhnliches Talent, sondern auch durch sein Auftreten bekannt. Mit provozierender Punkfrisur schuf er sich ein Image, das in den Konzertsälen für Skandale sorgte, seiner Popularität allerdings auch außerhalb des typischen Konzertpublikums förderlich war. So wurde er der Popstar der Klassik der 1980er Jahre.

Nachdem er sein Können bei klassischen Werken unter Beweis gestellt hatte, zog es ihn zu neuen Ufern. Zunächst baute er Jazzstücke als Zugaben in seine Konzerte ein. Nach Konzerten in den Metropolen der Welt war er immer wieder Gast in den bekanntesten Jazzclubs zu nächtlichen Jamsessions.

1997 entstand dann die Band The Kennedy Experience und er widmete sich der Musik von Jimi Hendrix. 1999 erschien eine Crossover-CD.

Kennedy versteht sich selbst als Grenzgänger zwischen verschiedenen Musikstilen. Er setzt sich über die eingefahrenen Rituale des klassischen Konzertbetriebs hinweg und bringt so in seinen Konzerten vom jugendlichen Punk bis zum Rockfan alle zusammen. Mit der Tournee „Classic Meets Jazz“ verband er 2003 die klassische Musik Johann Sebastian Bachs mit den Jazz-Werken von Miles Davis.

Besondere Erfolge[Bearbeiten]

Die im Jahre 1989 veröffentlichte Einspielung von Vivaldis Vier Jahreszeiten ist das meistverkaufte Klassikalbum aller Zeiten. Nach über einem Jahr auf Platz eins der britischen Klassikcharts und mehr als drei Millionen verkauften Exemplaren bekam sie einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde.

Auch das Album „Kennedy plays Bach“ von 2000 war ein großer Erfolg. Über ein Jahr war es in den deutschen Klassikcharts zu finden, das Abschlusskonzert der folgenden Tournee wurde live im Internet übertragen. Nigel Kennedy war der erste Klassik-Künstler, der 2002 zu seinem 25-jährigen Konzertjubiläum ein „Greatest Hits“-Album veröffentlichte. Alle Konzerte dieser Tournee waren ausverkauft.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1990: Rose von MontreuxProduzentenpreis
  • 1991: Bambi
  • 1993: ECHO Pop: Klassik (international)
  • 2000: ECHO Klassik: Instrumentalist des Jahres für sein Album „Classic Kennedy“
  • 2001: Classical BRIT Award – Male Artist of the Year
  • 2001: ECHO Klassik: Instrumentalist des Jahres
  • 2002: ECHO Klassik: Sonderpreis Ambassador of Music
  • 2003: Baloise Session Award - Lifetime Achievement Award
  • 2008: ECHO Klassik: Instrumentalist des Jahres für sein Album „Polish Spirit“

Diskografie[Bearbeiten]

Instrumente[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Nigel Kennedy: Always Playing. New York: St. Martin's Press, 1992, ISBN 0-312-07234-1 (Autobiographie)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. M. Dysch, BBC to cut Kennedy slur from Proms broadcast (Jewish Chronicle 16. August 2013)
  2. „Geigen-Punk goes East“ (Spiegel online am 14. November 2007)