Nikolaus von Preradovich

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Nikolaus Johannes Hermann Maria von Preradovich (* 28. September 1917 in Baosic bei Cattaro, Dalmatien;[1][2]19. Juni 2004[3] in Hannover[4]) war ein österreichischer Historiker, Autor und Publizist.

Neben seinen historiographischen Arbeiten, insbesondere zur jüngeren deutschen und österreichischen Geschichte, schrieb Preradovich regelmäßig für rechtsextreme Publikationen in Deutschland und Österreich, so für die Deutschen Monatshefte, Nation Europa, Deutschland in Geschichte und Gegenwart, Die Aula, Neue Ordnung sowie Die Kameradschaft[3] und war jahrelanger Mitarbeiter der National-Zeitung.[5] Darüber hinaus schrieb er Artikel für die Neue Deutsche Biographie[6] und war ständiger Mitarbeiter des Genealogischen Handbuchs des Adels.[7]

Leben[Bearbeiten]

Preradovich wurde 1917 als Sohn des Linienschiffsleutnants Ivo von Preradovich (1890-1944) und dessen Frau Hertha Luise Zora (geborene Gräfin Lanjus von Wellenburg, * 19. Juli 1893) [4][8] in Baosic bei Cattaro geboren, dies war ein k.u.k. Kriegshafen. Nach dem Besuch der Schule in Graz und zeitweise in Seckau maturierte er 1940 in Graz. Anschließend diente er in der erst Mitte 1941 von kroatischen Faschisten aufgestellten kroatischen Armee und in der deutsch-kroatischen Legion. 1945 nahm er an der Universität Graz ein Studium auf und belegte die Fächer „Österreichische Geschichte“ und „Allgemeine Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit“.[1] Von 1946 bis 1948 war er verheiratet mit Johanna geb. Freiin von Doblhoff.[4] Am 26. Jänner 1949 legte er seine Dissertation Die Stellungnahme Italiens zur Annexion Bosniens und der Hercegovina 1908/09 vor (Doktorvater war Hermann Wiesflecker); nach der Ablegung der Rigorosen am 24. März 1949 wurde er zum Doktor der Philosophie promoviert.[1]

1952/53 arbeitete Preradovich als Stipendiat bzw. Assistent an dem von Johann Wilhelm Mannhardt geleiteten Institut zum Studium der Vertriebenenfrage in Marburg (Lahn). Von 1953 bis 1955 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für europäische Geschichte in Mainz. 1956 habilitierte er sich an der Universität Graz und war ebenda von 1956 bis 1966 als Dozent für allgemeine, neuere Geschichte tätig.[1][2]

Ab 1966 war Preradovich stellvertretender Leiter des Instituts zur Erforschung historischer Führungsschichten in Bensheim an der Bergstraße.[2] Zu diesem Zweck ließ er sich mehrmals von der Fakultät beurlauben und hielt auch keine Vorlesungen mehr. 1971 erlosch schließlich seine Venia.[1] Von 1966 bis 1968 war Preradovich verheiratet mit Gisela geb. von Böhm-Bezing. 1971 heiratete er die Krankenschwester Christa geb. von Wedel-Kannenberg.[4]

Von 1972 bis 1974 war Preradovich Chef der Geschichtsredaktion des Schroedel Schulbuch-Verlages.[5]

1992 gehörte Preradovich mit Gustav Sichelschmidt und Fritz Hippler und anderen zum Redaktionskollegium der rechtsextremen Zeitschrift Nation. Das politische Magazin für Deutschland.[9]

In der Aula 3/94 schrieb Preradovich im Artikel „‚Zigeuner‘ oder ‚Roma und Sinti‘?“:

„Nachdem sich die Zigeuner zwischen 1417 und 1883 nicht verändert haben, ist es kaum anzunehmen, daß in den letzten 110 Jahren ein wesentlicher Wandel eingetreten sein könnte.“[10]

Da nach dem Bombenattentat auf Roma in Oberwart am 5. Februar 1995 der/die Täter im Umkreis der Leser der Aula vermutet wurden, führten Preradovichs „Zigeuner“-Artikel in der Aula dazu, dass am 19. Juni 1995 MdB Ulla Jelpke und die Gruppe der PDS in einer Kleinen Anfrage die deutsche Bundesregierung fragten, welche „verfassungsschutzrelevanten Kenntnisse“ sie über Preradovich habe.[11]

Preradovich gehörte zu den Unterzeichnern des 1996 veröffentlichten „Appell der 100“, einer Stellungnahme, die sich gegen Gesetze gegen Holocaustleugnung aussprach (siehe Helmut Schröcke).[5]

1999 wurde Preradovich mit der „Ulrich-von-Hutten-Medaille“ der rechtsextremen „Gesellschaft für freie Publizistik“ ausgezeichnet.[5]

Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes berichtete über das Ulrichsbergtreffen 2000, dort sei ein Flugblatt verteilt worden, auf dem folgendes Bekenntnis Preradovichs zu lesen gewesen sei:

„Ich bewundere Adolf Hitler von Tag zu Tag mehr. Der Mann hat zwölf Jahre regiert. Er hat mehr als fünf Jahre Krieg geführt, davon drei Jahre äußerst erfolgreich! Und das mit einem Volke, welches zu einem Drittel emigriert war, zu einem Drittel im Konzentrationslager saß und zu einem Drittel wütenden Widerstand leistete. Das soll dem Mann einmal erst einer nachmachen.“[12]

Dem Historiker Niels Weise zufolge „vertuschte“ Preradovich die Funktionen Theodor Eickes als KZ-Kommandant und Inspekteur der Konzentrationslager mit „dem Euphemismus, dieser sei in »führender Stellung in der SS« tätig gewesen“. An anderer Stelle führe er „perfider weise die Dachauer Lagerordnung als Beleg an, dass im KZ eine klare Ordnung geherrscht habe.“[13]

Schriften[Bearbeiten]

Autor
  • Österreicher als Oberste des deutschen Heeres und der deutschen Luftwaffe In: Feldgrau. Mitteilungen einer Arbeitsgemeinschaft Nr.6 (Main, Graz 1955) 129-137.
  • Die Führungsschichten in Preußen und Österreich 1804–1918 mit einem Ausblick bis zum Jahre 1945 (= Veröffentlichungen des Instituts für europäische Geschichte Mainz ; Bd. 11). Steiner, Wiesbaden 1955. 2. Aufl. 1966.
  • Der nationale Gedanke in Österreich 1866–1938 (= Historisch-politische Hefte der Ranke-Gesellschaft ; H. 8). Musterschmidt, Göttingen 1962. 2. Aufl. 1965.
  • Des Kaisers Grenzer. 300 Jahre Türkenabwehr. Molden, Wien u.a. 1970.
  • Die Wilhelmstraße und der Anschluss Österreichs. 1918–1933 (= Reihe 3, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften ; Bd. 3). Lang, Bern und Frankfurt 1971.
  • Die militärische und soziale Herkunft der Generalität des deutschen Heeres, 1. Mai 1944 (= Studien zur Militärgeschichte, Militärwissenschaft und Konfliktsforschung ; Bd. 14). Biblio-Verlag, Osnabrück 1978. ISBN 3-7648-1061-0.
  • Das seltsam wilde Leben des Pandurenoberst Franz von der Trenck. Stocker, Graz und Stuttgart 1980. ISBN 3-7020-0361-4.
  • Die Einkreisung. Ursachen und Anlass des Ersten Weltkrieges. Druffel, Leoni am Starnberger See, 1984. ISBN 3-8061-1031-0 (formal falsche ISBN).
  • Die Generale der Waffen-SS. Vowinckel, Berg am See 1985. ISBN 3-921655-41-2.
  • mit Josef Stingl: „Gott segne den Führer!“ Die Kirchen im 3. Reich - eine Dokumentation von Bekenntnissen und Selbstzeugnissen. Druffel, Leoni am Starnberger See 1985. ISBN 3-8061-1040-9.
  • Großdeutschland 1938. Traum - Wirklichkeit - Tragödie. Druffel, Leoni am Starnberger See 1987. ISBN 3-8061-1051-4.
  • Österreichs höhere SS-Führer. Vowinckel, Berg am See 1987. ISBN 3-921655-55-2.
  • Ich hab’s gewagt mit Sinnen. Ulrich von Hutten und seine Zeit (= Eckartschriften ; H. 106). Österreichische Landsmannschaft, Wien 1988.
  • Adolf Hitler. Das Urteil der Zeitgenossen. Türmer-Verlag, Berg am See 1988.
  • „Reichskristallnacht“, 9. November 1938. Hintermänner und Hintergründe. Türmer-Verlag, 1988.
  • Die sieben Todsünden Adolf Hitlers. Eine kritische Untersuchung (= Türmer-Taschenbuch ; No. 14). Türmer-Verlag, Berg 1989. ISBN 3-87829-125-2 (formal falsche ISBN).
  • Waldemar Schütz (Hrsg.): Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert geprägt durch Ersten Weltkrieg, Nationalsozialismus, Zweiten Weltkrieg. Chronologie. DVG, Deutsche Verlags-Gesellschaft, Rosenheim 1990. ISBN 3-920722-00-0.
  • Königsberg. Eine deutsche Stadt im Wandel der Zeiten. VGB, Berg/Starnberger See 1993. ISBN 3-86118-30-8 (formal falsche ISBN).
  • Die Tschechoslowakei 1918 - 1992. Der Staat, den nur die Tschechen wollten. Eine historisch-politische Studie. Verlagsgesellschaft Berg, Berg am See 1993. ISBN 3-86118-023-5.
  • Kultur und Zeitgeschichte, Archiv der Zeit e.V., Rosenheim (Hg.): Anschluß 1938. Österreich und Sudetenland. Buchdienst DVG, Preußisch Oldendorf 1994. ISBN 3-920722-20-5.
  • Kultur und Zeitgeschichte, Archiv der Zeit e.V., Rosenheim (Hg.): 30. Juni 1934. Röhm-Putsch. Buchdienst DVG, Preußisch Oldendorf 1994. ISBN 3-920722-19-1.
  • Der 20. Juli 1944. Ziele - Personen - Irrtümer. Eine kritische Studie. Druffel, Berg am Starnberger See 1994. ISBN 3-8061-1094-8.
  • Danzig. Weg und Schicksal einer deutschen Stadt. VGB, Inning am Ammersee 1995. ISBN 3-86118-047-2.
  • K.u.k. Anekdoten. Tosa, Wien 1996. Lizenz der Herbig.-Verlags-Buchhandlung, München. ISBN 3-85001-580-7.
  • Die Schutzstaffel der NSDAP. Eine Dokumentation. Druffel und Vowinckel, Stegen/Ammersee 2004. ISBN 3-8061-1138-3.
Herausgeber
  • Deutschland und Polen 1919–1939 (= Türmer-Taschenbuch ; No. 15). 2. Auflage. Türmer-Verlag, Berg am See 1990. ISBN 3-87829-132-9.

Nachlass[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Walter Höflechner: Das Historische Seminar der Karl-Franzens-Universität Graz (2007).
  2. a b c Hans-Joachim Schoeps (Hg.): Zeitgeist der Weimarer Republik (= Zeitgeist im Wandel, Band 2). Klett, Stuttgart 1968, S. 277.
  3. a b monitor. rundbrief des apabiz e.v. nr. 17, September 2004, S. 5.
  4. a b c d Fritz Fellner und Doris A. Corradini: Österreichische Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert. Ein biographisch-bibliographisches Lexikon. Böhlau, Wien u.a. 2006, S. 327.
  5. a b c d http://www.publikative.org/2008/10/24/pogrom-vom-9-november-1938-weiswascher-am-werk/
  6. Autorensuche nach Nikolaus von Preradovich bei der Deutschen Biographie
  7. vgl. Genealogisches Handbuch des Adels. Freiherrliche Häuser B, Band II. C. A. Starke Verlag, Glücksburg 1957, S. VI. (dort geführt als „Univ.-Dozent. Dr. phil. Nicolaus (!) von Preradovich“)
  8. Eintrag Ivo von Preradovich bei geneall.net
  9. Eintrag DAMBÖCK, Dr. Michael unter Rechtsextreme Funktionäre, Aktivisten und Ideologen beim Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes
  10. Zitiert bei Reinhold Gärtner: Die ordentlichen Rechten: die „Aula“, die Freiheitlichen und der Rechtsextremismus. Picus-Verlag, Wien 1996, S. 106.
  11. Deutscher Bundestag: Drucksache 13/1817 vom 23. Juni 1995 (PDF; ASCII). Die Bundesregierung beantwortete die entsprechende Frage lediglich mit dem Hinweis darauf, dass sie „personenbezogene Daten und wertende Stellungnahmen zur politischen Tätigkeit von Einzelpersonen im Bereich des Extremismus nur unter den Voraussetzungen des § 16 Abs. 2 des Bundesverfassungsschutzgesetzes (BVerfSchG)“ veröffentliche. Diese Voraussetzungen seien „bei Vereinigungen nur dann erfüllt, wenn ihre Tätigkeit unmittelbar oder mittels Unterstützung für deutsche Staatsangehörige oder Vereinigungen gegen die in § 1 Abs. 1 BVerfSchG aufgeführten Schutzgüter gerichtet ist.“ Siehe Deutscher Bundestag: Drucksache 13/2019 vom 18. Juli 1995 (PDF; ASCII).
  12. Ulrichsbergtreffen. Neues von ganz rechts - Oktober 2000
  13. Niels Weise: Eicke. Eine SS-Karriere zwischen Nervenklinik, KZ-System und Waffen-SS. Schöningh, Paderborn 2013, ISBN 978-3-506-77705-8, S. 19f unter Verweis auf: Die Generale der Waffen-SS (1985), General der Waffen-SS, Theodor Eicke, gefallen am 26.02.1943. In: Deutsches Soldatenjahrbuch (1993), S. 9 und Die Schutzstaffel der NSDAP, eine Dokumentation. (2004).

Weblinks[Bearbeiten]