Horn (Niederösterreich)

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Horn
Wappen von Horn
Horn (Niederösterreich) (Österreich)
Horn (Niederösterreich)
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Horn
Kfz-Kennzeichen: HO
Fläche: 39,27 km²
Koordinaten: 48° 40′ N, 15° 39′ O48.66388888888915.657222222222311Koordinaten: 48° 39′ 50″ N, 15° 39′ 26″ O
Höhe: 311 m ü. A.
Einwohner: 6.450 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 164 Einw. pro km²
Postleitzahl: 3580
Vorwahl: 0 29 82
Gemeindekennziffer: 3 11 09
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 4
3580 Horn
Website: www.horn.gv.at
Politik
Bürgermeister: Jürgen Maier (ÖVP)
Gemeinderat: (2010)
(29 Mitglieder)
ÖVP 19, SPÖ 7, FPÖ 2, GRÜNE 1
Lage der Stadt Horn im Bezirk Horn
Altenburg Brunn an der Wild Burgschleinitz-Kühnring Drosendorf-Zissersdorf Eggenburg Gars am Kamp Geras Horn Irnfritz-Messern Japons Langau Meiseldorf Pernegg Röhrenbach Röschitz Rosenburg-Mold Sigmundsherberg St. Bernhard-Frauenhofen Straning-Grafenberg Weitersfeld NiederösterreichLage der Gemeinde Horn (Niederösterreich) im Bezirk Horn (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Das denkmalgeschützte Rathaus von Horn
Das denkmalgeschützte Rathaus von Horn
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Horn ist eine Bezirkshauptstadt im gleichnamigen Bezirk Horn im östlichen Waldviertel in Niederösterreich mit 6450 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014).

Geografie[Bearbeiten]

Horn liegt im östlichen Randbereich des Waldviertels im klimatisch begünstigten Horner Becken. Die Stadt wird von der Taffa durchflossen, in welche im Ortsgebiet der Mödringerbach von Norden her einmündet.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Pernegg Sigmundsherberg
Sankt Bernhard-Frauenhofen Nachbargemeinden Meiseldorf
Altenburg Rosenburg-Mold

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

f1Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM, Google oder Bing

Postleitzahlen[Bearbeiten]

In Horn finden zwei Postleitzahlen Verwendung. Horn, Breiteneich und Mödring haben die Postleitzahl 3580, Doberndorf die Postleitzahl 3751.

Geschichte[Bearbeiten]

Urzeit – Altertum[Bearbeiten]

Die ältesten gesicherten Nachweise für menschliche Anwesenheit stammen aus der Eiszeit und gehören zeitlich und kulturell in das Aurignacien. Vor rund 30.000 Jahren lagerten Menschen am linken Taffatalabbruch im heutigen Westteil der Stadt. Überkommen sind eine Feuerstelle, Knochenbruchstücke eiszeitlicher Jagdtiere (Mammut, Rentier, Wildpferd) sowie zahlreiche Artefakte (Werkzeuge) aus Stein. Vor rund 12.000 Jahren lebten auf einer Anhöhe (Flur Galgenberg) östlich der Stadt Menschen der ausgehenden Altsteinzeit. An kulturellen Überresten sind kleingerätige Steinartefakte nachgewiesen. Die ältesten bisher bekannt gewordenen bäuerlichen Siedlungen aus der Zeit um 5000 vor Chr. konnten in den Fluren „Spitzteich“ und „Molder Feld“ lokalisiert werden. Typisch verzierte Gefäßreste der Notenkopfkeramik und Grünsteinartefakte (Schuhleistenkeile und Lochbeile) wurden gefunden. Eine Siedlung der frühen Lengyel-Kultur bestand um 4500 vor Chr. auf dem Stephansberg, wie rot und gelb bemalte und ritzverzierte Gefäßreste, Löffelfragmente, ein Flachbeil und ein halbes Lochbeil erkennen lassen. Eine bedeutende Siedlung der späten Lengyelkultur existierte in der Flur „Auf der Haid“. Diese Siedlungsfläche war auch in der folgenden Jordansmühlkultur belegt.

Kupferzeitliche Zeugnisse sind nur in ganz wenigen Belegen aufzuzählen. Hierher gehören von der Flur „Spitzteich“ eine verzierte Scherbe der Laibach-Vucedol-Kultur und ein Bruchstück eines Glockenbechers mit typischer Stempelverzierung.

Über die Bronzezeit des Horner Bodens ab etwa 2200 vor Chr. Geburt ist bisher noch relativ wenig bekannt. Umfangreiche Siedlungsreste der mittleren Bronzezeit wurden in der Flur „Spitzteich“ aufgefunden. Die späte Bronzezeit, die Zeit ab etwa 1250 v. Chr. ist durch ein Gräberfeld und eine Siedlung vertreten. Vierzig Brandgräber mit ärmlichem Inventar und wenige Bronzeobjekte erlauben eine Datierung in die Stufe Hallstatt A. Die späte Urnenfelderkultur (Hallstatt B) ist durch eine Siedlung belegt (Keramikreste, Spinnwirtel, Webgewichte, Bronzesichel).

Aus dem Bereich der Flur „Spitzteich“ bzw. der ehemaligen Ziegelei stammen zahlreiche Siedlungsgruben einer früheisenzeitlichen Siedlung aus der Zeit ab 750 v. Chr. Geburt. Die eher ärmlichen Funde lassen an eine kontinuierliche Weiterentwicklung aus der späten Bronzezeit denken. Eine bronzene Tierfibel und Keramikreste mit Kerbschnittverzierung süddeutscher Art lassen an weitreichende Kontakte (Salzhandel) denken. Ein späteisenzeitliches Gräberfeld (Gräbergruppe?) aus der mittleren bis späten Latènezeit wurde im „Unteren Breiteneicherfeld“ festgestellt. Ein Kriegergrab enthielt die typische Ausrüstung dieser Zeit (Schwert, Lanze, Schild). Eine kleine Siedlung ist durch Kammstrichware und Eisenverhüttungsreste für die Flur „Spitzteich“ belegt.

Aus der nachchristlichen Zeit sind eine Augenfibel vom Galgenberg (Streufund aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert) und germanische Siedlungsreste des zweiten bis dritten Jahrhunderts von den Fluren „Spitzteich“ und „Molder Feld“ anzuführen. Für diese Zeit ist in der Flur „Spitzteich“ eine Eisenverhüttungsanlage – wohl in Nachfolge der keltischen Tätigkeit – nachgewiesen. Diese markomannische Siedlungsphase ist die bisher letzte eindeutig nachgewiesene im Horner Raum vor der deutschen Landnahme.

In das fünfte nachchristliche Jahrhundert datieren Körperbestattungen mit Schmuck- und Keramikbeigaben (eine silbertauschierte Gürtelschnalle und gemeingermanische suebische Keramikformen). In die Mitte des 6. Jahrhunderts datieren einige stempelverzierte langobardische Gefäßreste (Flur Galgenberg).

In die Zeit des neunten bis zehnten Jahrhunderts gehören einige wellenbandverzierte Gefäßreste von der Flur „Spitzteich“, die eine deutschslawische Anwesenheit andeuten.

Mittelalter – Neuzeit[Bearbeiten]

In die Mitte des 11. Jahrhunderts fällt die älteste bekannte urkundliche Nennung des Ortsnamens Horn („Hornarun“). Diese Nennung bezieht sich auf die Kirchensiedlung, die im frühen 11. Jahrhundert im Nahbereich der Wehrkirche St. Stephan entstand. Keramische Funde deuten diese Siedlung an. Um 1150/60 wurde von den Nachfolgern des Grafen Kerold auf der gegenüberliegenden Taffaseite eine Burgstadt mit Dreieckplatz angelegt.

1282 wurde die Siedlung erstmals als Stadt bezeichnet. Vor allem im Spätmittelalter spielte Horn eine bedeutende regionale Rolle. Die Stadt war ein wichtiges Handelszentrum mit einer Maut- und Zollstätte und außerdem Sitz eines Hochgerichtes. Die historische Stadtmauer mit Wehrtürmen ist bis jetzt größtenteils erhalten geblieben.

Im späten 16. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem Zentrum der Reformation. Der Horner Bund – begründet im Jahre 1608 – war ein Zusammenschluss der sich absondernden protestantischen Adeligen gegen den katholischen Landesfürsten Matthias. Dem für Horn bedeutendsten Vertreter der Gegenreformation, Graf Ferdinand Kurz, verdankt die Stadt die Berufung des Piaristenordens (1656), die Gründung eines Gymnasiums Schola Hornana (1657) und einer Gewerbesiedlung von dreißig Häusern der Tuchmacher und Färber (1650). Auf Graf Kurz folgte 1659 dessen Schwiegersohn Graf von Sprinzenstein und ab 1679 die diesen verwandten Grafen Hoyos, ab 1822 Grafen Hoyos-Sprinzenstein, unter deren Ägide sich die Industrialisierung der Stadt vollzog.

Im Jahre 1732 wurde eine große Bierbrauerei errichtet, die ab etwa 1750 das weit über die Stadtgrenzen hinaus, vor allem in Wien berühmte Horner Weißbier, später auch Grünbier erzeugte.

Seit dem Jahr 1850 ist in Horn der Sitz der Bezirkshauptmannschaft. Mit der Eröffnung der Kamptalbahn erhielt Horn 1889 einen Anschluss an das Eisenbahnnetz. Im 20. Jahrhundert wurde die Stadt durch zahlreiche hier angesiedelte Schulen zur Schulstadt. Dazu kommt die Bedeutung als Garnisonsort und Sitz eines Bezirksgerichtes, wodurch in Summe sich Horn zu einem Hauptort des Waldviertels entwickelte.

Als schwärzestes Kapitel der Stadtgeschichte gilt die nationalsozialistische Zeit. Die Beteiligung an Verbrechen wie der Judenvertreibung ist nachgewiesen. In Horn hat man ab 1938 auch nach außen hin eindeutig Stellung bezogen, beispielsweise durch Bezeichnungen wie Adolf-Hitler-Platz (heutiger Hauptplatz und vormals Dollfuß-Platz) und Hermann-Göring-Straße (heutige Florianigasse zwischen Haupt- und Rathausplatz). Es wurde sogar ein Adolf-Hitler-Brunnen im Hof des Höbarthmuseums aufgestellt, der in veränderter Form heute noch im Hof des neuen Museums existiert. Besonders stolz war man in dieser Zeit auf die älteste Hakenkreuzdarstellung des Deutschen Reiches (es handelt sich dabei um ein Objekt aus der Steinzeit von Mold bei Horn), die in pompöser Aufmachung durch Kreisleiter Hans Heinz Dum und Parteimitglied Josef Höbarth museal ausgestellt wurde. Die Israelitische Kultusgemeinde Horn, 1873 gegründet, wurde im September 1938 innerhalb von 24 Stunden aufgelöst und sämtliche Juden des Bezirks Horn wurden nach Wien zwangsumgesiedelt.[1]

Garnisonsstadt Horn: Radetzky-Kaserne[Bearbeiten]

Horn bemühte sich 1936 um den Bau einer Kaserne, um Garnisonsstandort zu werden. Bereits im Oktober 1937 verlegte das neuaufgestellte IV. Bataillon des „Niederösterreichischen Infanterieregiment Nr. 6 Hesser“ von Krems in die rasch erbauten Kasernengebäude. Der Beginn waren zwei Mannschaftsgebäude, ein Remisen-, ein Kommando-, ein Offizierskasino- und ein Stallgebäude. In die neue Horner Albrechtskaserne sollte ein Infanterieregiment einziehen, was aber aufgrund des Anschlusses an das Deutsche Reich zunichtegemacht wurde. Stattdessen wurde die Garnison Horn dem 44. Infanterieregiment der deutschen Wehrmacht überstellt. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges bestand die Besatzung der Kaserne überwiegend aus Verwundeten zweier Lazarette. Mit dem Kriegsende übernahm die sowjetische Rote Armee das Kasernenareal und verwendete es auch als Kriegsgefangenenlager. 1946 wurden die grob beschädigten Bauten von der Gendarmerieschule Niederösterreichs und des Gendarmeriekommandos übernommen. Mit der Wiedererlangung der Freiheit gemäß dem Staatsvertrag vom 15. Mai 1955 wurde 1956 ein Landwehrregiment des neu entstandenen Österreichischen Bundesheeres aus Spittal an der Drau nach Horn verlegt. Damit begannen auch umfangreiche Erneuerungs- und Ausbauarbeiten. Die Kaserne, die 1967 in Radetzky-Kaserne umbenannt worden war, wurde bis 1973 um ein Wirtschaftsgebäude und bis 1981 um ein Mannschaftsgebäude in Kreuzbauform sowie um Sportanlagen erweitert.[2] Derzeit beherbergt die Garnison Horn nur das 4. Panzergrenadierbrigade (Linz-Ebelsberg) und eine Panzeraufklärungskompanie der 3. Panzergrenadierbrigade (Mautern).

Aufgrund der Heeresreform 2010 wurde jedoch das Bataillon am 1. Juli 2008 aufgelöst und zuvor am 20. Juni im Rahmen eines feierlichen Festakts am Stadtplatz verabschiedet.[3] An dessen Stelle treten zwei Aufklärungskompanien des in Allentsteig beheimateten Aufklärungs- und Artilleriebataillon 4 und eine Kaderpräsenzeinheit. Die erst 2002 errichtete Kettenfahrzeug-Werkstätte wird ebenfalls in Betrieb bleiben, während die Kaserne Hauptquartier einer zentralen Betriebsversorgungsstelle für die Kasernen im Wald- und Weinviertel wird.[4] Im Zuge dieser Transformation wurden bereits mit 1. Januar 2007 die zwei in der Kuenringer-Kaserne Weitra stationierten Grenadierkompanien an die 3. Panzergrenadierbrigade abgegeben.

Im Moment beheimatet die Radetzky-Kaserne in Horn die 1. AufklKp (1. Aufklärungskompanie) und eine GdKp (Gardekompanie), die sich aber immer nur für die Dauer der Grundausbildung, also ca. 9 Wochen, in Horn aufhalten.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Politik[Bearbeiten]

19
7
2
1
19 
Von 29 Sitzen entfallen auf:

Im Stadtgemeinderat gibt es insgesamt 29 Sitze. Seit der Gemeinderatswahl am 14. März 2010 gilt folgende Mandatsverteilung:

Bürgermeister der Stadtgemeinde ist Jürgen Maier (ÖVP).

Wappen[Bearbeiten]

AUT Horn COA.jpg

Blasonierung:

Gespalten von weiß und blau, ein goldenes Hifthorn mit blau-weißer Fessel mit zwei herabhängenden blau-weißen Quasten an dessen Enden.


Das Wappen redet.

Regionalpolitik[Bearbeiten]

Die Stadtgemeinde Horn ist Mitglied der Kleinregion Kamp-Taffatal.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Horn ist zentraler Ort des östlichen Waldviertels und angrenzender Regionen des Weinviertels. Der Ort ist ein regionales Schul- und medizinisches Zentrum und Einkaufsort. Er ist auch ein wichtiges Einpendelzentrum. Wirtschaftlich dominieren der Dienstleistungssektor (rund 64 % der Arbeitnehmer, persönliche, soziale und öffentliche Dienste, darunter das Krankenhaus mit 600 Beschäftigten) und Bauwesen. In den letzten Jahren wird der Fremdenverkehr forciert (Kulturpark Kamptal).

Ämter und Behörden[Bearbeiten]

Unternehmen[Bearbeiten]

Das im Westen der Stadt angesiedelte Einkaufszentrum Horn erstreckt sich auch auf das Gebiet der Gemeinde Sankt Bernhard-Frauenhofen und weist eine Verkaufsfläche von ca. 32 000 m² auf. Das Einzugsgebiet erstreckt sich auf die Bezirke Horn und Waidhofen an der Thaya sowie standortnähere Teile der Bezirke Zwettl, Krems-Land und Hollabrunn.

Wichtiges Unternehmen ist die Niederlassung der Baufirma Leyerer + Graf, Gmünd weitere bedeutendere Branchen sind eine Großdruckerei, Entwicklung und Herstellung elektronischer Messgeräte (Laserpistolen, Raumfahrttechnik) und Textilindustrie.

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten, darunter eine Bogen- und Rollenoffset-Druckerei, gab es im Jahr 2001 449, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 87. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 2850. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 46,46 Prozent. Horn hat auch eine Schweineversteigerungshalle.

Verkehr[Bearbeiten]

Horn liegt an der Horner Straße (B4) und an der Kamptalstraße (B34). Die Stadt ist Ausgangs- und Zielpunkt zahlreicher regionaler Buslinien des Linienbusunternehmens PostBus. Die Linie E (St. Pölten-Waidhofen an der Thaya) des Wieselbuses fährt mehrmals täglich Haltestellen im Stadtgebiet an. Die Gemeinde liegt an der Kamptalbahn. Die ÖBB betreiben den Bahnhof Horn NÖ und die Bedarfshaltestelle Breiteneich.

Gesundheitswesen[Bearbeiten]

Bildung und Forschung[Bearbeiten]

  • Krankenpflegeschule Horn
  • Canisiusheim (Seminar für Priesterspätberufene)
  • Zivilschutzschule (Niederösterreichischer Zivilschutzverband)
  • 2 Bundeskonvikte (Knaben, Mädchen)
  • NÖ Landeskindergarten Kurz-Gasse
  • NÖ Landeskindergarten Scholz-Straße
  • NÖ Landeskindergarten Mödringer Straße
  • Kindergruppe Regenbogen Horn
  • Musikschule Horn
  • Volkshochschule der Stadt Horn

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke und Denkmale[Bearbeiten]

Pfarrkirche zum Hl. Georg.
  • Kirche St. Stephan: Das älteste in die Gründungszeit des Ortes zurückreichende Bauwerk wurde erstmals um 1050 urkundlich erwähnt. Die ursprüngliche Pfarrkirche hat einen romanischen, einen gotischen Chor (im 18. Jahrhundert barockisiert) und beachtenswerte Kreuzweggruppen von 1708 an der Außenseite des Chores.
  • Pfarrkirche St. Georg: Einschiffiger Renaissancebau mit gotischen Nachklängen, erbaut 1593–1598 als repräsentative evangelische Kirche anstelle eines seit 1367 urkundlichen bezeugten Vorgängerhauses. Der 1880 errichtete Turmhelm wurde dem Turmhelm der Prager Teynkirche nachempfunden.
  • Piaristenkirche, Piaristenkloster und Piaristenbibliothek: Ehemalige Niederlassung der Piaristen. Die dem Hl. Antonius geweihte Barockkirche wurde von 1658–1662 erbaut. Das mit der Piaristenkirche baulich verbundene Gebäude wurde schon 1590 als Puechheimscher Witwensitz erbaut. 1657 gründeten die Piaristen in diesem Gebäude eine Schule, die sie mit einer kurzen Unterbrechung bis 1872, dem Jahr der Umwandlung in ein Landes-Obergymnasium, betrieben. 1921 erfolgte die Umwandlung in ein Bundesgymnasium, 1961 zog die Schule von diesem Standort in das neu errichtete Gebäude in der Puechhaimgasse. Heute wird dieses ehemalige Schulgebäude als „Kunsthaus“ geführt, im Sommer wird der Arkadenhof von Allegro Vivo, Szene Bunte Wähne, der Horner Kunst- und Kultur GmbH und anderen Organisationen für Konzerte und Theateraufführungen genutzt.
    Arkadenhof im heutigen Kunsthaus Horn
  • Ehemaliges Bürgerspital: Gestiftet um 1395. Der umfangreiche mehrmals umgebaute Gebäudekomplex beinhaltet auch eine kleine Kapelle aus dem 15. Jahrhundert. Seit 1973 sind hier die Museen der Stadt Horn untergebracht:
  • Höbarthmuseum: In dem nach Josef Höbarth benannten und 1930 gegründeten Museum ist eine der bedeutendsten urgeschichtlichen Sammlungen Niederösterreichs zu sehen. Weitere Ausstellungensthemen betreffen die Volkskunde und Stadtgeschichte. Weiters ist eine bedeutende Antikensammlung zu sehen. Eine Dokumentation beschäftigt sich mit dem Räuberhauptmann Johann Georg Grasel, der im museumseigenen Graselturm inhaftiert gewesen sein soll. Nach seinem Ableben wurde er als eine Art „Robin Hood“ vermarktet. Touristiker der Gegenwart haben Grasel als Attraktion wieder neu entdeckt. Nach dem Tod des Museumsgründers leitete der Prähistoriker Friedrich Berg von 1954 bis 1965 das Höbarthmuseum und setzte die Ausgrabungstätigkeit Höbarths fort. Einer seiner spektakulärsten Funde war der Mammutstoßzahn von Großweikersdorf, den er 1956 bergen konnte. Unter Museumsdirektor Ingo Prihoda übersiedelte das Höbarthmuseum in den Gebäudekomplex des ehemaligen Bürgerspitals, wo das Museum 1973 neu eröffnet wurde. Große historische Sonderausstellungen prägten die Neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts unter Museumsdirektor Erich Rabl. Die erfolgreichste Ausstellung war 1990 dem Thema „Zwischen Herren und Ackersleuten – Bürgerliches Leben im Waldviertel 1500–1700“ gewidmet, fast 14.000 Besucher sahen die damalige von Gustav Reingrabner wissenschaftlich betreute Ergänzungsausstellung zur Niederösterreichischen Landesausstellung Adel im Wandel auf der Rosenburg. Im Zuge der Vorbereitung der NÖ Landesausstellung 2009 in Horn, Raabs und Telč wurde im Jänner 2008 mit dem Umbau des Höbarthmuseums begonnen; durch einen Zubau im Hof, die Übersiedlung der Waldviertel-Bibliothek in frühere Wohnräume und durch eine Neuaufstellung der Sammlungen soll die Attraktivität des Höbarthmuseums gesteigert werden. Ab Ende August 2008 und im Jahr 2009 wird die historische Sonderausstellung „Adelige Macht und Religionsfreiheit – Der Horner Bund 1608“ trotz Museumsumbau gezeigt. Gustav Reingrabner, seit 1987 für die Horner Museen tätig, hat die wissenschaftliche Leitung übernommen. Seit 2006 liegt die Leitung des Höbarth- und Madermuseums in den Händen von Toni Kurz. Eigentümer der Museen ist die Stadtgemeinde Horn; zur Unterstützung der Museumsaktivitäten besteht ein Museumsverein, dessen Obmann seit 2002 der Horner Apotheker Gilbert Zinsler ist.
  • Madermuseum: Es beruht auf einer Sammlung von rund 700 landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten, die der ehemalige Kreisbauernführer der NSDAP, Landwirt Ernst Mader zusammengetragen und 1975 der Stadt geschenkt hat.
  • Vereinshaus: Begründet von P. Benedikt Frey wurde das Katholische Vereinshaus 1908 feierlich eröffnet. Es wurde als „Ort geselliger Unterhaltungen“ bezeichnet. Ein reges Veranstaltungsprogramm organisierten seit dieser Zeit zahlreiche Horner Vereine aller Sparten. Das Haus wurde seither immer wieder aus- und umgebaut und durch den Zubau eines kleinen Saales ergänzt.
Der Christliche Arbeiterverein, der es bis 1984 führte, konnte den Betrieb in moderner Form nicht mehr weiterführen, viele umfangreiche Reparatur- und Sanierungsarbeiten waren notwendig. Der Gedanke, dass es eigentlich Aufgabe der Gemeinde sein müsste, einen Stadtsaal zu betreiben, setzte sich durch und fand auch im Rathaus Gehör. So wurde im Juni 1985 der Kaufvertrag beschlossen. 1986 billigte der Gemeinderat nach einer Planungsphase den Umbau des Hauses zu einem modernen Veranstaltungszentrum nach Plänen des Wiener Architekten Anton Schweighofer. 1987 wurde mit dem Umbau begonnen, 1989 wurde das neue Vereinshaus feierlich eröffnet.
  • Thurnhof: Das ursprünglich „Turmhof“ bezeichnete Gebäude wurde um 1580 fertiggestellt. Den gut erhaltenen Eckerker ziert – gewidmet von Georg von Schönerer – seit 1881 eine bronzene Gedenktafel an die Aufhebung der Leibeigenschaft durch Kaiser Joseph II. im Jahre 1781. Heute beherbergt der Thurnhof das Rathaus, die Stadtbücherei und die Bude der Katholisch Österreichischen Studentenverbindung Waldmark Horn.
  • Schützenplatz und Stadtpark: Auf diesem Areal befand sich von 1589 bis 1897 der Schießplatz des bis 1977 bestehenden Horner Schützenvereins, der auf eine 400-jährige Tradition verweisen konnte. In dem im Jahr 1900 errichteten Stadtpark befinden sich eine Büste von Friedrich Schiller und ein herrschaftliches steinernes Wappen des Horner Grafengeschlechtes Hoyos-Sprinzenstein.
  • Tuchmachersiedlung: In der heutigen Raabser Straße befinden sich Reste der um 1650 von Graf Ferdinand Sigmund Kurz von Senftenau (1592–1659) erbauten Tuchmachersiedlung, einer der ersten frühindustriellen Arbeitersiedlungen Österreichs. Die Siedlung umfasste 30 Häuser in einer ursprünglich beidseitig der Straße gelegenen Verbauung. Die einstöckigen Häuser mit straßenseitiger Stube und traufseitigem Mittelflur sind heute zum Teil stark verändert, zum Teil wurden sie auch abgebrochen. Bei einigen Häusern jedoch hat sich die ursprüngliche Substanz noch weitgehend erhalten, teilweise sogar noch der barocke Ziergiebel.
  • Altöttinger Kapelle: Für die hauptsächlich aus der Gegend des bayrischen Wallfahrtsortes Altötting stammenden Tuchmacher wurde um 1656 eine der Gnadenkapelle von Altötting nachempfundene Kapelle errichtet, die im 17. und 18. Jahrhundert selbst Wallfahrtsstätte war.
Schloss Horn
  • Schloss Horn und Landgerichtsgebäude: Ein in einem Park gelegener, großräumiger Bau des 18. Jahrhunderts, in dem das Burgschloss der Puchheimer aus dem Jahr 1539 einbezogen ist. Dieser Herrensitz der Puchheimer war das Zentrum des protestantischen Adels in Niederösterreich. Von dieser älteren Anlage zeugen der Zwinger, die Hofarkaden, der quadratische „Diebsturm“, die Renaissance-Rauchfänge und an der Nordseite, dem Sitz des ehemaligen Landgerichts, die zweigeschoßigen Laubengänge. 1608 vereinigten sich hier die protestantischen Stände zum Horner Bund. Nach 1620 während der Rekatholisierung kam die Grundherrschaft bis zum Revolutionsjahr 1848 an die katholischen Grafen von Kurz, 1869 an die Sprinzenstein und danach an die Hoyos-Sprinzenstein.[5]
  • Eine Pestsäule
  • Sgraffitohaus und andere Bürgerhäuser
  • Misson-Denkmal für den Mundartdichter Josef Misson
  • Illner-Denkmal für den österreichischen Flugpionier Karl Illner
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Horn (Niederösterreich)

Regelmäßige und historische Veranstaltungen[Bearbeiten]

Mai–Juni

  • Buchkunst-Biennale[6]
  • Horner Festtage

August–September

September–Oktober

  • Szene Bunte Wähne (Theaterfestival)[8]

Vergangene Großaustellungen:

Vereine[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Töchter und Söhne der Stadt:

Bedeutende in Horn wirkende Menschen:

Literatur[Bearbeiten]

  • Ralph Andraschek-Holzer, Erich Rabl (Hrsg.): Höbarthmuseum und Stadt Horn. Beiträge zu Museum und Stadtgeschichte. Horn 1991.
  • Ralph Andraschek-Holzer: Historischer Führer durch die Stadt Horn. Horn 1992.
  • Thomas Hofmann, Erich Rabl, Wolfgang Stangl (Hrsg.): Horner Mosaike. Bilder und Texte aus dem Bezirk Horn. Weitra 2005.
  • Hermann Maurer: Abriß der Ur- und Frühgeschichte des Waldviertels. Mannus 51, Bonn 1985, S. 276–325.
  • Hermann Maurer: Neue Funde aus alter Zeit. Horner Kalender 125, 1996, S. 59–66.
  • Hermann Maurer: Regesten zur Ur- und Frühgeschichte des Horner Bodens. Horner Kalender 123, 1994, S. 51–59.
  • Erich Rabl (Red.): Eine Stadt und ihre Herren. Puchheim – Kurz – Hoyos. Ausstellung der Stadt Horn im Höbarthmuseum, 9. Mai bis 29. September 1991. Horn 1991.
  • Erich Rabl: Horn Album 1870–1930. Wien 1996.
  • Erich Rabl: Horn Album 1930–1970. Wien 2009, ISBN 978-3-85164-177-6.
  • Erich Rabl, Anton Pontesegger (Hrsg.): Erinnerungen an Horn. Beiträge zur Geschichte der Stadt Horn im 20. Jahrhundert. Horn 2001.
  • Gregor Schweighofer: Poigreich-Führer. Horn und Umgebung. Horn 1955.
  • Friedrich Berg: Aus Horns Vergangenheit. 100 Jahre Sparkasse der Stadt Horn 1862–1962. Horn 1962, S. 9ff.
  • Burgen,Stifte und Schlösser Regionen Waldviertel, Donauraum, Südböhmen, Vysočina, Südmähren ISBN 978-3-9502262-2-5, S. 132 f
  • Ralph Andraschek-Holzer: Horn. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 2, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2003, ISBN 3-7001-3044-9.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eva Zeindl: Die Israelitische Kultusgemeinde Horn, Diplomarbeit, Wien 2008, S. 111-112. (Online abrufbar unter: http://othes.univie.ac.at/2009/)
  2. Beschreibung der Baulichkeiten in C. Fink, R. Riva, A. Haslinger, AEE INTEC: Energieeffiziente Kasernen. Endbericht, Gleisdorf 2005 (pdf, noest.or.at, abgerufen 3. Okt. 2012)
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatPanzergrenadierbataillon 9 wird reformiert. In: BMLV. Abgerufen am 16. Jänner 2009.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKaserne bleibt in Horn. In: NÖN. Abgerufen am 10. September 2007.
  5. Gerhard Stenzel: Von Schloß zu Schloß in Österreich. Mit Luftbildaufnahmen von Lothar Beckel. Verlag Kremayr & Scherau Wien, 1976 Seite 185, Abbildung Seite 184, ISBN 3-218-00288-5
  6. Website der Buchkunst-Biennale
  7. Website des Festivals
  8. Website des Festivals